mini|hochkant|Logo auf Girocards und an Akzeptanzstellen Girocard (Eigenschreibweise girocard) ist ein gemeinsames, nationales Zahlungssystem der deutschen Kreditwirtschaft für Debitzahlungs- und Geldautomatensysteme, aufbauend auf dem Contact-EMV-Standard.
Umgangssprachlich wird die Girocard fälschlich noch wie ihr Vorgänger EC-Karte genannt, was für Electronic-Cash-Karte bzw. für deren Vorgänger, die Eurocheque-Karte, stand. Eine reine Girocard kann im Ausland nur eingeschränkt verwendet werden, weshalb die Karten ein sogenanntes Co-Badging mit Maestro/Debit Mastercard (Mastercard), Visa Debit/V Pay (Visa), JCB oder Discover haben können. Erst dadurch wird eine breite Akzeptanz im Ausland gewährleistet.
Das Girocard-System ist mit bis zu 1,208 Millionen aktiven Terminals das am weitesten verbreitete Kartenzahlungssystem in Deutschland. 2024 wurden darüber 7,9 Milliarden Transaktionen mit einem Gesamtumfang von 307 Milliarden Euro abgewickelt. Im Rahmen des Projekts „Girocard 4.0“ wird seit 2023 die Girocard als Zahlungskarte überarbeitet und von den Banken aufgewertet.
Geschichte
mini|hochkant|Logo der alten „EC-Karten“ mini|Girocard mit Maestro aus dem Volksbank-Verbund Der Name und das Logo Girocard wurde 2007 vom Zentralen Kreditausschuss (ZKA; heute Die Deutsche Kreditwirtschaft) durch Umbenennung der vormaligen EC-Karte eingeführt. Die Deutsche Kreditwirtschaft ist ein Interessenverband der Kreditinstitute in Deutschland, die sich auf die Einführung der Girocard geeinigt hatten. 2008 erfolgte die Vereinheitlichung von Namen und Erscheinungsbild des elektronischen Bezahlsystems mit der Bargeldbeschaffung an Geldautomaten unter dem Namen Girocard, um diesen Markennamen bekannter zu machen.
In den nachfolgenden Jahren war die Girocard dennoch hauptsächlich unter dem alten Namen EC-Karte bekannt, wofür auch teils missverständliche Werbung von Banken verantwortlich war. Erst ab etwa 2016 wurde verstärkt mit dem Namen Girocard geworben.
Im Jahr 2023 wurde die Einführung einer „Girocard 4.0“ öffentlich gemacht. Als Überarbeitung der bisherigen Girocard soll sie neue Funktionen beinhalten, etwa eine erhöhte Flexibilität bei der Autorisierung von Zahlungen, die Möglichkeit von In-App-Zahlungen, die Integration in digitale Brieftaschen sowie Zusatzfunktionen für Kundenbindung. Zu letzteren Zusatzfunktionen zählen etwa Möglichkeiten zur Hinterlegung von Kautionen sowie ein Altersnachweis, mit dem beispielsweise an einer Selbstbedienungskasse der Kauf von Alkohol ohne Kontrolle möglich werden soll. An der Umsetzung arbeitet EURO Kartensysteme, ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen.
Verbreitung Die meisten Kartenzahlungen werden in Deutschland über die Girocard abgewickelt. Laut einer Studie des EHI Retail Institute war die Girocard im Jahr 2023 mit 42,4 % Marktanteil das beliebteste Zahlungsmittel im deutschen Einzelhandel. Damit entfällt auf die Girocard ein Großteil der Kartenzahlungen in Deutschland, die insgesamt über 60 % der Zahlungen in Deutschland ausmachen. Stand 2023 hält Bargeld einen Anteil von rund 35 %, mit sinkender Tendenz. Mit 72,6 % waren 2021 die meisten Girocard-Zahlungen im Einzelhandel kontaktlos durchgeführt worden.
Verwendung Karten mit dem Girocard-Logo werden bisher nur von Kreditinstituten in Deutschland ausgegeben, üblicherweise in Verbindung mit einem Girokonto. Eine Kartenzahlung mit der Girocard kann entweder kontaktbasiert durch das Einstecken der Karte oder durch Auflegen der Karte oder eines Mobiltelefons kontaktlos an einem POS-Terminal erfolgen. Die Zahlung wird mit einer PIN verifiziert. Bei einer kontaktlosen Zahlung bis 50 Euro kann die PIN entfallen, ebenso bei der Verwendung von Smartphone oder Smartwatch.
Eine Kartenzahlung ist mit einer Zahlungsgarantie für den Händler verbunden, wenn sie über das Girocard-System abgewickelt wird. Ein Bargeldbezug ist an allen deutschen Geldautomaten möglich.
Zahlungsweisen und Bargeldbezug Bargeldbezug am Geldautomaten Die Girocard kann für den Bezug von Bargeld an allen Geldautomaten des Deutschen Geldautomaten Systems verwendet werden. Stand Juli 2024 gab es in Deutschland laut der deutschen Kreditwirtschaft ca. 52.000 aktive Geldautomaten.
Für die Nutzung eines fremden Automaten außerhalb des eigenen Verbundes wird ein Geldautomaten-Entgelt erhoben.
Im eigenen Bankenverbund kann die Girocard auch für die Nutzung weiterer SB-Geräte wie Kontoauszugsdrucker, Einzahlautomaten oder Überweisungsterminals verwendet werden.
Bargeldbezug im Einzelhandel In vielen Läden des Einzelhandel kann auch Bargeld an der Kasse mitbezogen werden, mitunter aber erst nach einem Mindesteinkaufswert. Dabei wird der Abhebebetrag zusätzlich zum Einkauf mitbelastet. Der Service ist für den Karteninhaber kostenfrei und auf 200 Euro pro Vorgang limitiert.
Mobile Payment und E-Commerce Im Girocard-System werden auch mobile Zahlungen mit dem Smartphone unterstützt, etwa durch eine digitalisierte Karte in Form einer App. Die digitale Girocard funktioniert durch Near Field Communication, bei der das Smartphone nur kurz an das Bezahlterminal gehalten werden muss, und die Verifizierung geschieht durch Gesichtserkennung oder Fingerabdruck.
Neben eigenen Zahlungsapps einzelner Banken werden auch Zahlungen über Apple Pay unterstützt. Mit der Einführung von Apple Pay mit der Girocard wurde das System auch erstmalig im E-Commerce über das Apple Wallet einsetzbar.
Einsatz im Ausland Die Girocard ohne ein sogenanntes Co-Badge wird im Ausland nur eingeschränkt unterstützt. Eine Zahlung an ausländischen POS-Terminals ist nur in sehr seltenen Fällen möglich; Geldautomaten in den deutschen Nachbarländern unterstützen nur teilweise den Bargeldbezug über das Girocard-System, so z. B. die PSA Payment Services Austria an ihren Geldautomaten.
Co-Badge Die meisten Banken bieten ihren Kunden ein Co-Badge an, damit auch im Ausland eine Akzeptanz der Debitkarte gewährleistet wird. Teilweise verlangen auch einige deutsche Händler und Handelsketten ein Co-Badge für den Zahlungsverkehr. Das POS-Terminal wählt im Ausland dabei selbstständig über den Chip oder Magnetstreifen das internationale Zahlungssystem aus. Der Karteninhaber muss hier nicht tätig werden. Das Logo des Co-Badge wird zusätzlich zum Girocard-Logo auf die Karte gedruckt. Der Karteninhaber erkennt so, wo er seine Debitkarte einsetzen kann. Wahlweise steht das Co-Badge auch auf mobilen Zahlungssystemen wie Apple Pay zur Verfügung.
mini|Co-Badgings mit VPay Aktuell werden Girocard-Karten wahlweise mit Maestro/Debit Mastercard (Mastercard), Visa Debit/V Pay (Visa), JCB oder Discover als Co-Badge ausgestattet.
Lange Jahre war es üblich, dass Debitkarten mit dem Girocard-System zusätzlich das System Maestro von Mastercard unterstützen. Im Oktober 2021 kündigte Mastercard die Einstellung der Neuausgabe von Maestro-Karten in Europa an, um Debit Mastercard als Alternative zur Girocard zu positionieren. Bestehende Karten mit Maestro-Co-Badge bleiben weiterhin im Ausland verwendbar.
Die Sparkassen-Finanzgruppe stellte zum Juli 2023 ihre Karten bei Neuausgabe auf ein Co-Badge von Debit Mastercard, V Pay oder Visa Debit anstelle des Maestro-Zahlsystems um. Die Volks- und Raiffeisenbanken kündigten ebenfalls den Wechsel von Maestro auf Debit Mastercard oder Visa Debit an. Dabei bleiben die Karten, die vor dem Juli 2023 noch mit dem Co-Badge von Maestro herausgegeben wurden, bis zu ihrem Ablauf gültig.
E-Ladesäulen Für das Laden von Autos an E-Ladesäulen ist die Zahlung mit Girocard bislang in vielen Fällen nicht möglich, sondern es muss auf betriebseigene Ladekarten, Apps oder Webseiten zurückgegriffen werden. Bis 2027 sollen in Europa alle Ladesäulen mit einem Kartenleser oder einer kontaktlosen Zahlungsmöglichkeit ausgestattet sein.
Akzeptanzzeichen mini|hochkant|electronic cash PIN Pad Das Akzeptanzzeichen ist das Piktogramm „girocard“. Auf den Debitkarten der Banken und Sparkassen werden die Girocard-Akzeptanzzeichen ebenfalls aufgebracht. Die Markenrechte an dem Akzeptanzzeichen werden von der EURO Kartensysteme für Die Deutsche Kreditwirtschaft gehalten.
In einer Übergangsphase war das alte Piktogramm „ec electronic cash“ noch auf Debitkarten der deutschen Kreditwirtschaft bzw. ist noch an POS-Terminals als Akzeptanzzeichen zu finden. Dieses Zeichen wurde für die Übergangsphase von Eurocheque (beleghaftes Zahlen mit Scheck) auf Zahlen mit EC-Karte (kartenbasiertes Zahlen mit PIN) verwendet. Nach Abschaffung des Eurocheque-Verfahrens wurde die Ausgabe von EC-Karten durch die deutsche Kreditwirtschaft eingestellt und die Markenrechte an Eurocheque an Mastercard verkauft. Das EC-Zeichen „ec electronic cash“ wird von der deutschen Kreditwirtschaft nicht mehr als Akzeptanzzeichen verwendet. Die noch vorhandenen Karten wurden im Rahmen des normalen Kartenaustausches durch Karten mit dem Zeichen „girocard“ ersetzt. Neuaufgestellte Terminals tragen nur noch das Girocard-Zeichen.
Obwohl das Logo bzw. die Kennzeichnung „ec“ mitunter auf Debitkarten von Mastercard zu finden ist, sind dies keine Girocard-Karten. Das Kreditkartenunternehmen hält die Namens- und Logorechte und verwendet die in Deutschland bekannte Marke aus Marketinggründen weiter für seine „Debit Mastercard“.
Zielsetzung Girocard soll den sicheren und einfachen Einsatz von Debitkarten unter Verwendung der Persönlichen Identifikationsnummer garantieren. Das langfristige Ziel ist es laut einer Stellungnahme der deutschen Banken und Sparkassen aus dem Jahr 2023, dass es in Deutschland „in jeder denkbaren Situation möglich sein sollte, mit der Girocard zu bezahlen“. Nach einer Studie der Steinbeis Hochschule aus dem Jahr 2023 sprechen 83 % der Befragten der Girocard hohes oder sehr hohes Vertrauen aus.
Die europäische Kreditwirtschaft hat mittlerweile den Europäischen Zahlungsraum (SEPA) eingeführt, dessen Ziel es ist, dass Bürger im gesamten Euro-Raum Zahlungsverkehrsdienstleistungen zu denselben Bedingungen ausführen können wie in ihrem Heimatland. Girocard soll vor allem die internationale Akzeptanz der deutschen Debitkarten durch die Schaffung eines einheitlichen Logos für den SEPA erleichtern.
Netzbetreiber Die Netzbetreiber gewährleisten den händlerseitigen Betrieb der Girocard. Die Deutsche Kreditwirtschaft ist für die Zulassung von Netzbetreibern und POS-Terminals verantwortlich. Seit einiger Zeit sind auch internationale Zahlungsabwickler als Netzbetreiber aktiv.
Als Netzbetreiber waren Stand August 2023 aktiv:
Adyen N.V. (Amsterdam) BP Europe SE (Bochum) Computop Paygate GmbH (Bamberg) DB Vertrieb GmbH (Frankfurt) Elavon Financial Services DAC (Frankfurt) First Data GmbH (Bad Homburg v. d. Höhe) LAVEGO AG (München) OC Payment GmbH (Köln) Payone GmbH (Frankfurt) Shell Deutschland GmbH (Hamburg) transact Elektronische Zahlungssysteme GmbH (Martinsried) Verifone Payments GmbH (Aschheim) VÖB-ZVD Processing GmbH (Bonn) WEAT Electronic Datenservice GmbH (Düsseldorf) VR Payment GmbH (Frankfurt)
Hardware und Software mini|Ein älteres Kartenterminal Ein Electronic-Cash-Terminal (Karten- oder Händlerterminal bzw. EFT-POS-Terminal) setzt sich aus Hardware- und Software-Komponenten zusammen und dient der Durchführung der elektronischen Zahlung. Die Hauptkomponenten im Bereich der Hardware sind das Sicherheitsmodul, das Tastenfeld, der Bildschirm, der Chipkartenleser sowie das Kommunikationsmodul und die Energieversorgung.
Die Software setzt sich hauptsächlich aus dem Betriebssystem, der Kommunikationssoftware, der Software des Sicherheitsmoduls sowie diverser Softwaremodule für Online-Personalisierung von Terminals (OPT), Contact EMV sowie Zusatzapplikationen (Prepaid, Kundenbindungssysteme, Fernwartung) zusammen.