British Agent ist ein US-amerikanischer Spielfilm mit Leslie Howard und Kay Francis in den Hauptrollen unter der Regie von Michael Curtiz. Der Film spielt kurz vor und während der Oktoberrevolution und orientiert sich in groben Zügen an den Memoiren des Geheimagenten R. H. Bruce Lockhart. Die Rolle von Kay Francis ist eine mehr oder wenige offene Darstellung von Moura Budberg, der damaligen Geliebten von Lockhart.
Handlung Stephan Locke kommt 1917 im Auftrag der britischen Regierung nach Russland, um zu verhindern, dass das zusammenbrechende Zarenreich bzw. sein Nachfolger einen Separatfrieden mit dem Deutschen Kaiserreich schließt. Er lernt Elena Moura kennen, eine Adlige aus der Ukraine, die sich den Revolutionären angeschlossen hat. Sie arbeitet als Sekretärin für Lenin und ist auf Seiten des Tscheka tätig. Beide verlieben sich ineinander, trotz unterschiedlicher Vorstellungen über Politik und das menschliche Gemeinwohl. Elena hat große Sympathien für den Umbruch, der sich mit der Oktoberrevolution abzeichnet.
Locke ist sehr viel zynischer und meint lakonisch:
Im weiteren Verlauf der Handlung versucht Locke, britische Unterstützung für die Konterrevolution zu organisieren. Elena rettet ihm mehrfach das Leben, indem sie für ihn lügt. Stephen versucht, Elena zu überzeugen, die Seiten zu wechseln. England kämpfe schließlich für das Wohl der gesamten Welt. Sie gibt sich davon wenig beeindruckt. Der Kampf gelte ausschließlich „Englands Welt. Nicht der unsrigen.“
Etliche Verwicklungen später treffen die beiden an einem Bahnhof an der Grenze wieder zusammen. Elena warnt Stephen vor einem Attentat, das beide überleben. Sie fliehen gemeinsam nach England und in eine glückliche gemeinsame Zukunft.
Hintergrund Kay Francis war unmittelbar nach ihrem Wechsel von Paramount im Jahr 1932 zu Warner Brothers zu einer beliebten Darstellerin von unabhängigen, selbstbewussten Frauen aufgestiegen, die für ihre Liebe kämpfen und sich nicht den gängigen Moralvorstellungen unterwerfen. Seit 1933 war ihre Karriere durch einige minderwertige Auftritte in B-Filmen in ernsthafter Gefahr. Meist bekam Francis nur Rollen angeboten, die zuvor von anderen etablierten Stars abgelehnt worden. Im Fall von British Agent hatte zuvor Barbara Stanwyck sich geweigert, die Rolle zu übernehmen. Der Film bringt dem Charakter von Elena, der lose an Moura Budberg angelehnt ist, erhebliche Sympathien entgegen. Während Locke als zynischer Opportunist und Mann ohne echte Prinzipien dargestellt wird, hat Elena aus freier Überzeugung ihre adlige Geburtsrechte hinter sich gelassen und auf enormen Reichtum und ein Leben in Luxus verzichtet, um sich ganz ihren Idealen zu widmen. Die Dreharbeiten unter der Regie von Michael Curtiz verliefen relativ entspannt, wobei Curtiz in der Lage war, trotz eines engen Budgets eine relativ authentische Adaption abzuliefern. Die Massenszenen brachten bis zu 1.500 Statisten auf die Leinwand und zunächst hatte das Studio sogar versucht, Teile des Films in der Sowjetunion zu drehen, was jedoch von den dortigen Verantwortlichen abgelehnt wurde.
Die Rolle des Stephan Locke war eine nur sehr dünn kaschierte Darstellung des britischen Geheimagenten R. H. Bruce Lockhart, der Mitte 1917 nach Russland kam, um den sich anbahnenden Friedensvertrag von Brest-Litowsk zu verhindern. Während der Zeit traf er die ukrainische Baronin Moura Budberg, die sich von ihrer Familie gelöst und den Kommunisten unter Lenin angeschlossen hatte. Beide hatten eine Affäre und Budberg war wahrscheinlich zeitweise als Doppelagentin tätig. Budberg verließ einige Zeit später Russland und begann ein Verhältnis mit dem Autor H.G. Wells. In späteren Jahren fungierte sie für einige Hollywoodproduktionen als Beraterin, so für Die Reise von Anatole Litvak und The Seagull von Sidney Lumet aus dem Jahr 1968.
Kritik Die meisten Kritiker fanden Gefallen an dem Film, wenn auch das etwas aufgesetzte Happy End bemängelt wurde.
So schrieb Variety:
Die New York Times zeigte sich ebenfalls angetan:
Kinoauswertung Das Studio investierte mit 475.000 US-Dollar einen vergleichsweise geringen Betrag. An der Kinokasse erwies sich British Agent als sehr populär und spielte in den USA schon 532.000 US-Dollar ein, zu denen weitere 390.000 US-Dollar aus dem Ausland kamen. Mit 922.000 US-Dollar wurde es eine der bis dahin erfolgreichsten Produktionen mit Kay Francis.
Quelle Scott O’Brien – Kay Francis I Can’t Wait to be Forgotten – Her Life von Film and Stage ISBN 1-59393-036-4.
Weblinks
Hintergrundinformationen und Originalkinotrailer bei Turner Classic Movies
Fußnoten
Kategorie:Michael Curtiz Kategorie:Filmtitel 1934 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Erster Weltkrieg im Film Kategorie:Kriegsfilm