Křišťanov (deutsch Christianberg) ist eine Gemeinde im Okres Prachatice in Tschechien. Sie liegt zwölf Kilometer südlich von Prachatice.

Geographie Křišťanov befindet sich im Böhmerwald am Nordrand des Truppenübungsplatzes Boletice am Fuße des Farský vrch (950 m) über der Talmulde des Luční potok. Im Südosten erhebt sich im Militärgebiet der Chlum (1191 m).

Nachbarorte sind Koryto im Norden, Ovesné und Miletínky im Nordosten, Markov im Osten, Arnoštov im Südwesten, Spálenec und Dolní Sněžná im Westen sowie Svatá Magdaléna und Zbytiny im Nordwesten. Südlich befinden sich auf dem Truppenübungsplatz die Ruinen des Ortes Vlčí Jámy (Wolfsgrub).

Gemeindegliederung Die Gemeinde Křišťanov besteht aus den Ortsteilen Arnoštov (Ernstbrunn), Křišťanov (Christianberg) und Markov (Markus).http://www.uir.cz/casti-obce-obec/561673/Obec-Kristanov Im Gebiet der Gemeinde liegen die aufgelassenen Ansiedlungen Adam, Nový Křišťanov (Neuchristianberg), Seníky (Schoberstätten) und Vyšný (Miesau).

Nachbargemeinden

Geschichte Seit dem Jahre 1265 bestand am Luční potok die Ansiedlung Polučí. Bis zum 14. Jahrhundert entstanden mit Vyšný, Markov und Chlumské domky weitere Ortschaften. Später verödete die Gegend durch die Pest. 1602 nahm in Vyšný eine Glashütte den Betrieb auf, sie produzierte bis 1793. Weitere Glashütten wurden in Schoberstätten und Hüttstatt betrieben. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde die Gegend entvölkert.

1694 gründete der Besitzer der Herrschaft Krummau, Johann Christian von Eggenberg das Dorf Christianberg. Es bestand aus 42 Häusern und seine Bewohner waren Siedler aus der Steiermark, Tirol und Bayern.

Als 1717 die Eggenberger im Mannesstamme ausstarben, fiel Christianberg an die Schwarzenberger. Im 18. Jahrhundert entstanden in der Umgebung die Holzfällersiedlungen Wolfsgrub, Käferhäuser, Hüttstatt und Neu Christianberg.

1807 wurde an der Einmündung des Pucheřský potok in die Blanice eine Glashütte gegründet. Die um die Hütte angelegte Glasarbeitersiedlung wurde nach dem Verwalter der Schwarzenbergischen Güter in Krummau, Ernst Meuer, Ernstbrunn benannt. 1919 nahm im Tal der Blanice eine schmalspurige Waldeisenbahn den Betrieb auf, die zum Abtransport des Kalamitätsholzes aus den Wäldern des Böhmerwaldes diente und bei Brenntenberg als Anschlussbahn zur Strecke Prachatitz–Wallern führte. 1932 hatte Christianberg 1464 Einwohner.

Die Glashütte in Arnoštov wurde 1945 stillgelegt. Nach der Vertreibung der deutschen Einwohner im Jahre 1946 erloschen die meisten der Ansiedlungen um Křišťanov. In den verbliebenen Dörfern wurden neue Bewohner aus Böhmen, Mähren, der Slowakei und Rumänien angesiedelt, die teilweise wieder wegzogen. 1950 entstand südlich von Křišťanov der Truppenübungsplatz Boletice.

Glasfabrik Ernstbrunn/Arnoštov' Die Glashütte Ernstbrunn wurde am Zusammenfluss des Pucherbaches mit der Flanitz in der Gemeinde Christianberg errichtet. Glasmeister Johann Plechinger aus Glöckelberg errichtete sie auf eigene Kosten zwischen 1804 und 1808 samt den dazu gehörigen Wohnungen für die Hüttenarbeiter. Josef Fürst zu Schwarzenberg unterzeichnete am 28. Januar 1808 den Vertrag, und zu diesem Zeitpunkt begann auch die Glaserzeugung.

Die Qualität des erzeugten Glases steigerte sich im Laufe Zeit zu hochwertigem Kreideglas, welches weltweit vertrieben wurde. Daneben wurden Liebhaberobjekte wie Glasvögel, Krüge, Vasen, Grablaternen, Schnupftabakgläser, ja sogar gläserne Uhren gefertigt.

Zur Ernstbunner Glasfabrik gehörten außer den genannten Häusern für Betriebsangehörige die Glashütte (Glasbläserei), die Drechslerei (Modellmacherwerkstatt für die die Glasformen in Holz oder Speckstein), eine Glasschleiferei (d’Schleif genannt), ein Lagerschuppen und ein Verpackungsraum (Einbindstube); dazu gehörten noch das sogenannte Herrenhaus (Wohnung der Besitzer, bzw. des Verwalters mit den Räumen der Verwaltung), eine Quarzstampfe (Pucher), später ein Elektrizitätswerk für die Betriebsbeleuchtung, bis eine Dampfmaschine den Strom erzeugte, die Schleifsteine der Glasschleifer und Graveure über Transmissionen antrieb und das Wasserrad als Antrieb ablöste.

Während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) und wegen eines Windbruches im Jahre 1917 ruhte die Glaserzeugung bis 1925. Von da an florierte die Glaserzeugung und der Absatz des hochwertigen Glases wieder. Die Weltwirtschaftskrise verursachte eine erneute Stilllegung der Glasfabrik von 1931 bis 1933. Ab März 1933 ging es wieder aufwärts, bis mit dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Herbst 1938 die Glaserzeugung eingestellt wurde.

Zu den Besitzern der Glashütte: Die Witwe des Gründers der Glasfabrik Karoline Plechinger verkaufte die Glashütte samt Schleiferei 1856 an Wilhelm Kralik von Mayerswalden (vormals Mayers Neffen), dem Besitzer der Glashütten Winterberg, Eleonorenhain, Franzensthal bei Außergefild und Kaltenbach. Im Jahre 1918 ging die Hütte in den Besitz von Fürst Schwarzenberg über, der sie 1924 an Wenzel Hrdina, Glasfabrikant von Chlum bei Wittingau und Rositz bei Brünn verkaufte. Mit der Schließung der Glasfabrik im Jahre 1938 verfiel diese Stätte einstiger Glaskunst im Granulitgebirge Christianbergs.Zs. „Hoam!“ 62. Jg. Mai 2009 S. 22

Persönlichkeiten

Julius Blechinger: (1843–1922) Glasmacher, Musiker, Komponist

Sehenswürdigkeiten mini|Kirche Barocke Namen-Jesu-Kirche in Křišťanov, erbaut 1798–1799, 1990 wieder geweiht Verwaltungsgebäude der Glashütte in Arnoštov

Literatur Luise Pils, Anna Rauscher, Fritz Rauscher, Rudolf Holzer: 300 Jahre Christianberg – „tief drin im Böhmerwald“ 1694–1994. 2. Auflage. Idar-Oberstein 1995, ISBN 3-923824-31-9.

Weblinks

Homepage der Gemeinde tschechisch, deutsch, englisch Bilddokumente Christianberg/Křišťanov Bilddokumente Ernstbrunn/Arnoštov

Einzelnachweise

Kategorie:Böhmerwald