mini|Jerry Brown (2009) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Jerry Brown Edmund Gerald „Jerry“ Brown Jr. (* 7. April 1938 in San Francisco, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Er war von 1975 bis 1983 und nochmals von 2011 bis 2019 Gouverneur von Kalifornien. Zwischen seinen Amtsperioden als Gouverneur war er von 1999 bis 2007 Bürgermeister von Oakland sowie von 2007 bis 2011 Attorney General von Kalifornien. Bereits von 1971 bis 1975 war Brown außerdem Secretary of State in Kalifornien.

Früherer Werdegang Edmund Gerald Brown wurde 1938 als Sohn des Politikers Pat Brown geboren, der von 1959 bis 1967 Gouverneur von Kalifornien war. Die Wurzeln der Browns liegen in Irland. Sein anderer Urgroßvater, August Schuckmann, emigrierte 1849 aus Wüsten, heute ein Ortsteil von Bad Salzuflen. Er besuchte die St. Ignatius High School und die Santa Clara University. 1956 trat er dem Sacred Heart Novitiate, einem Jesuitenseminar, bei, mit der Absicht, katholischer Priester zu werden. Brown verließ das Seminar jedoch, um an der University of California, Berkeley einen Bachelor of Arts in Classics zu erwerben (1961). Er entschied sich für eine juristische Laufbahn und studierte unter anderem an der Law School in Yale, die er 1964 mit dem Juris Doctor (J.D.) abschloss. Danach verbrachte er seine Zeit als Referendar für Mathew Tobriner, Richter am Obersten Gerichtshof Kaliforniens. Im zweiten Anlauf bestand er die Zulassungsprüfung der kalifornischen Anwaltskammer und trat in Los Angeles in die renommierte Anwaltskanzlei Tuttle & Taylor ein.

Seit Ende der 1960er Jahre ist Jerry Brown politisch aktiv. Er schloss sich der Bewegung gegen den Vietnamkrieg an. 1970 wurde er als Secretary of State, was etwa einem Innen- oder Staatsminister entspricht, in die kalifornische Staatsregierung gewählt. Dieses Amt bekleidete er von Januar 1971 bis Januar 1975. In dieser Funktion reichte er Klagen gegen die großen Konzerne wegen illegaler Wahlkampfspenden vor dem Obersten Gerichtshof Kaliforniens ein und vertrat dort persönlich die Anklage. Damit wurde Brown einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Gouverneur von Kalifornien (1975–1983) mini|Jerry Brown im Jahr 1978 Brown kandidierte mithilfe seines Vaters bei den demokratischen Vorwahlen für das Gouverneursamt und konnte diese knapp für sich entscheiden. Er wurde dann am 5. November 1974 mit 50,1 Prozent der Stimmen als Nachfolger von Ronald Reagan zum Gouverneur von Kalifornien gewählt. Dieses Amt trat er am 6. Januar 1975 an. Im November 1978 stellte er sich erfolgreich zur Wiederwahl als Gouverneur, wobei ihn die Kalifornier mit 56 Prozent der abgegebenen Stimmen klar im Amt bestätigten.

Als bekennender Gegner des Vietnamkrieges hatte er eine breite Unterstützung der jungen Liberalen, die zu dieser Zeit die politische Szene dominierten. Er verzichtete darauf, in der Gouverneursvilla zu wohnen, die 1983 verkauft wurde, und bevorzugte ein bescheideneres Apartment. Anstelle eines teuren Dienstwagens ließ er sich mit einem Plymouth aus der Fahrbereitschaft chauffieren. Er kümmerte sich um Energieeinsparungen und initiierte die ersten Arbeitsgesetze für Farmarbeiter in den USA, bei Neueinstellungen wurden Minderheiten und Frauen bevorzugt. Brown berief den ersten Schwarzen (Wiley Manuel), die erste Frau (Rose Bird) und den ersten Latino (Cruz Reynoso) an den Obersten Gerichtshof (California Supreme Court). Stabschef während der ersten sechs Jahre seiner Amtszeit war Gray Davis, der 1998 selbst zum Gouverneur von Kalifornien gewählt wurde. Während seiner Regierungszeit bekannte sich Brown als fiskalpolitisch konservativ, was bedeutet, dass er Deficit spending ablehnt. Aufgrund dieser neoliberalen Grundhaltung konnten in den acht Jahren seiner Regierung Überschüsse im Staatshaushalt erwirtschaftet werden. 1982 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur als Gouverneur und schied folglich zum Januar 1983 aus dem Amt. Sein Nachfolger war der Republikaner George Deukmejian.

Weitere politische Laufbahn mini|Von links nach rechts: Jerry Brown, die US-Senatorin und private Freundin Browns Dianne Feinstein sowie der damalige Bürgermeister San Franciscos Gavin Newsom, seit 2011 Browns Vizegouverneur (2008) Brown blieb auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Gouverneurs politisch aktiv. Er bewarb sich noch im November 1982 für einen Sitz im US-Senat für Kalifornien. Allerdings wurde Brown bei dieser Wahl von Pete Wilson, einem späteren kalifornischen Gouverneur, deutlich geschlagen. Wilson errang rund 51 Prozent der Stimmen, während Brown lediglich 44 Prozent auf sich vereinte. Von 1989 bis 1991 war er Parteiführer der kalifornischen Demokraten (Democratic State Chairman). Von 1998 bis 2007 war er Bürgermeister von Oakland. Anschließend amtierte Brown von 2007 bis 2011 als Attorney General von Kalifornien. Wegen seiner Gouverneurskandidatur stellte er sich 2010 für dieses Amt keiner Wiederwahl mehr. Nachfolgerin wurde seine Parteikollegin Kamala Harris.

Präsidentschaftskandidat Jerry Brown versuchte dreimal vergeblich, für die Demokratische Partei als Präsidentschaftskandidat aufgestellt zu werden. Zum ersten Mal bewarb er sich im Jahr 1976 für die Spitzenkandidatur seiner Partei. Allerdings wurde er als politisch zu unerfahren angesehen und musste sich bei den Vorwahlen Jimmy Carter geschlagen geben, der die anschließende Wahl dann auch gewann. Vier Jahre später, im Vorwahlkampf 1980, trat Brown erneut an. Doch obwohl es innerparteilich zum Teil erheblichen Widerstand gegen den unpopulären Carter gab, konnte dieser sich durchsetzen, bevor er dann dem Republikaner Ronald Reagan unterlag. Seinen aussichtsreichsten Anlauf für die Präsidentschaft unternahm Brown bei der Wahl des Jahres 1992. Trotz Vorwahlsiegen musste er sich nach einem äußerst heftig ausgetragenen Wahlkampf dem Gouverneur von Arkansas und späteren Wahlsieger Bill Clinton geschlagen geben.

Gouverneurswahl in Kalifornien 2010 mini|Brown bei einem Wahlkampfauftritt im Oktober 2010 Am 2. März 2010 gab er seine Kandidatur für die Gouverneurswahl im US-Westküstenstaat bekannt und gewann am 8. Juni 2010 mit 84,1 Prozent der abgegebenen Stimmen die Vorwahlen der Demokraten deutlich. (California Secretary of State). Bei der Gouverneurswahl am 2. November 2010 konnte er mit einem Stimmenanteil von 53,8 Prozent die Republikanerin Meg Whitman, ehemals CEO von eBay, besiegen, für die sich nur rund 40 Prozent der Wähler aussprachen. Sein Vorsprung gegenüber Whitman betrug rund 1,3 Millionen Stimmen. Der amtierende Gouverneur Arnold Schwarzenegger durfte nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Obwohl Brown bereits zweimal das Gouverneursamt bekleidete, war er 2010 nicht von einer Bewerbung ausgeschlossen, da die Amtszeitbeschränkung erst nach einem Volksentscheid von 1990 in Kraft trat und davor absolvierte Amtsperioden nicht berücksichtigt werden.

Hauptthemen des Wahlkampfes waren insbesondere die wirtschaftliche Lage in Kalifornien und das enorme Staatsdefizit. Brown präsentierte sich in seiner Wahlkampagne als erfahrener Politiker, der in der Lage sei, die fiskalischen Probleme des Bundesstaats zu lösen und gleichzeitig die Wirtschaft anzukurbeln. Im Gouverneurswahlkampf von 2010 wurden sowohl Brown als auch seiner Kontrahentin Whitman die Anwendung von Schlammschlacht-Methoden (sogenanntes Negative Campaigning) vorgeworfen.npr.org: Whitman, Brown In The Hot Seat Over Negative Ads vom 27. Oktober 2010

Der bisherige Bürgermeister von San Francisco, Gavin Newsom, wurde am selben Tag wie Brown, aber in einer separaten Wahl, zum Vizegouverneur und damit zu seinem Stellvertreter gewählt.

Erneut Gouverneur von Kalifornien (2011–2019) mini|Gouverneur Brown mit Goodwin Liu, den er im September 2011 zum Richter am Supreme Court of California ernannt hatte Brown wurde am 3. Januar 2011 in Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, zum Gouverneur vereidigt und übernahm damit die Regierungsgeschäfte des Bundesstaates. Bezogen auf sein Lebensalter bei Amtseinführung war Brown mit 72 Jahren der älteste Gouverneur in der Geschichte Kaliforniens. Auch war er im Jahr 2019 mit 81 Jahren der älteste amtierende Gouverneur in den USA.

In Summe seiner gegenwärtigen Amtsperiode und der beiden ersten Amtszeiten hat Brown seit Oktober 2013 Earl Warren (im Amt von 1943 bis 1953) als am längsten amtierenden Gouverneur Kaliforniens abgelöst. Im Oktober 2012 hatte er mit über 12.500 Gesetzen mehr Beschlüsse der Bundesstaatslegislative unterzeichnet als jeder andere Amtsinhaber seit Gründung des Staates.

Wiederwahl 2014

Am 27. Februar 2014 kündigte Brown offiziell an, bei der kalifornischen Gouverneurswahl im November 2014 für eine insgesamt vierte und letzte Amtszeit zu kandidieren.Los Angeles Times: Gov. Jerry Brown announces reelection bid, 27. Februar 2014New York Times: Brown Seeks Fourth Term as Governor of California, 27. Februar 2014 Am 3. Juni fanden erstmals Vorwahlen (Primary election) nach dem neuen kalifornischen Wahlrecht statt: Es wurden nicht mehr wie bislang parteiinterne Wahlen abgehalten, sondern im Rahmen einer einzigen Vorwahl über alle Kandidaten abgestimmt, unabhängig von deren Parteizugehörigkeit. Bei der eigentlichen Wahl treten dann die beiden erfolgreichsten Kandidaten der Vorwahl gegeneinander an, während die übrigen Bewerber ausgeschieden sind. Brown sicherte sich bei der Primary 54,5 Prozent der Stimmen und ließ damit alle anderen Kandidaten weit hinter sich. Zweitplatzierter wurde der Republikaner Neel Kashkari mit 19 Prozent, der sich gegen den republikanischen Abgeordneten aus der California State Assembly, Tim Donnelly, mit knapp 15 Prozent durchsetzen konnte.Los Angeles Times: Gov. Jerry Brown takes easy lead, will face Neel Kashkari in November vom 4. Juni 2014 Der Wahlkampf 2014 war für amerikanische Verhältnisse erstaunlich wenig von einer Polarisierung über Browns bisherige Politik geprägt. Neel Kashkari warf Brown zwar unter anderem in den Bereichen Bildung und Infrastruktur Versagen vor, doch zeigen Umfragen, dass Kashkari in Kalifornien vergleichsweise wenig bekannt ist. Während des Wahlkampfes ignorierte Brown seinen Konkurrenten weitestgehend. So stimmte er auch nur einem einzigen Fernsehduell zu, welches zudem bereits zwei Monate vor der Wahl an einem unbedeutenden Sendetermin stattfand. Kashkari hatte im Vorfeld mehrere Debatten vorgeschlagen. Auch ließ Brown keine Wahlwerbespots schalten, da er sämtliche Umfragen mit Werten im Bereich von 20 Prozentpunkten anführen konnte. In den US-Medien wurde berichtet, dass Brown plant, die gesammelten Spendengelder für Wahlkampfzwecke bei Volksabstimmungen zu verwenden.realclearpolitics.com: California Governor: Jerry Brown vs. Neel Kashkari

Am Wahltag, dem 4. November 2014, siegte Brown mit einem Stimmenanteil von genau 60 Prozent klar über seinen Herausforderer, für den sich 40 Prozent der an der Wahl teilnehmenden kalifornischen Wahlberechtigten aussprachen.Governor-Statewide results, California Department of State Bei der zeitgleich abgehaltenen Wahl des Vizegouverneurs wurde auch sein bisheriger Stellvertreter Gavin Newsom wiedergewählt. Am 5. Januar 2015 wurde Brown im Plenarsaal der California State Assembly im California State Capitol für seine zweite (insgesamt vierte und damit letzte) Amtszeit vereidigt.

Amtsführung Wirtschafts- und Finanzpolitik mini|Brown bei einer Wahlkampfveranstaltung für den Volksentscheid Proposition 30 im Oktober 2012