mini|240px|Paul Roland 1995 Paul Roland (* 6. September 1959 in Canterbury, England) ist ein britischer Musiker, Schriftsteller und Journalist.
Biografie Kindheit und Jugend (1959–1979) Paul Roland stammt aus einer Künstlerfamilie (Vater Schriftsteller, Mutter Schauspielerin)Spex 10/87, die früh künstlerische Neigungen in ihm förderten. Beide Elternteile stammen von Einwanderern aus Russland, Lettland und der Ukraine ab.
Durch seinen Vater wurde er mit zahlreichen Klassikern der fantastischen Literatur vertraut gemacht. Darüber hinaus wurde seine Begeisterung für das Übernatürliche durch mehrere Außerkörperliche Erfahrungen in der Kindheit verstärkt, die bei seinen mit östlichem Mystizismus und Meditation vertrauten Eltern durchaus auf Verständnis stießen.
Er entdeckte früh seine Liebe zur Musik: erste Kompositionen stammen aus dem Jahr 1974, und mit 19 Jahren veröffentlichte er seine erste LP.Autobiografie auf Paul Roland Homepage, 2003–2007Paul Roland Newsletter zitiert auf Fansite Der erste Gedanke, Rockmusiker zu werden und damit dem als unerwünscht empfundenen Weg von Schule, College und Beruf zu entkommen, kam ihm durch den aus Rockmusik bestehenden Soundtrack des Films That’ll be the day (dt.: Trau keinem über 18) von Neil Aspinall (dem Roadmanager der Beatles), Will Malone und Keith Moon (von The Who). Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1978 begann er jedoch zunächst eine Ausbildung in einem Büro in London, die er aber bald abbrach. Bei einem Job in einem Zeitschriftenladen lernte er John Willians kennen, Musiker und wie er Marc-Bolan-Fan. Die beiden beschlossen, nicht auf die Entdeckung durch ein Major-Label zu warten, sondern in Eigenregie eine Single einzuspielen.
Erste Karriere und Rückzug (1979–1997) Am 7. Juli 1979 nahmen Roland, John Willians und Simon Ballestrini unter dem Bandnamen Weird Strings in den Oakwood Studios, einem kleinen 8-Spur-Studio in Herne Bay, die 7″-Single Oscar Automobile auf. Die Auflage von 1000 Exemplaren wurde vollständig verkauft und ermöglichte ihnen weitere Aufnahmen zu finanzieren.
Es folgte die Gründung der Band Midnight Rags und die Veröffentlichung der ersten LP. Zwar bewertete Roland diesen Schritt später als übereiltAutobiografie im Booklet der The Werewolf Of London CD, dennoch fand die Veröffentlichung gute Kritiken. So spielte z. B. der britische Radio-DJ John Peel zwei Stücke des Albums wie auch die Single Public Enemy in seiner Show. Im Dezember 1980 fand der erste Auftritt der Band am Canterbury Technical College statt. Zur Besetzung gehörten neben Paul Roland selber lediglich John Daniels (Gitarre) und Brian Gould (Keyboards).
Nach der Veröffentlichung einer Single unter dem Pseudonym „Beau Brummel“ spielt Roland seit 1982 unter eigenem Namen. Nach diversen Maxis und Singles erschien 1985 das erste reguläre Album Burnt Orchids.
Unter dem Management von David Enthovenein damals wie heute sehr erfolgreicher Musik-Manager, der unter anderem Roxy Music, T. Rex, King Crimson und Robbie Williams betreute oder noch betreut und June Bolan (der Witwe von Marc Bolan) wurde er zu Anfang der 1980er Jahre eher von Plattenaufnahmen abgehalten und zunächst zum Film- und Musikjournalisten aufgebaut, wobei er z. B. für die Magazine Kerrang, Sounds und Record Mirror tätig warInterview in . Während seiner Tätigkeit für diese Magazine interviewte er zahlreiche bekannte Musiker, darunter Tony Iommi (Black Sabbath), Mark E. Smith (The Fall), Sting, Nico und Lemmy (Motörhead)Autobiografie im Booklet der CD Danse Macabre.
Erfolge stellten sich eher außerhalb Großbritanniens ein, vor allem in Deutschland, Italien und Griechenland. 1987 bot ihm Marian Gold von Alphaville an, die Aufnahme eines Albums komplett zu finanzieren, wenn er die Veröffentlichungsrechte bekäme. Darauf ließ sich Roland jedoch nicht ein, so dass es auf diesem Wege nur zur Veröffentlichung der Single Berlin kam. Insbesondere das Album Danse Macabre schaffte es in die Favoritenlisten vieler europäischer Indie-Rock-Magazine in Deutschland, Dänemark, Norwegen und Belgien. In Großbritannien war es fast ausschließlich das Magazin Bucketfull of Brains, dass regelmäßig über Roland berichtete.
1993 heiratete Paul Roland. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Durch den Umzug nach Cheltenham verlor er darüber hinaus teilweise den Kontakt zu musikalischen Weggefährten. Mit Sarabande spielte er sein erstes Album ohne Chris Randall ein, der bislang für alle musikalischen Arrangements verantwortlich war.
1997 beendete er seine musikalische Karriere, nachdem mehrere mit ihm zusammen arbeitende PlattenfirmenBam Caruso in Großbritannien, Di Di Music in Griechenland und Pastell/Bouncing in Deutschland; New Rose in Frankreich wurde an die große Kette Fnac verkauft und zeigte kein Interesse mehr an sog. Independent Musik Konkurs anmeldeten und für ihn keine Möglichkeit bestand, den Kontakt zum Publikum aufrechtzuerhalten. Hinzu kam der ausbleibende Erfolg in seiner Heimat Großbritannien und den USA, wo er faktisch gar nicht wahrgenommen wurde. In späteren Interviews sprach er ferner von dem Gefühl zu alt für einen Independent Musiker geworden zu sein. Der wachsende, auch finanzielle Erfolg als Buchautor dürfte genauso eine Rolle gespielt haben, wie die Notwendigkeit nach der Familiengründung ein geregeltes Einkommen zu beziehen, dass sich durch freiberufliche, journalistische Tätigkeiten weitaus besser verdienen ließ.
Comeback und zweite Karriere (ab 2002) In den folgenden Jahren erschienen diverse Bücher. Ein ursprünglich als einmaliger Auftritt geplantes Konzert im September 2002 auf der Burg Rabenstein in Brandenburg beim Festival Herbstnächte IV führte dazu, dass er seine musikalische Karriere wieder aufnahm. Mit den nun folgenden Alben versuchte er einen Neubeginn, wobei er anstrebte, die von ihm so empfundene „unkritische und bequeme Selbstzufriedenheit“ der Vergangenheit zu vermeiden.z. B. in , §6 Er redete mehrmals von seiner „zweiten Karriere“ oder der „zweiten Hälfte seiner Karriere“.siehe hierzu besonders das direkt im Anschluss an das Konzert auf Burg Rabenstein gemachte Interview des Internet-Magazins Der Hörspiegel Tatsächlich klingen die Kompositionen und besonders die Arrangements der Stücke seit Pavane professioneller, routinierter und weniger verspielt als auf den älteren Alben.
Im Jahre 2004 rief Roland sein früheres eigenes Plattenlabel Gaslight Records für die Veröffentlichung von Pavane wieder ins Leben, um alte, inzwischen vom Markt verschwundene Werke wieder herauszugeben und neue Platten auf den Markt zu bringen.
Parallel dazu nahm sein Erfolg als Autor von Sachbüchern und Romanen zu. Er ist ebenfalls als Lehrer in Selbsterfahrungs-, Meditations- und Kabbalakursen tätig (vgl. Abschnitt Bücher).
Roland verließ Großbritannien 2006 und zog für vier Jahre nach Karlsruhe. Als Grund gibt er dort u. a. die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in England an. Laut dieser Quelle beabsichtigte er, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Als Quelle für die Rückkehr: Interview mit Georg Howahl in Sonic Seducer Dez 2009/Jan 2010.
Im Jahr 2013, wirkte auf dem Album Bates Motel erstmals Rolands jüngerer Sohn Joshua als Bassist mit. Seitdem tritt er regelmäßig bei Tourneen und Aufnahmen in Erscheinung.
Musik
Paul Roland hat einen sehr eigenwilligen und unverkennbaren musikalischen Stil entwickelt in dem zahlreiche Richtungen vereint sind. Der prägendste Einfluss ist wohl im Psychedelic Rock der 1960er Jahre und dem Glam Rock der 1970er Jahre zu finden, insbesondere in seinen Vorbildern Marc Bolan (den er mehrfach als seine einzige wirkliche Inspiration bezeichnetso etwa in der Ausgabe 10/2005 des italienischen , §1) und Syd Barrettobwohl er Barrett in einem Interview mit dem italienischen Magazin als „overrated“ (überbewertet) bezeichnete. Auch ältere musikalische Stile wie Folk, Jazz, Blues und klassischer 50er-Jahre-Rock’N’Roll fließen in seine Musik genauso ein wie als einzig erkennbare „moderne“ Richtungen Hard Rock und Heavy Metal.
Besonderes Markenzeichen vieler Stücke ist der Anteil barocker Kammer- und Orchestermusik, viele Songs haben neben oder anstelle der typischen Rock-Instrumentierung noch Streicher- und Bläserensembles in ihrem Arrangement. Zu seinen Vorbildern rechnet Roland auch Georg Friedrich Händel und den Filmmusik-Komponisten Michael Nyman, den er mehrmals als seinen Lieblingskomponisten bezeichnete.
Oft bestimmen die Texte der Alben den vorherrschenden Stil. So klingen frühe Alben mit historischen Themen oft barock, das von Kampf- und Kriegsthemen beherrschte Album Duel dagegen eher martialisch und rockig, orientalische Themen (Cairo) werden wie fernöstliche (In The Opium Den) oder karibische (White Zombie) mit entsprechenden Instrumenten arrangiert.
Da Paul Roland alle seine Alben auf kleinen Independent-Labels veröffentlichte, blieb der große Erfolg als Musiker stets aus. 1987 wurde Danse Macabre vom deutschen Radiosender WDR in der täglichen Sendung Flip Zeit zum Album des Monats gekürt, ohne dass der weitere Verlauf seiner Karriere durch die Redaktion verfolgt worden ist. Größeren Erfolg erzielte Roland vor allem in der Dark-Wave-Szene der 1990er Jahre.
Im Laufe seiner Karriere arbeitete er mit verschiedenen prominenten Gastmusikern zusammen, wie z. B.: Folksänger Robyn Hitchcock (auf The Werewolf Of London), Nick Saloman von The Bevis Frond (auf Roaring Boys, Strychnine und Sarabande), Sterling Morrison von The Velvet Underground (auf Danse Macabre)Die eingespielten Gitarrenparts kamen aus technischen Gründen nicht auf die endgültige Version des Albums. Zu den Gründen siehe , Knox von The Vibrators (auf Burnt Orchids und der EP Hot George), Andy Ellison von Marc Bolans erster Band John’s Children (auf den Singles Hot George und Dr. Strange), dem britischen Psychedelic-Musiker Nick Nicely (auf A Cabinet Of Curiosities), Derek Hefferman, dem Tour Gitarrist der Virgin Prunes in den frühen 80ern (auf Duel und Live in Italy), Joachim „Jojo“ Brandt von The Convent (auf Live in Germany 1995; Paul Roland war Supporter für die Band, deren Gitarrist Brandt wiederum nun Roland bei dessen Vorauftritt aushalf), Joran Elane, Markus Skroch und Nico Steckelberg von Elane (auf Pavane und Nevermore), Jim Leverton und Geoffrey Richardson von Caravan (auf Re-Animator), Ralf Jesek von In My Rosary (auf Nevermore) und Allan Jenkins von The Deep Freeze Mice (auf Bitter and Twisted).
2017 erschien das Tributealbum Alice's Curiosities – A Tribute to Paul Roland.
Er wurde auch mehrmals für andere Musiker tätig. Zum einen produzierte er im Jahre 1989 das Album Reds der italienischen Band The Gang. Ferner komponierte er ein Stück für die geplante Reunions-CD der Band John’s Children, das aber dann nicht dort, sondern unter dem Titel Aleister Crowley auf seinem eigenen Album Gargoyles erschien. Er tritt als Gastmusiker auf verschiedenen Alben, wie etwa Retro von In My Rosary oder Plutonium Express von Knox auf.
2020 erschien Rolands Album "Lair of the White Worm" beim italienischen Musiklabel Dark Companion. Darauf enthalten sind vier orchestrale "Interludes" (Zwischenspiele), die nicht von Paul Roland selbst, sondern von Nico Steckelberg speziell für dieses Album komponiert und arrangiert wurden.
Texte