mini|hochkant=1.5| Das Stadttheater Bremerhaven ist ein 1867 gegründetes Mehrspartentheater im Zentrum Bremerhavens mit Aufführungen von Opern, Operetten, Musicals, Ballett, Schauspiel und Jungem Theater. Die 1911 gebaute Spielstätte wurde bei dem schweren Bombenangriff in der Nacht des 18. September 1944 vollständig zerstört. Reste der Jugendstil-Fassade wurden in das 1950 bis 1952 neu gebaute Theatergebäude integriert.

Das Bauwerk wurde 1977 unter Bremer Denkmalschutz gestellt.

1999 bis 2000 erfolgten umfangreiche An- und Umbauten sowie Modernisierungen des gesamten Gebäudekomplexes mit Werkstätten und Probebühnen.

Das Stadttheater Bremerhaven wird als Amt 46 der Seestadt Bremerhaven als Regiebetrieb geführt.

Allgemeines Leitung Intendant: Lars Tietjehttps://stadttheaterbremerhaven.de/service/mitteilungen/pressemitteilung-neues-leitungsteam/ abgerufen am 25. Juni 2024 (seit 2021) Verwaltungsdirektorin: Franziska Grevesmühl-von Marcard (seit 2023) Generalmusikdirektor: Marco Comin (seit 2026) Technischer Direktor: Harm-Dirk Feldmann Sparten und Leitungen Musiktheater, Leitung Markus Tatzig, 7 Ensemble-Mitglieder Opernchor, Chordirektion Kristina Pernat Ščančar und 20 Mitglieder Schauspiel, Leitung Peter Hilton Fliegel, 10 Ensemble-Mitglieder Junges Theater, Leitung Bianca Sue Henne, 4 Ensemble-Mitglieder Ballett, Ballettdirektion Alfonso Palencia, 9 Ensemble-Mitglieder und Akademistinnen und Akademisten Philharmonisches Orchester Bremerhaven, Leitung GMD Marco Comin und Orchesterdirektor Norbert Schmittberg, 53 Mitglieder Niederdeutsche Bühne „Waterkant“ (Niederdeutsche Bühne Waterkant Bremerhaven e. V.), Bühnenleitung Meike Wiemken Theater-Förderverein Der 1970 gegründete Verein zur Förderung des Theater- und Musiklebens e. V. hat um die 1.350 Mitglieder. Er hat seit 1970 dem Stadttheater über 1.400.000 € Förderbeträge zur Verfügung gestellt. Sein Ziel ist der Erhalt des Fünf-Sparten-Theaters (Oper/Operette, Ballett, Schauspiel, Junges Theater und Niederdeutsche Bühne) als kultureller Mittelpunkt des Oberzentrums Bremerhaven.

Geschichte Stadttheater ab 1867 Die Geschichte Bremerhavens geht auf das Jahr 1827 zurück, als der Bremer Bürgermeister Johann Smidt vom Königreich Hannover ein Stück Land nördlich der Mündung der Geeste in die Weser erwarb und den Bau eines Hafens beauftragte, weil Bremen aufgrund der Stromverhältnisse in der Weser für Seeschiffe nicht mehr erreichbar war.

Bereits um 1837 fanden die ersten Theateraufführungen in Bremerhaven durch reisende Schauspielergesellschaften statt und um 1840 die ersten Theateraufführungen in einem Schuppen mit 200 Plätzen in der Fährstraße an der Geeste. Wenige Jahre danach zogen das Theater in ein neues Haus mit 300 Plätzen an der Ecke Mittel- und Leher Straße (heute Sitz der Weser-Elbe-Sparkasse) um. Das Theater im Volksgarten erlebte seine erste Opernaufführung am 3. Oktober 1849 mit Die weiße Dame von François-Adrien Boieldieu. Um 1854 gründeten sich die Vereinigten Theater, die im Tivoli in der Grazer Straße spielten.

1867 gilt als Jahr der Gründung des Stadttheaters Bremerhaven als Mehrspartentheater. Cornelius beantragte dazu 1865 die Genehmigung für einen Neubau. Nachdem der Neubau fertiggestellt war und der städtische Musikdirektor Heinrich Schwiefert das Bühnenhaus übernommen hatte und auf Schienen zu seinem neuen Platz im Volks-Garten transportieren ließ, wurde 1867 das Theater unter der Direktion von Ferdinand Tischendorf eröffnet. Der Zuschauerraum konnte durch Schiebetüren mit einem ebenfalls neu errichteten Ballsaal verbunden werden. Beide Räume hatten um die 2000 Plätze.

1872 wurde als erste Oper Verdis Il trovatore gegeben.

1880 kommen Volksgarten und Stadttheater in den Besitz von Kuhlmann, Vaupel und Allers. Es erfolgten bis 1881 erhebliche recht nüchterne Umbauten und Erweiterungen.

1885 wurde der Bankier Ludwig Allers Besitzer des Theaters.

1903 musste das alte Theater aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen werden. Der Spielbetrieb fand bis 1911 im Ballsaal im Volksgarten statt. Offenbachs Hoffmanns Erzählungen wurden auf einer Seebühne am Volksgarten aufgeführt. 1905 stellte die Stadtverordnetenversammlung die ersten Mittel für ein Drei-Sparten-Theater bereit. Am 30. April 1911 fand mit Der Walzerkönig die letzte Aufführung am Volksgarten statt.

Neubau 1909–1911 mini|Frontalansicht des Theaters mit Flügelbau (1910–1915) Planung und Bau 1905 erwarb die Stadt Bremerhaven das Baugrundstück für den geplanten Theaterneubau – das größte Teilgrundstück war der „Kanonenplatz“, den die Stadt für 25.000 Mark vom Staat erwarb. Dazu kamen drei bebaute Nachbargrundstücke aus privater Hand. 1908 erteilte die Theaterkommission dem Bremerhavener Stadtbaurat Julius Hagedorn und dem Berliner Architekten und Theater-Spezialisten Heinrich Seeling den Auftrag, einen Vorentwurf für den Neubau auszuarbeiten. Der Entwurf war im Frühjahr 1909 fertig, stieß jedoch in der Kommission nicht auf Zustimmung: Die veranschlagte Bausumme von 875.000 Mark schien zu hoch, auch hätte zur Verwirklichung noch ein weiteres Nachbargrundstück erworben werden müssen.Fritz Ernst: Das Bremerhavener Theater. Ditzen, Bremerhaven 1981, S. 38.

Unter der Leitung von Hagedorn wurde daher im Juli 1909 ein beschränkter Wettbewerb für den Theaterneubau ausgeschrieben. Der Jury gehörten neben Hagedorn und Seeling – den beiden Gestaltern des Vorentwurfs – noch die Architekten Emil Högg und Albert Hofmann an.Antje Hansen: Oskar Kaufmann. Ein Theaterarchitekt zwischen Tradition und Moderne. Gebr. Mann, Berlin 2001, S. 27–28. Die Stadt war durch Stadtdirektor Erich Koch (später als Erich Koch-Weser bekannt geworden), den Stadtrat und Architekten Jäger und den Stadtverordnetenvorsteher Lehmkuhl vertreten. 1909 war der Architekt Oskar Kaufmann 36 Jahre alt und bei weitem noch nicht etabliert. Auch wenn das Hebbel-Theater in Berlin (1907–1908) – das erste von Kaufmann entworfene Theater – durch seine neuartige Gestaltung Aufsehen erregt hatte, musste er sich seinen Ruf erst noch erarbeiten. Zu den Architekturbüros, die damals in Deutschland und Österreich den Theaterneubau dominierten, gehörten Fellner & Helmer (Wien), das Jurymitglied Heinrich Seeling (Berlin), Bernhard Sehring (Berlin), Max Littmann (München), Martin Dülfer (Dresden) und Carl Moritz (Köln). Dementsprechend war Kaufmann in der ersten Liste der zum Wettbewerb eingeladenen Architekten nicht enthalten: Nur Littmann, Dülfer und William Müller waren zur Teilnahme aufgefordert. Erst nachdem Littmann die Teilnahme abgelehnt hatte, wurde Kaufmann als Nachrücker eingeladen.

Die Künstler, die Kaufmann mit der Gestaltung wesentlicher Elemente des Theaterbaus beauftragte, kannte er bereits aus voriger Zusammenarbeit. Der plastische Schmuck der Fassaden und des Inneren wurde durch die Bildhauer Hermann Feuerhahn und Georg Roch ausgeführt. Feuerhahn hatte in Kaufmanns Auftrag schon die Bauplastik des Hebbel-Theaters ausgeführt,Antje Hansen: Oskar Kaufmann. Ein Theaterarchitekt zwischen Tradition und Moderne. Gebr. Mann, Berlin 2001, S. 222–229. Der Maler August Unger führte die Deckengemälde aus, er war Kaufmann aus der Gestaltung der Villa Holländer 1909–10 für den Berliner Operettenkomponisten Victor Hollaender vertraut.Antje Hansen: Oskar Kaufmann. Ein Theaterarchitekt zwischen Tradition und Moderne. Gebr. Mann, Berlin 2001, S. 230–233. Die Holzarbeiten wie Seitenpaneele und Gestühl führte Paul Redelsheimer aus.

Architektur Auch die Rückfassade zum Hafen gestaltete Kaufmann repräsentativ.

Nutzung von 1911 bis 1945 mini|Stadttheater ca. zwischen 1939 und 1944 Am 1. Oktober 1911 wurde mit Shakespeares Sommernachtstraum das neue Theater eröffnet.

Von 1911 bis 1919 war der in Bremen wirkende Schauspieler, Dramaturg und Regisseur Gustav Burchard Pächter und Intendant des neuen Stadttheaters in Bremerhaven.

1919 wurde das Theater in die städtische Regie übernommen. Burchard blieb von 1919 bis 1931 weiterhin Intendant des Theaters.

1924 dirigierte Richard Strauss selbst als Gastdirigent die festliche Premiere seiner Erfolgsoper "Salome".

Am 2. März 2025 fand das erste Gastspiel der Waterkant-Speeldeel statt, der heutigen Niederdeutschen Bühne Waterkant, die mit dem Stadttheater fest verbunden ist und jährlich drei Premieren und etwa 70 Vorstellungen im Kleinen Haus spielt.

1931 erhielt das Stadttheater erstmals ein eigenes Ballettensemble. Die Leitung übernahm Christel Ebeling. Das Ensemble bestant aus einer Solotänzerin und acht Tänzerinnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Am 18. September 1944 wurde das Theater während eins schweren Bombenangriffs auf Bremerhaven fast vollständig zerstört. Erhalten blieb lediglich die Jugendstilfassade des Architekten Kaufmann. Nach dem Krieg konnte nur ein provisorischer Theaterbetrieb im Bürgerhaus Lehe stattfinden und als erstes Stück wurde ab dem 20. Oktober 1945 Zuckmayers Volksstück Katarina Knie gespielt. 1945 folgte als erstes musikalisches Stück Leo Falls Der liebe Augustin. Erst 1947 folgte mit Mozarts Die Hochzeit des Figaro die erste Oper. Das Städtische Orchester ward dafür 1947 von 27 auf 36 Musiker aufgestockt und spielte wieder Philharmonische Konzerte, ab 1948 auch regelmäßig Jugendkonzerte. Am 10. April 1952 schloss das Bürgerhaus-Theater.

1950 wurde beschlossen, das Stadttheater Bremerhaven wieder aufzubauen. Die Stadt finanzierte den Neubau auch mit Hilfe von Spenden der Bürger. Das neue Stadttheater wurde am 12. April 1952 mit 747 Plätzen bei 3 Mio. Mark Baukosten mit Mozarts Oper Don Giovanni eröffnet; es folgten Schillers Don Carlos und Beethovens Neunte Sinfonie.

1955 wurde das Kleine Haus in den ehemaligen Räumen der Kunsthalle eröffnet.

1964 fand die deutsche Erstaufführung von Verdis Oper Attila unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Hans Kindler statt, mit Anita Salta als Odabella. Die Aufführung galt als „Verdi-Wunder“ von Bremerhaven, der Kritiker der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit „war skeptisch gekommen“ und „ging überwältigt“.Johannes Jacobi. In: Die Zeit, Nr. 50/1964, S. 16.

Zum hundertjährigen Bestehen des Theaters ernannte 1967 der Magistrat bei einem Festakt den früheren Intendanten Karl Georg Saebisch zum Ehrenmitglied des Theaters. Zu den Chefdramaturgen und Regisseuren des Stadttheaters Bremerhaven gehörte der zuvor in Wilhelmshaven tätige Volker Biedenkapp (1981–1983), der am Großen Haus des Theaters die Uraufführung von Paul Hübners Der Fall WeidigBiedenkapp, Volker. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 96. inszenierte.

Das Ballett bestand nun erstmals nicht nur aus Frauen, sondern aus vier Tänzerinnen und vier Tänzern. Ab 1968 gestaltete das Ballett unter Ballettchefin Gudrun Kreutzberger neben den Auftritten in Operetten und Musicals auch eigene Ballettabende. Kreutzberger blieb bis 1993 25 Jahre im Amt.

Sanierungen von 1997 bis 2000 mini|Grundriss und Umgebung des Stadttheaters Bremerhaven heute (2007) Ende der 1990er Jahre war das Gebäude zunehmend baufällig geworden, mangels Geld zur Erhaltung erwog die Stadtverwaltung auch die Schließung. Mit Mitteln der Stadt und Spenden wurde das Haus für 60 Millionen DM saniert und erweitert (Werkstätten, Proberäume, moderne Bühnentechnik). Am 25. Dezember 2000 wurde das Theater mit der Verdi-Oper Attila in einer Neu-Inszenierung von Peter Grisebach wiedereröffnet.

2000 bis 2021mini|Grundriss und Umgebung des Stadttheaters Bremerhaven heute (2007)