Lutz Kerschowski (* 1953 in Berlin-Pankow) ist ein deutscher Gitarrist und Komponist. Seine Karriere begann in den 1980ern in der DDR (siehe auch Musik der DDR). Seit den 1990ern machte er sich vor allem durch Filmmusik einen Namen.

Leben Kerschowski ist gelernter Autoschlosser.Torsten Hampel: In: Der Tagesspiegel vom 5. Oktober 2008 Seine Karriere als Rockmusiker begann in der Amateurband Regenmacher. 1985 gründete er in Ost-Berlin die Rockband Kerschowski. Die Band wurde als beste Newcomer-Band ausgezeichnet und erhielt noch in ihrem Gründungsjahr von Amiga ein Angebot zur Produktion einer Langspielplatte, was für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich war. Zur Band gehörten Lutz Kerschowski (Gesang), Lexa Thomas (Bassgitarre), Jörg Mischke (Keyboard), Jörg „Wilkie“ Wilkendorf (Gitarre), Tina Tandler (Saxophon) und Thomas Pilz (Schlagzeug). Später wurden Thomas durch Kay Lutter (heute: In Extremo) und Pilz durch Detlev „Delle“ Kriese (später Klaus Renft Combo) ersetzt. Musikalisch orientierte sich die Band anfangs an Bruce Springsteen. Neben Eigenkompositionen (Montagsfrüh, Mensch Junge) machte Kerschowski vor allem mit Titeln von Springsteen auf sich aufmerksam, zu denen Lutz Kerschowski deutsche Texte geschrieben hatte. Später versah Lutz Kerschowski weitere internationale Hits mit deutschen Texten und nahm sie ins Repertoire der Band auf. Darunter waren Mama hat Geburtstag (Birthday) und Ein harter Tag (A Hard Days Night) von den Beatles. Kerschowskis Erfolgsrezept war bodenständige Rockmusik und der Verzicht auf eine aufwändige Bühnenshow. Obwohl der Band kurz nach Veröffentlichung der LP Weitergehen ein weiteres Produktionsangebot von Amiga vorlag, verzichtete Kerschowski und zog es vor, weiter live zu spielen.

Aus der ersten Begegnung Kerschowskis mit dem westdeutschen Musiker Rio Reiser 1988 bei einem gemeinsamen Konzert in der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle entwickelte sich eine enge Freundschaft.

Anfang 1989 suchte Lutz Kerschowski nach neuen musikalischen Wegen, löste die Band auf, sammelte profilierte Musiker um sich und startete das Projekt Blankenfelder Boogieband. Dieses Bandprojekt, in dem unter anderem Peter Gläser (Cäsar), Heiner Witte (Engerling) und Jürgen Ehle mitwirkten, war ein kurzzeitiges Projekt, ähnlich den Gitarreros und der Amiga Bluesband. Bei der einzigen LP dieser Band verzichtete Kerschowski auf eine Aufnahme in den Amiga-Studios, nahm die Platte in einem improvisierten „Garagen-Studio“ auf und ließ sie von Rio Reiser in der Bundesrepublik Deutschland abmischen. Kerschowski wollte damit erreichen, dass die Plattenaufnahmen dem Sound der Live-Konzerte nahekommen.

Im Herbst 1989 war er Mitverfasser der Protestresolution von Rockmusikern und Liedermachern. 1990 wurde er Gitarrist in Rio Reisers Band. Nach dessen Tod 1996 kümmerte er sich um dessen künstlerischen Nachlass.

Kerschowski arbeitet für das Label Möbius Rekords. Seit 1999 widmet er sich zudem Aufträgen der Filmbranche, beispielsweise für Polizeiruf 110 und Tatort. Vor allem schreibt er Filmmusik für TV-Spielfilme der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten.

Werk Diskografie 1986: Weitergehn (Amiga) 1989: Kerschowski & Blankenfelder Boogie-Band (Amiga) 1994: Vorbei is vorbei (Buschfunk) 2004: Kerschowski – Die 3 Originalalben auf CD (Hansa Amiga/Sony BMG)

Filmmusik (Auswahl) Wenn nicht anders angegeben, Fernsehfilme: 1998: Polizeiruf 110 – Katz und Kater 2000: Trennungsfieber 2000: Gnadenlose Bräute 2001: Bis dass dein Tod uns scheidet 2001: Vor meiner Zeit 2002: Ein Engel und Paul 2002: Polizeiruf 110 – Silikon Walli 2002: Pommery & Putenbrust 2002: Stahlnetz: Ausgelöscht 2003: Tatort – Bermuda 2003: Goldfisch unter Haien 2004: Tatort – Hundeleben 2005: Pommery & Hochzeitstorte 2005: Tatort – Der doppelte Lott 2005: Tote leben länger 2005: Schimanski: Sünde 2006: Pommery und Leichenschmaus 2006: Brennendes Herz 2007: Tatort – Ruhe sanft! 2007: Die Sterneköchin 2008: Meine fremde Tochter 2008: Schokolade für den Chef 2009: Ein Schnitzel für drei 2010: Frösche petzen nicht 2012: Tatort – Hinkebein

Literatur Waltraud Heinze: Kerschowski. In: Melodie und Rhythmus, Berlin, Heft 1/1986 Ralf Dietrich: Neubeginn in Blankenfelde. In: Melodie und Rhythmus, Heft 1/1990 Nadine Kraft: Kerschowski. In: Melodie und Rhythmus, Berlin, Heft 3/2004

Dokumentarfilm 1986: Kerschowski – Ansichten eines Rocksängers (DEFA-Dokumentarfilm, Regie: Heinz Brinkmann)

Weblinks

bei rock-links Eintrag über die Band Kerschowski auf ddr-wissen.de

Einzelnachweise

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