Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) in Dresden entstand 1996 aus dem Zusammenschluss der Bibliothek der Technischen Universität und der Sächsischen Landesbibliothek (SLB). Hervorgegangen aus der (kur-)fürstlichen Büchersammlung aus dem 16. Jahrhundert ist sie eine der ältesten Bibliotheken Deutschlands und als Landesbibliothek seit 1788 öffentlich zugänglich. Die scheinbar redundante Bezeichnung der Bibliothek soll darauf hinweisen, dass die Landesbibliothek sowohl die Staatsbibliothek des Freistaates Sachsen als auch Universitätsbibliothek der TU Dresden ist ( Abs. 2 SächsLBG).
Die SLUB bezog 2002 einen großen Neubau vom Architekturbüro O&O Baukunst am Zelleschen Weg, in dem die Bestände zusammengeführt wurden. Mit einem Bestand von über 17 Millionen Medien gehört sie zu den vier größten Bibliotheken in Deutschland und besitzt als Einrichtung der Landesbibliografie das Pflichtexemplarrecht für in Sachsen publizierte Literatur.
Die SLUB verzeichnete 2025 etwa 1,4 Millionen Bibliotheksbesuche.
Geschichte
Geschichte der Landesbibliothek mini|hochkant|Buchkatalog aus Annaburg (1574) Die Sächsische Landesbibliothek geht auf die 1556 angelegte Büchersammlung von Kurfürst August I. zurück.Neue Chefin für Sachsens Bibliothek, Freie Presse vom 23. März 2022. Die ursprünglich im Dresdner Residenzschloss untergebrachte Buchsammlung wurde 1574 von Dresden nach Schloss Annaburg verlagert. Im Zuge der Verlagerung legte man einen ersten Fachkatalog an.Registratur der bucher in des Churfursten zu Saxen liberey zur Annaburg 1574 Der Katalog umfasste 2.736 Texte in 1.674 Bänden.
mini|links|Detail des Codex Dresdensis, der sich seit 1739 im Besitz der Bibliothek befindet und 1853 als Maya-Handschrift identifiziert werden konnte Kurfürst Christian I. ließ die Bibliothek nach seinem Amtsantritt 1586 wieder in das Dresdner Residenzschloss zurückführen. 1589 wurde der Bestand um die 3.312 Werke umfassende Sammlung der Thüringer Grafen von Werthern erweitert. Die Bibliotheksverwaltung oblag im 17. Jahrhundert den Oberhofpredigern am sächsischen Hof, darunter u. a. Polykarp Leyser der Ältere (Leitung 1593–1610), Paul Jenisch (Leitung 1610–1612), Matthias Hoë von Hoënegg (Leitung 1613–1645), Jacob Weller (Leitung 1645–1664) und Martin Geier (Leitung 1664–1680). Ab 1640 übernahmen Dichter und Poeten die Betreuung der Bibliothek, darunter u. a. Christian Brehme und der Barocklyriker David Schirmer. Die Sammlung umfasste Ende des 17. Jahrhunderts weniger als 7.000 Bände.Thomas Bürger: Wandel und Kontinuität in 450 Jahren. Von der kurfürstlichen Liberey zur Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden, 55 (2006), 1–2, S. 30 f.
Von 1680 übernahmen verschiedene Adlige am sächsischen Hof die Leitung der Bibliothek. In dieser Funktion wirkten u. a. Friedrich I. Vitzthum von Eckstädt (Leitung 1714–1726) und Heinrich Friedrich von Friesen (1727–1733). 1738 übernahm der Premierminister Heinrich von Brühl selbst die Führung der Bibliothek (Leitung bis 1763).
Der Bestand der Bibliothek wuchs im 18. Jahrhundert stetig an. 1718 kamen knapp 1.000 Bücher aus dem Nachlass von Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz hinzu, darunter einen achteckigen Koran von 1184 und ein Exemplar der 1462 von Peter Schöffer gedruckten Mainzer Bibel. Aus dem Nachlass von Johann von Besser gelangten 1727 etwa 18.000 Bände in den Besitz der Bibliothek. Bis 1728 war die Bibliothek im Dresdner Residenzschloss untergebracht und wurde dann in den Zwinger verlegt.Thomas Bürger: Wandel und Kontinuität in 450 Jahren. Von der kurfürstlichen Liberey zur Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden, 55 (2006), 1–2, S. 31
1739 gelangte die Bibliothek in den Besitz des Codex Dresdensis, der im 19. Jahrhundert als Handschrift der Maya identifiziert werden konnte. Der Codex Dresdensis gehört heute zu den wertvollsten Exemplaren der Bibliothek, weltweit existieren aufgrund der von Bischof Diego de Landa angeordneten Zerstörung von Maya-Handschriften derzeit nur noch drei weitere Maya-Codices.SLUB Dresden – Der Dresdner Maya-Codex
mini|Das Japanische Palais beherbergte die Landesbibliothek für 159 Jahre mini|hochkant|Lesesaal im Japanischen Palais Nach dem Zukauf weiterer Sammlungen – unter anderem der Bibliothek des Grafen von Brühl und der des Grafen von Bünau, die Johann Joachim Winckelmann als Bibliothekar auf Schloss Nöthnitz betreute – reichten die Platzkapazitäten des Pavillons im Zwinger nicht mehr aus. Die Bibliothek wurde daher 1786 in das Japanische Palais in der Neustadt verlegt, wo sie bis 1945 verblieb.Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. E.A. Seemann, Leipzig 1981, ISBN 3-363-00007-3, S. 144.
1788 wurde die Bibliothek dort unter dem Namen Bibliotheca Electoralis Publica der Öffentlichkeit zugänglich. Damit erfolgte die öffentliche Präsentation der kurfürstlichen Büchersammlung etwa 50 Jahre später als die der Schatzkammer im Grünen Gewölbe. Mit der Gründung des Königreichs Sachsen erfolgte 1806 die Benennung in Königliche Öffentliche Bibliothek. Ab 1825 stand sie unter der Leitung von Friedrich Adolf Ebert. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Bibliothek um kartografische und musikalische Sammlungen erweitert.Thomas Bürger: Wandel und Kontinuität in 450 Jahren. Von der kurfürstlichen Liberey zur Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden, 55 (2006), 1–2, S. 33 f.
Durch die Einrichtung des Freistaates Sachsen erhielt die Bibliothek 1918 erstmals den Namen Sächsische Landesbibliothek, den sie so durchgängig bis in die Gegenwart trägt. 1935 wurde das Buchmuseum eröffnet, nachdem der Standort im Japanischen Palais noch einmal modernisiert wurde. 1945 wurde die Bibliothek bei den Luftangriffen auf Dresden getroffen und zerstört. Auch infolge von Kriegsbeute der Sowjetunion halbierte sich der Bestand. Nach dem Krieg wurde die Bibliothek in die Albertstadt verlegt und ab 1949 wieder zugänglich. 1966 kam die Bibliothek durch einen Zusammenschluss an die sehr große Sammlung stenografischer Schriften des Stenographischen Instituts. Auch 1983 wurde die Bibliothek noch einmal erweitert, indem ihr die Deutsche Fotothek zugeordnet wurde.Thomas Bürger: Wandel und Kontinuität in 450 Jahren. Von der kurfürstlichen Liberey zur Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden, 55 (2006), 1–2, S. 34 f.
Geschichte der Universitätsbibliothek Die Universitätsbibliothek wurde 1828 als Bibliothek der Königlich-Sächsischen Bildungsanstalt angelegt. Zwischen 1851 und 1890 wurde die Bildungsanstalt als Königlich-Sächsische Polytechnische Schule bezeichnet. 1872 wurden dann Hochschule und Bibliothek in die Nähe des heutigen Hauptbahnhofs verlagert.Thomas Bürger: Wandel und Kontinuität in 450 Jahren. Von der kurfürstlichen Liberey zur Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden, 55 (2006), 1–2, S. 33
mini|Die Villa des Rektorats enthielt das Hauptgebäude der Universitätsbibliothek bis 1995 Bei den Luftangriffen auf Dresden 1945 wurde auch die Universitätsbibliothek zerstört und der Buchbestand großteils vernichtet. Es erfolgte die Verlegung der Bibliothek (mit 55.000 geretteten Bänden) in eine Villa auf dem gegenwärtigen Campus der Universität, in das ehemalige Verbindungshaus der Sängerschaft „Erato“.Geschichte der SLUB – Über das Entstehen und Zusammenwachsen zweier Traditionsbibliotheken, abgerufen am 18. November 2023. (Dort befindet sich jetzt das Rektorat der Technischen Universität Dresden.) Unter der Leitung von Helene Benndorf erfolgte der Neuaufbau des vernichteten Sachkatalogs, aber auch die Errichtung des Hochschul-Zentralkatalogs und die Wiedereröffnung der Patentschriftenstelle. Die Umbenennung in Technische Universität erfolgte 1961, womit sich auch die Bezeichnung als Universitätsbibliothek ergab. Seit 1977 wurden die Ausleihen in den Sektions- bzw. heutigen Zweigbibliotheken zentral gesteuert.
mini|links|Forum in der Zentralbibliothek Nach 1990 wurde die TU Dresden zur Volluniversität ausgebaut und so die Bibliothek um die Zweigbibliotheken der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften ergänzt. 1992 erfolgte die Zusammenführung von TU und der Hochschule für Verkehrswesen und damit auch die Übernahme deren Bibliothek. Auch 1993 wurde die Universitätsbibliothek noch einmal um eine Zweigbibliothek erweitert, als die Forschungs- und Lehreinrichtungen der aufgelösten Medizinischen Akademie Dresden der TU zugeordnet wurden.
1997 zog die Zweigbibliothek Erziehungswissenschaften in die August-Bebel-Straße um. Im darauffolgenden Jahr erfolgte die Eröffnung der Bereichsbibliothek Dre.Punct, in der mehrere Fakultäts-Bibliotheken aufgingen.
Mit dem Zusammenschluss mit der Landesbibliothek begann 1999 der Neubau des Zentralgebäudes im Campus der TU Dresden. Am 1. August 2002 erfolgte die Öffnung der SLUB für die Nutzer. Am 14. Januar 2003 erfolgte dessen offizielle Einweihung. Dieser bietet vor allem durch den großen Lesesaal und die Carrels gute Arbeitsbedingungen.
Gebäude mini|Detailaufnahme der Zentralbibliothek
Das Zentralgebäude der SLUB wurde von 1999 bis 2002 erbaut und vom Architektenbüro O & O Baukunst entworfen. Das Bauwerk bietet auf mehr als 40.000 Quadratmetern 1000 Leseplätze, davon 200 im großen Lesesaal, die Verwaltung und die zahlreichen Sonderbestände. Mit diesem Neubau wurden die zahlreichen Standorte in Dresden (Albertstadt, Martinskirche sowie an den einzelnen Fakultäten) aufgegeben und hier zentral zusammengefasst. Die Baukosten betrugen etwa 90 Millionen Euro.
Von besonderer Bedeutung sind zwei Räumlichkeiten im Nordflügel des Hauptgebäudes: das Zimelienzimmer des Buchmuseums der SLUB und der Klemperer-Saal.
Klemperer-Saal mini|links|Klemperer-Saal 2022 mini|hochkant|Marmorbüste Goethes von Pierre Jean David d’Angers Das nördliche Bibliotheksgebäude beinhaltet in der 1. Etage einen Vortragssaal, der 2002 eröffnet wurde. Mittlerweile hat sich dessen Nutzung neben Vorträgen um Konzerte, Filmaufführungen, Empfängen, Lesungen und Tanzveranstaltungen erweitert. Insbesondere werden dort seit 2008 in loser Folge Werke aus dem sogenannten Schranck No: II zu Gehör gebracht. 2018 erfolgte die Namensgebung Klemperer-Saal nach den sowohl für die Bibliothek der TUD als auch für die TUD als solche verdienten Persönlichkeiten: dem Romanisten Victor Klemperer, dem Dresdner Bankier Victor Klemperer von Klemenau und dessen Vater Gustav Klemperer (1852–1926), Direktor der Dresdner Bank und Ehrensenator der TUD. Vor dem Klemperer-Saal befindet sich die Marmorbüste Goethes, ein Geschenk des französischen Bildhauers und Medailleurs Pierre Jean David d’Angers von 1831 an die damalige Königlich öffentliche Bibliothek zu Dresden, der heutigen SLUB.
Standorte mini|Makerspace Neben der Zentralbibliothek am Zelleschen Weg umfasst die SLUB fünf weitere Standorte. Dem Zentralgebäude gegenüber befindet sich die Bereichsbibliothek DrePunct. Sie integriert die Zweigbibliotheken der Fakultäten der TU Dresden für Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Geowissenschaften, Informatik, Maschinenwesen, Wirtschaftswissenschaften und Verkehrswissenschaften sowie, seit 2014, den Makerspace der SLUB. Die Fakultäten Erziehungswissenschaften (August-Bebel-Straße), Medizin (Fiedlerstraße), Rechtswissenschaften (Bergstraße) sowie Forstwesen (Tharandt) besitzen eigenständige Zweigstellen der SLUB.
Bestände mini|Zentraler Lesesaal der SLUB