Die Streitkräfte Boliviens (Fuerzas Armadas de Bolivia, kurz FF.AA.) sind unterteilt in das Heer (Ejército Boliviano), die Marine (Fuerza Naval Boliviana) und die Luftstreitkräfte (Fuerza Aérea Boliviana). Ebenfalls militärisch organisiert ist die Nationalpolizei (Policía Nacional de Bolivia).

Organisation Wehrpflicht Es gibt eine grundsätzliche Wehrpflicht; falls es jedoch genug Freiwillige gibt, wird auf Einberufungen verzichtet. Die Wehrpflichtigen müssen mindestens 18 Jahre alt sein; bei freiwilliger Arbeit erlaubt das Gesetz, die Altersgrenze bis auf 16 abzusenken.

Der Wehrdienst dauert 12 Monate. Die Gesamtstärke der Streitkräfte schwankt zwischen 31.500 und 35.000 Mann, davon sind etwa 20.000 Wehrdienstleistende.

Militärausgaben Die Militärausgaben betrugen 2023 626,76 Mio. US-$, was 1,4 % des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Ausrüstung Heer Das bolivianische Heer (Ejército Boliviano, kurz FF.EE.) ist mit rund 22.800 Mann die bei weitem stärkste Teilstreitkraft. Sie wird von General Juan José Zúñiga kommandiert. Die Beziehung zu Chile ist immer noch angespannt. Die Armee Chiles hat ein vielfach höheres Budget und ist mit hunderten Kampfpanzern auch deutlich besser ausgerüstet. Seit dem Salpeterkrieg hat sich das Heer dann auch mehr und mehr auf die „Innere Sicherheit“ konzentriert. Das Heer verfügt über folgende Ausrüstung:

mini|Kürassier-Jagdpanzer mini|EE-9 Cascavel bei einer Parade in Cochabamba + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl AnmerkungenFahrzeuge Kürassier Jagdpanzer SK-105A1SK-105A23618 EE-9 Cascavel Spähpanzer24 M113 Mannschaftstransporter50+ M3 Mannschaftstransporter M937 EE-11 Urutu Mannschaftstransporter24 Mowag Roland Mannschaftstransporter22 M706 Mannschaftstransporter V-10015 ZFB-05 Mannschaftstransporter Shaanxi Baoji Tiger Geschütztes Fahrzeug19 Greif Bergepanzer4 M578 Bergepanzer Kojak Panzerabwehrfahrzeug2 Ausgestattet mit HJ-8 Panzerabwehrlenkwaffen.Panzer- und Flugabwehrwaffen HJ-8 Panzerabwehrlenkwaffe M67 Rückstoßfreies Geschütz M40 Rückstoßfreies Geschütz A1 Typ-65 Flugabwehrgeschütz18Artillerie M101 105-mm-Haubitze A125 M30 122-mm-Haubitze36 M29 81-mm-Mörser250 Typ-87 81-mm-Mörser M30 107-mm-Mörser M120 120-mm-MörserLuftfahrzeuge Fokker F-27 Transportflugzeug1 Beechcraft King Air Transportflugzeug King Air 901 Harbin Z-9 Mehrzweckhubschrauber6

Marine mini|„Zum Meer!“ mini|Offiziere der Marine Obwohl Bolivien seit dem Verlust seines Pazifikzugangs im Salpeterkrieg (1879 bis 1884) ein Binnenstaat ist, unterhält das Land weiterhin eine 4.800 Mann (mit Marineinfanterie) starke Marine (Fuerza Naval Boliviana, auch „Armada“ genannt, abgekürzt FNB), deren Aufgabe sich allerdings auf die Sicherung von Binnen-Grenzgewässern (Titicacasee sowie größere Flüsse im Amazonasbecken) beschränkt. Die formelle Aufrechterhaltung einer militärisch an sich unnötigen eigenständigen „Marine“ ist politischer Ausdruck für das Streben und die Hoffnung auf die Wiedergewinnung eines Zugangs zum Pazifik, angestrebt wird ein Korridor zwischen Chile und Peru. Die Kommandostruktur umfasst sechs Marinebezirke, jeder mit einer Flottille ausgestattet. Ein Bezirk umfasst den Titicaca-See, die übrigen liegen an den großen Flüssen.

Die Marine besteht aus etwa 60 Patrouillenbooten und Patrouillenbarkassen sowie aus einem der Marine gehörenden Patrouillenflugzeug vom Typ Cessna U206.Matrosen ohne Meer bei Zeit Online vom 3. April 2008Marine ohne Meer bei Der Tagesspiegel vom 23. März 2007Bolivien träumt vom Meer bei Welt Online vom 21. März 2010

Das größte Schiff war der Hochsee-Frachter Libertador Bolívar (Befreier Bolívar), der von der Marine bemannt wird, um zu gewährleisten, dass die Marine über seemännisch ausgebildetes Personal verfügt, falls das Land über einen Korridor wieder Zugang zum Meer erhalten sollte und die Marine wieder von einem bolivianischen Hafen an der Pazifikküste operieren kann. Das 1978 in Dienst gestellte Schiff wurde als normales Handelsfrachtschiff eingesetzt, dessen Einnahmen dem Marineministerium zuflossen, und wurde 1990 aus dem Schiffsregister gestrichen. Es war ein Geschenk Venezuelas und hatte seinen Heimathafen in Argentinien.

Die Marineinfanterie besteht aus etwa 1.700 Mann in sieben Bataillonen, wovon in jedem der sechs Marinedistrikte eines steht. Im Distrikt des Titicacasees steht zusätzlich das VI. mechanisierte Bataillon „Independencia“. Dieses war in den 1980er Jahren in Stärke von 600 Mann aufgestellt und nach dem peruanischen Nationalhelden und Admiral im Salpeterkrieg Miguel Grau Seminario benannt worden.

Luftstreitkräfte mini|Offiziere der Luftwaffe Die bolivianische Luftwaffe (Fuerza Aérea Boliviana, kurz FAB) umfasst rund 6.500 Mann. Die Ausstattung ist größtenteils veraltet; sie verfügt über folgende Flugzeugtypen (Stand Ende 2022):

FlugzeugFotoHerkunftVerwendungVersionAktivBestelltAnmerkungenFlugzeuge für Spezialmissionen Learjet 35 200x200px Aufklärungsflugzeug2 Transportflugzeuge C-130 Hercules 200px Transportflugzeug C-130B3 Cessna 402 200px Transportflugzeug1 Handley Page Jetstream 200px Transportflugzeug Jetstream 312 King Air 200px Transportflugzeug King Air 90King Air 200King Air 250King Air 3505Geschäftsreiseflugzeuge Boeing 727 200x200px Geschäftsreiseflugzeug1 Boeing 737 200x200px Geschäftsreiseflugzeuge B-737-2003 Dassault Falcon 50 200x200px Geschäftsreiseflugzeuge Falcon 50EX1 Dassault Falcon 900 200x200px Geschäftsreiseflugzeuge Falcon 900EX1 BAe 146 200x200px Geschäftsreiseflugzeuge RJ702 Schulflugzeuge K-8 Karakorum 200px / Schulflugzeug5 PC-7 200px Schulflugzeug2 Z-242 200px Schulflugzeug8 Hubschrauber H125 Écureuil 200px Mehrzweckhubschrauber H125M2 H145 200px Mehrzweckhubschrauber2 H215 200px Mehrzweckhubschrauber H215M6 SA.319 Alouette III 200px Mehrzweckhubschrauber SE.31601 UH-1 Iroquois 200px Mehrzweckhubschrauber UH-1H11 Schulungshubschrauber Robinson R44 200px Schulungshubschrauber5

Sonstiges Die Streitkräfte Boliviens haben durch knapp 200 Putsche seit Staatsgründung eine große Rolle in der Geschichte Boliviens gespielt.

Im März 2009 kündigte der bolivianische Verteidigungsminister an, die militärischen Trainings- und Tötungsübungen an zahlreichen Hunden durch eine Resolution zu verbieten. Dies ist historisch bedeutend, da es die erste gesetzliche Verfügung zum Tierschutz in Bolivien überhaupt bedeutete und im selben Jahr zu weiteren Tierschutzgesetzen führte.

Literatur Jutta Deide: Ideologie und Legitimation einer abhängigen Militärdiktatur. Das Beispiel der Regierung Banzer in Bolivien (1971–1978); ein ideologiekritischer und militärsoziologischer Beitrag zur politischen Soziologie peripherer Gesellschaften in Lateinamerika. Haag und Herchen, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-88129-368-X (zugl. Dissertation, Universität Hamburg 1980).

Einzelnachweise

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