Die wechselvolle Geschichte Pamplonas reicht bis in die Zeit der Römischen Republik zurück und geht wahrscheinlich noch darüber hinaus. Pamplona, die Hauptstadt Navarras, liegt an den westlichen Pyrenäen und besitzt heute eine hohe Lebensqualität.
Überblick In dem von Bergen umgebenen Becken von Pamplona hat es wahrscheinlich schon in Vorzeiten Ansiedlungen gegeben. Dies bekunden Steinwerkzeuge, deren Alter auf 75.000 Jahre geschätzt wird. Archäologen haben sie auf den Terrassen des Rio Arga gefunden. Die heutige Stadt dürfte auf dem Gebiet einer Vasconen-Siedlung liegen, die mutmaßlich im ersten Jahrtausend v. Chr. entstand.
74 v. Chr. wurde die römische Stadt von Pompeius als Pompeiopolis an Stelle einer einheimischen Siedlung neu gegründet. Noch zu seinen Lebzeiten verballhornte der Name zu Pompaelo. Die Stadt diente der Absicherung des Pyrenäenüberganges von Roncesvalles.
Pamplona wurde im Lauf seiner Geschichte mehrmals zerstört:
466 von den Westgoten, 542 von Franken, 778 durch Karl den Großen auf seinem Rückzug von Zaragoza/Saragossa, weil er keine befestigte Stadt im Rücken wollte, 924 durch Abd ar-Rahman III. und schließlich im Jahre 1521 während des Französisch-Spanischen Krieges durch Truppen Franz I.
Ihre Lage am Jakobsweg aus Frankreich verschaffte der Hauptstadt des Königreichs Navarra einen Aufschwung im 11. Jahrhundert. Mit der Aufteilung Navarras kam die Stadt letztendlich zu Spanien.
mini|Rathaus von Pamplona (erbaut 1753–1759) Nach der Eroberung des Landes und seiner Eingliederung in Kastilien 1512–1515, wurde Pamplona einer der Vorposten der spanischen Krone an der französischen Grenze. Sein Auftrag über 300 Jahre hinweg war, die Grenze gegen eine mögliche Invasion aus Frankreich abzusichern. Befestigungen und Mauern waren ein lebenswichtiges System der Verteidigung, das aber gleichzeitig verhinderte, dass sich die Stadt ausdehnen konnte. Die Zitadelle und die Ummauerung verliehen im 16. bis 18. Jahrhundert Pamplona unverkennbar das Gepräge einer Festungsstadt. Seinen Status als Festung behielt der Ort bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts hinein.
Ab 1750 begann die Modernisierung der städtischen Infrastruktur. Ein neues Rathaus, Abwasserkanäle, ein Wasserversorgungssystem, Brunnen, eine neoklassische Fassade für die Kathedrale sind die augenfälligsten Merkmale eines urbanen Aufbruchs, der auch während der napoleonischen Invasion ab 1808 anhielt und erst mit dem Spanischen Unabhängigkeitskrieg 1813 endete. Napoleons Truppen waren die einzigen, die jemals die Zitadelle einnahmen, sogar noch ohne Blutvergießen.
Während der Carlistenkriege (1833, 1872) stützte Pamplona die Monarchie Isabellas, im Gegensatz zum dörflich geprägten Navarra, das zugunsten des Thronbewerbers Don Carlos kämpfte. Im 20. Jahrhundert fielen die militärisch begründeten Fesseln eines Bauverbots und die Stadt konnte sich erweitern.
Römische Zeit
Im Winter der Jahre 75–74 v. Chr. diente die Örtlichkeit im Krieg gegen Sertorius als Lager für den römischen Feldherrn Pompeius. Er wird als der Gründer von Pompaelo, auch Pompelo, betrachtetClaudius Ptolemäus 2,6,67; Strabon 3, p. 161., im Namen gleichbedeutend mit Pompeiopolis, woraus schließlich Pamplona wurde. Es wird angenommen, dass es die Hauptstadt der Vasconen – eines iberischen Stammes, aus dem die heutigen Basken hervorgegangen sind – war, welche diese Iruña („die Stadt“) nannten.
Das römische Pompaelo lag in der Provinz Hispania Tarraconensis, an der Straße von Asturica (dem heutigen Astorga) nach Burdigala (dem heutigen Bordeaux)Itinerarium Antonini, p. 455, und es war eine civitas stipendiaria unter der Jurisdiktion des conventus (Gerichtssprengel) von Caesaraugusta (dem heutigen Saragossa).Plinius der Ältere, Naturalis historia 3,3,4. Obgleich Pamplona kaum als eine der hervorragenden Städte des römischen Hispania betrachtet werden kann, haben neue archäologische Ausgrabungen einen ziemlich hohen Entwicklungsgrad aufgedeckt. Im Jahre 276 wurde die römische Stadt von eingedrungenen Barbaren zerstört.
Nachrömische Ära
Nach dem Fall des römischen Reiches und während der Westgotenzeit vom vierten bis achten Jahrhundert, blieben die Vasconen unabhängig, obwohl es wahrscheinlich ist, dass die befestigte Stadt Pamplona von den Westgoten – möglicherweise nur zeitweise – beherrscht wurde. Es ist auch bekannt, dass einige pamplonesische Bischöfe bei den Konzilen von Toledo erschienen sind. Ab 409 nahmen die Westgoten auf die Geschicke Pamplonas Einfluss. Es wurde von Franken unter Childebert I. im Jahr 542 erobert.
Anfänge der Diözese reichen ins fünfte Jahrhundert. Seit dem sechsten Jahrhundert Bischofssitz, wurde Pamplona zum Zentrum der baskischen Christianisierung.
Während des achten Jahrhunderts beherrschten Mauren und Franken mit Unterbrechungen die Stadt. Die bekannteste Episode dieser dunklen Periode war die Zerstörung der Stadtmauern, die Karl der Große nach seinem gescheiterten Feldzug nach Saragossa 778 veranlasste. Er wurde hinterher in der berühmten Schlacht von Roncesvalles besiegt. Im Jahr 781 eroberte Abd ar-Rahman I. mit seinem Heer die Stadt zurück.
Königreich Pamplona
Im weiteren Verlauf gewannen adlige Clans genügend Autonomie, um das Königreich von Pamplona zu bilden, dessen Name ein Tribut an den symbolischen Wert der Stadt war, sowohl in politischer und wie in religiöser Beziehung.
Während des späten achten Jahrhunderts lavierte Pamplona mit seinem Gebiet zwischen zwei mächtigen Staaten, war aber nicht imstande, seine Herrschaft über die baskische Region dauerhaft zu sichern. Dieser Wechsel spiegelte sich auch in internen Kämpfen der baskischen Ritterschaft wider. Schließlich wurde 824 Iñigo Arista zum König in Pamplona gekrönt. Er herrschte von 816 bis 851 im christlichen Pamplona.
Dieses Königreich stärkte seine Unabhängigkeit vom geschwächten Frankenreich und dem Kalifat von Córdoba. Während dieser Periode war Pamplona eigentlich keine Stadt, sondern mehr eine Art Festung. Im Jahr 817 verbündeten sich hier die Basken mit den Mauren gegen die Franken, was zum Sturz des fränkischen Grafen Berà in Barcelona beitrug.
905 begründete König Sancho I. Garcés die erbliche Monarchie von Pamplona, die später auch als Königreich Navarra bekannt wurde. Der Ort war Hauptstadt des Königreiches. Nach der Zerstörung unter Abd ar-Rahman III. im Jahr 924 wurde Pamplona zum Landflecken.
Etwa dreihundert Jahre lang war eigentlicher Herrscher in der Hauptstadt nicht der König, sondern eher der Bischof. Dies war das Ergebnis einer Schenkung durch Sancho II. Garcés als Zeichen seiner Dankbarkeit gegenüber Gott beim Kampf gegen die Mauren. Ihr Inhalt wurde von den nachfolgenden Monarchen respektiert.
Zwischen 1000 und 1035 erreichte das Königreich Pamplona unter König Sancho dem Großen (Sancho el mayor), dem „König aller Basken“, den Höhepunkt seiner Macht, bevor es nach dem Tod des Regenten unter seinen Söhnen geteilt wurde. 1076 löste sich das Königreich auf; Gipuzkoa, Álava und Bizkaia fielen an Kastilien, das Kerngebiet Navarras an Aragonien. Nach dem Tod des kinderlosen aragonesischen Königs Alfons I. im Jahre 1134 wurde das Königreich Navarra erneut unabhängig, auch Gipuzkoa, Alava und Bizkaia gerieten wieder unter navarresischen Einfluss.
Im Mittelalter
Vom elften Jahrhundert an ließ die wiederbelebte ökonomische Entwicklung Pamplonas städtisches Leben erblühen. Das Wachstum der Stadt setzte ein, als das Grab des Heiligen Apostels Jakob in Santiago de Compostela aufgefunden worden war. Aus ganz Europa machten sich Gläubige auf, diesen Ort zu besuchen und das am Weg gelegene Pamplona zog als Durchreisestation seinen Nutzen aus dem Pilgerstrom.
Die Bischöfe von Pamplona gewannen ihre kirchlich führende Rolle zurück, während in den vorhergehenden Jahrhunderten abgeschiedene Klöster, besonders das Kloster San Salvador de Leyre, wirklichen Einfluss auf die religiöse Macht hatten. Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela haben viel beigetragen, um den kommerziellen und kulturellen Austausch mit dem christlichen Europa über die Pyrenäen hinweg wieder zu beleben.
mini|hochkant=1.5|Das Königreich Navarra unter Sancho III. im Jahre 1030 (gelb) Einen großen Aufschwung nahm Pamplona unter König Sancho III. el Mayor, aus dessen Politik der Öffnung des Landes und der Förderung der Pilgerei die Frankenviertel San Nicolas und San Cernin entstanden. Zwecks Förderung der Ansiedlung vergab er verschiedene Sonderrechte, die Fueros. Die Bevölkerung alteingesessener Navarresen schwoll um französische Kaufleute und Handwerker an. Die Neuankömmlinge zogen indessen nicht in die Navarrería zu, sondern errichteten sich Häuser auf den Terrassen über dem Rio Arga.
Am Ende des 11. Jahrhunderts unternahmen auch die aragonesischen Monarchen Navarras (Sancho Ramírez, Pedro I., Alfonso I.) enorme Anstrengungen zur Rückeroberung und Wiederbesiedlung des Landes. Die Ankunft ins Land geholter Franken oder so genannter „burgueses“ (Emigranten, die sich dem Handel und Kunstfertigkeiten widmeten) bedeutete, dass der Bischofssitz nicht mehr nur ein riesiges Dorf mit einer Kathedrale war. Es entwickelten sich interne Spannungen.
Schon vor dem Jahr 1100 siedelten sich Einwanderer aus dem Midi, fromme Anhänger des Heiligen Saturnin von Toulouse, dem sie ihre Kirche und den Namen des neuen Bezirkes weihten, westlich der alten Stadt an. San Cernin wurde geboren. Diese Einwohner sonderten sich von den alteingesessenen Navarresen ab und die Privilegien, die sie vom König im Jahr 1129 empfingen, verbreiterten den Abstand zwischen ihnen weiter.
Im Jahr 1129 erkannte Alfonso I. das Gebilde als neue Siedlung „Burgo de San Cernin“ an, dessen rechtlicher Status ein anderer als jener der Navarrería war. „Burgo“ war aus dem französischen „bourg“ abgeleitet und bedeutet „Flecken“ oder „Siedlung“. Der ursprünglich nur auf San Cernin gemünzte Name, bürgerte sich bald auch für die beiden anderen Gemeinwesen des alten Pamplona und in der Geschichtsschreibung ein. Mitte des 12. Jahrhunderts war bereits ein weiterer Siedlungskern, der San Cernin südlich benachbarte Flecken San Nicolás, entstanden.
Ungeachtet der Zwistigkeiten wurde der Palast der Könige von Navarra zu Zeiten von Sancho VI. el Sabio (1150–1194) erbaut.
mini|Die Lage der drei Burgos (Erinnerungstafel vor dem Rathaus) Die Siedlung von San Nicolás wurde um eine neue Gemeindekirche gegründet, bevölkert von neuen Immigranten. Der Ort Navarrería, in dem die navarros lebten, erhielt sein Privileg der Franken und den Annex von San Miguel im Jahr 1189. Der Adel, in Navarrería wohnend und vom Bischof unterstützt, setzte auf das Bündnis mit Kastilien, während jene, die in San Cernin und in San Nicolás lebten, die französische Lösung bevorzugten.
Die Privilegien für die neuen Ansiedlungen entfachten den Neid der Basken in der Navarrería, dem Ur-Pamplona. Die Beziehungen der drei „Burgos“ waren permanent belastet, mehrmals griffen die Bewohner zu den Waffen und führten Krieg gegen die anderen. Jedes Burgos baute Mauern zur Verteidigung des Ortes und machte seine jeweilige Kirche zur Fluchtburg. Die dramatischste Episode war die Zerstörung der Navarrería durch die anderen zwei Orte und das Massaker an seiner Bevölkerung am 3. September 1276. Auch die romanische Kathedrale mit ihrem Kreuzgang verschonte der Hass nicht. Der alte Ort blieb fast fünf Jahrzehnte lang verlassen.
Nach dem Tod König Heinrichs I. des Dicken im Juli 1274 brachen Unruhen in Navarra aus. Den Kämpfen um die Regentschaft ging die Witwe Blanche d’Artois durch Flucht nach Frankreich aus dem Weg. König Philipp III. beauftragte seinen Vetter Robert II. d’Artois mit der Wiederherstellung des Friedens im Nachbarland. Robert belagerte und eroberte Pamplona und stellte die Autorität der Königin, seiner Schwester, wieder her.