mini|Candomblé-Ritual Der Candomblé ist eine afrobrasilianische Religion, die hauptsächlich in Brasilien, aber auch in angrenzenden Ländern praktiziert wird.

Entstehungsgeschichte des Candomblé

Der Candomblé ist eine brasilianische Religion, die tiefe Wurzeln und ihre Wiege in Westafrika hat. In den Grundzügen geht es im Candomblé darum, einen Austausch zwischen den Menschen, die ihn praktizieren, und den Göttern – Orisha, Nkisi oder Vodum genannt – herzustellen, abhängig davon, aus welcher Nation der Candomblé kommt.„At its most basic level, Candomblé is the practice of exchange with orixás, which mediate between Olorun, a distant high god, and human beings.“ (Paul Christopher Johnson: Secrets, Gossip and Gods. The Transformation of Brazilian Candomblé. Oxford 2002) Die Heiligen (Orixá, Nkisi oder Vodum) sind im Gegensatz zum obersten Gott Olorun sozusagen „ansprechbar“. Während eines Candomblé-Ritus kann ein Heiliger Besitz von einer Person ergreifen. Diese Person bewegt sich dann anders als die anderen Kultteilnehmer, die um den Altar tanzen, der sich in der Mitte des speziell für diesen Heiligen erbauten Candomblé-Tempels befindet. Jeder Heilige bewegt sich auf eine ihm ganz spezielle Weise: Die besessene Person tanzt, wenn Besitz von ihr ergriffen wurde, wie der Heilige. Jeder Heilige hat einen ihm zugewiesenen Tag, ein ihm zugewiesenes Sternzeichen, Speisen, Getränke, Farbe, Blüte, Tier und vieles mehr.Airton Barbosa Gondim: Seu Guia No Candomblé. Salvador 2004.

Seinen Einzug hat der Candomblé über die Verschleppung der afrikanischen Sklaven nach Brasilien gefunden. Zwischen 1780 und 1850 erreichte die Sklavenhandel seinen Höhepunkt. Mehr als zwei Millionen Sklaven – also mehr als die Hälfte aller aus Afrika geraubten Menschen – erreichten in dieser Zeit Brasilien.Paul Christopher Johnson: Secrets, Gossip, and Gods. The Transformation of Brazilian Candomblé. Oxford 2002, S. 61. Viele erreichten die Küstenstadt Salvador da Bahia,Erica Jane de Hohenstein: Das Reich der magischen Mütter: Untersuchung über die Frauen in den afro-brasilianischen Besessenheitskulten Candomblé. Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1991 (IKO-Wissenschaft und Forschung, 18; zugleich: Diss., Univ. Frankfurt am Main, 1991). die einstige Hauptstadt Brasiliens, die ab 1538 für drei Jahrhunderte der Dreh- und Angelpunkt des Sklavenhandels der portugiesischen Kolonialherren in Südamerika gewesen ist. So wurden bis zu ca. 40 % der geschätzten zehn bis zwölf Millionen aus Afrika in die Sklaverei Getriebenen nach Salvador da Bahia verschleppt, wo sie auf dem Sklavenmarkt Salvadors verkauft wurden.Erica Jane de Hohenstein: Das Reich der magischen Mütter: Untersuchung über die Frauen in den afro-brasilianischen Besessenheitskulten Candomblé. Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1991 (IKO-Wissenschaft und Forschung, 18; zugleich: Diss., Univ. Frankfurt am Main, 1991). Insofern resultieren die afrikanischen Wurzeln der heutigen Religion des Candomblé in Brasilien größtenteils aus der Verschleppung der versklavten Afrikaner, die ab dem 16. Jahrhundert – vor allem zwischen dem 18. Jahrhundert und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – nach Brasilien deportiert wurden.

Erst kam das Bantu-Volk, dann die Jeje und zuletzt die Yoruba. Viele der versklavten Afrikaner stammten aus der westafrikanischen Region Nigeria / Benin und waren geprägt von der afrikanischen Tradition der Yoruba oder der Bantu. Viele Yoruba und Bantu wurden in Brasilien nicht nur als Sklaven auf den Plantagen, sondern auch als Haussklaven in den Städten eingesetzt. Da sie hier größere Bewegungs- und Kommunikationsfreiheit besaßen, ergaben sich für sie bessere Möglichkeiten, die ursprüngliche afrikanische Tradition auszutauschen. Daher hat der Candomblé hauptsächlich städtische Wurzeln.Astrid Reuter: Voodoo und andere afroamerikanische Religionen. München 2003. Entsprechend den Handelswegen, über welche die Sklaven aus Afrika nach Amerika gebracht wurden, finden sich eng verwandte religiöse Gruppen auch in der Karibik, zum Beispiel in Kuba (Santería) und in Haiti (Voodoo). Daher wird der Candomblé oft als „Schwester-Religion“ des Voodoos bezeichnet. mini|Casa Branca

Obwohl die Afrikaner bei ihrer Ankunft in Brasilien kollektiv zwangsgetauft wurden und die Regierungen ihre ursprüngliche Religion verfolgten, ergab sich in Bezug auf die katholische Kirche ein ambivalentes Bild. Obwohl sie die afrikanische Religion diskriminierte, schützte sie die Sklaven doch vor den ärgsten Übergriffen. Darüber hinaus gründete die katholische Kirche die als „Instrument der Kolonial- und Missionspolitik ins Leben gerufenen schwarzen ‚Ratsversammlungen‘ bzw. ‚Bruderschaften‘“ der städtischen Sklaven. Diese Kongregationen bildeten dann den Rahmen dafür, dass die versklavten Afrikaner ihre ursprünglichen Bantu- und Yoruba-Traditionen bzw. -Religionen rekonstruieren und unter dem Deckmantel einer katholischen Volksfrömmigkeit weiter tradieren konnten. Aufgrund der überlebungsnotwendigen Verborgenheit der Ausübung ihrer Riten wie auch wegen einer gewissen Affinität des afrikanischen Kultes zum Heiligenkult des Katholizismus kam es im Verlauf der Jahrhunderte zu einer Art Synkretismus. Dennoch spielte die Ausübung ihrer traditionellen Religion eine sehr bedeutende Rolle in der Funktion der Bewahrung ihrer eigenen Kultur, insofern sie die harten Repressalien, Verfolgungen, Krisen und Rebellionen überdauerte. Der religiöse Ort kann insofern als das letzte Refugium zum Erhalt der afro-brasilianischen Identität gelten.Erica Jane de Hohenstein: Das Reich der magischen Mütter: Untersuchung über die Frauen in den afro-brasilianischen Besessenheitskulten Candomblé. Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1991 (IKO-Wissenschaft und Forschung, 18; zugleich: Diss., Univ. Frankfurt am Main, 1991). Mit der Abschaffung der Sklaverei, die in Brasilien erst 1888 vollzogen wurde, breitete sich der Candomblé immer weiter aus. Während er früher auf die Angehörigen des Sklavenstandes beschränkt war und verfolgt wurde, ist die Religionsfreiheit heute nicht nur in Brasilien, sondern auch in allen anderen lateinamerikanischen Ländern gesetzlich verbürgt.Angelina Pollack-Eltz: Trommel und Trance. Die afro-amerikanischen Religionen. In: Khoury, Adel, Theodor (Hrsg.): Kleine Bibliothek der Weltreligionen. Band 2. Freiburg 2003, S. 145–190.

Gegenwärtige Situation Die katholische Kirche verhält sich gegenwärtig gegenüber der afro-brasilianischen Religion relativ neutral, jedoch verdammen noch heutzutage evangelikale Fundamentalisten in Lateinamerika den Candomblé und andere afro-amerikanische Religionen als Teufelswerk. Dagegen hat sich der Candomblé gegenwärtig mit seinen vielen Anhängern in den unterschiedlichsten sozialen Schichten sowie in den verschiedensten Orten der Welt zu einer etablierten Religion entwickelt. In neueren Umfragen haben 2 Millionen Brasilianer (1,5 % der Gesamtbevölkerung) erklärt, dass ihre Religion Candomblé ist.

Abgrenzung In der brasilianischen Kultur schließen sich Religionen nicht gegenseitig aus; viele Leute anderen Glaubens – einigen afrobrasilianischen Kulturorganisationen gemäß bis zu 70 Millionen – nehmen regelmäßig oder gelegentlich an Candomblé-Ritualen teil. Gottheiten, Rituale und Candomblé-Feiertage sind ein wesentlicher Bestandteil der brasilianischen Folklore.

Candomblé ist von Umbanda und Macumba zu unterscheiden, die zwei andere afro-brasilianische Religionen mit ähnlichem Ursprung sind. Ebenso unterscheidet sich Candomblé von anderen Religionen des amerikanischen Kontinents, die ebenfalls afrikanischen Ursprungs sind, wie haitianischer Voodoo oder kubanische Santería und Obeah. Diese entwickelten sich unabhängig von Candomblé und sind in Brasilien nahezu unbekannt.

„Nationen“ Brasilianische Sklaven stammten von einer Anzahl verschiedener ethnischer Gruppen ab, darunter Yoruba, Ewe, Fon und Bantu. Da sich die Religionen der einzelnen Gruppen abhängig von der geographischen Region unterschiedlich weiterentwickelten, unterscheidet man heute zwischen Sekten oder Nationen (Nações), die sich bezüglich der verehrten Gottheiten, der Musik und Feste sowie der religiösen, bei den Ritualen verwendeten Sprache unterscheiden. Verschiedene Heilige der unterschiedlichen Nationen ähneln einander, sind aber trotzdem nicht die gleiche Gottheit.

Die folgende Liste ist eine grobe Klassifikation der wichtigen Nationen und Unter-Nationen, ihre Regionen und ihre Sakralsprachen: Ketu oder Queto (Bundesstaat Bahia und fast alle anderen Regionen) – das Yoruba-Volk (Iorubá oder Nagô auf Portugiesisch) spricht Yoruba und die Heilige wird Orisha genannt. Sie ist auch die meistverbreitete Candomblé-Nation in Brasilien. Efa und Ijexá in den Bundesstaaten Bahia, Rio de Janeiro und São Paulo Nagô oder Egba in den Bundesstaaten Pernambuco, Rio de Janeiro und São Paulo Oió-ijexá oder Batuque-de-Nação im Bundesstaat Rio Grande do Sul Mina-nagô oder Tambor-de-Mina im Bundesstaat Maranhão Xangô in den Bundesstaaten Pernambuco, Paraíba, Alagoas Xambá in den Bundesstaaten Alagoas und Pernambuco (fast ausgestorben). Bantu, Angola oder Batuque (Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Bahia, Pernambuco, Rio de Janeiro, Minas Gerais, São Paulo, Goiás) – das Bantu-Volk ist eine Mischung aus Völkern, die Bantu, Kimbundo, und Kikongo-Sprachen sprechen, die Heilige wird Nkisi genannt. Bantu, Angola, oder Batuque (Rio Grande do Sul) – Mischung der Oió-ijexá-Sprachen Caboclo (verehrt neben den Orixás noch indianische Gottheiten Caboblo genannt) Jeje (Bundesstaaten Bahia, Rio de Janeiro und São Paulo). Das Wort „Jeje“ kommt von dem Yoruba-Wort „adjeje“ und bedeutet „Ausländer, Fremder.“ Es gab nie eine Jeje-Nation in Afrika. Was Nation Jeje im Candomblé genannt wird, wird von den Fon Menschen die hauptsächlich aus der Dahomey-Region und die Mahis oder mahins Volk gebildet und nach Brasilien gekommen waren. „Jeje“ war der Name abwertend von Yorubas für die Menschen gegeben, die den Osten bewohnt, denn die Mahis ein Stamm auf der Ostseite und Saluvá oder Leute von der Südseite Savalou waren. Der Begriff Saluvá oder Savalou stammt tatsächlich aus „Speichern“, das war der Ort, wo sie „Nana“ (Heilige) verehrt. Nana, einer der Ursprünge von denen würde Bariba, eine alte Dynastie von einem Sohn von Oduduwa Ursprung, der der Gründer Schaveh (in diesem Fall mit den Fon Menschen zu tun) ist. Die Abomey war im Westen, während die Axantis der nördliche Stamm waren. Alle diese Stämme waren Jeje-Menschen. Die Fon, Ewe, Fanti, Ashanti, Mahi, Abomey und Minas sind Völker die eine Mischung der Sprache der Ewe und Fon sprechen und deren Heilige Vodum genannt wird. Mina Jejé im Bundesstaat Maranhão Babaçue im Bundesstaat Pará

Glaube Candomblé ist eine Form von Spiritismus und betet eine Anzahl von Göttern oder Geistern an, die von afrikanischen Gottheiten abgeleitet sind:

Aus der Yoruba-Mythologie wurden die Orixá abgeleitet, welche von einem Göttervater, Olorun, geschaffen wurden. Die Orixá sind dabei Mittler zwischen Olurun, welcher nicht verehrt wird, und den Menschen. Candomblé behielt nur 16 aus den Hunderten Gottheiten, die in Afrika angebetet wurden.