Berliner Secession (auch: Berliner Sezession)kunst-zeiten.de abgerufen am 3. November 2010 ist die Bezeichnung einer deutschen Künstlergruppe. Gegründet am 2. Mai 1898 als Gegenpol zum bis dahin dominierenden akademischen Kunstbetrieb wurde sie spätestens seit der Übersiedlung Münchner Künstler zur führenden Kunstvereinigung, die heute stilistisch als Berliner Impressionismus bezeichnet wird und im deutschen Impressionismus eine herausragende Bedeutung einnimmt.
Geschichte Entstehung mini|Ausstellungsvorbereitung der Berliner Secession, Vorstand und Hängekommission bei der Arbeit, von links Willy Döring, Bruno Cassirer, Otto Heinrich Engel, Max Liebermann, Walter Leistikow, Curt Herrmann, Fritz Klimsch, 1904 mini|Jury für die Ausstellung der Berliner Secession, von links Fritz Klimsch, August Gaul, Walter Leistikow, Hans Baluschek, Paul Cassirer, Max Slevogt (sitzend), George Mosson (stehend), Carl Max Kruse (stehend), Max Liebermann (sitzend), Emil Rudolf Weiß (stehend), Lovis Corinth (stehend), 1908 mini|Erich Büttner: Sitzung der Berliner Secession, von links Wilhelm Kohlhoff, Erich Büttner, Friedrich Scholz, Ernst Fritsch, Leo von König, Lovis Corinth, Ernst Oppler, Emil Orlik, Bruno Krauskopf, Charlotte Berend-Corinth, Erich Waske, Franz Heckendorf, 1921
Die Verwerfungen, die zur Bildung der Berliner Secession und weiterer Künstlergruppen führen sollten, begannen bereits 1891 anlässlich der Großen Internationalen Kunstausstellung in Berlin. Der Streit ging um die Abteilung der norwegischen Künstler, der sich im Folgejahr zuspitzte, nachdem die Kommission des Vereins Berliner Künstler die Bilder von Edvard Munch abgelehnt hatte („Fall Munch“). Im Februar 1892 schlossen sich unter der Führung von Walter Leistikow, Franz Skarbina und Max Liebermann einige Maler zu einer „freien Vereinigung zur Veranstaltung von künstlerischen Ausstellungen“ zusammen und organisierten im Frühjahr 1892 als Die Elf eine Kunstausstellung, ohne allerdings den Verein Berliner Künstler zu verlassen oder den jährlich stattfindenden Salon – die Große Berliner Kunstausstellung – zu meiden. In München hatte sich die Freie Vereinigung der XXIV gegründet und stellte unter diesem Namen in Berlin aus.
Eine Überarbeitung der Statuten der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft durch Anton von Werner und Hugo Schnars-Alquist hielt im Oktober 1892 noch den Wirtschaftsverband zusammen. Doch im November 1892 kam es zum Skandal, als eine Ausstellung der Werke von Edvard Munch diesmal von einer Mehrheit der Mitglieder des Vereins Berliner Künstler geschlossen wurde und Munchs Bilder als „abstoßend, hässlich und gemein“ bezeichnet wurden. Die opponierende Gruppe der Maler war aber noch nicht stark genug, um das etablierte Ausstellungswesen zu verlassen. So kam es zur „Freien Berliner Kunstausstellung 1893“ parallel zur Großen Berliner Kunstausstellung, in die wiederum die Münchener Secession eingebettet war, der sich inzwischen eine Reihe von Künstlern angeschlossen hatten (u. a. Adolf Brütt, Max Kruse, Walter Leistikow, Reinhold Lepsius, Lesser Ury und Max Liebermann).
Von der Jury der Großen Berliner Kunstausstellung 1898 wurde ein Landschaftsgemälde des Malers Walter Leistikow zurückgewiesen. Jetzt war der Beweis endgültig erbracht, dass die „moderne Kunst“ von den bestehenden Organisationen keine Unterstützung zu erwarten hatte. Als Konsequenz gründeten 65 Künstler die Berliner Secession mit Walter Leistikow als Organisator. Unter den 65 Gründungsmitgliedern waren auch die Künstlerinnen Julie Wolfthorn, Sabine Lepsius, Ernestine Schultze-Naumburg und Dora Hitz. Der Begriff Secession leitet sich von dem lateinischen Begriff secessio ab und bedeutet „Trennung“ bzw. „Abspaltung“. Max Liebermann wurde zum Präsidenten gewählt. Den Vorstand bildeten neben dem Präsidenten Liebermann und Walter Leistikow die Künstler Otto Heinrich Engel, Ludwig Dettmann, Oskar Frenzel, Curt Herrmann und Fritz Klimsch.
Liebermann forderte auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1899 einen eigenen Raum für die Secession. Nachdem dies abgelehnt worden war, verließen die Mitglieder der Secession geschlossen den Verein der Berliner Künstler. Fortan galt es, geeignete eigene Ausstellungsräume zu finden, die die Secession neu errichten und betreiben wollte.
Liebermann warb die Kunsthändler Bruno und Paul Cassirer und bot ihnen an, geschäftsführende Sekretäre der Secession zu werden. Sie traten 1899 der neuen Vereinigung bei und hatten zusammen einen Sitz im Vorstand, jedoch ohne Stimmrecht. Ihnen oblag die Planung und Ausführung des Gebäudes, das nach Plänen von Hans Grisebach an der Kantstraße 12 (Ecke Fasanenstraße) tatsächlich in kurzer Zeit errichtet wurde.
1899, 1900 Am 19. Mai 1899 wurde in der Charlottenburger Kantstraße das Gebäude mit einer Ausstellung von 330 Bildern und Grafiken sowie 50 Skulpturen eröffnet. Von den 187 Ausstellern lebten 46 in Berlin und 57 in München. Ausländische Beiträge fehlten noch, sollten aber in einer späteren Auflage folgen. Das Publikum aus 2000 geladenen Gästen zeigte sich beeindruckt, die Exponate wurden als Überwindung der vorherrschenden Mittelmäßigkeit wahrgenommen.
Zur zweiten Ausstellung wurde der internationale Anspruch eingelöst, von den 414 Exponaten waren über zehn Prozent von ausländischen Künstlern, darunter Pissarro, Renoir, Segantini und Whistler. Neben den Sommerausstellungen fanden auch Winterausstellungen statt, die unter dem Titel „Schwarz-Weiß-Ausstellungen“ Grafiken vorbehalten waren.
1901, 1902 Im Jahr 1901 fand die Secession wiederum in dem neuen Ausstellungsgebäude statt. Auf der Ausstellung von 1902 wurden erstmals Werke von Kandinsky, Manet, Monet und Munch gezeigt. Erstmals zeigte sich der Trend, dass Berlin München den Rang als Kunstmetropole Deutschland abnahm.
Ab 1903 Als Deutschland sich mit Kunst an der Weltausstellung 1904 in St. Louis beteiligen wollte, konnte sich die Kommission um Anton von Werner und dem Kaiser mit der zerstrittenen Berliner Secession nicht einigen.
Im Jahr 1905 fand der Umzug in das damals neue größere Gebäude am Kurfürstendamm 208 statt, der Ort, an dem sich heute das Theater am Kurfürstendamm befindet. Jurymitglieder in diesem Jahr waren Heinrich Reifferscheid, Philipp Franck, Leo von König, Lovis Corinth und Ernst Oppler.georgbroel.de abgerufen am 20. Dezember 2013. Im selben Jahr wurde Gerhart Hauptmann zum Ehrenmitglied ernannt.europeana.eu
Am 5. Mai 1909 gab es eine Privatvorstellung des russischen Hofballetts in der Krolloper. Unter den Besuchern befanden sich Max Slevogt, Georg Kolbe, Fritz Klimsch und Ernst Oppler, sowie Vertreter der Presse.Museums Journal, Nr. 11, Ausgabe 25, S. 38, 1997 Das Ballett sowie die Tennisplätze gehörten zu den beliebtesten Motiven der Berliner Secession.
Konflikte und Abspaltungen mini|Plakat zur Ausstellung 1912
Die Berliner Secession hatte sich von der Gegenbewegung zur anerkannten Größe des Kunstbetriebs entwickelt, dies ging mit einer Kommerzialisierung einher.
Mit der Begründung, sich nicht genug für künstlerische Vielfalt einzusetzen, verließen 1902 insgesamt 16 Künstler die Secession, darunter Oskar Frenzel, Karl Langhammer, Franz Skarbina, Max Uth und Max Schlichting. Trotzdem traten weiterhin bekannte Künstler der Secession bei, 1906 war es August Kraus, 1907 waren es Max Beckmann, Bernhard Pankok, Hans Purrmann, und Emil Rudolf Weiß, 1908 Ernst Barlach, Wassily Kandinsky und Emil Orlik, 1909 Lyonel Feininger, 1910 Rudolf Großmann und 1911 Hans Meid. Um 1909 bestand die Berliner Secession aus 97 Mitgliedern. Kritik gab es immer noch aus konservativen Kreisen, die den Berliner Impressionismus als dekadent und als Gefährdung deutscher Kunst betrachteten, so etwa vom nationalistischen Werdandi-Bund. In künstlerischer Sicht war die Secession relativ tolerant, auch gegenüber gegensätzlichen Positionen: Die Hinwendung von Paul Baum zu einem Pointillismus angelehnt an den französischen Post-Impressionismus wurde von keinem der Vertreter der Secession, die dem Deutschen Impressionismus nahestanden, negativ beurteilt.
Begleitet wurde der Erfolg durch wirtschaftliche Interessen und das angeblich despotische Gebaren des Kunsthändlers Paul Cassirer. So ist vom ausgewiesenen Antisemiten Emil Nolde überliefert, dass Cassirer die Künstler als seine Sklaven bezeichnete. Insbesondere Künstler, die keine Chance hatten, bei Cassirer auszustellen, glaubten auch im Ausstellungsbetrieb der Secession Nachteile zu haben.
Nachdem 27 meist expressionistische Künstler von der Jury zurückgewiesen worden waren, kam es 1910 zu erneut zu Austritten, darunter von Max Beckmann. Auf Initiative von Georg Tappert, Heinrich Richter-Berlin und anderen, u. a. Otto Mueller und Max Pechstein, durch den die Dresdner Künstlergruppe Brücke hinzukam, bildete sich eine neue Gruppe, die Neue Secession. Sie eröffnete im Mai ihre erste Ausstellung „Zurückgewiesene der Secession Berlin 1910“. Pechstein wurde zum Präsidenten, Tappert zum Vorsitzenden gewählt. Nach einem heftigen Streitbrief von Emil Nolde gegen den Präsidenten Max Liebermann wurde Nolde aus der Secession ausgeschlossen, und wenig später legten Liebermann und seine engsten Mitarbeiter ihre Vorstandsfunktionen nieder. Nachfolger von Liebermann wurde 1911 Lovis Corinth. Nachdem dieser einen Schlaganfall erlitt, konnte er das Amt nicht mehr wahrnehmen.
Am 8. Mai 1911 lehnte die Kommission es ab, Werke von Max Schlichting und Hans von Petersen in einer Ausstellung zu zeigen, beide waren einst von der Secession ausgetreten.Peter Paret: The Berlin Secession: Modernism and Its Enemies, S. 90, 1980
Zahlreiche Künstler waren von den Verkäufen über die Kunsthändler Bruno und Paul Cassirer abhängig, mitunter bestritten sie sogar ihren Lebensunterhalt über diesen Weg.Der Fall Corinth und die Zeitzeugen, Wellner, S. 140 Paul Cassirer kandidierte und wurde zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Er organisierte die Sommerausstellung von 1913. Diese war zwar sehr erfolgreich, er hatte jedoch auch 13 (zumeist jüngere) Mitglieder nicht ausstellen lassen. Sie organisierten daraufhin eine eigene Ausstellung und folgten der Aufforderung, die Secession zu verlassen, nicht. Um die Probleme zu lösen, trafen sich u. a. Max Neumann, Ernst Oppler, Adolph Herstein und Max Liebermann in dessen Atelier. Sie einigten sich auf eine Abwahl Cassirers am 6. Juni 1913. Oppler hielt die Szene in seinem Werk Beratung im Atelier fest. Die Kunstkritik deutete das Bild als Planung des Bruchs mit Cassirer. Tatsächlich waren die dargestellten Personen Struck, Emil Pottner, Bischoff-Culm, Max Neumann und Herstein neben Corinth jene Mitglieder, die der Secession treu blieben.Die Berliner Secession in neuem Hause. Universitätsbibliothek Heidelberg. Wenngleich Lovis Corinth wieder den Vorsitz übernahm, war der Bruch nicht mehr aufzuhalten. Rund 40 Künstler traten aus der Secession aus, darunter Slevogt und Liebermann und sogar Paul Cassirer. Im März 1914 gründeten einige Ausgetretenen die bis 1924 bestehende Freie Secession mit Max Liebermann als Ehrenpräsidenten. Wenig später eröffnete die „Juryfreie Kunstausstellung“, die einen Bildermarkt ganz ohne Jury, Kunsthändler und Gruppierungen ermöglichte. Oppler trat nicht aus der Secession aus, verzichtete jedoch zukünftig darauf, an den Jahresausstellungen der inzwischen dem Expressionismus zugewandten Berliner Secessionisten teilzunehmen.
1915–1934 mini|hochkant|Gebäude der Berliner Secession in der Tiergartenstraße 21a