Runding ist eine dörflich geprägte Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Cham. Auf dem 545 Meter hohen Schlossberg in Runding befindet sich die Burgruine Runding.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Naturpark Oberer Bayerischer Wald am Fuße des Haidsteins in der Cham-Further Senke, sechs Kilometer von Cham, elf Kilometer von Furth im Wald und acht Kilometer von Bad Kötzting entfernt.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Weiding, Chamerau, Cham.
Gemeindegliederung Es gibt 21 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die drei Gemarkungen auf dem Gemeindegebiet sind Niederrunding, Raindorf und Runding.
Geschichte Entstehung der Ortschaft Die Runtinger waren ein in Verbindung mit der Burg Runding erstmals 1118 im Gefolge der Markgrafen von Cham nachweisbares Ministerialengeschlecht. Die Notthafft übernahmen 1413 den Besitzanteil von Michel Runtinger und übten bis 1829 in der Herrschaft und zuletzt im Patrimonialgericht Runding Herrschaftsrechte aus.
Die Ortschaft Runding war etwa in der Zeit von 1340 bis 1360, also noch unter der Herrschaft des Geschlechts der Runtinger, als eine Ansiedlung von Köhlern und Pechbrennern am Fuße des Rundinger Burgberges entstanden und hatte sich in den nächsten hundert Jahren zu einem Pfarrdorf entwickelt. Das Dorf führte damals den Namen „Pachling“.
Runding mit seiner Burgkapelle und das anliegende Dorf Pachling gehörten ursprünglich zur Pfarrei Cham bzw. Chammünster. 1527 ist in einer Präsentationsurkunde erstmals von einer Pfarrkirche in Pachling die Rede. In der Pfarrei wurde 1556 die Reformation, 1628 die Gegenreformation durchgeführt.
Gemeindebildung Durch die Gemeindeedikte von 1808 und 1818 wurden auch die Gemeinden Niederrunding, Raindorf und Runding gebildet.
19. Jahrhundert Im Jahre 1849 wurde das Dorf Pachling von einer verheerenden Brandkatastrophe heimgesucht, die die Kirche, das Schulhaus und sämtliche Anwesen des oberen Dorfes bis zum alten Pfarrhof zerstörte. Da die Leute in dieser abgelegenen Gegend des Bayerischen Waldes damals sehr arm waren, ging der Wiederaufbau des Dorfes nur mühsam vonstatten. So konnte die wieder errichtete Kirche erst im Jahre 1871 geweiht werden. Der Dorfplatz wurde allerdings neu und für damalige Verhältnisse großzügig gestaltet. In seiner Mitte wurde die Mariensäule errichtet. Erst im Jahre 1880, als Schloss und Herrschaft Runding längst bedeutungslos waren, beantragte der Gemeinderat beim königlich bayerischen Bezirksamt Cham die Umbenennung von Pachling in Runding. Am 9. November 1880 wurde im Amtsblatt für die königlichen Bezirksämter Cham, Furth, Nittenau und Waldmünchen bekannt gegeben, dass Bayernkönig Ludwig II. geruht habe, allergnädigst zu genehmigen, dass ab sofort für die Ortschaft Pachling zusammen mit dem Weiler Runding nur noch die Bezeichnung „Runding“ geführt werden darf.
Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg war Josef Bergmann Bürgermeister von Runding. Zum Ende des Krieges, im Herbst 1944, hatten Mitarbeiter des ungarischen Finanzministeriums mit ihren Familien auf der Flucht vor der Roten Armee die Rundinger Schule mit über 100 Personen bezogen. Manche von ihnen blieben bis zur Währungsreform in Runding. Sie kehrten später zum Teil wieder zurück nach Ungarn, einige wanderten in die USA aus. Noch heute besuchen manche von ihnen Bekannte und Freunde in Runding.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Die US-Armee setzte nach dem Ende des Krieges Josef Kiefl aus Runding als Bürgermeister ein. Bei den ersten Wahlen nach dem Krieg wurde Wolfgang Beer zum Oberhaupt der Gemeinde gewählt.
Im Jahre 1953 erlitt Bürgermeister Beer in einer Bürgerversammlung zum Abschlussbericht über den Bau der Wasserleitung vom Roßberg (Bärndorf, Gemeinde Chamerau) bis zur Wasserreserve am Schlossberg einen Schlaganfall und verstarb. In der Alten Schule sollte die Bevölkerung über den Bau der Wasserversorgung für Runding und Maiberg informiert werden.
Burgfestspiele In den 1950er-Jahren wurden auf dem Gelände der Ruine Runding zweimal Burgfestspiele aufgeführt. Gespielt wurde jeweils ein Stück des Nürnberger Poeten Hans Sachs. Burgherren waren Karl Beer und Adolf Bierl, die Burgfräulein verkörperten Maria Kiefl und Anna Griesbeck. Die historischen Kostüme wurden von Baron von Schacky aus Waffenbrunn leihweise zur Verfügung gestellt. Obwohl die Festspiele stark besucht waren, wurden sie aus finanziellen Gründen nicht mehr fortgeführt.
Erste Damenlöschgruppe Bayerns Im Jahre 1965 wurde die erste Damenlöschgruppe Bayerns in Runding gegründet,Frauenarbeit, auf kfv-cham.de, abgerufen am 22. März 2020 worüber auch die Bild-Zeitung und das ZDF im April 1967 berichteten. Bei einer Übung im Stall des Bürgermeisters Karl Beer wurde ein Bundeswehrangehöriger vom Fernsehen zur Zündung von Rauchbomben engagiert. Bei der Demonstration geriet das Heu in der Scheune in Brand, während die Damenlöschgruppe draußen auf der Straße übte. Bürgermeister Beer und der anwesende Richard Baumann konnten den Brand mit dem Gartenschlauch löschen. Der Bundeswehrangehörige erlitt einen Schwächeanfall und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Damenlöschgruppe griff nicht ein, da sie das Ganze für eine Aufführung für die Medien hielt.Feuerwehrfrauen der ersten Stunde, auf mittelbayerische.de, abgerufen am 22. März 2020
Bürgermeister Karl Beer Als Bürgermeister der Gemeinde Runding wurde 1956 Karl Beer gewählt, damals mit 26 Jahren der jüngste Bürgermeister Bayerns. 22 Jahre lang lenkte er die Geschicke von Runding. Unter seiner Regie wurde die Wasserleitung auf Lufling ausgedehnt, wodurch die Versorgung der höher gelegenen Gemeindeteile Runding, Lufling und Maiberg mit Trinkwasser ermöglicht wurde. Auch heute wird noch die Hälfte des Bedarfs durch eine einfache Förderung (ohne Pumpen) mittels der Hydraulik von einem Berg (Roßberg) durch das Tal vor Lederdorn auf einen anderen (Wasserreserve am Schlossberg Runding) gedeckt.
Durch geschickte Verhandlungen verwirklichte Karl Beer den Erwerb, die Erschließung und die Bebauung des Baugebiets Runding West I am Fuße des Schlossberges, dem ehemaligen Wohnsitz der Rundinger Adelsgeschlechter. Die Bevölkerung Rundings wuchs um 200 Einwohner. Auch die Fläche für ein weiteres Baugebiet konnte Beer erwerben. Eine andere wichtige Entscheidung Beers und seines Gemeinderats war der Anschluss der Wasserversorgung an den Zweckverband Chamer Gruppe. Die ursprüngliche Versorgung war für nur 60 Anschließer der hochgelegenen Häuser ausreichend, wenn auch der Wasserdruck nicht besonders hoch war. Ohne die Weichenstellung in der Wasserversorgung wäre eine weitere Wohnbebauung kaum möglich gewesen.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 schlossen sich die Gemeinden Niederrunding und Raindorf freiwillig der Gemeinde Runding an. 1978 wurde unter Protest des Gemeinderats im Rahmen einer weiteren Gebietsreform in Bayern eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Gemeinde Chamerau (mit Sitz in Chamerau) gebildet. Bürgermeister Beer trat daraufhin bei der Kommunalwahl 1978 nicht mehr an.
Im Jahre 1993 ging der Verwaltungsangestellte Karl Beer nach 40 Jahren als Bürgermeister und als Bediensteter der Gemeinde in Pension. Die Gemeindeverwaltung konnte Karl Beer als Archivar gewinnen. Er arbeitet an dem Aufbau eines Gemeinde–Archivs für die Altgemeinden Niederrunding, Raindorf und für Runding.
Bürgermeister Alfred Graf Neuer Bürgermeister wurde 1978 Alfred Graf (SPD). Unter seiner Amtszeit wurde 1982 der Kindergarten gebaut und das Baugebiet Runding West II an die Firma Schierer aus Cham verkauft. 1980 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Chamerau–Runding wieder aufgelöst.
Bürgermeister Willibald Hastreiter Im Jahre 1984 gewann Willibald Hastreiter (CSU) aus Niederrunding die Wahl gegen den bisherigen Amtsinhaber Alfred Graf. Mit der Ära Hastreiter begannen umfangreiche Baumaßnahmen. Zunächst wurde die Verschuldung auf 0 DM gesenkt und ein neuer Bauhof gebaut. 1989 wurde mit der Kanalisation begonnen (Gesamtvolumen 23 Millionen DM). Als erstes wurde die Kläranlage in Perwolfing errichtet. Um den Standort war eine heiße Diskussion ausgebrochen, nachdem der zweite Bürgermeister der Nachbargemeinde Cham, Hofbauer, die Lage nahe an Selling in Frage gestellt hatte. Von ihm wurde wegen der zu erwartenden Geruchsbelästigung eine Unterschriftenaktion gegen den Standort bei Perwolfing gestartet. Die Anlage wurde mit einjähriger Verzögerung dann doch am geplanten Ort errichtet. Nach und nach wurde der ganze Westhang der Gemeinde erschlossen. Etwa 15 Millionen Deutsche Mark wurden bis 1998 verbaut. Nach einer Bauzeit von acht Jahren empfahl das Wasserwirtschaftsamt, nur noch Kanäle im Trennsystem zu bauen. Daher mussten neue Schmutzwasserleitungen eingerichtet werden. Betroffen waren die Ortsteile Lufling Teile von Runding, Rieding und Raindorf.
Mit der verstärkten Bautätigkeit stieg auch die Verschuldung bis auf den Landkreisdurchschnitt und darüber hinaus. In Runding (1989) und Raindorf (1996) wurden mit großen Eigenleistungen der Bevölkerung neue Feuerwehrhäuser gebaut. In Runding siedelte sich eine Strickwarenfabrik an, in die später die katholische Ichthys-Gemeinde einzog. 1994 wurde in Erfüllung des Eingemeindungsvertrags Runding–Raindorf aus dem Jahre 1973 der Ausbau der Verbindungsstraße Runding–Rieding verwirklicht.
Die Gemeinde beteiligte sich an der Flurbereinigung Niederrunding mit umfangreichen Wegebau-Maßnahmen. Ziel des Bürgermeisters war es, möglichst zu jedem Haus eine ausgebaute Asphaltstraße zur Erschließung zu schaffen.
1996 wurde nach langen Diskussionen im Gemeinderat an den Kindergarten Runding angebaut, im gleichen Jahr das Baugebiet „Am Schmidacker“ erschlossen. 1999 folgte der nächste Bebauungsplan, der „Schietanger“ mit insgesamt 30 neuen Parzellen. Im Jahre 2004 hatte die Gemeinde 23?? Einwohner. Die beiden Altbürgermeister Fritz Maier (ehemalige Gemeinde Raindorf) und Alfred Graf wurden 1996 zu Ehrenbürgern von Runding ernannt, Altbürgermeister Karl Beer und Geistlicher Rat Karl Schmid folgten in den Jahren 2000 und 2002.
Bürgermeister Franz Piendl Am 1. Mai 2008 übernahm Franz Piendl (CSU) das Amt von Willi Hastreiter, der nicht mehr kandidierte. 2014 wurde er wieder gewählt. Die seit 1969 bestehende Schulturnhalle erfuhr eine Generalsanierung. In seiner Amtszeit wurde auch die Kanalisation in der Gemeinde Runding fertiggestellt. In der zweiten Periode erstellte die Gemeinde einen Anbau für eine Kinderkrippe an den bestehenden Kindergarten. In den Jahren 2013 bis 2016 wurde eine Erweiterung des Gewerbegebiets Langwitz erreicht. Die Firmen Bauer Walter GmbH & Co. KG und Bayerwald Leasing siedelten sich hier an. Bei der Wahl am 15. März 2020 unterlag Piendl mit 46,1 % der Stimmen Franz Kopp (SPD).Presse zur Bürgermeisterwahl 2020, abgerufen am 19. August 2020
Tresor in der Alten Kirche Im Jahre 1978 wurde eine neue Kirche gebaut. In einem Verein setzte sich Bürgermeister Willi Hastreiter für die Erhaltung der alten Dorfkirche im Zentrum von Runding ein, die zunächst abgerissen werden sollte. Als Bürgermeister Hastreiter und der Hausmeister der Schule, Klement Mühlbauer, den Tresor der alten Kirche entsorgen wollten, klapperte etwas im Inneren des Tresors. Mehrere Stunden lang bemühte sich der Hausmeister, den Tresor zu öffnen. Endlich war das Behältnis geöffnet, Monstranzen und ein Blutstropfen des „Bruder Konrad“ kamen zum Vorschein. Mühlbauer holte daher Pfarrer Karl Schmid, um den Inhalt des Tresors zu besichtigen. Dieser erwiderte dem Hausmeister: „Warte, ich hole den Schlüssel.“
Chronik für die Orte Raindorf, Rieding und Vierau