mini|350px|Altar der Stadtpatrone

Der Altar der Stadtpatrone (früher auch Dreikönigsaltar oder Kölner Dombild) ist ein Triptychon von Stefan Lochner. Dieses stand ursprünglich in der Ratskapelle und wurde 1810 in den Kölner Dom überführt. Seit 1948 bildet das Triptychon das Zentrum der Marienkapelle im Kölner Dom. Der Flügelaltar gilt als das bedeutendste Werk der spätgotischen Kölner Malerschule.

Geschichte alternativtext=Vorstellung der Weihnachtsbriefmarke|links|mini|Vorstellung der Weihnachtsbriefmarke 2017 in der Marienkapelle

Nach der Ausweisung der Juden aus Köln im Jahr 1423 wurde die Ratskapelle St. Maria in Jerusalem anstelle der teilweise zerstörten mittelalterlichen Synagoge Kölns 1426 geweiht. Der Altar wurde dabei auf dem Steinfundament des zerstörten Toraschreins errichtet. Vor den Ratssitzungen konnten die Ratsherren an den täglichen Andachten in der Kapelle teilnehmen. Daher beauftragten sie Stefan Lochner, für diesen Altar ein Triptychon zu schaffen, das die Schutzheiligen der Stadt, die Stadtpatrone, darstellte.

1501 wurden für die Seitenflügel kostbare rotweiße Damastvorhänge angeschafft. Das Werk muss bereits Zeitgenossen als herausragendes Kunstwerk bekannt gewesen sein. Albrecht Dürer ließ sich 1520 auf einer Reise in die Niederlande für zwei Weißpfennig den Altar öffnen, um die Malerei betrachten zu können. Nur aufgrund seiner Tagebuchnotiz, dass er ein Bild von Maister Steffan von Cöln habe sehen können, wurde das Werk 1823 dem Künstler Stefan Lochner zugeordnet.Arnold Wolff: Der Dom zu Köln, bearbeitet und ergänzt von Barbara Schock-Werner, Köln 2015, S. 43f 1568 wurde das Triptychon von Arnt Bruyn neu vergoldet.

Vor den französischen Revolutionstruppen wurde der Altar 1794 versteckt. Da die Kapelle in den Jahren der französischen Besetzung säkularisiert wurde, wurde der Altar 1810 auf Betreiben des Kölner Gelehrten und Kunstsammlers Ferdinand Franz Wallraf in den Kölner Dom überführt. In dieser Zeit erfolgte eine weitere Restaurierung durch Maximilian Heinrich Fuchs und den Vergolder Christian Waltzer. Im 19. Jahrhundert – zur Zeit der Neugotik – erlebte das Dombild einen Popularitätsschub und wurde mehrfach kopiert, unter anderem von Benedikt Beckenkamp.Frank Günter Zehnder: Stefan Locher, Meister zu Köln, Herkunft - Werke - Wirkung, Köln 1993, S. 324. Die originale Predella ist verloren gegangen. An ihre Stelle steht der Altar auf einem Inschriftensockel, den Ferdinand Franz Wallraff in Erinnerung an die Überführungen des Werkes in den Dom gestalten ließ.S. Hauschild, S. 38

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Altar zum Schutz vor Kriegsschäden ausgelagert und dabei von Hanna Adenauer, der späteren Stadtkonservatorin, persönlich begleitet.Hanna Adenauer: Heiteres und Besinnliches aus ernster Zeit. In: Festschrift für Franz Graf Wolff Metternich. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hg.), Jahrbuch 1974. S. 45–49. Seit 1948 bildet der Altar das Zentrum der nach dem Weltkrieg neu gestalteten Marienkapelle im Dom.

Zur Gestaltung der Weihnachtsbriefmarke im Jahre 2017 wurde ein Motiv aus dem Altarbild verwendet. Die von Heribert Birnbach gestaltete Marke zeigt Maria als Himmelskönigin und die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Die Sonderbriefmarke mit dem Titel „Aufwartung der Heiligen Drei Könige“ wurde von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in der Marienkapelle vor dem Altar der Stadtpatrone vorgestellt. https://www.erzbistum-koeln.de/news/Weihnachtsbriefmarke-2017-verkuendet-Botschft-der-Hl.-Drei-Koenige/

Über Lochners Triptychon soll künftig ein Wandgemälde von Andrea Büttner an der Stirnwand der Marienkapelle das Steinfundament des Toraschreins aus der mittelalterlichen Synagoge Kölns in Originalgröße zeigen. Mit dem Hinweis, dass der Altar mit Lochners Triptychon einst in der Ratskapelle stand, soll das Wandgemälde an die Ausweisung der Juden aus Köln im Jahr 1423, die teilweise Zerstörung ihrer Synagoge und deren Umwidmung zur Ratskapelle erinnern. So soll es die Geschichte der Kölner Juden mit der des Doms verbinden und zeigen, wie die Widmung des Altars in der Ratskapelle das jüdische Fundament des Christentums enteignete, mit dem christlichen Altar überformte und unsichtbar machte. Das Gemälde soll dieses Fundament und damit jüdisches Leben in Köln wieder sichtbar machen.Markus Frädrich: Sieger-Entwurf des Internationalen Kunstwettbewerbs Kölner Dom steht fest. Koelner-dom.de, 3. April 2025 Den Entwurf hat eine Jury einstimmig als Siegerentwurf eines Wettbewerbs für ein neues Kunstwerk im Kölner Dom zum heutigen christlich-jüdischen Verhältnis bestimmt und am 3. April 2025 öffentlich vorgestellt. Den internationalen Wettbewerb zu einem Gegenentwurf zu judenfeindlichen Darstellungen im Kölner Dom hatte die Domverwaltung im August 2023 gestartet. Im Dezember 2023 waren 15 Künstler aus dem In- und Ausland dazu ausgewählt worden.Künstlerwahl für interreligiöses Kunstwerk am Kölner Dom: Wettbewerb von ganz neuer Relevanz. Domradio, 12. Dezember 2023. Am 19. September 2024 hatte eine Jury vier der eingereichten Entwürfe ausgewählt und deren Ersteller beauftragt, ihren Entwurf bis zum 4. Februar 2025 zu konkretisieren.Markus Frädrich: Internationaler Kunstwettbewerb Kölner Dom: Finalisten stehen fest. koelner-dom.de, 20. September 2024.

Künstler Wie im Mittelalter üblich, ist das Kunstwerk nicht signiert. 1822 lenkte Johanna Schopenhauer, die Mutter des gleichnamigen Philosophen, in ihren Schriften die Aufmerksamkeit auf den Tagebucheintrages von Albrecht Dürer, in dem dieser auf seiner Reise in die Niederlande die Ausgaben festhielt. Dürer hatte auf dieser Reise im November 1520 rund zwei Wochen Köln besucht und sich gleich an den ersten Tagen ein ausgewähltes Kunstwerk zeigen lassen: „Ich hab 3 weißpfenning, item hab 2 weißpfenning geben von der taffel auff zusperren, die maister Steffan zu Cöln gemacht hat.“Albrecht Dürer: Schriftlicher Nachlass, hrsg. von H. Rupprich, Bd. 1, Berlin 1956, S. 160 Dieser Meister Steffan wurde mit dem aus Kölner Dokumenten bekannten, offenbar herausgehobenen Maler Stefan Lochner identifiziert. Die Zuordnung gilt als plausibel, hat aber hypothetischen Charakter.Zu den Zweifeln siehe Michael Wolfson: Vor Stefan Lochner? Über den Maler des Kölner Dombildes und den Meister des Heisterbacher Altars, in: Frank Günter Zehnder: Stefan Lochner - Meister zu Köln. Herkunft - Werke - Wirkung, Katalog zur Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum, Köln 1993, S. 97. Zur vorherrschenden Plausibilität: rheinische-geschichte.lvr.de: Stefan Lochner

Von einzelnen Kunsthistorikern ist spekuliert worden, dass das Bild auch ein Selbstporträt von Stefan Lochner enthalte. Der Mann mit der grünen Kappe hinter Gereon zeige physiognomische und ausgeprägt individuelle Gesichtszüge, die anderen Figuren fehlen. Ikonographische Details wiesen darauf hin, dass „eine Selbstdarstellung des Malers besonders plausibel“ sei.Christian Hornig: www.welt.de: Der Mann hinter Gereon, Die Welt vom 25. Januar 2010.

Datierung Die Entstehung des Altars wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts in die Zeit zwischen 1440 und 1442 datiert. Erstmals vorgeschlagen hat dies Johann Jakob Merlo, der 1852 den von Dürer genannten Meister Steffan mit dem historisch nachweisbaren Stefan Lochner identifizierte. Lochner habe in jenen Jahren Häuser erworben, die er sich nur nach Vollendung des Altars habe leisten können.Johann Jakob Merlo: Kölnische Künstler in alter und neuer Zeit, Düsseldorf 1895, S. 831 Michael Wolfson, der diese Argumentation für „kaum überzeugend“ hält, datiert das Dombild auf die Zeit um 1435. Die Ratskapelle sei schon 1426 eingeweiht worden; aus stilkritischer Sicht sei das Dombild aber erst nach der Vollendung des von Jan van Eyck geschaffenen Genter Altars entstanden.Michael Wolfson: Vor “Stefan Lochner”? Über den Maler des Kölner Dombildes und den Meister des Heisterberger Altares, in: Frank Günter Zehnder: Stefan Lochner, Meister zu Köln, Herkunft - Werke - Wirkung, Köln 1993, S. 102

Bildmotiv Der Altar der Stadtpatrone gilt als das Hauptwerk Lochners. Das Triptychon ist 260 cm hoch. Der Mittelteil hat eine Breite von 285 cm, jeder Seitenflügel misst 142 cm. Die Werktagsseite zeigt die Verkündigung des Engels an Maria. Die innere Feiertagsseite präsentiert die wichtigsten Heiligen der Stadt Köln in einem vergoldeten Rahmen, der am oberen Rand durch ein geschnitztes Maßwerk verziert ist. Zentrales Motiv ist Maria als Himmelskönigin und die Anbetung Jesu durch die Heiligen Drei Könige. Auf dem linken Flügel befindet sich die heilige Ursula mit 11 ihrer angeblich 11.000 Jungfrauen. Auf dem rechten Flügel ist der heilige Gereon vor einer Schar seiner Getreuen aus der Thebaischen Legion abgebildet.

Die Werktagsseite des Altars erlaubt dem Betrachter einen Blick in einen scheinbar einheitlichen Raum, obwohl sich das Bild auf zwei gerahmte Flächen verteilt. Die Rahmen wirken wie ein Fenster, hinter dem sich ein Zimmer mit goldgemustertem Vorhang, mit perspektivisch verkürzter Decke und Fußboden als naturalistischer Handlungsraum befindet. Dort verkündet ein wirklichkeitsnah gemalter Engel aus der Bewegung einer scheinbar aufgeschreckten, zart gemalten Maria einen Gruß. Nur die Attribute der zierlichen Figuren – Heiligenschein und Engelsflügel – entheben sie der Zeitlichkeit einer Szene mit zwei jungen Frauen.

Die Feiertagsseite zeigt auf Goldgrund die Patrone der Stadt Köln: die heiligen Drei Könige, die heilige Ursula und den heiligen Gereon. So konnte die Kölner Bürgerschaft am Altar der Gottesmutter huldigen, an deren Hof sie durch die Patrone vertreten wird.Udo Mainzer: Kleine illustrierte Kunstgeschichte der Stadt Köln, Köln 2015, S. 80f

Stefan Lochner arrangierte die Patrone in einem strengen axialsymmetrischen Aufbau, dem er alle tradierten Bildfindungen opfert. Zentraler Bildpunkt ist die thronende Maria, deren Krone sie als Himmelskönigin ausweist, mit dem Jesusknaben auf dem Schoß. Ihr sind rechts und links je ein König huldigend zugeordnet. Diese drei Figuren bilden eine zentrale Dreieckskomposition. Der dritte König dagegen ist unscheinbar in den Hintergrund gerückt; seine Silhouette wird von einem nicht näher differenzierten Gefolgsmann symmetrisch auf der Gegenseite des Marienthrones gespiegelt. Lochner verzichtet auf alle tradierten Bildelemente – wie Stall, Esel, Ochs oder Josef – und präsentiert die Himmelskönigin dagegen vor einem mit Vögeln bestickten Vorhang, der von zwei kleinen Engeln gehalten wird. Die Gefolgschaft der Könige ist gedrängt rechts und links des Thrones versammelt. Auch die Patrone auf den Außenflügeln – Ursula links und Georg rechts – scheinen der Aufwartung bei Maria beizuwohnen. Sie sind in ihrem Habit gegensätzlich dargestellt: auf dem Ursula-Flügel fallen die zart gestalteten Inkarnate und die voluminösen Gewänder auf. Auf dem Gereon-Flügel beeindrucken das blanke und plastisch gestaltete Metall der Rüstungen. In ihrer Aufstellung allerdings ordnen sich die Heiligen und das hinter ihnen sehr dicht gedrängte Gefolge dem übergreifenden symmetrischen Bildaufbau unter. Einzig das Jesuskind auf dem Schoße Mariens ist leicht aus der Symmetrieachse nach links verschoben; es hebt die Hand mit einer segnenden Geste dem ältesten König zugewandt.Frank Günter Zehnder: Stefan Locher, Meister zu Köln, Herkunft - Werke - Wirkung, Köln 1993, S. 324

Der Maler zeigt in der Gestaltung der Kleidungsstücke sein meisterliches Können. Der alte König trägt ein Gewand