Hörselberg-Hainich ist eine kreisangehörige Einheitsgemeinde im nordöstlichen Wartburgkreis im Freistaat Thüringen, die zum 1. Dezember 2007 durch den freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Behringen und Hörselberg gebildet wurde.Thüringer Gesetz zur freiwilligen Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden im Jahr 2007 Vom 21. November 2007StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007

Geographie Die Gemeinde liegt zwischen Eisenach, Bad Langensalza und Gotha am Südrand des Höhenzuges Hainich und umschließt die namensgebenden Hörselberge. Mit 142 Quadratkilometern war sie, nach Erfurt, Sondershausen und Gera, bis zur Fusion der neuen Gemeinde Gerstungen am 6. Juli 2018 Thüringens viertgrößte Gemeinde und damit größte Flächengemeinde ohne Stadtrecht in Thüringen. Mit 6346 Einwohnern belegt Hörselberg-Hainich Platz drei der bevölkerungsstärksten Gemeinden des Wartburgkreises.

Nachbargemeinden sind Eisenach im Westen, Berka vor dem Hainich im Nordwesten (beide Wartburgkreis), Unstrut-Hainich und Bad Langensalza (beide Unstrut-Hainich-Kreis) im Norden, Nessetal, Hörsel und Waltershausen (alle Landkreis Gotha) im Osten bzw. Süden sowie Wutha-Farnroda im Südwesten.

Gewässer mini|Stausee Silbersee im Hainich Das Gemeindegebiet wird von den Gewässern I. Ordnung Nesse und Hörsel jeweils von Ost nach West durchflossen. In Sättelstädt mündet von Süden die Emse in die Hörsel. Von Norden mündet in Großenlupnitz die Böber in die Nesse. Ein nördlicher Nesse-Zufluss, der Bieberbach, ist die Vorflut der nördlichen Ortsteile Behringen, Wolfsbehringen und Hütscheroda. Von Reichenbach nach Tüngeda verläuft in östliche Richtung der Mittagswassergraben, welcher noch in der Gemarkung Tüngeda den Stausee Wangenheim speist.Topografische Karte 1:25000, Blatt 4928 und 5028, Thüringer Landesvermessungsamt, 1997

In der Gemarkung Sondra wird aus mehreren Brunnen Grundwasser gefördert, das im Wasserwerk Sondra zu Trinkwasser aufbereitet wird. Von hier aus werden die Stadt Eisenach und einige ihrer Ortsteile, die Gemeinden Wutha-Farnroda und Ortsteile, Seebach (Wartburgkreis), Teile der Stadt Ruhla und die südlichen Ortschaften Hörselberg-Hainichs über Fernleitungen versorgt. Teile der Gemarkungen Sondra, Sättelstädt und Bolleroda sind wegen der Wassergewinnung als Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Hörselberg-Hainich gehören 17 Ortschaften:

Ortsteil Höhe ü. NN Einwohner (Juni 2018) Behringen 282 1492 Beuernfeld 254 114 Bolleroda 260 83 Burla 287 82 Craula 432 331 Ettenhausen an der Nesse 253 146 Großenlupnitz 231 770 Hastrungsfeld 302 109 Hütscheroda 315 64 Kälberfeld 260 217 Melborn 238 173 Reichenbach 322 354 Sättelstädt 264 566 Sondra 275 155 Tüngeda 284 495 Wenigenlupnitz 234 591 Wolfsbehringen 290 438

Der Ort Behringen entstand durch den Zusammenschluss von Großenbehringen und Oesterbehringen in den 1950er Jahren. Die Kleinsiedlung Heßwinkel in der Gemarkung Großenbehringen wurde 1976 aufgegeben.

Geschichte

Der Ortsteil Sättelstädt wird als Setinstete in einer Urkunde vom 30. Dezember (zwischen 1015 und 1018) genannt, in der Kaiser Heinrich II. dem Kloster zu Fulda den Wildbann in dem thüringischen Gau und der Mark Lupenzo (um Großenlupnitz) zueignet.August Beck: Die Geschichte des Gothaischen Landes, Band I, Geschichte der Regenten, Gotha, 1868. S. 38

Die Gemeinde Hörselberg entstand am 1. Januar 1996 durch den Zusammenschluss von fünf Gemeinden.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996 Die Gemeinde Behringen entstand zunächst am 1. Juli 1950 durch den Zusammenschluss dreier Gemeinden, von denen eine (Wolfsbehringen) 1957 wieder selbständig wurde.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Diese und weitere drei Gemeinden wurden am 1. Juli 1999 zur neuen Gemeinde Behringen zusammengeschlossen.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 In der Zeit von 1957 bis 1994 wurden bereits kleinere Gemeinden aufgelöst.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl: 2007: 6.568 2008: 6.572 2009: 6.469 2010: 6.374 2011: 6.313 2012: 6.276 2013: 6.244 2014: 6.198 2015: 6.346 2016: 6.275 2017: 6.147 2018: 6.140 2019: 6.101 2020: 6.165 2021: 6.081 2022: 6.041 2023: 6.034 2024: 5.979 Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat in Hörselberg-Hainich setzt sich aus dem Bürgermeister und 20 Ratsmitgliedern zusammen: Partei / Liste Sitze +/− CDU/Bürger für Hörselberg-Hainich 9 ±0 Freie Wähler Hörselberg-Hainich 7 + 1 Wählergemeinschaft Zukunft Hörselberg-Hainich 4 − 1

(Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2024)

Bürgermeister Bei den Bürgermeisterwahlen am 18. Februar 2024 wurde der parteilose Sven Kellner (Freie Wähler Hörselberg-Hainich) zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Amtsvorgänger waren von 2008 bis 2020 Bernhard Bischof (parteilos, seit August 2013 CDU)Birgit Schellbach: Bernhard Bischof (CDU) ist weiter Bürgermeister von Hörselberg-Hainich. Thüringer Allgemeine, 1. Dezember 2013, abgerufen am 2. Dezember 2013. und von 2020 bis zu seinem Rücktritt zum 31. Dezember 2023 Christian Blum (parteilos, für Freie Wähler Hörselberg-Hainich)„Bürgermeister von Hörselberg-Hainich legt Amt nieder“; Thüringer Allgemeine vom 17. Oktober 2023.

Wappen

Flagge Die Flagge der Gemeinde ist grün – gelb geviert und trägt mittig das Gemeindewappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten

Nationalpark Hainich Gutshaus und Wildkatzendorf Hütscheroda Aussichtsturm auf dem Generalsberg bei Hütscheroda Naturschutzgebiet Wacholderheide bei Craula Stausee Silbersee bei Großenlupnitz Hörselberge Venus- und Tannhäuserhöhle Hörselberghaus Frau-Holle-Haus, Hastrungsfeld Schloss Neuscharfenberg, Wenigenlupnitz Schloss Behringen mit Schlosspark, Lapidarium, Inspektorenhaus und Dorfanger Skulpturenwanderweg Behringen – Hesswinkel – Hütscheroda Schloss Tüngeda Talsperre Tüngeda (Wangenheimer See) Dorfkirche Oesterbehringen Peter-und-Paul-Kirche Großenlupnitz Lutherkirche Kälberfeld Kirche und Weinberg Sättelstädt Bockwindmühle Tüngeda Golfplatz Wenigenlupnitz Tiergehege Wolfsbehringen Brunnenkresseteiche in Ettenhausen etwa 15 Steinkreuze Waidmühlstein am Dorfanger Craula Flugplatz Kindel

Denkmale Ein archäologischer Fundplatz (Bodendenkmal) liegt östlich des Ortes Sättelstädt nahe der ehemaligen Autobahn in der Hörselniederung. Dort fand man spätbronzezeitliche Funde und Palisadenanlagen. Es wird vermutet, dass diese Anlagen kultischen Charakter hatten.Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 231. In der Umgebung der Orte Behringen, Wenigenlupnitz und Reichenbach befinden sich etwa 10 mittelalterliche Wüstungen, deren Lage bekannt ist sowie weitere ur- und frühgeschichtliche Fundplätze als Bodendenkmale.

In allen Ortsteilen befinden sich (meist bei der jeweiligen Kirche) Gefallenen-Denkmäler für die einheimischen Opfer der Kriege, sie wurden mehr oder weniger aufwändig gestaltet. Die Mehrzahl der bei Kampfhandlungen in den Ortsteilen der Gemeinde gefallenen Soldaten wurden auf die zentrale Kriegsgräberstätte Hötzelsroda am Dürrerhof bei Eisenach umgebettet. Auf dem Friedhof von Sättelstädt wurden acht deutsche Soldaten, die am 3. April 1945 bei der Besetzung durch US-amerikanische Truppen gefallen waren und ein weiterer Gefallener bestattet.

Naturdenkmale Mehrere Bäume in der Gemeinde sind als Naturdenkmal ausgewiesen:Biedermann: Naturdenkmale im Wartburgkreis; Landratsamt Wartburgkreis, 2014, Seite 35 ff. Eiche in Reichenbach Eibe bei Hütscheroda Weymouthskiefer im Schlosspark Behringen Linde am Steinhöck in Großenlupnitz

Vereine Die Gemeinde besitzt ein sehr reichhaltig ausgeprägtes Vereinsleben, das vielen Interessen und Bedürfnissen der Bewohner Rechnung trägt: Zu den ältesten Vereinen zählen Chöre, Schützen- und Sportverein mit zum Teil über 100-jähriger Tradition.

Orchester, Chöre und Sängergemeinschaften Behringer Musikverein e. V. Frauenchor Nessetal Großenlupnitz/Wenigenlupnitz Männergesangsverein Wenigenlupnitz

Schützenvereine Schützengesellschaft 1853 e. V. Schützenverein Craula 1990 e. V. Schützenverein Emsetal e. V. Kleinkaliberschützenverein Kälberfeld 1927 e. V.

Sportvereine Fußballsportverein Behringen e. V. Golfclub Eisenach im Wartburgkreis e. V. Gymnastikgruppe Wenigenlupnitz Pferdesportverein Großenlupnitz SG Nessetal Wenigenlupnitz SV Blau-Weiß Tüngeda 1990 e. V. SV Town & Country Behringen – Sonneborn e. V.

Kultur-, Heimat- und Geschichtsvereine Hörselbergverein Förderverein für die Kirchen Sättelstädt und Burla Verein Behringen International. Partnerschaftsverein Sättelstädt Heimatverein Tüngeda Heimatfreunde Behringen Landfrauenvereine haben sich in Craula und Reichenbach gebildet.

Karnevals- und Kirmesvereine Behringer Karnevalsverein Kirmesgesellschaften in Behringen, Wolfsbehringen, Craula, Reichenbach, Großenlupnitz, Wenigenlupitz-Melborn, Sättelstädt und Tüngeda

In fast allen Ortsteilen bestehen Garten- und Kleintierzuchtvereine sowie Feuerwehrvereine.

Regelmäßige Veranstaltungen In den Ortsteilen finden im Jahreslauf zahlreiche Veranstaltungen und Feste statt, die zum Teil in mittelalterlichem Brauchtum verwurzelt sind.

Das Maienfest in Großenlupnitz wird traditionell durch die örtliche Freiwillige Feuerwehr ausgerichtet. Zum Programm gehören ein Umzug durch das Dorf, Musik und Tanzveranstaltungen sowie ein sportlicher Wettkampf mit benachbarten Feuerwehren. Das Fest der tausend Lichter wird alljährlich im Juni in Wenigenlupnitz am Ufer der Nesse gefeiert. Es wurde erstmals 1965 begangen. Die traditionelle Veranstaltung wurde zunächst vom Dorfclub und dem ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieb organisiert. Inzwischen hat diese Aufgabe der Förderverein Nessetal e. V. übernommen. Sportliche Wettkämpfe, Tanz und Musik sowie verschiedene Belustigungen für Kinder und Jugendliche gehören zum Standardprogramm. Höhepunkt ist stets ein Ochse am Spieß, was der Veranstaltung den Beinamen „Lupser Ochsenfest“ einhandelte. Das Erhard-Schall-Fußballgedenkturnier findet wiederum in Wenigenlupnitz im Juni statt und wird von der Sportgemeinschaft Nessetal ausgerichtet. Nach dem Turnier, zu dem auch Damen- und Jugendmannschaften antreten, folgt traditionell der Sportlerball. Das Laubmannsfest ist im Ortsteil Hastrungsfeld-Burla beheimatet. Jeweils im Juni findet ein Umzug des Laubmanns mit seinem Gefolge durch das Dorf statt. Ursprünglich diente der Umzug als Natur- und Erntefest. Ebenfalls in Hastrungsfeld-Burla wird in der Weihnachtszeit das Frau-Holle-Fest im Gemeindezentrum, dem Frau-Holle-Haus, veranstaltet. Auf dem Sondraer Festplatz findet alljährlich ein Heimatfest der Bevölkerung von Sättelstädt und Sondra mit ihren Gästen, zu denen auch Besucher aus der irischen Partnergemeinde gehören statt.

Religion In den Ortsteilen von Hörselberg-Hainich bestehen 15 evangelisch-lutherische Kirchen. Die Gotteshäuser entstanden teilweise bereits im Spätmittelalter oder ersetzen einen älteren Vorgängerbau. Romanische Architekturmerkmale zeigen noch die Kirchen in Hastrungsfeld und Craula. Die beiden jüngsten Kirchen stehen in Großenbehringen (1846 erbaut) und in Kälberfeld (1905 geweiht). Die historisch gewachsene Struktur zeigt sich auch bei den fünf Pfarrsprengeln: Evangelisches Pfarramt Behringen – zuständig für die Kirchgemeinden in Craula, Hütscheroda, Großenbehringen, Oesterbehringen und Wolfsbehringen Evangelisches Pfarramt Großenlupnitz – zuständig für die Kirchgemeinden Beuernfeld und Großenlupnitz Evangelisches Pfarramt Melborn – zuständig für die Kirchgemeinden Burla, Ettenhausen/Nesse, Hastrungsfeld, Melborn, Sättelstädt und Wenigenlupnitz Evangelisches Pfarramt Schönau a.d. Hörsel – zuständig für die Kirchgemeinde Kälberfeld