Die Bahnstrecke Děčín–Chomutov ist eine regionale Eisenbahnverbindung in Tschechien, die ursprünglich von der k.k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn (DBE) erbaut und betrieben wurde. Die heute nur noch teilweise in Betrieb befindliche Strecke zweigt in Děčín (Bodenbach) von der Bahnstrecke Praha–Děčín ab und verläuft parallel zum Erzgebirge über Teplice (Teplitz), Litvínov (Oberleutensdorf) und Jirkov (Görkau) nach Chomutov (Komotau).

Der Abschnitt Litvínov–Jirkov wurde im Jahr 1971 infolge der seinerzeit geplanten Ausweitung des Braunkohletagebaues Důl ČSA stillgelegt. Mitsamt der dort gelegenen Ortschaften wurde der Abschnitt zwischen Horní Jiřetín (Ober Georgenthal) und Kyjice in den 1980er Jahren vom Bergbau in Anspruch genommen und vollständig abgebaggert.

Nach einem Erlass der tschechischen Regierung ist die Strecke Děčín–Litvínov seit dem 20. Dezember 1995 als regionale Bahn („regionální dráha“) klassifiziert.

Geschichte

Am 9. Juli 1869 war der k.k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn der Bau einer Bahnstrecke von Bodenbach nach Dux mit einer Zweigbahn nach Komotau gestattet worden.

Am 2. Oktober 1871 wurde die Strecke Bodenbach–Dux eröffnet. Der erste Fahrplan der DBE verzeichnete drei gemischte Zugpaare, die für die gesamte Strecke von Bodenbach nach Dux fast drei Stunden benötigten. Bereits am 20. Juni 1872 trat ein neuer Fahrplan mit deutlich kürzeren Fahrzeiten in Kraft. Die Fahrzeit nach Dux betrug nun nur noch zwei Stunden und 15 Minuten.

Am 19. Dezember 1872 wurde die Streckenerweiterung von Haan nach Komotau in Betrieb genommen. Die „Fahrordnung giltig vom Tage der Betriebs-Eröffnung der Strecke Ossegg-Komotau“ verzeichnete drei durchlaufende Personenzugpaare zwischen Bodenbach und Komotau. Sie benötigten für die über 80 Kilometer lange Strecke etwas über drei Stunden. In Ossegg war jeweils ein Anschluss von und nach Dux sichergestellt. Lediglich ein Zug am Abend fuhr noch auf der ursprünglichen Verbindung von Bodenbach nach Dux und am Morgen wieder zurück.

mini|links|Bahnhof Telnice (2014) In Vorbereitung der geplanten Verstaatlichung der DBE ging die Betriebsführung der Strecke ab dem 1. Juli 1884 an die k.k. Staatsbahnen (kkStB) über. Endgültig verstaatlicht wurde die Dux-Bodenbacher Bahn allerdings erst am 1. Jänner 1894.

Der Sommerfahrplan von 1912 verzeichnete fünf täglich verkehrende Personenzüge der 1. bis 3. Klasse. Sie benötigten für die gesamte Strecke von Bodenbach bis Komotau etwa drei Stunden.Fahrplan der kkStB – gültig vom 1. Mai 1912.

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns infolge des Ersten Weltkrieges ging die Strecke im Oktober 1918 an die neu gegründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) über.

Anfang der 1920er Jahre sanken die Kohleausfuhren aus der Tschechoslowakei nach Deutschland nach einer Änderung der Frachttarife für die Elbschifffahrt auf ein Minimum. Im Jahr 1923 wurde die Schifffahrt auf der Elbe und damit die Kohleausfuhren ganz eingestellt. Nach der Verstaatlichung der Aussig-Teplitzer Eisenbahn (ATE) wurde zudem ab 1924 der gesamte Kohleverkehr aus dem nordböhmischen Becken auf die günstiger trassierte Strecke Komotau–Aussig verlagert. Die Verbindung Komotau–Bodenbach verlor damit einen wesentlichen Teil ihres Verkehrs und wurde faktisch zu einer Nebenbahn degradiert. In diesem Zusammenhang wurde am 15. Mai 1926 eine neue Verbindungsbahn zwischen Unter Haan und dem Bahnhof Ullersdorf eröffnet. Das führte zu einer verkehrlichen Trennung der Strecke in die Relationen Bodenbach–Ossegg und Teplitz-Schönau–Komotau, was sich fortan auch in den Fahrplänen widerspiegelte. mini|links|Bahnhof Teplice lesní brána (2014) Ab 1933 setzten die ČSD bei den meisten Personenzügen moderne Motorzüge ein, was einerseits eine deutliche Verkürzung der Fahrzeiten als auch eine signifikante Verdichtung des Fahrplanes ermöglichte. Im Winterfahrplan von 1937 gab es nur noch ein durchgängig verkehrendes Personenzugpaar zwischen Bodenbach und Komotau, die meisten Fahrten endeten in Ossegg. Zwischen Bodenbach und Osseg verkehrten sieben Personenzugpaare, zwischen Teplitz-Schönau und Komotau acht. Weitere Züge verkehrten auf Teilstrecken.Winterfahrplan 1937/38 der ČSD – gültig ab 3. Oktober 1937.

Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Dresden. Im Reichskursbuch war die Verbindung unter den Kursbuchstrecken 166a Bodenbach–Ossegg und 166b Teplitz-Schönau–Ossegg–Komotau enthalten.Fahrplan 1944 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Strecke wieder zur ČSD.

Am 9. Januar 1961 wurde der Abschnitt zwischen Teplice lesní brána und Háj u Duchcova infolge der Ausweitung des dortigen Braunkohlebergbaues stillgelegt. Eine Neubautrasse bindet die Strecke seither auch von Děčín kommend direkt in den Bahnhof Oldřichov u Duchcova ein. Ein Teil der alten Strecke zwischen dem früheren Tiefbaugrube Důl 1. máj und dem Bahnhof Osek existiert auch im Jahr 2024 noch. Der größte Teil des Gebietes zwischen Teplice und Háj u Duchcova mit der früheren Bahnstrecke wurde jedoch vom Bergbau überformt.

Anfang der 1960er Jahre wurde die Strecke zwischen Oldřichov u Duchcova und Louka u Litvínova und weiter nach Most für den Güterverkehr mit 3 kV Gleichspannung elektrifiziert. Am 28. Mai 1964 wurde dort der elektrische Eisenbahnbetrieb aufgenommen.

Im Jahr 1971 wurde der Abschnitt Litvínov–Jirkov infolge der seinerzeit geplanten Ausweitung des Braunkohletagebaues Důl ČSA bis an die geologische Grenze des Erzgebirgsbruches aufgelassen. Mitsamt der dort gelegenen Ortschaften wurde die Strecke zwischen Horní Jiřetín (Ober Georgenthal) und Kyjice in den 1980er Jahren vollständig vom Bergbau in Anspruch genommen und abgebaggert. Bis Horní Jiřetín gab es dagegen noch eine Zeitlang Güterverkehr. Heute liegt das Streckenende am Bahnhof Litvínov.

Seit dem 28. September 1997 verkehren wieder Reisezüge zwischen Chomutov und Jirkov. mini|links|Die Reisezüge nach Oldřichov u Duchcova fuhren in Děčín stets vom Stumpfgleis 1B (2007) Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 wurde der Reisezugverkehr auf dem Abschnitt Děčín–Oldřichov u Duchcova (KBS 132) durch den verantwortlichen Ústecký kraj abbestellt. Als Grund für die Einstellung wurde vor allem die geringe Auslastung der Züge genannt. Auch die Wiedereinrichtung direkter Nahverkehrszüge zwischen Děčín und Chomutov über Ústí nad Labem war als Argument für die Einstellung des regelmäßigen Personenverkehrs angeführt worden.Ústecký kraj neobjedná dopravu na dvou tratích a čtyřech dalších úsecích Zwischenzeitlich war auch die Nutzung der Bahntrasse für einen Autobahnzubringer zur neuen D8 bei Ústí nad Labem im Gespräch. mini|Modernisierte Haltestelle Lom u Mostu (2022) Ab dem 13. Oktober 2009 verkehrten an Wochenenden wieder drei Reisezugpaare zwischen Děčín und Oldřichov u Duchcova. Betreiber war die Firma Railtrans. Später wurden die Fahrten auf die touristisch interessante Relation Děčín hl.n.–Telnice gekürzt. Angeboten wurden diese Fahrten unter dem Marketingnamen „Kozí dráha“ (Ziegenbahn), das verantwortliche Eisenbahnverkehrsunternehmen war später Rail system s.r.o. Am 14. Dezember 2015 sperrte die Infrastrukturverwaltung die Strecke zwischen Děčín hl.n. západ und Telnice wegen eines Felssturzes im Einschnitt zwischen den Streckenkilometern 2,5 und 2,7.Faksimile der Bekanntmachung zur Streckensperrung

Die 13 Kilometer lange Strecke von Oldřichov u Duchcova nach Litvínov wurde ab Dezember 2018 für insgesamt 898,9 Millionen Kronen vollständig erneuert. Teil des Projektes war auch die Elektrifizierung des zwei Kilometer langen Abschnittes Louka u Litvínova–Litvínov. Seit Abschluss der Arbeiten im April 2021 werden die Züge der Linie U24 von Ústí nad Labem über Teplice v Čechách nach Litvínov werktags im Einstundentakt durchgebunden. An Samstagen und Sonntagen fahren die Züge im Zweistundentakt. In Teplice besteht jeweils zur ungeraden vollen Stunde täglich ein bahnsteiggleicher Anschluss an die Schnellzüge der Relation Praha–Ústí nad Labem–Chomutov–Cheb.„Další dva kilometry pod trolejemi. Miliardová modernizace trati do Litvínova má začít letos“ auf zdopravy.cz„Modernizaci a „zadrátování“ trati do Litvínova provede Elektrizace železnic, potrvá dva roky“ auz zelpage.cz

Erneuerung des Abschnittes Děčín–Telnice mini|Strecke am km 2,7 bei Dolní Oldřichov. Der Oberbau K auf Holzschwellen weist außer einem Lagefehler keine Schäden auf. (August 2020) mini|Gleiserneuerung in Telnice (Oktober 2021) Für den 9. April 2020 hatte die Gemeinde Telnice zwei Reisezugpaare bei dem Eisenbahnverkehrsunternehmen KŽC Doprava für die Relation Děčín hl.n.–Telnice bestellt. Sie waren auch im Entwurf für den Jahresfahrplan 2020 der SŽDC enthalten. Laut Aussage des Bürgermeisters der Gemeinde Telnice Jan Doubrava war es ein Versuch, herauszufinden, ob die staatliche Infrastrukturverwaltung die Strecke kurzfristig wieder in einen betriebsfähigen Zustand versetzen kann.„Telnice testuje Kozí dráhu: Na duben si objednala vlaky u KŽC Doprava“ auf zdopravy.cz

Die staatliche Infrastrukturverwaltung bezifferte den finanziellen Aufwand zur Reparatur der Schäden an der Strecke mit etwa 100 Millionen Kronen. Eine kurzfristige Wiederinbetriebnahme ist wegen gestohlener Anlagenbestandteile allerdings nicht möglich. Im Frühjahr 2020 wurde zunächst die aufgewachsene Vegetation im Gleis zwischen Telnice und Oldřichov u Duchcova entfernt.„Správa železnic začala vysekávat Kozí dráhu z porostu, chystá hubení plevele“ auf zdopravy.cz Im März 2021 gab die Infrastrukturverwaltung bekannt, den Abschnitt Děčín–Telnice bis zum Sommer instand setzen zu wollen. Bereits für Juli 2021 war die Wiederaufnahme des saisonalen Reiseverkehrs in dieser Relation vorgesehen.„Ústecký kraj: na Kozí dráhu se mohou vrátit vlaky“ auf zdopravy.cz

Die Stadt Děčín und weitere Anliegergemeinden lehnten angesichts der hohen Kosten eine Instandsetzung der Strecke ab. Stattdessen wollten sie auf der Trasse einen Radweg einrichten. Angesichts dieser neuen Entwicklung setzte die Infrastrukturverwaltung die Arbeiten zur Instandsetzung vorerst aus.„Stát odkládá plán na obnovu Kozí dráhy, ministerstvo neschválilo peníze na opravu“ auf zdopravy.cz Im Gegensatz dazu lehnten die Anliegergemeinden Velké Chvojno, Telnice, Novosedlice und Proboštov den Bau des Radweges ab. In einem offenen Brief an den tschechischen Verkehrsminister Karel Havlíček forderten sie die schnellstmögliche Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme der gesamten Strecke zwischen Děčín und Oldřichov u Duchcova. Stand Mai 2021 waren die Arbeiten der Infrastrukturverwaltung zur Wiederinbetriebnahme schon so weit fortgeschritten, dass die Strecke mit Bahndienstfahrzeugen bis Telnice befahren werden konnte.„Dokument: Starostové od Kozí dráhy píší ministrovi: Nikdo s námi nejednal, cyklostezku nechceme“ auf zdopravy.cz Das Parlament des Ústecký kraj bekräftigte am 7. Juni 2021 in einer weiteren Abstimmung, dass die Strecke wieder in Betrieb gehen soll. An das Verkehrsministerium in Prag erging die Forderung, die benötigten 50 Millionen Kronen für die Instandsetzung des Abschnittes Děčín–Telnice zeitnah freizugeben.„Z Kozí dráhy nebude cyklostezka, vlaky se na trať vrátí možná už na podzim“ auf idnes.cz