Der Flugabwehrkanonenpanzer Gepard (FlakPz Gepard) ist ein autonomer, allwetterkampffähiger FlaK-Panzer aus deutscher Produktion. Er wurde in den 1970er Jahren entwickelt und produziert. Er war lange Zeit ein Eckpfeiler der Flugabwehr des Heeres der Bundeswehr, des niederländischen und des belgischen Heeres. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Auflösung der Sowjetunion Ende 1991 reduzierten Deutschland, Belgien und die Niederlande ihre Verteidigungsetats und stellten ihre Gepard-Panzer außer Dienst; gebrauchte Geparden wurden in der Folge von einer Reihe anderer Streitkräfte gekauft. Die Streitkräfte der Ukraine erhielten ab Herbst 2022 Geparden, wo sie im Rahmen des Ukraine-Krieges erfolgreich zur Abwehr von Drohnen eingesetzt werden.

Hintergrund mini|Gepard B2 begleiten Leopard 1 beim NATO-Manöver REFORGER 1985

Der Gepard wurde primär entwickelt, um in Gefechten der verbundenen Waffen den beweglichen Panzer- und Panzergrenadiertruppen der Bundeswehr Schutz vor tieffliegenden Flugzeugen und Kampfhubschraubern zu geben. Er hat bezüglich seiner Gefechtsfeldmobilität und Motorleistung ähnliche Eigenschaften wie die damals eingesetzten oder in der Entwicklung stehenden Panzer Leopard 1, Marder und Jaguar. Der Gepard wurde auch zum Objektschutz von stationären hochwertigen Zielen wie Flugplätzen oder Brücken eingesetzt. Gemäß der Einsatzdoktrin des Kalten Krieges kann er unter ABC-Vollschutz eingesetzt werden.

Die Auswahl der Bewaffnung berücksichtigte insbesondere die Bekämpfung von stark gepanzerten Kampfhubschraubern wie dem Mil Mi-24 „Hind“, dessen Panzerung effektiv Schutz vor Geschossen bis zum Kaliber 23 Millimeter (mm) bietet.

Der Gepard wurde zunächst an NATO-Mitgliedsstaaten wie die Niederlande und Belgien geliefert. Das sowjetische Pendant zum Gepard war das Flugabwehrsystem ZSU-23-4 „Schilka“, das ein Jahrzehnt früher entwickelt wurde und das nicht die Leistungsfähigkeit des Gepard im Bereich Zielerfassung, Feuerleitung und Zielbekämpfung während der Fahrt erreichte.Christopher F. Foss, David Miller: Moderne Gefechtswaffen: Technik, Taktik und Einsatz. Motorbuchverlag, ISBN 3-7276-7092-4, S. 150. Weitere sowjetische Pendants waren oder sind das 2K22 Tunguska aus den 1980er Jahren und das modernere Panzir-S1-System. Die beiden sind allerdings kombinierte Systeme mit Rohr- und Raketenbewaffnung.

Mit der Ausphasung des M163 Vulcan und dem Scheitern des Projekts Sergeant York bei der US Army gab und gibt es in den westlichen Staaten auch über 40 Jahre nach der ersten Indienststellung kein in nennenswerter Stückzahl produziertes Äquivalent zum Gepard. In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass gerade hier in 1980er und 1990er Jahren ein Wechsel von Flugabwehrkanonen zu Flugabwehrraketen vollzogen wurde. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine erlebten die Flugabwehrkanonen jedoch eine Renaissance, da sich Systeme wie der Gepard gegen billige, massenhaft eingesetzte Einweg-Drohnen bewährt haben.Wettlauf der Systeme: Kanonen, Raketen, Laser gegen Drohnen, https://www.telepolis.de/features/Wettlauf-der-Systeme-Kanonen-Raketen-Laser-gegen-Drohnen-10652839.html, abgerufen am 26. September 2025

Geschichte, Varianten und Produktion Vorgeschichte Die Initiative für die Entwicklung des Gepard geht auf das Amt Blank zurück, den Vorläufer des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg). Dort wurde im Januar 1955 die Notwendigkeit eines hochmobilen, mit elektronischer Feuerleitung ausgerüsteten Flugabwehrsystems formuliert. Im September 1956 wurden die Entwicklungsrichtlinien festgelegt, die das Fahrgestell des Schützenpanzers HS 30 von Hispano Suiza (Suisse) vorsahen. Auch der Kaliberbereich zwischen 20 und 40 mm wurde festgelegt. Die erste Studie basierte auf einem Truppenversuchsmuster des HS-30-Fahrgestells mit einem Holzmodell des Turms A 14, der mit zwei 30 × 170 mm Maschinenkanonen (Typ: HS 831) bestückt war. Schon im Juli 1958 wurde diese Entwicklung laut Ministeranweisung gestoppt. Offiziell aus Haushaltsgründen lag der eigentliche Grund aber in Spannungen zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und dem Lieferanten Hispano Suiza, die ihren Ursprung in den Mängeln des HS 30 in der Erprobung hatten. Der T249 Vigilante war ein ähnliches Entwicklungsprojekt. Er wurde bei Springfield Armory erprobt.

Bereits im August 1958 wurde die Fortsetzung der Entwicklung vom BMVg beschlossen. Anfang 1959 wurde Rheinmetall mit Studienarbeiten beauftragt und am 7. September 1959 die Forderungen zusammengefasst: Bei einem Turmgewicht unter 5 Tonnen (t) sollte der neue Panzer mit einer 30-mm-Zwillingskanone und einem Feuerleitradar mit Eignung zur Zielsuche in einem Sektor ausgerüstet sein. Des Weiteren sollte das Fahrgestell des Schützenpanzer neu (dem späteren Schützenpanzer Marder) verwendet werden und das Gesamtgewicht nicht über 20 t liegen.

1961 erfolgte schließlich die Vergabe von zwei Entwicklungsaufträgen zur Lieferung von zwei Prototypen an Rheinmetall und British Manufacture and Research Company (BMARC), damals ein britisches Tochterunternehmen von Hispano Suiza (Suisse) und später von British Aerospace (heute: BAE Systems) übernommen. Für beide Prototypen sollte ein Q-Band-Feuerleitradar (8 mm) von Elliott Automation Limited zum Einsatz kommen. Im November 1963 wurde nach einem Besuch einer Expertenkommission bei BMARC der Prototyp abgelehnt und die Entwicklung eingestellt. Hauptgrund für den Abbruch war das Nichteinhalten des Lastenheftes ohne Aussicht auf eine erfolgreiche technische Erprobung und damit Serienreife.Ob ein Zusammenhang zum HS 30-Skandal bestand, ist möglich, aber geschichtlich nicht nachweisbar. Doch auch die Entwicklung von Rheinmetall wurde im Dezember 1964 eingestellt: Die HS 831L-Maschinenkanonen erwiesen sich als mangelhaft und das Radar von Elliott als untauglich – wie schon beim Entwurf von BMARC. Eine Gemeinsamkeit der beiden Prototypen war auch, dass das Fahrgestell des „Marder“ durch das hohe Turmgewicht überlastet wurde und die Platzverhältnisse zu beengt waren.

Der Weg zum Gepard Basierend auf den Erkenntnissen der gescheiterten Studien und Prototypen genehmigte das BMVg am 27. September 1965 die Verwendung des Fahrgestells des Leopard 1 für die Entwicklung des Flakpanzers. Aus den vorausgegangenen Projekten wurden zudem Erfahrungen im Bereich optisches Flugabwehr-Visier, Waffenrechner und dem Zusammenspiel Waffenrechner und Feuerleitung gewonnen.

Die Neuanforderung der Bundeswehr umfasste Tag-, Nacht- und Allwetterkampffähigkeit, eine Kampfentfernung von 3000 m und Bekämpfungshöhe von 2000 m, Maximalgewicht von 42 t (Gesamtgewicht) bzw. 12 t (Turm), ABC-Vollschutz und Watfähigkeit, Puls-Doppler-Suchradar und Folgeradar mit 4000-m-Reichweite und mit IFF, Energieversorgungsanlage im Fahrgestell und Fahrzeugnavigationsanlage. Für die Waffenanlage wurde ein Höhenrichtbereich von −10° bis +85° und Seitenrichtbereich von 360°, 1000 Schuss Munitionsvorrat, optisches und Erdzielvisier und kurze Reaktionszeit gefordert.

Matador 30 mm Als Arbeitsgemeinschaft erhielten die Unternehmen Rheinmetall (Waffenanlage und Turm), AEG-Telefunken (Folgeradar und Computer), Siemens (Suchradar) und Porsche und Kraus-Maffei (Fahrgestell, Entwicklung und Energieversorgung) im Juni 1966 die ersten Entwicklungsaufträge, um einen neuen Panzer mit zwei 30-mm-HS-831-Maschinenkanonen zu entwickeln. Das zunächst verfolgte Konzept des Systemverbundes „Mobiles Allwetter Tiefflieger Abwehrsystem mit Doppler-Radar und 30-mm-Zwillingskanone auf Leopard“ (Matador 30 ZL) mit der Kombination eines Tieffliegerüberwachungspanzers (TUPA) und mehreren Tieffliegerabwehrpanzern (TAPA) wurde bereits im Juli 1967 neu ausgerichtet. Die Forderung der Zusammenfassung der Fähigkeiten auf einen autonomen Panzer wurde dann als „Mobiles Allwetter Tiefflieger Abwehrsystem mit Doppler-Radar und 30-mm-Zwillingskanone auf Leopard – Autonom“ (Matador 30 ZLA) weitergeführt. Autonom heißt in dem Zusammenhang, dass der Panzer ohne externe Unterstützung Ziele bekämpfen kann, da das Radar, die Feuerleitanlage und die Bewaffnung im Panzer integriert sind. 1968 und 1969 wurden drei Serie-0-Prototypen des Leopard-1-Fahrgestells bereitgestellt. Zwei davon wurden mit Turmgefechtssimulatoren ausgerüstet, während beim Dritten ein voll funktionsfähiger Turm eingerüstet wurde, der auch intensiv erprobt wurde. Die Ausrüstung umfasste das MPDR 12 (Mobiles Puls-Doppler-Radar mit 12 km Reichweite), Panorama-Zieloptiken und das Folgeradar Marder. Die Bestellung wurde später um vier weitere Einheiten ergänzt.

Nach Verzögerungen in der Entwicklung und wegen der angespannten Haushaltslage entschloss man sich im Juni 1970, das Projekt schließlich zugunsten des 35-mm-Flugabwehrkanonenpanzers einzustellen; das Feuerleitsystem galt zwar als moderner, wäre aber erst rund zwei Jahre später geliefert worden.Jane’s Defence: Auszug aus dem Artikel zum Gepard (englisch)Eine öffentlich zugängliche Dokumentation über diese Entscheidung liegt nicht vor. Bekannt ist in dem Zusammenhang, dass der Matador durch den ehemaligen Rheinmetall-Mitarbeiter Ministerialrat Bühler (Abteilung „Wehrtechnik“ T VII 2) einen Fürsprecher hatte und der Matador von Einigen technisch auf lange Sicht für zukunftsträchtiger gehalten wurde.

35-mm-Flugabwehrkanonenpanzer Schon im Januar 1958 wurde vom Schweizer Unternehmen Oerlikon-Bührle (heute ein Teil der Rheinmetall Air Defence AG) ein Gegenentwurf mit einer 35-mm-Zwillingskanone vorgeschlagen. Dieser Entwurf wurde aber vor dem Hintergrund der Verwendung eines Schützenpanzer-Fahrgestells abgelehnt, da für ein derartiges Kaliber eine Kampfpanzerwanne notwendig gewesen wäre (damals M47 oder M48). Anfang der 1960er wurde das Konzept eines modernen Flakpanzers von der Arbeitsgemeinschaft Oerlikon-Contraves-Albis weiter verfolgt und 1962 dem BMVg mit zwei 35-mm-Maschinenkanonen (Typ: Fla-353) vorgelegt. Auch dieser Vorschlag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass das verwendete Kaliber bei der Bundeswehr nicht eingeführt war.

Flakpanzer 35 mm Typ A/5 PFZ-A Mit der Freigabe der Leopard-1-Wanne für den neuen Flakpanzer 1965 wurde der Weg für die Schweizer Arbeitsgemeinschaft wieder frei. Sie präsentierte 1966 eine Machbarkeitsstudie für einen vollkommen autonomen Panzer, der sämtliche Anforderungen erfüllte. Am 23. Juni 1966 wurde parallel zum „Matador“ entschieden, zwei Prototypen des Flakpanzer 35 mm Typ A auf Basis der Studie zu bestellen, und Krauss-Maffei lieferte 1967 zwei modifizierte Leopard-1-Fahrgestelle der Serie 0. Darüber hinaus wurde 1968 ein weiteres Fahrgestell geliefert, das als Werksprototyp zur internen Erprobung dienen sollte. Der Prototyp wurde im Juni 1968 einem größeren Fachpublikum vorgestellt.

Bereits im November 1968 wurde das erste Scharfschießen durchgeführt. Die neu entwickelte Feuerleitanlage und die Waffenanlage überzeugten durch ihre Präzision. Das Kaliber 35 mm war damals ungewöhnlich. Im Vergleich stellte sich schnell heraus, dass es ein geringeres Entwicklungsrisiko und deutliche Vorteile im Feuerkampf hatte. Die niederländische Armee äußerte Interesse an dem 35-mm-System und beteiligte sich ab 1967 an den deutschen Aktivitäten. Die beiden Prototypen wurden unter der Bezeichnung 5 PFZ-A Ende 1968 und Anfang 1969 an die Bundeswehr zur Erprobung geliefert und bis Februar 1970 erprobt. Während der Erprobung wurden pro Waffe mehr als 5000 Schuss verschossen und festgestellt, dass sowohl die Feuerleitanlage die Anforderungen erfüllte als auch die Waffenanlage mit den außenliegenden Maschinenkanonen. Auch die Zuverlässigkeit der Munitionszuführung und die Verfügbarkeit des Gesamtsystems wurden positiv bewertet. Das Zielfolgeradar von Siemens-Albis und die Energieversorgungsanlage wurden als Schwachpunkte gesehen.

Flakpanzer 35 mm Typ B/5 PFZ-B, C & Varianten