mini|Kirchberg 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch mini|Zwingelhausen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch mini|Kirchberg Ort mini|Das Wappen derer von Gaisberg aus Siebmachers Wappenbuch. Das Geschlecht war im 14. Jahrhundert in Kirchberg an der Murr ansässig. Kirchberg an der Murr ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Kirchberg an der Murr liegt an der Murr, einem Nebenfluss des Neckar, zwischen Backnang und Marbach am Neckar. Das Gemeindegebiet hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009. Die Gemeinde liegt auf 201 bis 349 m ü. NHN.

Umliegende Gemeinden sind Aspach im Nordosten, Backnang im Osten, Burgstetten (Burgstall an der Murr und Erbstetten) im Südosten, Affalterbach mit Wolfsölden im Süden, Erdmannhausen im Westen und das zu Marbach gehörende Altgemeinde Rielingshausen im Nordwesten.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Kirchberg an der Murr gehören das Dorf Kirchberg an der Murr, die Weiler Frühmeßhof, Neuhof, Rundsmühlhof und Zwingelhausen und das Gehöft Obertorhöfe. Diese sechs Ortschaften werden in der Hauptsatzung als Ortsteile geführt. Deren offizielle Benennung erfolgt durch vorangestellten Gemeindenamen und durch Bindestrich nachgestellten Namen der Ortsteile.

Wüstungen Auf dem Gemeindegebiet liegen zudem die abgegangenen Ortschaften Atzstetten, Auhof, Eglofshofen,Otto Kleinknecht: Zur frühesten Geschichte des Murrgaus. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 19, Verlag J. Aigner, Ludwigsburg 1967, S. 64. Eichhalden, Kronfeld, Luttern, Rundsmühle, Schwabstetten, Waibstatt, Inneres Höfle und Äußeres Höfle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 512–513. (PDF; 111 kB).

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Kirchberg an der Murr.

Geschichte

Antike In der Römerzeit gehörte das heutige Gemeindegebiet zum Dekumatland (agri decumates) in der Provinz Obergermanien (Germania superior). Auf dem Gemeindegebiet entstanden mehrere römische Gutshöfe. Diese wurden spätestens mit dem Limesfall aufgegeben. Römische Ansiedlungen befanden sich an folgenden Orten:

auf der Flur KalkofenBeschreibung des Oberamts Marbach, S. 217. bei den Obertorhöfen auf der Flur Eisenberg im Gebiet Eichhalden im Bereich Abstetter, etwa an der Stelle des wüst gefallenen Orts Schwabstetten in der Unteren Au an der Stelle des späteren Auhofs

Nach dem Limesfall und der Aufgabe des Dekumatlands besiedelten die Alemannen das weitgehend menschenleere Gebiet. Nach der Schlacht von Zülpich 496 kam das Gebiet in den Machtbereich der Franken, welche die christliche Mission der Alemannen förderten.

Frühes Mittelalter Im frühen Mittelalter entstanden auf dem heutigen Gemeindegebiet von Kirchberg einige kleine Siedlungen. Keimzelle des heutigen Kirchberg dürfte wohl die Siedlung „Kronfeld“ gewesen sein, zu der auch die Kirchberger Mühle gehörte, die noch im 16. Jahrhundert den Namen Kronfelder Mühle trug. Wahrscheinlich verfügte Kronfeld bereits über eine eigene kleine Kirche (St. Lukas) und einen Friedhof. Dafür spricht der Fund von Reihengräbern aus der Zeit der Merowinger mit Grabbeigaben (Schwerter von Typ Sax) im Bereich der Kirchberger Mühle. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde dieses „Ur-Kirchberg“ aufgegeben und die Siedlung samt Kirche auf die damals Kirchberg genannte Anhöhe verlegt. Grund für die Aufgabe Kronfelds dürfte die regelmäßige Überschwemmung der Siedlung durch die Murr gewesen sein.

Mittelalter Kirchberg wurde am 11. April 1245 erstmals in einer zu Lyon ausgestellten Urkunde erwähnt. Mit diesem Schriftstück bestätigte Papst Innozenz IV. der Ordensgemeinschaft des Heiligen Augustinus zu Backnang Besitztümer und Rechte in verschiedenen Orten, darunter Kircberg (Kirchberg), Luter (Luttern) und Zwingelhusen (Zwingelhausen).Sorg, S. 6.

Im 13. Jahrhundert waren die Herren von Wunnenstein in Kirchberg begütert. 1283 überließen Dieter Wolf von Wunnenstein und seine Frau Mechthild der Priorin von Kloster Mariental in Steinheim Einkünfte von ihren Gütern in Kirchberg und in Siebersbach in Sulzbach an der Murr.

Ortsadlige wurden bereits im 13. Jahrhundert genannt. Albrecht Sorrer von Kirchberg wurde erstmals 1286 erwähnt. Mitte des 14. Jahrhunderts waren zwei Generationen der Familie (alt pfaff Burchart und jung pfaff Burchart Sorrer) als Priester in Kirchberg tätig. Die Familie hatte auch in anderen Orten Besitz, beispielsweise erwarb Burkhard Sorrer am 20. Mai 1349 ein Lehen von Rudolf von Niederweißach (das ist Unterweissach) in Oberweissach. Andere Angehörige der Familie waren Chorherren im Stift Backnang und Stiftsdamen zu Mariental in Steinheim, so die Edelfrau Adelheid Sorrer.Sorg, S. 12.

Das Dorf Kirchberg befand sich das im Mittelalter größtenteils im Besitz der Herzöge von Teck. Am 12. Juli 1302 veräußerte Herzog Hermann von Teck seinen Besitz in Marbach, Murr, Lauffen am Neckar, zu Kirchberg und zu Rudersberg an Graf Eberhard von Württemberg.Sorg, S. 11. Seitdem wird Kirchberg zu Altwürttemberg gezählt.

Neben der Familie Sorrer wohnte auch die Familie von Gaisberg im Dorf. Stammsitz des Geschlechts dürfte die schon lange abgegangene Burg Kirchberg an der Murr gewesen sein. Sie lag auf dem „Gaisberg“, einem felsigen Bergsporn des Rappenbergs. Erstmals erwähnt wurde der „ehrbare Mann“ Fritz Gaisberg (auch Friedrich Gaisberger) 1352. Mit ihm und seinem Vater beginnt die gesicherte Stammreihe des Geschlechts derer von Gaisberg. Nach Friedrich Freiherr von Gaisberg-Schöckingen war sein Urahn Fritz Gaisberg der Ältere Schultheiß von Kirchberg. Von der zweiten Generation der Familie ist Fritz Gaisberg der Jüngere bekannt. Er erwarb 1352 von der Witwe des Albrecht Hummel von Lichtenberg ein Rittergut in Großbottwar. Aus der dritten Generation ist Conrad Gaisberg bekannt, der Schultheiß in Kirchberg war. Er wird in einem Lagerbuch des Stifts Backnang genannt.Gerhard Fritz: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Stifts Backnang. In: Backnanger Jahrbücher, S. 74. Die Herkunft dieses Geschlechts ist unklar, jedoch war ein Angehöriger der Familie schon um 1358 Augustiner-Chorherr in Backnang. Daraus kann allerdings nicht geschlossen werden, dass die Gaisberg schon im 14. Jahrhundert adelig waren, denn das Stift nahm damals sowohl adelige als auch bürgerliche Mitglieder auf.Gerhard Fritz: Das regulierte Augustiner-Chorherrenstift Backnang vom frühen 12. Jahrhundert bis zur Umwandlung in ein Säkularstift 1477, in: Württembergische Stiftskirchen : Insbesondere das Stift St. Pancratius in Backnang (Backnanger Forschungen ; 5), Backnang 2003, S. 21–54. In der Folgezeit bekleideten Angehörige der Familie hohe Ämter in Württemberg und erwarben eine ganze Reihe Burgen und Schlösser. Nachfahren der Gaisberger leben u. a. auf Schloss Schöckingen.

Neuzeit

16. Jahrhundert Mit Martin Luthers 95 Thesen von 1517 wurde die Reformation eingeleitet, die auch in Württemberg rasch Anhänger gewann. 1520 wurde Herzog Ulrich vom Schwäbischen Bund und von Bayern aus Württemberg vertrieben. Während dem Exil konvertierte Ulrich zum Protestantismus und konnte mit Hilfe Philipps des Großmütigen von Hessen nach Württemberg zurückkehren. 1535 führte er in seinem Herrschaftsgebiet die Reformation ein. Dabei sollten sämtliche Pfarreien visitiert und reformiert werden. Für den nördlichen Teil Württembergs wurde Erhard Schnepf berufen. Diejenigen Pfarrer, die bereit waren im Sinne der Reformation zu lehren, wurden in ihren Ämtern belassen. Wer sich weigerte und katholisch bleiben wollte, musste seine Pfarrei verlassen. Der Kirchberger Pfarrer Michel Rummel verweigerte im Gespräch mit Schnepf die lutherische Lehre und wurde daraufhin entlassen. Als erster evangelischer Pfarrer folgte auf ihn Johannes Finger, der bis 1542 in Kirchberg blieb. Auf ihn folgte Leonhard Rieger. Während seiner Dienstzeit gab es in Kirchberg Auseinandersetzungen mit Wiedertäufern, denen die Reformation nicht weit genug ging.Sorg, S. 24.

17. Jahrhundert Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Kirchberg wiederholt geplündert, wodurch die Hälfte der Gebäude zerstört wurde und auch durch die eingeschleppte Pest im Jahre 1626 ein Drittel der Bevölkerung starb. Im Februar 1628 wurde der beliebte Schultheiß Hans Feilmetzger erschlagen auf einem Feld gefunden. Wie es sich herausstellte, war er von einem ortsfremden Söldner ermordet worden.Sorg, S. 35. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 beruhigte sich die Lage und die Bevölkerung konnte sich allmählich erholen. Einwohner kehrten zurück und Häuser konnten wiederaufgebaut werden.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg marschierten französische Soldaten 1693 unter dem als Mordbrenner bekannten Grafen Mélac von Heidelberg aus durch das Neckargebiet. Dabei hinterließen sie eine Spur der Verwüstung. Sie zerstörten Beilstein und Marbach und rückten durch Kirchberg in Richtung Backnang vor. Dabei kam es zu Plünderungen und zahlreichen Morden an Einwohnern. Die Soldaten des Sonnenkönigs schossen willkürlich auf die Dorfbewohner und schreckten auch nicht davor zurück, die Dorfkirche zu plündern: Sie holten die Kirchenglocken aus dem Turm, stahlen die Priestergewänder aus der Sakristei und zerschlugen die Pfeifen der Orgel. Am selben Tag starb der Kirchberger Pfarrer Christoph Caspar Haupt im Alter von nur 55 Jahren, vermutlich durch Misshandlungen oder Schock.Sorg, S. 38.

Der Ort gehörte in altwürttembergischer Zeit zum Amt Marbach, aus dem im späteren 18. Jahrhundert das Oberamt Marbach wurde.

19. Jahrhundert Am Beginn des 19. Jahrhunderts standen die großen Umwälzungen in Folge der Koalitionskriege, in deren Zusammenhang 1806 auch die Gründung des Königreichs Württemberg erfolgte. Nach diesen für die Bevölkerung einschneidenden Ereignissen mit ständigen kriegsbedingten Belastungen kam es 1816 zum Jahr ohne Sommer. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wanderten wegen derartiger Hungersnöte 184 Kirchberger aus; darunter auch nach Bessarabien, wo sie die Ansiedlung Lichtental gründeten, wobei einige Nachfahren nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zurückkamen.

Die Landwirtschaft war im 19. Jahrhundert noch die Haupteinnahmequelle der Einwohner Kirchbergs und blieb es auch bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Neben Ackerbau und Viehzucht wurde auch Weinbau in großem Stil betrieben. Alle Südhänge des Murrtals waren mit Wein bestockt. Auf einen Morgen standen etwa 2800 Rebstöcke. Die besten Weinlagen waren die Fluren Abstätter, Eichhalden, Halden, Klinge, Lerchenberg und Pälmen. Zum Anbau kamen hauptsächlich Weißwein-Sorten wie Elbling und Silvaner sowie die Rotwein-Sorte Trollinger. Vereinzelt kamen auch die Sorten Riesling und Clevner vor.Beschreibung des Oberamts Marbach, S. 216. Der Weinbau geriet jedoch am Ende des 19. Jahrhunderts wegen der Reblaus und anderen Schädlingen in eine schwere Krise: Von Schädlingen befallenen Rebstöcke mussten herausgerissen und unverzüglich verbrannt werden. Gleichzeitig nahm der Obstbau immer mehr zu. Man pflanzte vorzugsweise Mostobst und von Steinobst Kirschen und Zwetschgen; auch Pfirsich- und Walnussbäume gediehen gut. Durch den neuen Bahnanschluss wurde gekühltes Bier und Kaffee für jedermann erschwinglich. Somit nahm der Weinbau ständig ab. Spätestens mit dem Ersten Weltkrieg und dem daraus resultieren Arbeitskräftemangel verschwand der Weinbau fast völlig. Lediglich in der Flur Pälmen konnte sich der Weinbau halten.

20. Jahrhundert