mini|Uniformen mini|Fahne des IV. Bataillons Das Oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91 der Preußischen Armee war der Infanterieverband der Truppen des Großherzogtums Oldenburg im Deutschen Heer. Es war 1867 infolge einer Militärkonvention mit Preußen aus dem Großherzoglich Oldenburgischen Infanterie-Regiment hervorgegangen.
Gründung Oldenburg war durch die Zugehörigkeit zu Dänemark lange Zeit ohne eigenes Militär. Nach dem Wechsel der Landesherrschaft bestand ab 1775 nur ein kleines herzogliches „Infanterie-Korps“ mit rein repräsentativen Aufgaben. Ende des 18. Jahrhunderts bestand diese nach ihrem Kommandeur Captain von Knobel benannte Knobelgarde aus nur etwa 50 Mann. Mit dem Beitritt zum Rheinbund 1808 musste Oldenburg eine „Rheinbund-Kontingentstruppe“ aufstellen, die im Wesentlichen aus auswärtig angeworbenen Söldnern bestand. Nach der Annexion Oldenburgs durch das Kaiserreich Frankreich wurde diese Truppe in das Kaiserlich-französische 129. Linieninfanterie-Regiment eingegliedert und im Russlandfeldzug aufgerieben.
Nach der Befreiung von napoleonischer Herrschaft konstituierte sich das Herzogtum neu. Der zurückgekehrte Herzog Peter Friedrich Ludwig führte am Weihnachtstag 1813 die allgemeine Wehrpflicht ein und stellte ein Infanteriekorps aus zwei Bataillonen zu je vier Kompanien auf.
Siehe auch Einsatz des oldenburgischen Militärs in den Befreiungskriegen.
Entwicklung mini|hochkant|Erstausstattung des Regimentes, das von Großbritannien überlassene India-Pattern-Gewehr Sowohl die Ausrüstung als auch die Ausbildung der „Oldenburger Infanterie“ verlief zunächst schleppend. Im August 1814 wurde die Truppe dem Kommando des aus Oldenburg stammenden Oberst Wilhelm Gustav Friedrich Wardenburg unterstellt, der während der Befreiungskriege in der Russisch-Deutschen Legion militärische Erfahrungen gesammelt hatte. Die Erstausrüstung der nun als Regiment bezeichneten Truppe geschah mit dem veralteten englischen India-Pattern-Gewehr. Aus den Kämpfen in Frankreich 1815 brachte das Regiment vier Beutegeschütze mit zurück nach Oldenburg. Nach der Rückkehr erhielt das erste Bataillon seine Garnison in Oldenburg. Die Kompanien des zweiten Bataillons wurden auf die Städte Delmenhorst, Jever, Varel und Vechta verteilt.
1821 wurde das Regiment Kontingentstruppe des Deutschen Bundes, dem das zum Großherzogtum erhobene Oldenburg nun angehörte. Zusammen mit der 1820 gegründeten Oldenburgischen Artillerie bildete das Regiment die Oldenburgische Halbbrigade innerhalb des aus den Kontingenten der norddeutschen Bundesstaaten gebildete X. Armeekorps des Bundesheeres. Die andere Halbbrigade bildete die Hanseatische Halbbrigade aus den Kontingenten der Reichsstädte Bremen, Hamburg und Lübeck.
1829/30 wurde das Regiment mit seinen 4 Bataillonen in zwei Regimenter mit jeweils zwei Bataillonen umgegliedert. Weiterhin wurden 1830 für das Regiment neue Steinschlossgewehre bei der Württembergischen Gewehrfabrik beschafft. 1840 führte das Regiment mit dem sogenannten „Virchowschen Gepäck“ ein modernes Marsch- und Sturmgepäck ein und war damit selbst der Preußischen Armee voraus.Andreas Lombard: Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918. In: Geschichte des Oldenburger Landes. Herzogtum, Großherzogtum Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günther Lucke, Aschendorff Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-402-12942-5, S. 94. Durch Ankauf von 4400 neuen Perkussionsgewehren bei Crause in Hamburg wurde die Bewaffnung 1841 erneut modernisiert.
Nach dem Krieg um Schleswig-Holstein 1848/49 wurden die beiden Oldenburger Regimenter 1850 wieder zu einem Oldenburger Infanterie-Regiment vereinigt, das nunmehr drei Bataillone mit je vier Kompanien umfasste.
Unter dem 1860 zum Oberkommandierenden ernannten und zuvor aus dem preußischen Dienst verabschiedeten Generalmajor von Fransecky wurde das Regiment in kurzer Zeit waffentechnisch aufgerüstet, 1861 mit dem Zündnadelgewehr M/41 und 1864 mit dem Füsiliergewehr M/62.
Im Zuge des Beitritts Oldenburgs zum Norddeutschen Bund regelte die Militärkonvention zwischen Preußen und Oldenburg vom 15. Juli 1867 die Übernahme des oldenburgischen Truppenkontingents in die Preußische Armee.(Eduard) von Finckh: Geschichte des Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91, vormals Großherzoglich Oldenburgischen Infanterie-Regiments von seiner Errichtung bis zur Gegenwart (1813–1880). Mittler, Berlin 1881, S. 108 ff.; Digitalisat der Landesbibliothek Oldenburg, 2013. Am 1. Oktober 1867 erhielt das nach preußischem Muster überformte und ausgestattete und wieder mit dem Zündnadelgewehr M/41 ausgerüstete Regiment die Bezeichnung Oldenburgisches Infanterie-Regiment Nr. 91.Die AKO zur Durchnummerierung der Regimenter des Norddeutschen Bundes war am 22. August 1867 ergangen, dazu Curt Jany: Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914. Band 4: Die Königlich Preußische Armee und das Deutsche Reichsheer 1807 bis 1914. Biblio, Osnabrück 1967, S. 247 ff. Die erst 1864/65 eingeführte sogenannte russische Mütze als Feldmütze wurde spätestens 1870 durch die "Pickelhaube" ersetzt. Die entsprechend umgestaltete Reiterei trug die Bezeichnung Oldenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 19. Ihre Garnison blieb die Hauptstadt Oldenburg in Oldenburg und ihr Regimentschef war immer der Großherzog. Die Regimenter bildeten Teile der 19. Division im X. Armee-Korps.
mini|Ehemalige Exerzierhalle des Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91. Erbaut 1879/80 auf dem Gelände des ehemaligen Kavalleriereitplatzes. Vermutlich bis 1930 militärisch genutzt. 1883 wurde im Zuge einer preußischen Heeresreform ein IV. (Halb)Bataillon aufgestellt, das jedoch 1887 zur Aufstellung des Infanterie-Regiments Nr. 164 in Hameln wieder abgegeben wurde.
Ab 1897 führte das Regiment eine Kokarde in den oldenburgischen Landesfarben blau-rot-blau.
Die Ausrüstung mit Waffen wechselte mehrmals bis 1905 das Gewehr 98 eingeführt wurde.
Präsentiermarsch des Regiments war der Königlich Preußische Armee Marsch No. 1 A, Regimentsmarsch war der Königgrätzer Marsch.
Im August 1913 feierte das Regiment im ganzen Großherzogtom sein hundertjähriges Bestehen. Vom Pferdemarkt ausgehend inszenierte Großherzog Friedrich August eine große Militärparade, die mit großer Beteiligung der Bevölkerung verfolgt wurde.
Feldzüge mini|Uniformvorlage der Infanterie-Regimenter Nrn. 73, 74, 77, 78, 79 und 91 um 1912
Befreiungskriege Für die Befreiungskämpfe des Jahres 1814 wurde das Regiment nicht mehr rechtzeitig einsatzbereit.
Nach der Rückkehr Napoleons aus der Verbannung marschierte das Oldenburger Regiment 1815 nach Trier und schloss sich dem Norddeutschen Armeekorps unter General Friedrich von Kleist an. Der erste Kampfeinsatz erfolgte bei der Einschließung von Mézières bei Sedan und Montmédy. Dabei wurden zwei Geschütze erbeutet.
Krieg um Schleswig-Holstein Im Schleswig-Holsteinischen Krieg 1848/49 nahmen das 1. Regiment und das II. Bataillon des 2. Regimentes an den Gefechten von Sundewitt, Rübel und Stenderup teil.
Deutscher Krieg Im Deutschen Krieg kämpft das Regiment 1866 innerhalb der Oldenburgisch-Hanseatischen Brigade als Teil der Main-Armee bei Hochhausen und Werbach u. a. gegen das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment.
Deutsch-Französischer Krieg Im Krieg von 1870/71 gehörte das Regiment der 19. Division der 3. Armee unter Prinz Friedrich Karl an. Bei dem sogenannten Gefecht in den Tronviller Büschen bei Vionville erlitt das Regiment erhebliche Verluste und musste sich zurückziehen.
Bei der Belagerung von Metz kam es erneut zum Einsatz und nahm danach noch an mehreren Gefechten teil. Bis 1873 verblieb das Regiment als Besatzungstruppe in Frankreich.
Offiziere:Unteroffiziere und Mannschaften:Tot:16217Verwundet:25455Vermisst:011Gesamt: 41683
Erster Weltkrieg mini|Ein feldgrauer 91er Zu Beginn des Ersten Weltkriegs machte das Regiment am 2. August 1914 mobil und wurde während des Krieges sowohl an der West- wie auch an der Ostfront eingesetzt. Der Verband kämpfte bis Anfang Juli 1916 im Verbund mit der 37. Infanterie-Brigade, kam dann bis Ende des Monats zur 38. Infanterie-Brigade und kehrte anschließend zur 37. Infanterie-Brigade der 19. Infanterie-Division zurück.
Offiziere:Unteroffiziere und Mannschaften:Tot:107 (128)3767 (4236)Verwundet:1679255Gefangen:28821Vermisst:1922Gesamt:abweichende Angaben bei Harms, S. 431 u. 483.30314765
Nach einer Mitteilung der Oldenburgischen Volkszeitung dienten im Regiment während des Krieges 20.989 Mannschaften und Offiziere (20.576 Mannschaften, 309 Reserveoffiziere und 104 Offiziere).
Verbleib Das Regiment kehrte nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 28. Dezember 1918 über Osternburg nach Oldenburg zurück und wurde dort demobilisiert. Die meisten linksrheinischen Angehörigen waren bereits am 30. November beim Überqueren des Rheins entlassen worden, die Jahrgänge 1896 bis 1899 am 19. Dezember.
Vermutlich im März 1919 wurde aus den Überresten des Regiments sowie dem Restpersonal des IR 78 in Osnabrück das „Freikorps Oldenburg“ gebildet. Über Einsätze des Freikorps ist nichts bekannt, auch nicht, wann es aufgelöst wurde.Tessin, S. 72. Das 91er-Regiment wurde am 30. September 1919 aufgelöst; Leiter der Abwicklungskommission war Major Oskar Wantke (1872–1940).
Aus der Abwicklungskommission der 91er wurde am 14. Oktober 1919 unter Wantkes Führung die Sicherheitspolizei des Freistaats Oldenburg aufgestellt, die bereits 1920 in Oldenburgische Ordnungspolizei umbenannt wurde. Die überwiegende Zahl der Orpo-Offiziere wie Moritz von Drebber entstammte dem 91er-Regiment. Die Orpo residierte auch in der ehemaligen 91er-Kaserne am Pferdemarkt, später Polizeiamt, heute Landesbibliothek Oldenburg.
Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung, General der Infanterie Hans von Seeckt, vom 24. August 1921 die 10. Kompanie des 16. Infanterie-Regiments in Oldenburg. In der Wehrmacht führte das Infanterieregiment 16 die Tradition fort.
Regimentschef König Wilhelm I. ernannte Großherzog Nikolaus Friedrich Peter am 1. Oktober 1867 zum Regimentschef. Nach dessen Tod übertrug Kaiser Wilhelm II. diese Würde am 23. Juni 1900 auf Großherzog Friedrich August.Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 235.
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