Die Dnepr-Karpaten-Operation war eine große Offensive der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg, die vom 24. Dezember 1943 bis zum 17. April 1944 dauerte.

Vorgeschichte mini|links|Lageentwicklung an der Ostfront von Juli bis Dezember 1943 Im südlichen Teil der Ostfront befand sich die Rote Armee seit dem Fehlschlag des deutschen Unternehmens Zitadelle im Juli 1943 ständig in der Offensive gegen die Wehrmacht, die mit ihren dezimierten und desorganisierten Truppen vergeblich versuchte, stabile Verteidigungslinien zu bilden. Innerhalb weniger Monate war die Rote Armee vom Donez und Mius zum Dnepr und zur Molotschna vorgestoßen und hatte das Donezbecken befreit. Die an diesen Flüssen im Bau befindliche Panther-Stellung konnte in der Schlacht am Dnepr an mehreren Stellen durchbrochen werden. Zwischen den Heeresgruppen Mitte und Süd hatte sich im Bereich der Pripjetsümpfe eine über 150 Kilometer breite Lücke (das „Wehrmachtsloch“) gebildet, in der sowjetische Partisanen beinahe ungehindert operieren konnten. Ende Oktober/Anfang November gelang es der 4. Ukrainischen Front im Süden, die Linien der deutschen 6. Armee zu durchbrechen und die Mündung des Dnepr bei Cherson zu erreichen, womit die Krim abgeschnitten war. Die 2. Ukrainische Front überschritt im November den Dnepr zwischen Tscherkassy und Dnepropetrowsk auf breiter Front und bedrohte die in einem spitz zulaufenden Frontvorsprung in der großen Dneprschleife stehenden deutschen Truppen mit der Abschneidung. Die 1. Ukrainische Front schlug zu dieser Zeit die Schlacht um Kiew gegen die deutsche 4. Panzerarmee, die mit der Befreiung der ukrainischen Hauptstadt endete. Ihr weiteres Vordringen nach Westen in Richtung Schitomir und Korosten konnte im Dezember nur mit Mühe aufgehalten werden.

Die Situation an der Ostfront wurde dadurch weiter kompliziert, dass sich die Heeresgruppe Mitte Ende 1943 ebenfalls ständigen sowjetischen Angriffen ausgesetzt sah und dass Hitler in seiner „Weisung Nr. 51“ vom 3. November 1943 eine weitere Schwächung der zur Abwehr einer alliierten Landung im Westen bereitgehaltenen Truppen ausgeschlossen hatte. Dies hatte zur Folge, dass die Heeresgruppen an der Ostfront mit den vorhandenen, stark abgekämpften Divisionen auskommen mussten und Frontlücken kaum noch geschlossen werden konnten. Zudem bestand Hitler immer wieder darauf, aussichtslose Positionen bis zuletzt zu verteidigen, Brückenköpfe an den Flussläufen zu halten und die Krim unter keinen Umständen aufzugeben. Notwendige Rückzüge wurden meist zu spät genehmigt, was zu nicht mehr zu ersetzenden Verlusten an Menschen und Ausrüstung führte.

Verlauf Gesamtlage der Heeresgruppe Süd Nach dem Verlust von Kiew an die 1. Ukrainische Front unter Armeegeneral Watutin stand die deutsche 4. Panzerarmee Ende Dezember mit dem rechten Flügel noch am Dnepr. Tscherkassy war erst am 14. Dezember durch das 73. Schützenkorps (Generalmajor Batizki) der 52. Armee befreit worden. Bei Kanew hielt das XXIV. Panzerkorps die Verbindung zum XXXXII. Armeekorps, dem linken Flügel der 8. Armee aufrecht. Von Kiew etwa 45 km den Dnjepr entlang abwärts, bog die Front scharf nach Westen auf Fastow ab, wo die Front vom VII. und XIII. Armeekorps bis in den Raum nördlich Schitomir gehalten wurde. Nördlich davon abgesetzt, mit Front nach Osten, war das LIX. Armeekorps im Raum Korosten konzentriert. Die 1. Panzerarmee und die 6. Armee standen gegenüber der 3. Ukrainischen Front noch immer weit nach Osten vorgelagert, am unteren Bogen des Dnepr und hielten Brückenköpfe bei Kriwoi Rog und Nikopol. Nach dem Verlust der Nogaischen Steppe waren auch die Truppen der 4. Ukrainischen Front auf breiter Font zum unteren Dnepr aufgeschlossen, der dort befehlenden Heeresgruppe A war dadurch die Landverbindung mit der noch auf der Halbinsel Krim haltenden 17. Armee verloren gegangen.

Schitomir-Berditschewer Operation (24. Dezember 1943 – 14. Januar 1944) mini|Sowjetische Panzerkolonne im Vorgehen auf Schitomir

Die sowjetische Großoffensive wurde am 24. Dezember 1943 durch die 1. Ukrainische Front im Westen und Südwesten von Kiew aus dem großen Brückenkopf am rechten Ufer des Dnepr zwischen Radomyschl und Brusiłów eingeleitet. Gleich in der Anfangsphase kamen 831.000 Mann zum Einsatz, wobei die personellen Verluste innerhalb von drei Wochen 100.018 Mann betrugen, davon 23.163 Tote und Vermisste. Es standen 1.125 Panzer und Selbstfahrlafetten, 11.387 Artilleriegeschütze und Granatwerfer sowie 529 Kampfflugzeuge bereit. Die sowjetische Übermacht war derart gewaltig, dass die deutschen Verteidiger kaum etwas entgegensetzen konnten.Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Bd. 8: Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten, Stuttgart 2007, S. 387 u. 390 Im Einzelnen führten den Angriff nach Nordwesten auf Korosten die 13. und 60. Armee, die 1. Gardearmee und die 18. Armee stieß in westlicher Richtung auf Schitomir, die 27., 38. und 40. Armee operierte nach Süden, während die 1. Panzer- und die 3. Gardepanzerarmee erst am zweiten Tag der Offensive in der Hauptstoßrichtung eingeführt wurden.

Am 25. Dezember gelang den Sowjets der operative Durchbruch, die 1. Gardearmee (Gretschko) und die 1. Panzerarmee (Katukow) brachen mit 14 Schützendivisionen, vier Panzer- und einem mechanisierten Korps unterhalb der Straße Schitomir-Kiew in südwestlicher Richtung auf Berditschew und Kasatin durch. Die strategische Bedrohung am linken Flügel der Heeresgruppe Süd war stärker als je zuvor. Beim Glücken des sowjetischen Angriffplanes drohte die Abschneidung aller deutschen Truppenteile zwischen Dnjepr und Dnjestr. Nach einem drohenden Ausfall der verbündeten Rumänen wäre auch die Versorgung der Heeresgruppe A unmöglich zu bewerkstelligen gewesen. Die Eisenbahnstrecken Lublin-Kowel-Schepetowka-Berditschew-Kasatin und etwa fünfzig Meilen weiter südlich, die etwa parallel verlaufende Strecke Lemberg-Tarnopol-Proskurow-Schmerinka waren bedroht. Watutin erweiterte den Angriff auch im Norden bis in den Raum nördlich von Schitomir.

Bis zum 26. Dezember glaubte der Befehlshaber der Heeresgruppe Süd, Generalfeldmarschall von Manstein noch daran, durch Gegenangriffe des XXXXVIII. Panzerkorps, den sowjetischen Durchbruch in Richtung Berditschew und Kasatin stoppen zu können. General der Panzertruppe Raus, der Oberbefehlshaber der 4. Panzerarmee, trat dafür ein, den sowjetischen Stoß im Norden zum Pripjet vorerst zu ignorieren und zuerst die sowjetischen Angriffsspitzen nach Fastow aufzuhalten. Am 27. Dezember wollte Manstein seine Truppen zurückziehen; dies wurde von Hitler abgelehnt. Die 60. Armee unter General Tschernjachowski war bei Radomyschl durchgebrochen und wurde nördlich von Korostyschew durch deutsche Gegenangriffe festgehalten. Die 8. und 19. Panzer-Division sowie 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ versuchten vom 27. bis zum 31. Dezember den Durchbruch auf Schitomir zu verhindern. Derweil riss die sowjetische 1. Gardearmee im Zusammenwirken mit der 18. Armee (General Lesselidse) eine 30 Kilometer breite Lücke im Abschnitt zum westlich haltenden XIII. Armeekorps auf. Die Sowjets befreiten am 28. Dezember Kasatin, Korosten fiel am 29. Dezember an die 13. Armee und Schitomir am 31. Dezember. Bis zum 30. Dezember erweiterten die Sowjets den Durchbruch auf 300 km Breite und 100 km Tiefe und konnten die neue Linie Rowno-Schepetowka-Schmerinka-Winniza-Hristinowka-Uman erreichen. Eine zweite Lücke zwischen dem VII. und XXXXII. Armeekorps war aufgerissen. Am 3. Januar 1944 befreiten die Sowjets Nowograd-Wolynski, am 4. Januar Belaja Zerkow und am 5. Januar Berditschew.

Anfang Januar 1944 war an der am nördlichen Abschnitt klaffenden Lücke zur Heeresgruppe Mitte das schwache LIX. Armeekorps bis an die ehemalige polnische Grenze beiderseits Nowograd-Wolynski zurückgedrängt worden. Von Schepetowka nordwärts bis zum Pripjet klaffte eine weitere Lücke beim dort eingesetzten XIII. Armeekorps, das bei der verlustreichen Abwehr auf die Stärke einer schwachen Division zusammengeschmolzen war. Manstein flog zu einer direkten Aussprache in Hitlers Hauptquartier in Berchtesgaden, konnte aber seine Vorschläge auf gründliche Änderung der Kriegsführung nicht durchsetzen. Der Umgruppierung der 1. Panzerarmee mit drei Panzerdivisionen vom südlichen Abschnitt der Heeresgruppe Süd nach Schitomir wurde aber stattgegeben. Die Krise der Heeresgruppe Süd wurde noch katastrophaler, als die Sowjets auch am unteren Dneprbogen (Nikopol und Kriwoi Rog) zum Angriff übergingen.

Kirowograder Operation (5.–16. Januar 1944) mini|Panzer IV und Infanterie im Januar 1944 Die 2. Ukrainische Front unter Iwan Konew sollte die deutsche 8. Armee im Raum Kirowograd angreifen. Insgesamt verfügte die sowjetische Front über 59 Schützen- und 3 Kavallerie-Divisionen mit 550.000. Mann, 265 Panzer und 127 Selbstfahrlafetten, 7.136 Geschütze und 777 Flak sowie 500 Kampfflugzeuge. Unterstützt wurde sie von einem Kavallerie- und drei mechanisierten Korps sowie zwei Panzerkorps.

Am 5. Januar 1944 begann die Offensive gegen das deutsche III. und XXXXVII. Panzerkorps. Auf dem rechten Flügel unterstützten die sowjetische 52. Armee (Generalleutnant K. A Korotejew) und die 4. Garde-Armee (General Ryschow) die Operation. Gegen das nördliche Vorfeld der Stadt wurde im Abschnitt der 53. Armee (Generalleutnant I. V. Galanin) das 5. Garde-Kavalleriekorps eingesetzt. Vom Nordwesten her, stieß das 7. mechanisierte Korps (Generalmajor Fjodor G. Katkow) im Verband der 5. Gardearmee unter Generalleutnant Schadow frontal gegen die Stadt vor. Im Süden erfolgte zusätzlich der Hauptstoß durch die 5. Garde-Panzerarmee, welche im Abschnitt der 7. Garde-Armee (General Schumilow) eingeführt wurde. Die 53. und 5. Gardearmee, die aus dem Gebiet südwestlich von Znamenka angriffen, konnten bereits am Abend des ersten Tages zwischen 4 und 24 km tief in die deutschen Linien eindringen. Die Front der 2. Fallschirmjäger-Division und der 10. Panzergrenadier-Division wurde durchbrochen und deren Reste mit der 14. Panzerdivision und der 376. Infanterie-Division nördlich von Kirowograd abgedrängt und eingeschlossen. Im Süden entwickelte sich der Angriff der 7. Gardearmee langsamer, erst nach dem Einführen des 18. und 29. Panzerkorps wurde der Durchbruch beim deutschen LII. Armeekorps erzwungen. Die Eingreifreserven der deutschen 11. und 13. Panzerdivision stoppten die sowjetischen Panzerspitzen durch Gegenangriffe.

Bis zum 7. Januar wurde Kirowograd vom Norden, Süden und Westen umgangen und die Rückzugswege für die deutsche Truppen wurden abgeschnitten. Am Morgen des nächsten Tages wurde die Stadt von drei sowjetischen Armeen im Zusammenwirken mit dem 29. Panzerkorps (Generalmajor I. F. Kiritschenko) nach erbitterten Kämpfen eingenommen. Das 18. Panzerkorps stieß derweil über Fedorowka weiter westlich nach Nowo-Pawlowka durch. Mit den Panzern drangen Teile der 297. Schützendivision (Oberst A. I. Kowtun-Stankewitsch) und die 50. Schützendivision (Generalmajor N. F. Lebedenko) in die Stadt ein. In den folgenden Tagen mussten die deutschen Truppen weiter zurückweichen. Deutsche Gegenschläge der Panzer-Grenadier-Division Großdeutschland und die 3. und 11. Panzer-Division konnten den Vorstoß der Roten Armee am 10. Januar endlich stoppen und westlich der Stadt die Front stabilisieren. Zum Ende der Operation am 16. Januar verlief die Front auf der Linie östlich von Smela, westlich von Kirowograd und nördlich von Nowgorodka. Die Rote Armee war rund 40–50 km vorgestoßen und hatte die Voraussetzungen für den Kessel bei Tscherkassy geschaffen.

Korsun-Schewtschenkowsker Operation: (24. Januar bis 17. Februar 1944)

mini|Kessel von Korsun (sowjetische Karte) mini|Deutscher Feldflugplatz bei Korsun (Januar 1944)