Reconquista (span. „Rückeroberung“) ist die spanische und portugiesische Bezeichnung für die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christliche Nachkommen der Bevölkerung des Westgotenreichs, nachdem im frühen 8. Jahrhundert aus Nordafrika kommende muslimische Eroberer (Araber und Berber) das Westgotenreich vernichtet und die Iberische Halbinsel unterworfen hatten.
Anfänge 711 bis 975 711: Muslimische Invasoren (Berber und Araber) unter der Führung von Tariq ibn Ziyad landen von Marokko aus in Andalusien bei dem nach Tariq benannten Gibraltar („Dschebel al-Tariq“). Sie schlagen die Westgoten unter Roderich in der Schlacht am Río Guadalete vernichtend, König Roderich fällt in der Schlacht. 711–719 Dem Sieg am Rio Guadalete folgt die muslimische Eroberung der gesamten Iberischen Halbinsel, die 719 mit der Vollendung der Unterwerfung der Tarraconensis abgeschlossen wird. 718: Der westgotische Adlige Pelayo lässt sich von seinen Anhängern in Asturien zum König (oder Fürsten) wählen. Erst damit beginnt der organisierte Widerstand gegen die Muslime in Asturien. 720–725: Die Muslime erobern auch Septimanien, den nördlich der Pyrenäen gelegenen Teil des Westgotenreichs. 721: Ein Heer aus Aquitaniern und Franken unter Führung Eudos von Aquitanien schlägt eine muslimische Armee unter dem Gouverneur von Al-Andalus, as-Samh ibn Malik al-Chawlani, in der Schlacht von Toulouse. 722: Pelayo schlägt eine von dem muslimischen Statthalter Asturiens, Munuza, gesandte Streitmacht in der Schlacht von Covadonga. Dieses Ereignis, das von manchen Forschern schon ins Jahr 718 gesetzt wird, gilt traditionell als Beginn der Reconquista. Ob es sich um eine größere Schlacht oder nur um ein Gefecht handelte, ist strittig. 725: Muslimische Raubzüge erreichen Autun im Fränkischen Reich. 729: Berberrebellen, die mit Eudo von Aquitanien verbündet sind, erheben sich in Cerdanya. Die Revolte wird jedoch niedergeschlagen. 732: Eine muslimische Armee unter Abd ar-Rahman besiegt ein Heer Eudos von Aquitanien in der Nähe von Bordeaux. Die Mauren plündern daraufhin Aquitanien. 732: Karl Martell besiegt in der Schlacht von Tours und Poitiers die Mauren, Abd ar-Rahman fällt. Der Ausgang der Schlacht wird oft als Rettung Europas vor den einfallenden Muslimen angesehen. 737: Die Araber erobern Avignon. 739: Erneute Berberrevolte in Nordafrika und der Iberischen Halbinsel. Alfons I. von Asturien vertreibt die Mauren aus Galicien. 740: Die Berber erheben sich erneut und revoltieren gegen das arabische Umayyadenkalifat. 741: 10.000 arabische Anhänger von Kulthum ibn Iyadh al-Kushayri erreichen Spanien unter ihrem neuen Anführer Talaba ibn Salama. Er und die Jordanier lassen sich in Córdoba nieder, andere Truppenteile in Sevilla, Elvira, Jaén, Algeciras und Medina-Sidonia. Daraufhin bricht ein 48-jähriger Bürgerkrieg zwischen den Neuankömmlingen und den iberischen Muslimen aus. 759: König Pippin der Jüngere erobert von den Mauren Narbonne zurück. Damit endet die arabische Herrschaft nördlich der Pyrenäen. 778: Die Franken unter Karl dem Großen greifen Saragossa an, müssen sich aber zurückziehen. Während des Rückzugs überfallen die Basken seine Nachhut unter der Führung des Markgrafen Roland. 781–881: In diesem Zeitraum kommt es zu regelmäßigen Aufständen gegen die arabische Besetzung in Saragossa. 791: König Bermudo I. von Asturien unterliegt gegen die Mauren in der Schlacht von Burbia und dankt ab. Sein Nachfolger wird Alfons II. von Asturien. 792: Hisham I., Emir von Córdoba, ruft zum Dschihad gegen die Ungläubigen in Al-Andalus und im Frankenreich auf. Zehntausende Freiwillige, die bis aus Syrien kommen, folgen seinem Aufruf. Narbonne wird zerstört, aber die Invasion kann in der Nähe von Carcassonne gestoppt werden. 794: Die Asturer besiegen die Mauren in der Schlacht von Lutos. 795: Maurische Truppen erobern Astorga. 795: Alfons II. von Asturien erreicht Lissabon, kann die Stadt aber nicht erobern. 799: Die Basken ergeben sich und töten den maurischen Gouverneur von Pamplona. 800–810: Verschiedene Rebellionen brechen in Lissabon, Mérida und Toledo aus. Die Aufstände werden blutig niedergeschlagen. 801: Ludwig der Fromme, ein Sohn Karls des Großen, erobert erneut Barcelona von den Mauren. Daraufhin wird die Spanische Mark eingerichtet. 805: In Córdoba und Mérida brechen erneut Aufstände gegen die Mauren aus. 806: Die Franken erobern Pamplona. Nach einer Revolte in Toledo werden 700 Männer, Frauen und Kinder von den Mauren hingerichtet. 808: Die Franken scheitern beim Versuch, Tortosa zu erobern. 811: Erneuter, achtjähriger Aufstand gegen die Muslime in Toledo. Karl der Große kontrolliert nun ganz Katalonien. 813: Santiago de Compostela wird zur Pilgerstätte. 818: Nach einem Aufstand in Córdoba kommt es während drei Tagen zu einem Massaker und Plünderungen. Dabei werden 300 Adlige gekreuzigt und 20.000 Menschen vertrieben. 825: Gescheiterter muslimischer Versuch, Coimbra und Viseu zu erobern 828: Aufstand gegen die Araber in Mérida. 829: Erneuter Aufstand in Mérida. 844: (angeblich:) Schlacht von Clavijo 850: Beginn der Wiederbevölkerung der Region Kastilien. 850–859: Perfectus, ein christlicher Priester, wird in Córdoba geköpft. 48 christliche Männer und Frauen werden geköpft („Märtyrer von Córdoba“). 855: Ordoño I. von Asturien erobert León von den Mauren. 859: Ordoño I. von Asturien besiegt Musa ibn Musa bei Albelda. 866: König Alfons III. der Große von Asturien verlegt die Hauptstadt nach León und erobert Coimbra 868: Alfons III. erobert den alten Römerhafen Porto. Er initiiert die Wiederbevölkerung von Porto, Coimbra, Viseu und Lamego. Erneute Revolte gegen die Mauren in Mérida. 871: Coimbra wird erneut von den Mauren erobert. 913: Ordoño II. von León erobert Évora (Talavera) von den Mauren. 917: Schlacht von San Esteban de Gormaz: Ordoño II. von León besiegt eine maurische Armee unter dem Emir Abd ar-Rahman III. 918: Schlacht von Talavera, Abd ar-Rahman III. besiegt ein christliches Heer. 920: Schlacht von Valdejunquera, Abd ar-Rahman III. besiegt die Armee des Königreichs Leon. 920: Muslimische Streitkräfte überqueren die Pyrenäen, fallen in die Gascogne ein, belagern Toulouse und töten die Besatzung von Muez. 923: Pamplona wird durch eine muslimische Armee zerstört. 929: Abd ar-Rahman III. ruft sich selber zum Kalifen von Córdoba aus und bricht mit den Abbasidenkalifat in Bagdad. 933: Schlacht von Osma. Das Heer der Grafschaft Kastilien und des Königreichs Leon unter Fernán González besiegt die Mauren unter Abd ar-Rahman III. 939: Schlacht von Simancas: König Ramiro II. von León besiegt Abd ar-Rahman III. Im gleichen Jahr siegen die Christen bei Alhandega. 953: Einfall der Mauren in Galicien 955: Ordoño III. von León greift Lissabon an. 974: Eine maurische Armee unter Ibn Tumlus schlägt einen Aufstand in Sevilla nieder.
Muslimische Offensiven 976 bis 1002 976: Almansor plündert Barcelona. 977: Almansor besiegt eine christliche Armee. 981: Ramiro III. von León wird von Almansor bei Rueda besiegt und muss Tribut entrichten. 985: Almansor greift mehrmals christliche Gebiete an und plündert Barcelona. 986: Almansor brennt das Kloster von Sankt Cugat del Vallès nieder. 987: Almansor zerstört Coimbra, erobert mehrere Burgen, nördlich des Douro und erreicht Santiago de Compostela. Die Stadt wird evakuiert und die Mauren brennen sie bis auf die Grundmauern nieder. Al-Mansur lässt die Türen und Glocken des Heiligtums nach Córdoba bringen und die Kirche des Heiligtums zerstören. 988 Almansor plündert die Stadt León und lässt die Stadt niederbrennen. Danach plündert er León, Zamora, und Sahagún und lässt die Klöster von Eslonza und Sahagún zerstören. 995: Nach heftigem Widerstand der Familie Beni Gómez, die Herrscher von Saldana, Liebana, Carrión und Zamora, gelingt es Al-Mansur die Stadt Santa Maria de Carrión zu zerstören. 997: Almansor erobert weitere christliche Gebiete. 1002: Almansor stirbt nach einem siegreichen Feldzug in Medinaceli. Christliche Chronisten dichten ihm postum eine Niederlage in der angeblichen Schlacht von Calatañazor an.
Wechselhafte Kämpfe 1003 bis 1211 1003: Die Mauren verwüsten León. 1009: Die Muslime verwüsten León erneut. 1031: Das Kalifat von Córdoba geht unter. 1034: Ein Heer unter Ismail ibn Abbad aus Sevilla wird von Streitkräften aus León besiegt. Gonçalo Trastemires erobert die Burg Montemor. 1035: Ferdinand I. erobert Coimbra und zwingt die Muslime von Toledo, Sevilla und Badajoz zu Tributzahlungen. 1036: Bermudo III. besiegt die Mauren bei César, in der Region Aveiro 1037: Santiago de Compostela wird zurückerobert. 1057: Ferdinand I. erobert Lamego und 1058: Viseu von den Mauren. 1062: Ferdinand I. greift mit einer großen Armee Toledo an. Emir Al-Mamun wird dem Königreich Kastilien tributpflichtig. Danach greift Ferdinand Badajoz an und macht auch Emir Abbad II. al-Mu'tadid von Sevilla tributpflichtig. 1063: Schlacht von Graus. König Ramiro I. von Aragonien verliert den Kampf gegen die Hudiden von Saragossa und wird getötet. Als Reaktion darauf wird Barbastro von einem vereinigten christlichen Heer, dem sich erstmals auch viele französische und normannische Ritter anschließen, belagert und eingenommen. 1064: Ferdinand I. belagert Coimbra und erobert die Stadt. Alle Moslems werden über den Fluss Mondego vertrieben. 1067: Sancho II. und El Cid belagern Saragossa. Die Belagerung wird aufgehoben, nachdem Emir Al-Muqtadir Lösegeld zahlt und sich zu Tributzahlungen verpflichtet. 1073: Die Festung von Belillos wird gebaut, von wo aus die christliche Garnison die Gegend von Granada angreifen kann. 1076: Ferdinand I. erobert Coria im Emirat Badajoz. 1079: Schlacht von Coria. Alfons VI. besiegt den Emir von Badajoz, Al-Mutawwakkil und besetzt große Teile des Fürstentums der Dhun-Nuniden von Toledo. 1082: Schlacht von Almenar. Truppen Aragoniens und Kataloniens belagern die Stadt Almenar und werden von Al-Mu'tamin von Saragossa besiegt. Der Graf von Barcelona, Berengar Raimund II., wird gefangen genommen. 1085: Die Kastilier erobern Salamanca und die Stadt Toledo. 1086: Mehrere Emire bitten den berberischen Almoravidenherrscher Yusuf ibn Taschfin um Hilfe gegen Alfons VI. Der erleidet in der Schlacht bei Zallaqa in der Extremadura eine verheerende Niederlage gegen das vereinigte Heer der Mauren und Berber. 1087: Alfons VI. erobert die Festung Aledo in Murcia. Dadurch kontrolliert er den Weg zwischen Sevilla und Granada. Die große Moschee von Toledo wird in eine Kirche umgewandelt. 1088: Yusuf ibn Taschfin belagert vier Monate lang erfolglos Aledo. 1090: Christliche Truppen erobern Santarém, Lissabon und Sintra. 1092: Maurische Rückeroberungsversuche von Toledo scheitern. 1094: Eine Armee der Almoraviden unter Sir ibn Abi Bakr erobert Badajoz und Lissabon zurück. El Cid erobert Valencia von den Mauren. Die Almoraviden landen mit einer Armee aus Marokko in der Nähe von Cuarte und belagern Valencia mit 50.000 Mann. El Cid durchbricht den Belagerungsring und schlägt die Berber in die Flucht. 1095: Die Almoraviden erobern Santarém. 1097: El Cid besiegt die Almoraviden unter Ali ibn al-Haj in der Schlacht bei Bairén. Die Almoraviden besiegen Alfons VI. in der Schlacht bei Consuegra, in der der Sohn des Cid zu Tode kommt. 1099: Die Almoraviden unter Ali ibn al-Hadsch belagern weiter Valencia. Am 10. Juli 1099 stirbt El Cid in Valencia. 1100: Molina fällt in christliche Hände. 1102: Die Almoraviden erobern Valencia und dringen bis vor Saragossa vor. Die Hudiden leisten als letztes maurisches Kleinkönigreich Widerstand gegen die almoravidische Expansion. 1103: Der almoravidische Gouverneur von Granada, Muhammad ibn al-Hadsch (Bruder von Ali), wird im Kampf in der Nähe von Talavera durch kastilische Truppen getötet.