mini|Der Chor der ehemaligen Klosterkirche mini|1878–1890 auf dem Klostergelände neu errichtete Bürgerschule, heute: Integrierte Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“

Das Schwarze Kloster war ein 1292/1293 gegründetes Dominikanerkloster in der Hansestadt Wismar. Es ist benannt nach der Ordenstracht der Dominikaner, die auch als „schwarze Brüder“ in Unterscheidung zu den Franziskanern, den „grauen Brüdern“, bezeichnet werden.

Geschichte von Kloster und Klosterkirche Gründung Das Kloster wurde in der Zeit gegründet, als der mecklenburgische Fürst Heinrich der Pilger noch in arabischer Gefangenschaft war. Eine erste urkundliche Erwähnung der Dominikaner (fratres praedicatores „Predigerbrüder“) in Wismar erfolgte aus Anlass einer ihnen vermachten Spende von 1292; in dem Jahr hielten sich bereits einzelne Dominikaner in Wismar auf. Das Generalkapitel des 1215 gegründeten Ordens in Lille beschloss 1293 die kirchenrechtliche Genehmigung der neuen Niederlassung. Sie gehörte zunächst zur Dominikanerprovinz Teutonia, ab 1303 zur Sächsischen Provinz (Saxonia).Ingo Ulpts-Stöckmann: Wismar, Kloster S. Peter und Paul. 3. Verfassungsordnung. In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1179–1201, hier S. 1183f.

Als einer der ersten Dominikaner in Wismar wird Dietrich von Hameln genannt. Der mecklenburgische Landesherr stiftete das Grundstück zum Klosterbau, wie aus einer Inschrift in der Dominikanerkirche hervorgeht. Die Dominikaner wurden vom Stadtrat in einem Zulassungsvertrag vom 27. Juni 1294 in das rechtliche Gefüge der Stadt eingebunden und zum Straßen- und Brückenbau in Nachbarschaft zu ihrem Kloster verpflichtet. Das Bierbrauen war ihnen verboten. Da sie anfangs noch keine eigene Kirche hatten, oblag ihnen die regelmäßige Predigt in der Marienkirche. Wiederholt traten in der Folgezeit die Dominikaner als Zeugen bei Rechtsverfahren auf und beglaubigten Urkunden; vor 1352 amtierte der Dominikaner Johannes Blomberg als Stadtschreiber. Auch sollten sie, wenn die Stadt in Konflikte um kirchliche Angelegenheiten verwickelt würde (gravari aliquo gravamine spirituali), als Gesandte der Stadt (nuncii eius) tätig werden, wenn auch unter Wahrung ihrer religiösen Ausrichtung (secundum suum ordinem et secundum deum). Der Historiker Ingo Ulpts sieht in dieser vertraglichen Bindung einen geschickten „kirchenpolitischen Schachzug der Stadt zur Wahrung ihrer innerstädtischen kirchenpolitischen Position“, zumal in Zeiten politischer Kompetenzstreitigkeiten zwischen der Stadtgemeinde und der mecklenburgischen Landesherrschaft. Gleichwohl war der Dominikaner Johann Blomenberg, Provinzvikar der Sächsischen Ordensprovinz, im 14. Jahrhundert der Beichtvater von Herzog Albrecht II.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 95–98.107.109.276.281.Ingo Ulpts-Stöckmann: Wismar, Kloster S. Peter und Paul. 1. Allgemeines und 6. Adminmistratives Wirken. In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1179–1201, hier S. 1180.1187.

mini|Karte von Wismar mit der Lage des Schwarzen Klosters Die Dominikaner vergrößerten das ihnen gestiftete Gelände durch Zukauf von Grundstücken. Es lag im Südosten der Stadt, südöstlich der heutigen Mecklenburger Straße (platea Magnopolensis, damals eine der verkehrsreichsten Straßen der Stadt), südlich der heutigen Straße Bei der Klosterkirche (damals wahrscheinlich apud/iuxta fratres praedicatores), und grenzte im Südosten an die Stadtbefestigung, nahe zu zwei Stadttoren. Markt und Rathaus waren nicht weit entfernt.Ingo Ulpts-Stöckmann: Wismar, Kloster S. Peter und Paul. 1. Allgemeines. In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1179–1201, hier S. 1179. 1297 begannen die Ordensmänner mit dem Klosterbau in Ziegelbauweise. Ab 1305 stand ihnen dafür eine eigene Ziegelei zur Verfügung. Der Konvent muss eine gewisse Größe gehabt haben, da er bereits 1325 Ort für eine Ratsversammlung war; 1357 fand im Refektorium des Klosters die Schlussverhandlung im Streit zwischen dem Schweriner Bischof Albrecht und der Familie von Bülow statt. 1365 hielt die Sächsische Ordensprovinz ihr Provinzkapitel in Wismar, ebenfalls 1404, 1439 und 1515, als ein außerordentliches Kapitel die Vereinigung der observanten und der konventualen Richtungen unter den Klöstern beschloss.

Kirch- und Klosterbau Zum Kloster gehörte auch bald eine provisorische Kirche. Der Bau einer großen geosteten Klosterkirche im Stil einer Bettelordenskirche erfolgte im 14. Jahrhundert. Ihr von Martin Kremer (Cremer) errichteter dreijochiger, hochgotischer Chor mit polygonalem 5/8-Schluss wurde als letzter Bauabschnitt fertiggestellt und ist als einziger Teil der Kirche erhalten; sein asymmetrischer Grundriss resultiert aus der Notwendigkeit, den Kirchbau der bestehenden Stadtmauer anzupassen. Das Langhaus war dreischiffig und hatte fünf Joche; es entstand möglicherweise um 1320/1330. 1397 nahm der Ratzeburger Bischof Detlef von Berkentin die Kirchweihe vor, und zwar in honorem sanctorum apostolorum Petri et Pauli, trium regum, decem millium martyrum, vndecim millium virginum („zu Ehren der heiligen Apostel Petrus und Paulus, der heiligen drei Könige, der zehntausend Märtyrer und der elftausend Jungfrauen“). Das Hauptpatrozinium war das der Apostel Petrus und Paulus.

Südlich der Kirche befand sich die quadratische Klosteranlage mit Kreuzgang. Der Ostflügel schloss an den Chor der Kirche an, der – wie der Westflügel – 7,4 Meter breite einstöckige Südflügel ist teilweise erhalten; in ihm befanden sich das Sommer-Refektorium und das heizbare Kalefaktorium als Winterrefektorium. Von den aufwändigen Wandmalereien im Südflügel sind einige Reste zu sehen. Südlich des Westflügels stand im 15. Jahrhundert ein Brauhaus, und südöstlich des Konvents befand sich, separat und parallel zur Stadtmauer, ein in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbautes, 20 × 10 Meter großes Gebäude, das voll unterkellert war und anfangs als Infirmarium genutzt wurde.Torsten Rütz, Tilo Schöfbeck: Wismar, Kloster S. Peter und Paul. 7. Bau- und Kunstgeschichte. In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1179–1201, hier S. 1188–1195.

1398 ließ der Stadtschreiber Heinrich von Balsee an der Nordostseite der Kirche eine Kapelle anbauen, die der Jungfrau Maria und dem 1323 heiliggesprochenen Dominikanertheologen Thomas von Aquin geweiht war und in der von dazu angestellten Priestern täglich eine heilige Messe gefeiert werden sollte.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 99–103.264.266.276ff.

Kloster und Kirche waren beliebte Grablegen für Stifter, vor allem für Ratsmitglieder und vermögende Kaufleute. 1405 ließ sich Baumeister Martin Cremer im von ihm gebauten Chor der Kirche beisetzen, 1429 wurde der ermordete Bürgermeister Heinrich von Haren dort beigesetzt.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 266.270f.284. Sophie von Pommern (* um 1460; † 26. April 1504 in Wismar), Herzogin zu Mecklenburg von 1478 bis 1504, wurde ihrem Wunsch entsprechend 1504 vor dem Hochaltar unter einer monumentalen Grabplatte beigesetzt, 1526 ihre Schwester Margarethe.

Das Kloster vom 13. bis zum 15. Jahrhundert Unter den ersten Brüdern befanden sich zahlreiche Söhne aus reichen Wismarer Bürgerfamilien, während das Franziskanerkloster den Handwerkerfamilien näher stand. Die Dominikaner erhielten Stiftungen und Immobilien als Geschenk, einzelne Brüder bezogen Renten, die sie an den Konvent verkauften. Wismarer Bürger schenkten Geld, Wachs und Lampenöl, Kleidung und Lebensmittel (Fisch, Malz, Wein, Semmeln) und erwarteten zunehmend dafür, dass die Patres Messen für das Seelenheil der Stifter (pro salute anime sue, „Seelmessen“) feierten. Das Armutsgelübde wurde in Wismar offenbar weit ausgelegt. Nicht nur der Konvent, sondern auch einzelne Brüder erhielten Geld und Renten. Die Dominikaner waren von der Stadt verpflichtet, gestiftete Gebäude und Grundstücke innerhalb eines Jahres an Wismarer Bürger zu verkaufen. Bei der Abwicklung von Geschäften schalteten sie „Tutoren“ oder „Prokuratoren“ ein, die das Kloster rechtlich vertraten und ihr Vermögen verwalteten. Im 13. Jahrhundert besaß das Wismarer Dominikanerkloster wahrscheinlich mindestens eine Terminei als Stützpunkt zum Almosensammeln, und zwar im 30 km entfernten Sternberg. Bis zum 16. Jahrhundert hatten Wismarer Dominikaner wiederholt Patronatsrechte und Pfarrstellen inne, so in Warnemünde, an der Marienkirche in Rostock, in Lübow und zuletzt in Neubukow.Ingo Ulpts-Stöckmann: Wismar, Kloster S. Peter und Paul. 5. Religiöses und spirituelles Wirken. In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1179–1201, hier S. 1185.

Eine Verschärfung der Armutsregeln trat 1468 ein, als sich der Wismarer Dominikanerkonvent am 12. Juli auf Drängen der Ordensleitung der observanten Congregatio Hollandiae des Ordens anschloss und mehrere observante Brüder aus den holländischen Reformkonventen nach Wismar kamen. Der Prior Adriaan van Meer hatte in Rostock studiert und gehörte zu den führenden Persönlichkeiten der Reform; 1478 wurde er Generalvikar der Congregatio Hollandiae. Auch die Bürgerschaft unterstützte die Neuausrichtung des Dominikanerkonvents, da ihnen der wachsende Reichtum des Klosters möglicherweise missfiel. Nachdem ihnen Herzog Heinrich IV. am 20. März 1469 einen Schutzbrief ausgestellt hatte, gelobten die Dominikaner den Herzögen und dem Magistrat, nicht mehr von der Observanz abzufallen. Die Annahme von Geldbeträgen durch einzelne Konventsmitglieder unterblieb in der Folgezeit offenbar, der Konvent erhielt jedoch weiterhin Renten und Gemeinschaftseigentum. Bereits 1462 hatten allerdings einige Dominikaner unter Führung des Priors Johann Brakel Wertgegenstände nach Lübeck gebracht, um sie vor einer Verpfändung an den Stadtrat in Sicherheit zu bringen; es handelte sich um Reliquiare, Monstranzen, vergoldete Kelche und Patenen sowie Kreuzreliquiare. Diese Reform war nicht von langer Dauer; ab 1517 gehörte der Konvent, wie auch die Klöster in Röbel und Rostock, wieder zur sächsischen Ordensprovinz Saxonia, und die strengen Ordensregeln wurden aufgehoben.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 106ff.110.261f.264.266.273.284.311f.327f.Ingo Ulpts-Stöckmann: Wismar, Kloster S. Peter und Paul. 2. Geschichte. In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1179–1201, hier S. 1182.

Seit dem 14. Jahrhundert bestand beim Konvent in Wismar ein Ordensstudium zur theologischen Ausbildung des Ordensnachwuchses. Ein erster Lesemeister (lector theologie in conventu Wismar) in Wismar ist 1369 aktenkundig, in den folgenden Jahrzehnten taucht wiederholt das Amt eines magister studentium, zuständig für die Betreuung der studierenden Brüder, auf. Insbesondere in der Zeit der observanten Ausrichtung des Konventes war Wismar Ausbildungsort für die gesamte Congregatio Hollandiae, es kamen Brüder aus dem niederen Landen und vom Niederrhein zum Studium nach hier, zunächst der Theologie, ab etwa 1480 auch der Philosophie und der Logik.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 279f.

mini|Der aus der Dominikanerkirche stammende Marienschrein in St. Nikolai