Lucio Battisti (* 5. März 1943 in Poggio Bustone; † 9. September 1998 in Mailand) war ein italienischer Cantautore (Liederdichter), Komponist und Multiinstrumentalist.

Er gilt als eine der einflussreichsten und innovativsten Figuren in der italienischen populären Musik, sowohl als Komponist und Interpret seiner eigenen Musik als auch als Komponist für andere Sänger.Ramón F. Reboiras: Lucio Battisti, cantante italiano. In: El País, 10. September 1998 (spanisch, online, abgerufen am 11. September 2016). Im Lauf seiner Karriere hat er über 25 Millionen Platten verkauft.Oscar Prudente: Lucio Battisti, un innovatore assoluto. In: VivaVerdi, Januar/Februar 2009, S. 6 (, PDF, abgerufen am 11. September 2016).Andrea Laffranchi: Ecco tutti gli inediti di Battisti. In: Corriere della Sera, 30. August 2002 (, abgerufen am 11. September 2016)Tra album e diritti d’autore reddito di 4 miliardi l’anno. In: Corriere della Sera. 10. September 1998 (, abgerufen am 11. September 2016).

Leben und Karriere Lucio Battisti wurde in Poggio Bustone (Provinz Rieti) am 5. März 1943Tullio Lauro, Leo Turrini: Emozioni. Lucio Battisti vita mito note. Zelig, Januar 1995, ISBN 88-86471-05-X, S. 25. als zweiter Sohn des Zollbeamten Alfiero (1913–2008) und der Dea Battisti (1917–1983)Beitrag Emozioni – sulle tracce di Lucio Battisti, Rai 2, 14. Juli 2011, 00:06:17. geboren. Ein weiteres Kind seiner Eltern war die Tochter Albarita (1946–2003),Aldo Dalla Vecchia: Intervista ad Alfiero Battisti. «Mio figlio Lucio». In: Due Mondi, 11. September 2003, abgerufen am 11. September 2016 während der erstgeborene Sohn, ebenfalls mit Vornamen Lucio genannt, 1942 im Alter von nur zwei Jahren gestorben war.Leo Turrini: Battisti. La vita, le canzoni, il mistero. Mondadori, 2008, ISBN 978-88-04-58144-4, S. 5.

Anfänge 1943–1962: Kindheit und Jugend Im Jahr 1947 zog die Familie Battisti in die Fraktion Vasche der Gemeinde Castel Sant’AngeloPaolo Cucco: L’autobiografia di Lucio Battisti. In: Sogno, Nr. 50–52, 12./19./26. Dezember 1970. um, ebenfalls Provinz Rieti, und drei Jahre später nach Rom. Nach der Mittelschule erhielt Lucio Battisti von seinen Eltern als Geschenk eine Gitarre. Sein Interesse für das Instrument ging auch auf zwei Gitarristen aus der Nachbarschaft zurück, von denen er erste Rock-’n’-Roll-Stücke hörte. Möglicherweise war der Elektroinstallateur Silvio Di Carlo eine Zeit lang Battistis Gitarrenlehrer, doch lernte er wohl hauptsächlich autodidaktisch.Lucio Battisti è nato a Poggio Bustone. In: Spazio in Wind, abgerufen am 11. September 2016.

Battisti machte eine Lehre am Istituto tecnico industriale statale Galileo Galilei, (PDF), S. 3, abgerufen am 11. September 2016. doch führte seine Leidenschaft für das Gitarrenspiel dazu, dass er über den Abbruch der Lehre nachdachte. Unter dem Druck seines Vaters und der Bedingung, dass dieser ihn vom Militärdienst freischreiben ließ, machte Battisti 1962 sein Diplom als Elektrotechniker.Gianfranco Salvatore: L’arcobaleno. Storia vera di Lucio Battisti vissuta da Mogol e dagli altri che c’erano. Giunti Editore, Oktober 2000, ISBN 88-09-01805-2, S. 16 (books.google.it).

1962–1966: Erste musikalische Erfahrungen und die Begegnung mit Mogol Im Herbst 1962 begann Battisti, in Neapel mit der Gruppe I Mattatori aufzutreten; Geldnöte und Einsamkeit zogen ihn jedoch wieder nach Hause. Anschließend schloss er sich der römischen Gruppe I Satiri an, die als Begleitband von Enrico Pianori fungierte und oft in Rom im Nachtclub Cabala, abgerufen am 11. September 2016. auftrat. Dort kam es zur Begegnung mit der bereits bekannteren Band I Campioni, die nach dem Ausstieg von Bruno De Filippi auf der Suche nach einem Gitarristen war. Nachdem Alberto Radius abgelehnt hatte, schlug Bandleader Roby Matano Battisti den Posten vor, der das Angebot annahm. In der Folge zog er nach Mailand, Hauptwirkungsbereich der Campioni, und bewegte sich nun hauptsächlich im Bereich des Clubs Santa Tecla, wo zu jener Zeit Jazz und der aufkommende italienische Rock gespielt wurden. 1964 hatten die Campioni die Möglichkeit, im Rahmen einer Tournee durch Deutschland und die Niederlande ihre musikalischen Erfahrungen zu erweitern.

In Zusammenarbeit mit Bandleader Matano als Textdichter schrieb Battisti erste Lieder, etwa Se rimani con me. Diese blieben jedoch völlig unbeachtet. Allerdings wurden einige davon später mit neuen Texten wiederveröffentlicht, so Non chiederò la carità, das zu Mi ritorni in mente wurde. Am 14. Februar 1965 sprach Battisti beim Produzenten Franco Crepax vor; dabei wurde die Musikverlegerin Christine Leroux, die als Talentscout für das Label Dischi Ricordi arbeitete, auf ihn aufmerksam und leitete ein Treffen mit dem Textdichter Giulio Rapetti (Künstlername: Mogol) in die Wege. Obgleich zunächst wenig beeindruckt von Battisti und seinen Liedern, beschloss Mogol, mit ihm zusammenzuarbeiten.Gianfranco Salvatore (2000), S. 47–48 (books.google.it). Mogol war es auch, der 1966 Battisti dazu drängte, seine Lieder selbst zu singen, trotz der Widerstände ihrer Plattenfirma Ricordi.Gianfranco Salvatore (2000), S. 58–60 (books.google.it).

Im Februar 1966 trat der Newcomer Sergio Endrigo mit dem von Battisti und Mogol geschriebenen Lied Adesso sì beim Sanremo-Festival an.Sanremo ’66. In: Discografia nazionale della canzone italiana, abgerufen am 11. September 2016. Anschließend veröffentlichte Battisti seine erste eigene Single Dolce di giorno / Per una lira, die jedoch ein Misserfolg war. Erst in den Interpretationen der Gruppen Dik Dik bzw. I Ribelli (von Demetrio Stratos) konnten sich die Lieder durchsetzen.

1967–1968: Der Erfolg von 29 settembre und Balla Linda Im Jahr 1967 gelang Mogol und Battisti mit dem Lied 29 settembre, das von der Band Equipe 84 interpretiert wurde und viel in der Radiosendung Bandiera gialla gespielt wurde, ein erster Nummer-eins-Hit. Ebenfalls erfolgreich von Equipe 84 interpretiert war Nel cuore, nell’anima; für Riki Maiocchi schrieb das Duo außerdem Uno in più, mit dem insbesondere Mogol eine Erneuerung der italienischen Liedtradition anstrebte.La linea verde, la linea gialla, la linea rossa: il dibattito. In: Musica & Memoria, abgerufen am 11. September 2016. Als Sänger veröffentlichte Battisti seine zweite Single Luisa Rossi / Era, die ein RnB- und ein mittelalterlich angehauchtes Stück enthielt und auch erfolglos blieb. Immer noch im Jahr 1967 schrieb Battisti mit Mogol Non prego per me für Mino Reitano (Sanremo-Festival 1967) und trat in La Ballata di Pickwick, der Titelmelodie von Ugo Gregorettis TV-Miniserie Il Circolo Pickwick, gesungen von Gigi Proietti, als Gitarrist in Erscheinung.

1968 folgte die Single Prigioniero del mondo / Balla Linda. Die A-Seite Prigioniero del mondo war ein von Carlo Donida und Mogol geschriebenes Lied, das ursprünglich für Gianni Morandi vorgesehen war, beim Wettbewerb Un disco per l’estate 1968 jedoch nicht in die Endausscheidung kam. Zu diesem Lied drehte Battisti auch sein erstes Musikvideo. Größeren Erfolg hatte die B-Seite Balla Linda, die musikalisch für die Zeit bereits als experimentell eingestuft werden kann und deren Text durch den Verzicht auf den traditionellen Paarreim auffällt.Gianfranco Salvatore (2000), S. 101 (books.google.it).

Mit Balla Linda nahm Battisti am Wettbewerb Cantagiro 1968 teil und erreichte den vierten Platz.Gianfranco Salvatore: Mogol-Battisti, l’alchimia del verso cantato. Arte e linguaggio della canzone moderna. Castelvecchi editore, Juli 1997, ISBN 88-86232-85-3. Zum ersten Mal stieg er damit als Sänger in die italienischen Charts ein, und die englische Version Bella Linda der Band The Grass Roots konnte sogar Platz 28 der amerikanischen Billboard Hot 100 erreichen.

1969: Der Durchbruch als Sänger und Songwriter Nachdem Battisti als Songwriter zweimal am Sanremo-Festival teilgenommen hatte, 1967 mit Non prego per me (Mino Reitano und The Hollies) und 1968 mit La farfalla impazzita (Johnny Dorelli und Paul Anka), trat er 1969 zum ersten und einzigen Mal selbst in Sanremo an. Das Lied Un’avventura war stark vom Rhythm and Blues beeinflusst, internationaler Ko-Interpret war Wilson Pickett. Der Beitrag erreichte im Finale des Wettbewerbs mit 69 Stimmen den neunten Platz.Francesco Mirenzi: Battisti talk. La vita attraverso le sue parole: interviste, dichiarazioni, pensieri. Castelvecchi editore, Oktober 1998, ISBN 88-8210-087-1, S. 38. Die Sanremo-Teilnahme brachte Battisti ins Rampenlicht, und mit steigender Popularität sah er sich ersten Kritiken ausgesetzt: Alfonso Madeo bezeichnete Battistis Auftritt im Corriere della Sera als „unbeholfen“ (impacciata).Alfonso Madeo: Sanremo. In: Corriere della Sera. 31. Januar 1969. Natalia Aspesi kritisierte in Il Giorno scharf Battistis Stimme und vermutete „Nägel, die ihm in den Hals stechen“ (chiodi che gli stridono in gola),Natalia Aspesi: Sanremo. In: Il Giorno, 31. Januar 1969. und Paolo Panelli machte sich in Il Messaggero über Battistis nonkonformistische und wilde Frisur lustig, indem er ihn mit Struwwelpeter und Hunnenkönig Attila verglich.Paolo Panelli: Sanremo. In: Il Messaggero, 2. Februar 1969. Am 31. JanuarUn’avventura / Non è Francesca. In: Luciobattisti.info, abgerufen am 11. September 2016. erschien das Sanremo-Lied auf der Single Un’avventura / Non è Francesca.

Am 4. März 1969Renzo Stefanel: Ma c’è qualcosa che non scordo. Lucio Battisti – gli anni con Mogol. Arcana Editore, November 2007, ISBN 978-88-7966-370-0, S. 25. veröffentlichte Battisti endlich sein erstes Album Lucio Battisti, das im Grunde eine Sammlung seiner bisherigen Singles und einiger ursprünglich von anderen Interpreten veröffentlichten Liedern darstellte; am 28. MärzAcqua azzurra, acqua chiara / Dieci ragazze. In: Luciobattisti.info, abgerufen am 11. September 2016. erschien die nächste Single Acqua azzurra, acqua chiara / Dieci ragazze. In einigen Interviews erklärte Battisti zu dieser Zeit zudem seine Verlobung mit Grazia Letizia VeroneseGiuliana Bonomo: La mia non è una voce, è una “non voce”. In: Giovani, 1. Mai 1969.Giuliana Bonomo: Vi presento Grazia Letizia Veronese. In: Giovani, 26. Juni 1969., der Sekretärin von Miki Del Prete aus Adriano Celentanos Plattenfirma Clan Celentano.

Am 15. April nahm er zum ersten Mal an einer Fernsehsendung teil, und zwar Speciale per voi von Renzo Arbore, die auf dem zweiten Kanal der RAI ausgestrahlt wurde. In der Sendung bewarb er das Lied Acqua azzurra, acqua chiara, das sich zu einem der Sommerhits des Jahres entwickelte: Nach einem dritten Platz beim Cantagiro 1969 mit 861 StimmenFrancesco Mirenzi (1998), S. 55. gelang Battisti der Sieg beim Festivalbar-Wettbewerb des JahresVincitori del Festivalbar 1969. In: Festivalbar.it, PromoEsse, abgerufen am 11. September 2016. mit 343.984 Stimmen, fast 50.000 Vorsprung vor den zweitplatzierten I Camaleonti.Francesco Mirenzi (1998), S. 62.

Im Sommer 1969 absolvierte der Sänger seine erste Tournee, bestehend aus 21 Konzerten.Ha vinto il cantante antifestival. In: TV Sorrisi e Canzoni, 14. September 1969. Zusammen mit Mogol gründete er außerdem das unabhängige Plattenlabel Numero Uno, das in der Folge Acts wie Formula 3, Bruno Lauzi, Edoardo Bennato, Adriano Pappalardo oder Oscar Prudente unter Vertrag nahm. Battisti selbst war zu diesem Zeitpunkt vertraglich noch an Ricordi gebunden. Am 14. OktoberMi ritorni in mente / 7 e 40. In: Luciobattisti.info, abgerufen am 11. September 2016. erschien Battistis nächste Single Mi ritorni in mente / 7 e 40; die A-Seite wurde am 19. Oktober in der Radiosendung Gran varietà von Walter Chiari vorgestellt und erreichte Anfang 1970 schließlich die Spitze der Singlecharts.