Stavenhagen, niederdeutsch Stemhagen, ist eine Kleinstadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Die mecklenburgische Stadt ist Amtssitz des Amtes Stavenhagen und führt seit 1949 die Bezeichnung Reuterstadt vor ihrem Namen. Für seine Umgebung ist der Ort ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mecklenburgische Seenplatte (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.

Geografie Geografische Lage Stavenhagen liegt nordwestlich von Neubrandenburg, nördlich von Neustrelitz und nordöstlich von Waren. Am Ortsausgang in Richtung Demmin ist die alte Grenze zu Pommern am Ortseingang von Basepohl nur wenige Kilometer entfernt.

Stadtgliederung Zu Stavenhagen gehören folgende Ortsteile:Hauptsatzung der Reuterstadt Stavenhagen § 1 (PDF; 39 kB)

Basepohl Basepohl Am See Klockow Kölpin Neubauhof Pribbenow Wüstgrabow

Klima Die klimatischen Bedingungen in Reuterstadt Stavenhagen sind durch ein warmes und gemäßigtes Klima gekennzeichnet. Der jährliche Niederschlag beträgt 679 mm, die durchschnittliche Jahrestemperatur 9,5 °C (Jahresdurchschnitt 1991–2021).Klimadiagramm Stavenhagen bei de.climate-data.org, abgerufen am 21. August 2026

Geschichte mini|links|Schloss Stavenhagen, Parkseite mini|links|Schloss Stavenhagen, Portalseite mit Turm 13. bis 19. Jahrhundert Stavenhagen wurde 1230 erstmals als Stovenhage urkundlich erwähnt. Schon 34 Jahre später erhielt die Siedlung das Stadtrecht. Aus der Bestätigungsurkunde vom 29. Mai 1282 von Herzog Bogislaw IV. ist zu entnehmen, dass Stavenhagen das Stadtrecht, dessen Urkunde nicht überliefert ist, gemeinsam von den Herzögen Barnim I. und Wartislaw III. erhalten hat.Dietmar Lucht: Die Städtepolitik Herzog Barnims I. von Pommern 1220–1278. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V: Forschungen zur pommerschen Geschichte, Bd. 10. Köln/Graz 1965, S. 62. Im 13. Jahrhundert war Stavenhagen der Hauptort eines gleichnamigen Landes (terra) unter der Herrschaft der Herzöge von Pommern. Dieses kam 1282 zunächst pfandweise, 1317 dann endgültig an die Herren von Werle. Nach deren Aussterben 1436 wurde Stavenhagen Landstadt in Mecklenburg und war als solche eine der Städte im Wendischen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Landstände vertreten waren. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde 1648 die Stadt zerstört. Auch die Großbrände von 1727 und 1746 vernichteten große Teile der Stadt. Um 1740 wurde auf den Grundmauern früherer Burganlagen das heutige Schloss errichtet.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts waren Juden im Ort ansässig, die 1764 den jüdischen Friedhof Stavenhagen einrichteten, der beim Novemberpogrom 1938 durch die Nazis verwüstet und 1943 eingeebnet wurde. Seit 1820 unterhielt die israelitische Gemeinde auch eine eigene Synagoge, ebenfalls 1938 geschändet und in Brand gesteckt, später als Tischlerei verwendet. Nach Jahren des Verfalls und partiellem Abbruch wurde sie 2013 bis 2017 renoviert und dient heute als Kulturstätte.

Zwischen 1774 und 1790 wurde die Stadtkirche neu gebaut und von 1783 bis 1788 das Rathaus errichtet. In der Amtszeit von Bürgermeister Georg Johann Jakob Reuter von 1808 bis 1845 kam es zum ersten wirtschaftlichen Aufschwung durch Einführung neuer landwirtschaftlicher Kulturen, Stallfütterung und die Gründung der ersten Lagerbierbrauerei Mecklenburgs.

1810 wurde in der Stadt Fritz Reuter, der Sohn des Bürgermeisters, geboren, der als einer der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter niederdeutscher Literatur bekannt wurde. Er schilderte die Stadt mehrfach, besonders in Meine Vaterstadt Stavenhagen (1861).

Das 1866 gegründete Katharinenstift ist heute eine diakonische Einrichtung. 1879 bis 1952 bestand das Amtsgericht Stavenhagen.

1864 bekam Stavenhagen einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die 1913 in Betrieb genommene Kleinbahnstrecke Demmin–Stavenhagen–Bredenfelde wurde 1945 als Reparationsleistung demontiert. In den Gründerjahren zur Amtszeit des Bürgermeisters Fritz Schultetus von 1879 bis 1905 setzte die industrielle Entwicklung in Stavenhagen ein. Eine Zuckerfabrik, eine Molkerei, ein Schlachthof, eine Dampfmühle, ein Sägewerk, eine Ziegelei, ein Elektrizitätswerk, ein Feuerwehrhaus und ein Krankenhaus wurden gebaut.

20. Jahrhundert Um die Abwehr des Kapp-Putsches zu unterstützen, schlossen sich am 16. März 1920 Stavenhagener Landarbeiter dem am 13. März ausgerufenen Generalstreik mit Arbeitsniederlegungen an. Infolge des Zusammenbruchs des rechten Putsches am 17. März versuchte die Regierung, durch den Einsatz der Reichswehr wieder Kontrolle über die anhaltenden Streiks zu gewinnenMechthild Hempe: Ländliche Gesellschaft in der Krise. Mecklenburg in der Weimarer Republik, Böhlau, Weimar; Köln 2002, S. 79/80. ISBN 3-412-06502-1.. Am 19. März 1920 zog daher die Demminer Reichswehr unter Führung des Leutnants Meinecke (Bataillon Jarmen) in Stavenhagen ein. Die ansonsten ruhig gebliebene Stadtbevölkerung war im Stadtzentrum versammelt. Da der Befehl, die Straße freizumachen, nicht sofort erfolgen konnte, wurde in die Menge geschossen. Um zu vermitteln, ging der 60-jährige Stadtrat August Seidel mit erhobenen Händen auf die Straße und wurde nach wenigen Worten sofort erschossen. Das juristische Verfahren gegen Meinecke wurde wegen angeblicher Notwehr eingestellt.Emil Julius Gumbel: Vier Jahre politischer Mord. 5. Auflage, Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin-Fichtenau 1922, S. 54. Digitalisat. Heute erinnert auf dem Friedhof ein Grabmal an den Stadtrat.

Im Jahre 1928 erhielt die Stadt eine zentrale Wasserversorgung, und 1932 wurde die katholische Kirche St. Paulus geweiht.

Die DEFA-Dokumentation MAS „Fritz Reuter“ über die damalige landwirtschaftliche Maschinenausleihstation wurde 1950 gedreht. Von 1952 bis 1994 gehörte Stavenhagen zum Kreis Malchin (bis 1990 im DDR-Bezirk Neubrandenburg, danach im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Demmin eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Im alten Stavenhagener Rathaus am Markt entstand 1960 das Fritz-Reuter-Literaturmuseum. 1972 wurde das bedeutendste private Wirtschaftsunternehmen des damaligen Bezirks Neubrandenburg, die Koffer KG Hermelink, als eine der letzten namhaften Firmen zwangsverstaatlicht und deren Besitzer außer Landes getrieben. 1974 wurde im Ortsteil Basepohl ein Standort für ein Hubschraubergeschwader der Nationalen Volksarmee gebaut.

Nach der politischen Wende wurde ab 1991 der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert; das Stadtbild mit dem Schloss hat sich dadurch deutlich verbessert.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden die bisher eigenständigen Gemeinden Kölpin, Neubauhof und StavenhofGustav Hempel: Meklenburgische Vaterlandskunde. Zweite Auflage, Erster Theil, Hrsg. W. Raabe, Hinstorff, Wismar; Ludwigslust 1857, S. 590 ff. Digitalisat eingegliedert. Basepohl, Klockow und Pribbenow kamen am 1. Januar 1951 hinzu.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 8907 1995 8329 2000 7104 2005 6400 2010 5857 2015 5586 Jahr Einwohner 2020 5721 2021 5687 2022 4915 2023 4876 2024 4855

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtvertretung mini|Ehemaliges Rathaus von Stavenhagen mit Fritz-Reuter-Denkmal, heute als Fritz-Reuter-Literaturmuseum dem Dichter gewidmet

Die Stadtvertretung Stavenhagens besteht aus 14 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 57,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 31,3 % 5 32,0 % 6 Unabhängige Fraktion Stavenhagen (UFS) 21,8 % 4 22,3 % 4 AfD – – 16,9 % 1 Die Linke 30,9 % 5 13,8 % 2 Einzelbewerber Lutz Trautmann – – 13,5 % 1 Cannabis und Bürgerrechte – – 1,4 % – Reuterstädter Bürgergemeinschaft 11,9 % 2 – – SPD 4,1 % 1 – – Insgesamt 100 % 17 100 % 14

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze. Da sie nur eine Kandidatin aufgestellt hatte, bleiben in der Stadtvertretung zwei Sitze unbesetzt. Auf den Einzelbewerber Trautmann entfielen zwei Sitze. Daher bleibt ein weiterer Sitz unbesetzt.

Bürgermeister 1985–2019: Bernd Mahnke seit 2020: Stefan Guzu (parteilos)

Mahnke war 34 Jahre Bürgermeister und damit dienstältester hauptamtlicher Bürgermeister in Mecklenburg-Vorpommern. Zunächst war er Mitglied der SED; nach seinem Austritt 1990 führte er für mehrere Monate als Parteiloser das Amt weiter, trat 1991 in die CDU ein, aus der er 2009 wieder austrat.

Guzu wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 17. November 2019 mit 69,6 Prozent der gültigen Stimmen für eine Amtsdauer von neun Jahren gewählt.Stefan Guzu wird neuer Bürgermeister von Stavenhagen. In: Nordkurier, 17. November 2019

Wappen

Historisches Wappen

Flagge Die Stadt verfügt über keine amtlich genehmigte Flagge.Hauptsatzung § 1 (PDF).

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .

Städtepartnerschaften Preetz (Schleswig-Holstein) seit 7. Juli 1990 Werdohl im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) seit 10. August 1990 Šilalė in Litauen seit 2. November 1994 Eisenach (Thüringen) seit 2. September 2023

Sehenswürdigkeiten mini|Stadtkirche Siehe auch Liste der Baudenkmale in Stavenhagen Ehemaliges Rathaus, Geburtshaus von Fritz Reuter, dient als Fritz-Reuter-Literaturmuseum. Davor steht das 1911 von Wilhelm Wandschneider geschaffene Fritz-Reuter-Denkmal. Schloss Stavenhagen, um 1740 entstandener Putzbau, der um 1890 um einen runden Treppenturm ergänzt wurde. Die Anlage war bis in die 1970er Jahre eine Schule und ist heute Verwaltungssitz und Standesamt von Stavenhagen. Stadtkirche, 1782 erbaut, enthält Ausstattungsgegenstände verschiedener Epochen, neben Altar und Empore aus der Zeit ihrer Errichtung auch eine Kanzel um 1600 sowie die Lütkemüller-Orgel von 1861 mit einem älteren Orgelprospekt Ehemalige Synagoge, hat die Nazi-Zeit überstanden, war allerdings jahrzehntelang eine Ruine. Von 2013 bis 2017 wurde eine umfassende Sanierung durchgeführt.: Alte Synagoge Stavenhagen, Kulturwerte MV, abgerufen am 30. Juni 2015 auf ndr.de am 16. Oktober 2015 Sie dient nun einer Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Stavenhagens und wird für Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen genutzt. Eiche bei Klockow mit einem Brusthöhenumfang von 7,56 m (2016).

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen In der DDR befanden sich in Stavenhagen die VEB Dauermilchwerk Immergut, Kartoffelveredelungswerk und Kofferfabrik. Nach der Wende konnte Stavenhagen eine für Mecklenburg-Vorpommern erstaunliche Übernahme, Erweiterung und Ansiedlung von Unternehmen verzeichnen. Auf zwei Gewerbegebieten sind vor allem Betriebe der Lebensmittelindustrie wie die Pfanni GmbH & Co. OHG, die Pommernland Fleisch- und Wurstwaren GmbH, die Immergut Dauermilch GmbH und die Tutower Senf GmbH sowie das Speditionsgewerbe, zum Beispiel mit der KP Logistik GmbH und der Dachser SE, vertreten. Die Netto Supermarkt OHG hat in Stavenhagen ihr Zentrallager. Die Immergut-Molkerei in Stavenhagen wurde 2017 geschlossen. Der Name des in der Nähe stattfindenden Immergut Festivals geht auf die 1930 gegründete Marke zurück.

Bedingt durch die Gewerbesteuereinnahmen ist die Stadt seit 2005 schuldenfrei. Dies bringt für Familien eine Reihe von Annehmlichkeiten mit sich, wie etwa ein seit 2007 gezahltes sogenanntes Begrüßungsgeld für Neugeborene und Zuschüsse zur Kindergarten- und Schulspeisung. Als Nebeneffekt erhofft man sich, der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung entgegenwirken zu können.Artikel im Hamburger Abendblatt vom 16. Dezember 2006

Verkehr mini|Bahnhof Stavenhagen