369x369px|mini|Postkarte Laufenmühle um 1913 Die Laufenmühle ist ein Ortsteil von Welzheim in Baden-Württemberg und befindet sich ca. 2,5 km westlich von Welzheim im Wieslauftal. Die namensgebende Laufenmühle wurde über Jahrhunderte als Mahlmühle und später auch als Sägemühle betrieben. Am Standort wird seit den 1950er Jahren eine Soziale Einrichtung betrieben.

Geschichte der Mühle

Name und Standort Der Name geht auf einen Mühlenbetrieb zurück, der unmittelbar unterhalb eines 6 bis 8 Meter hohen Wasserfalls der Wieslauf einen idealen Standort fand, denn Wasserfälle oder Stromschnellen, im Alemannischen „Laufen“ genannt, erleichtern durch das lokal konzentrierte Gefälle die Nutzung der Wasserkraft. Der Wasserfall wurde für den Mühlenbetrieb und später das genau dort querende Eisenbahnviadukt stark überbaut, im Gegensatz zum etwa gleich hohen Mündungsfall des unmittelbar unterhalb zufließenden Edenbachs. Beide Fälle bildeten sich an den widerstandsfähigen, nahezu horizontal lagernden Bänken des Unteren Stubensandsteins, auch Fleins genannt.

Nur gut 500 Meter weiter flussabwärts entstand an einem weiteren Wasserfall am Beginn der Wieslauf-Schlucht (alemannisch „Klinge“) die Klingenmühle, deren Wasserrad eine Sägerei antrieb.

Erste urkundliche Erwähnungen Die Laufenmühle wurde erstmals im Jahre 1582 urkundlich erwähnt. Aus den Altwürttembergischen Lagerbüchern ergibt sich, dass die Laufenmühle im Eigentum der Schenken von Limpurg stand und als erblichen Lehen an die Laufenmüller vergeben wurde. Die Schenken von Limburg besaßen zahlreiche Besitztümer in Welzheim und Umgebung.

Diese erste Erwähnung ist für die Laufenmüller nicht rühmlich. Die Schenken von Limpurg ließen die ihnen gehörenden Mühlen regelmäßig besichtigen. Die Protokolle darüber sind erhalten. Bei einem Laufenmüller, dessen Name nicht genannt ist, wurde beanstandet, dass die Messbecher zu klein waren und nicht den vorgeschriebenen Maßen entsprachen. Die Herrschaft soll den Müller zur Rede stellen und der Müller soll sofort, spätestens innerhalb eines Monats, korrekte Messbecher verwenden.Protokoll vom 21. Mai 1582, Staatsarchiv Ludwigsburg B 113 I Bü 747

Die Laufenmüller und die Folgen des Dreißigjährigen Krieges Im Jahre 1597 begann die protestantische Kirche in Welzheim erstmals, die familiären Ereignisse von Geburt, Heirat und Tod in Kirchenbüchern aufzuschreiben. Bereits in diesem Jahr wurde der Laufenmüller Michel und seine Ehefrau Magdalena erwähnt. Ein Familienname wurde noch nicht genannt. Dieser Laufenmüller geriet in den Strudel des Dreißigjährigen Krieges und in die Pestepidemie der Jahre 1626/27. Sie rafften mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Welzheim hinweg. Die meisten Häuser waren verlassen und lagen „wüst“, so auch die benachbarte Klingenmühle. Die Laufenmühle hatte unter dem Krieg gelitten und wurde als heruntergekommen beschrieben, scheint jedoch nicht verlassen worden zu sein.

Die Müller-Familie Fischer Aus Bayern und aus der Steiermark kamen protestantische Glaubensflüchtlinge. In Welzheim wurden acht Neuzugezogene genannt. Die Laufenmühle bekam 1640 mit Georg Fischer aus Winterbach einen neuen Besitzer. Dieser wurde steuerlich deutlich niedriger eingeschätzt als die übrigen Mühlenbesitzer. Es wurde auch vermerkt, dass er eine Kuh und drei Esel besaß. Die Nachkommen von Georg Fischer betrieben die Laufenmühle über neun Generationen bis zum Jahre 1890.

Das Kirchenbuch von Welzheim dokumentiert unter dem 17. Juli 1670 eine Kirchenbuße für den Laufenmüller Adam Fischer, der die Ehe gebrochen und seine Stiefschwester Anna Margareta schwängerte. Ein weiterer Eintrag bezieht sich auf Adams Tochter, Christina Fischer. Unter dem 19. April 1732 ist die Geburt des vierten unehelichen Kindes von Christina, der „gottlosen Tochter“ Adam Fischers, verzeichnet.

1769 errichtete Daniel Fischer (* 1736, † 1788) neben der Mahlmühle eine Sägemühle. Er hatte jedoch das Pech, dass sie bereits ein Jahr später nach einem wolkenbruchartigen Regen weggeschwemmt wurde. Die Mahlmühle wurde schwer beschädigt. Ursächlich für den Schaden war die herzogliche Floßgasse, die für den Holztransport freigelassen werden musste. Der Laufenmüller wurde deshalb von Herzog Carl Eugen mit 600 Gulden entschädigt.Die von den Kammerschreiberei Untertanen bei Herzoglichen Rentkammer ausgewirkten Indemnisationen betr. die Laufenmühle bei Welzheim, 1770–1771, Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 248 Bü 1231

Die Steuereinschätzungen in Welzheim der Jahre 1808 bis 1824, nach denen sich auch das 1819 geschaffene württembergische Zweiklassenwahlrecht für den württembergischen Landtag richtete, offenbarten, dass die Müller der Laufenmühle und der Klingenmühle zu den reichsten Bürgern von Welzheim gehören. Sie verdienen das drei- bis vierfache der Bauern und das doppelte der Wirte.

Wechselnde Eigentümer ab 1890 1890 übernahm Wilhelm Roehm die Laufenmühle, die jetzt aus dem eigentlichen Mühlengebäude, einem Wohnhaus und einer Remise zur Einstellung von Wagen und Geräten besteht. Roehm erweiterte die Mühle: Das oberschichtige Wasserrad wurde durch ein Zellenrad ersetzt. Dieses sollte nicht nur die Getreidemühle antreiben, sondern auch eine Kreissäge.

1899 übernahm der Metzgermeister Karl Schweikhardt aus Stuttgart, der sich als „Königlicher Hoflieferant“ ausweist, die Laufenmühle. Er ging unternehmerisch vor und erweiterte die Laufenmühle ganz wesentlich: Etwa 150 Meter oberhalb der Mühle erstellte er ein Stauwehr für ein Wassertriebwerk, mit dem Strom für den eigenen Bedarf produziert wurde. Neben der Wieslauf legte er zu Fischzuchtzwecken zwei Seen an, die von einer Quelle gespeist wurden und einen Ablass hatten, der unterhalb der Stauanlage wieder in das Flüsschen einmündete. mini|233x233px|Grundmauern der ehemaligen Laufenmühle 2018 Letzter Eigentümer der Laufenmühle war Karl Baumann, Landwirt aus Welzheim, der die Mühle im Jahre 1921 übernahm. Dieser stellte den Mühlenbetrieb im Jahre 1924 ein und übertrug die Wassernutzungsrechte der Laufenmühle auf die Firma Haasis und Hahn, der bereits die weiter flussabwärts liegende Klingenmühle gehörte. Das Oberamt Welzheim befürwortete in einer Stellungnahme vom 9. Mai 1924 die neue Nutzung der Wasserrechte. Das Wehr und die Mühlenanlage der Laufenmühle durften belassen werden, weil die Wasserwerkanlagen so alt und gebrechlich gewesen seien, dass sie in zwei bis drei Jahren ganz hätten erneuert werden müssen. Im Mai 1928 verzichtete Karl Baumann auf die Mühlenkonzession. Das Oberamt verfügte am 12. Oktober 1928, dass die Stauanlage oberhalb der Laufenmühle restlos zu beseitigen war.

Das Ende der Mühle Am 16. Dezember 1929 brannten Mühlengebäude und Wohnhaus nieder. Der Brand wurde durch die 16-jährige Anna Strohmaier aus Klaffenbach gelegt.Großfeuer im Kurhaus Laufenmühle bei Welzheim, Ludwigsburger Kreiszeitung vom 17. Dezember 1929 Sie konnte als Brandstifterin bereits mehrere Tage nach dem Brand ermittelt werden, weil sie ihre eigenen Kleider und Wäsche gut verpackt im Hühnerstall vor dem Feuer in Sicherheit gebracht hatte. Als Grund für die Brandlegung gab sie bei der Polizei an, ihr Dienstverhältnis als Magd mit dem Laufenmüller lösen zu wollen.Welzheimer Bote vom 17. Dezember 1929, Archiv Rathaus Welzheim Baumann verzichtet auf einen Wiederaufbau und erhielt von der Württembergischen Brandversicherung eine Entschädigung in Höhe von 30.000 Mark. Dieser Betrag reichte nicht aus, um seine Schulden zu decken. Die Grundstücke gingen in die Zwangsversteigerung. Die Stadt Welzheim erwarb einen sechs Meter breiten Streifen entlang der Straße. Dies war das endgültige Aus für die Laufenmühle. Die Brandruine wurde abgerissen.

Heute führt die Straße über die Stelle, wo die Mühle stand. Von dieser sind nur noch Reste der Grundmauer zu sehen.

Gasthof und Hotel mini|Kurhotel und Gasthaus zur Laufenmühle um 1925 Welzheim war bereits im 19. Jahrhundert ein Höhenkurort. Besonders die frische Luft des Welzheimer Waldes zog die Bevölkerung aus den Städten an. Daher wurde um 1890 in unmittelbarer Nähe der Laufenmühle das Gasthaus zur Laufenmühle mit einem separaten Kurhaus errichtet. Geboten wurde eine separate Gartenterrasse und 20 Fremdenzimmer. In den Sommermonaten kamen viele Erholungssuchende vor allem aus dem Stuttgarter Raum.

Unter Hitler wurden die Gebäude zu Lagern für Zwangsarbeiterinnen umfunktioniert, die in Welzheim und Umgebung für das Regime arbeiten mussten.

Soziale Einrichtungen am Standort Laufenmühle Von 1948 bis 1949 war in den Gebäuden die Knabenheimschule des Ev. Hilfswerks untergebracht. Zirka 70 Knaben vorwiegend aus den deutschen Ostgebieten wurden betreut. Leiter war Willibald Heldt. Im April 1951 gründeten Frau Rohlsen, Frau Lippert und Frau König das „Jugendhilfswerk Laufenmühle“ und damit die anthroposophische soziale Arbeit in der Laufenmühle. 1973 fusioniert das Jugendhilfswerk mit dem bis dahin im nahen Rudersberg-Lindental ansässigen Christopherus-Heim, einer Behinderten-Einrichtung für Kinder, und übernimmt auch dessen Namen. Heute nennt sich die Einrichtung Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft e.V.

Eine besondere Episode ist im Gründungsjahr 1951 ein literarisches Treffen, von dessen Teilnehmern heute einige zu den großen Erzählern des 20. Jahrhunderts zählen: Vom 18. bis 20. Oktober 1951 tagte die in den Nachkriegsjahren gegründete Literatenvereinigung Gruppe 47 unter der Leitung von Hans Werner Richter in der Laufenmühle. 33 junge Autoren präsentierten ihre Werke und stellten sich der unbarmherzigen Bewertung durch Kollegen und Kritiker. Die Teilnehmerliste liest sich wie ein ,Who is who‘ der deutschen Nachkriegsliteratur: Ilse Aichinger, Walter Jens, Alfred Andersch, Rolf Schroers, Hermann Lenz, Wolfdietrich Schnurre, Wolfgang Hildesheimer, Hans Magnus Enzensberger und viele andere waren dabei. Martin Walser schnitt damals als junger Journalist mit einem Ü-Wagen für den Süddeutschen Rundfunk einige Lesungen vom Herbsttreffen der Gruppe 47 mit.Jörg Nolle: Böll, Andersch, Walser? Man hatte anderes zu tun! In: ZVW, Rems-Murr-Kultur, Nummer 259, 9. November 2007.

Heute bietet die Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft etwa 130 Menschen mit Behinderungen Lebens- und Arbeitsplätze auf der Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes. Seit Ende der 1970er Jahre wurden auf einer sonnigen Rodungsinsel oberhalb der historischen Laufenmühle die ersten neuen Wohnhäuser errichtet. Mittlerweile gruppieren sich dort mehrere Gebäude um einen zentralen Platz herum. Dort befinden sich Wohngruppen, Werkstätten, Therapieräume sowie Veranstaltungs- und Gemeinschaftsräume. Die Anzahl der Bewohner je Gruppe liegt zwischen 5 und 10 Personen.