mini|Der Kreis Schubin in den Grenzen von 1878 bis 1920

Der Kreis Schubin bestand von 1818 bis 1920 im Regierungsbezirk Bromberg in der preußischen Provinz Posen. Sitz der Kreisverwaltung war die Stadt Schubin. Das Kreisgebiet lag im Norden der Provinz Posen südwestlich von Bromberg und gehört heute zu den polnischen Powiaten Pilski und Żniński in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern.

Geschichte Mit der Ersten Teilung Polens kam 1772 das Gebiet um die Stadt Schubin an Preußen. Es gehörte zunächst zu den Kreisen Bromberg und Kamin im Netzedistrikt, der seit 1775 zur Provinz Westpreußen gehörte.Karte der Verwaltungsgrenzen in West- und Ostpreußen (Max Töppen, 1772) Durch den Frieden von Tilsit zwischen dem Frankreich Napoleons, Preußen und Russland kam das Gebiet zum neuerrichteten Herzogtum Warschau.Karte mit der Grenzziehung durch den Frieden von Tilsit Nach den Vereinbarungen des Wiener Kongresses erhielt das Königreich Preußen am 15. Mai 1815 den gesamten ehemaligen Netzedistrikt zurück. Die Gegend um Schubin kam zum Regierungsbezirk Bromberg der Provinz Posen. Im Zuge einer Kreisreform im Regierungsbezirk Bromberg wurde zum 1. Januar 1818 aus Teilen der Kreise Bromberg, Inowrazlaw, Wirsitz und Wongrowitz der neue Kreis Schubin gebildet.Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Johann-Gottfried-Herder-Institut, Band 2, Teil 1: Provinz Posen. bearbeitet von Dieter Stüttgen, Marburg/Lahn 1975, ISBN 3-87969-109-6. Im Einzelnen kamen zum Kreis Schubin die Städte Bartschin, Exin, Gonsawa, Labischin, Rynarschewo, Schubin und Znin, das Domänenamt Znin sowie eine größere Zahl von adligen Gütern.Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Bromberg 1817, Nr. 51, S. 839. Digitalisat Sitz des Landratsamtes wurde die Stadt Schubin.

Als Teil der Provinz Posen wurde der Kreis Schubin am 18. Januar 1871 gleichzeitig Teil des neu gegründeten Deutschen Reichs, wogegen die polnischen Abgeordneten im neuen Reichstag am 1. April 1871 protestierten.

Bei der Posener Kreisreform vom 1. Oktober 1887 wurde der Südteil des Kreises Schubin mit der Städten Gonsawa und Znin abgetrennt und Teil des neuen Kreises Znin.

Am 27. Dezember 1918 begann in der Provinz Posen der Großpolnische Aufstand der polnischen Bevölkerungsmehrheit gegen die deutsche Herrschaft, und bis auf einen nördlichen schmalen Streifen entlang der Netze geriet das Kreisgebiet innerhalb weniger Tage unter polnische Kontrolle. Am 16. Februar 1919 beendete ein Waffenstillstand die polnisch-deutschen Kämpfe, und am 28. Juni 1919 trat die deutsche Regierung mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags den Kreis Schubin auch offiziell an das neu gegründete Polen ab. Deutschland und Polen schlossen am 25. November 1919 ein Abkommen über die Räumung und Übergabe der abzutretenden Gebiete ab, das am 10. Januar 1920 ratifiziert wurde. Die Räumung des unter deutscher Kontrolle verbliebenen Restgebietes entlang der Netze mit der Übergabe an Polen erfolgte zwischen dem 17. Januar und dem 4. Februar 1920.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1818 24.249 1846 49.389 1871 57.404 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Posen und ihre Bevölkerung 1871, Berlin 1873. 1890 44.360 1900 45.176 1910 48.303 Von den 44.360 Einwohnern im Jahr 1890 waren etwa 54 % Polen, 43 % Deutsche und 3 % Juden. Ein Teil der deutschen Einwohner verließ nach 1919 das Gebiet.

Politik Landräte 1818–1836von Kloczkiewicz 1836–1846Adolph Friedrich von Wernich 1846–1849Franz Eugen Hermann Reichert 1849–1850Ernst KäglerKägler († 1908 in Berlin), seit 1841 Angehöriger des Corps Borussia Halle, Geh. Regierungsrat 1850–1857Hermann Ludwig Alexander Lawrentz 1857–1871Otto Rochlitz 1871Friedrich (vertretungsweise) 1871–1883Richard Werner Kleffel 1883–1888Hermann von Chappuis 1889–1891Gustav von Eisenhart-Rothe 1891Johann von Eisenhart-Rothe (vertretungsweise) 1891–1903Konrad Heinrich von Rittberg 1903Werner von Bülow (kommissarisch) 1903–1914Wilhelm Wolff 1914Carl von Peistel (vertretungsweise) 1915–1919Ludwig Schede

Wahlen Im Deutschen Reich gehörte der Kreis Schubin in den Grenzen von 1871 zusammen mit dem Kreis Wirsitz zum Reichstagswahlkreis Bromberg 2. Der Wahlkreis war aufgrund der ethnischen Zusammensetzung der Wählerschaft bei allen Reichstagswahlen zwischen deutschen und polnischen Kandidaten umkämpft. Die jeweiligen Sieger setzten sich stets nur mit knappen Mehrheiten durch.Datenbank der Reichstagsabgeordneten, Hrsg. GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften e. V. Mannheim.Siegreiche Kandidaten bei den Reichstagswahlen im Wahlkreis Wirsitz–Schubin

Kommunale Gliederung Der Kreis Schubin besaß bis 1887 sieben Städte, die Landgemeinden und Gutsbezirke waren in sechs Polizeidistrikten zusammengefasst. Nach der Verkleinerung des Kreisgebietes war der Kreis in fünf Städte und fünf Polizeidistrikte gegliedert.

Städte und Gemeinden Vor dem Ersten Weltkrieg umfasste der Kreis Schubin die folgenden Städte und Landgemeinden: Alexandrowo Alt Lachowo Am Kanal Annadorf Armheide Arnoldowo Augustowo Bärenbruch Bartschin, Stadt Birken Blumenthal Breitenstein Buschkau Cienszkowo Dembogora Abbau Dembogora Hauland Dobieszewo Dobischau Dombrowko Drogoslaw Eichenhain Elisewo Exin, Stadt Fließhain Florentowo Friedberg Friedenthal Friedrichsdorf Friedrichsgrün Gadka Glemboczek Gombin Gromaden Groß Beerenbruch Groß Salzdorf Grünau Grünhagen Grünthal Gurkingen Hallkirch Isabella Iwno Jablowko Jakturke Jankowo Jezewo Hauland Joachimsdorf Josephkowo Jungfernwerder Kania Karlsfelde Karolinowo Kazmierzewo Kirschdorf Klein Salzdorf Klotyldowo Knieja Kobylarnia Königsrode Koraczewko Kornelino Kowalewko Krolikowo Krotoschin Labischin, Stadt Lankowitz Lankowitz Abbau Laskownica Ludwikowo Lustgarten Malitz Mamlitz Mamlitz Hauland Miaskowo Michalinka Mieczkowo Mlodocin Mycielewo Neu Dombie Neu Smolno Neudorf Neukirchen Neuwelt Obielewo Oburznia Olempino Oleszno Abbau Ostatkowo Ostatkowo Riege Palmierowo Paulina Piardowo Pietrowo Polentowo Pturke Rensdorf Rostrzembowo Ruden Rynarschewo, Stadt Rzemieniewice Salesche Schmalbach Schönmädel Schottland Schubin, Stadt Skorzewo Slupowo Abbau Smogulsdorf Abbau Szaradowo Veronika Walownica Wilkowo Wladislawo Wolitz Wolwark Wonsosz Woyciechowo Wunschheim Zablocie Zalachowo Zendowo Ziegelei Zlotowo Zweidorf Zum Kreis, der 1910 eine Fläche von 917 km² besaß, gehörten außerdem zahlreiche Gutsbezirke. Ab 1888 wurden mehrere Ortsnamen eingedeutscht: Buschkowo → Buschkau (1888) Cienszkowo → Zinsdorf (1903/08) Josephkowo → Bergheim (1905) Kobylarnia → Eichdorf (1903) Kowalewko → Schmiedeberg (1904) Piardowo → Welldorf (1903/08) Pietrowo → Paulstal (1905) Rostrzembowo → Rostau (1905) Rynarschewo → Netzwalde (1907) Sipiory → Neukirchen (1894) Skorzewo → Grünheim (1904) Walownica → Netzheim (1904) Wladislawo → Mittendorf (1903/08) Wąsosz → Wonsosch (1901) Woyciechowo → Georgental (1905)

Siehe auch Landkreis Altburgund, während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen eingerichteter Landkreis

Literatur Anna Szybowicz: Der deutsche Grundbesitz im Kreis Schubin. Güter und Gutsbesitzer 1920-1945, Hrsg. Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek. An-Institut der Ruhr-Universität, Selbstverlag, Bochum 2011. ISBN 9783923371358.

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft V: Regierungsbezirk Bromberg, S. 38–45. Kreis Schubin. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 116, Ziffer 5. Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 178–189 (Digitalisat, S. 185–196). A. C. A. Friederich: Historisch-geographische Darstellung Alt- und Neu-Polens. Berlin 1839, S. 589–590. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. Band 2, Teil 1, Berlin 1828, S. 119–120, Ziffer VII.

Weblinks

Kreis Schubin Verwaltungsgeschichte und die Landräte auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 17. August 2013.

Einzelnachweise

Schubin Kategorie:Powiat Nakielski Kategorie:Powiat Żniński Schubin Kategorie:Aufgelöst 1920