mini|300x300px|Luisenhospital (2024) Das Luisenhospital Aachen ist ein evangelisches Krankenhaus mit 378 Planbetten, 12 Fachabteilungen und 11 Zentren. Es befindet sich am Boxgraben Nr. 99 in Aachen-Mitte, unweit des DB-Haltepunkts Aachen Schanz. Das 1867 mit Unterstützung des Aachener Vereins zur Beförderung der Arbeitsamkeit und mit 144 Betten gegründete Krankenhaus wurde nach der Königin Luise von Preußen benannt.

Es ist seit 1977 ein akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Aachen und unterhält eine Gesundheits- und Krankenpflegeschule sowie eine Hebammenlehranstalt, die beide seit 2014 in der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe Aachen GmbH zusammengefasst sind. Darüber hinaus sind auf dem Krankenhausgelände sowohl ein Altenkrankenheim als auch eine daran angeschlossene Rehaklinik unter dem Namen Haus Cadenbach untergebracht. Ein unabhängiger Sozialdienst, der mit den Patienten und in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Personal für eine der jeweiligen persönlichen Situation angemessene Hilfestellung sorgt, befindet sich ebenfalls auf dem Areal.

Als öffentliche Einrichtung dient der Treffpunkt Luise im Haus, der als eigenständige Abteilung für Kurse, Vorträge und Seminare unter anderem zur Gesundheitsvorsorge, Rehabilitation, Stressbewältigung, Schwangerschaftsgymnastik und weiteren ähnlichen Themen zuständig ist. Für das leibliche Wohl der Patienten und Besucher sorgt das Caféhaus Luise.

Im Gebäudekomplex wurden außerdem die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte für den Bereich Aachen Stadt der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und ein anerkanntes Brustzentrum eingerichtet. In der Apotheke des Krankenhauses befindet sich das Notfalldepot für Impfstoffe und Antidoten der Apothekerkammer Nordrhein für die Städteregion Aachen.

Träger Träger des Luisenhospitals ist der freigemeinnützige Evangelische Krankenhausverein zu Aachen von 1867. Er unterhält das Luisenhospital sowie die Medizinisch-Geriatrische Rehabilitationsklinik Haus Cadenbach und das Altenkrankenheim Haus Cadenbach. Darüber hinaus ist der Verein zuständig für die 1901 gegründete Krankenpflegeschule sowie für die Hebammenlehranstalt. Insgesamt werden in den Einrichtungen des Vereins rund 20.000 Patienten im Jahr behandelt. Ihre Betreuung umfasst alle Versorgungsstufen, darunter Krankenpflege, geriatrische Rehabilitation und Altenpflege.

Für die Geschäfte des Trägervereins ist der Vorstand zuständig, der aus einem Vorsitzenden, einem Geschäftsführer und fünf weiteren Mitgliedern besteht. Ihm gegenüber steht der Aufsichtsrat, in dem wie zu den Gründerzeiten sieben Personen des öffentlichen Lebens und der Industrie sitzen. Bekannte Persönlichkeiten haben in den letzten 150 Jahren den Aufsichtsratsvorstand geleitet, darunter der Mitbegründer des Trägervereins und Wollfabrikant Gottfried Pastor, die Tuchfabrikanten Hans Croon, Oskar Erckens und Carl Delius, der stellvertretende Regierungspräsident Robert von Görschen sowie der Richter Hugo Cadenbach und sein Sohn, der Bankier Hugo Cadenbach.

Ihm zur Seite steht der Förderverein Freunde und Förderer des Luisenhospitals Aachen e. V., der 1983 gegründet wurde. Er setzt sich im Besonderen ein für die finanzielle Unterstützung bei staatlich nicht geförderten Projekten die finanzielle Förderung von Bildungs- und Fortbildungsangeboten die Umsetzung von patientennahen Projekten die Stärkung der ehrenamtlichen Dienste.

Geschichte mini|Luisenhospital um 1920 Im März 1867 trafen sich unter Führung von Kommerzienrat Gottfried Pastor und Otto Eugen Mayer 34 evangelische Einwohner von Aachen und Burtscheid, mehrheitlich Industrielle und Unternehmer, um den Trägerverein zu gründen und ein evangelisches Krankenhaus einzurichten. Mit Hilfe des Aachener Vereins zur Beförderung der Arbeitsamkeit konnte zunächst ein Privathaus angemietet werden, in dem im September 1868 die ersten Patienten behandelt wurden. 1870 konnte der Trägerverein am Boxgraben ein Baugelände erwerben, auf dem das neue Krankenhaus mit von den beteiligten Privatpersonen, darunter Philipp Heinrich Cockerill, zur Verfügung gestellten Talern errichtet wurde. Am 15. September 1874 erhielt das neue Krankenhaus die Erlaubnis, Patienten aufzunehmen, und konnte mit dem Namen Luisenhospital eingeweiht werden. 1882 wurde ein erster Anbau nach Plänen von Karl Henrici errichtet, in dem das angeschlossene Altersversorgungshaus untergebracht wurde.

Bereits zu seinem 50-jährigen Jubiläum im Jahr 1924 beherbergte das Hospital jährlich etwa 2.500 Kranke bei 220 Betten. 1928 wurde in dem Gebäude eine evangelische Krankenhauskapelle eingerichtet, die als einziges evangelisches Kirchengebäude der Stadt Aachen nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges unversehrt blieb. Als zu Beginn des Krieges das Krankenhaus, wie alle anderen in Aachen, vollständig als Lazarett für Kriegsverletzte freigemacht werden sollte, weigerte sich vor allem der amtierende Chefarzt der Chirurgie Eduard Borchers, seine teilweise nicht transportfähigen Patienten zu entlassen oder zu evakuieren. Wenige Monate später wurde per Order aus Berlin erklärt, dass eine entsprechende dringliche Verwendung dieser Räumlichkeiten nach dem im Sommer 1940 erfolgreich beendeten Westfeldzug nicht mehr vorgesehen sei. Dennoch dauerte es noch mehrere Wochen, bis nach einer Intervention durch den Internisten Erwin Moos bei Hermann Göring der volle Krankenhausbetrieb durch die Belegschaft des Luisenhospitals für die Stadtbevölkerung wieder aufgenommen werden konnte.

Im Anschluss an die Wiederaufbaujahre nach dem Krieg stiegen die Patientenzahlen deutlich an; ebenso verbesserten sich die medizinischen und technischen Möglichkeiten. Nachdem mittlerweile die vorhandenen Räumlichkeiten diesem Umstand nicht mehr gerecht werden konnten, entschloss sich der Trägerverein zu einem modernen Neubau, der nach Plänen des Architekten Benno Schachner entworfen und 1972 bezogen wurde. Bis 1989 entstanden weitere umfangreiche Erweiterungsbauten, unter anderem für die Röntgenabteilung und die physikalische Therapie sowie für das Haus Cadenbach.

Im 125-jährigen Jubiläumsjahr 1992 konnte das Krankenhaus schließlich auf 389 Betten mit rund 13.000 Patienten und rund 1.250 Geburten verweisen sowie auf rund 650 Belegungen pro Jahr für das Haus Cadenbach. Im Jahr 2005 erhielt Letzteres die Genehmigung für einen fünfgeschossigen Neubau an der Rückfront des Haupthauses, mit dem die Nesseler Grünzig Gruppe beauftragt wurde. Die Einweihung erfolgte im Jahr 2007. Dieser Neubau beherbergt den eigentlichen Pflegebereich mit Ein- und Zweibettzimmern für insgesamt 72 Senioren.

Fachabteilungen Die derzeit 12 Fachabteilungen haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Mehrfach wurden sie im Laufe der Zeit umstrukturiert, einige wenige wurden aufgelöst und andere kamen hinzu. Für die interdisziplinären Behandlungen wurden innerhalb des Hauses zwölf zertifizierte Zentren, zum Teil mit überregionalem Status, eingerichtet sowie mit sieben Konsiliardiensten Verträge abgeschlossen.

Zu den aufgelösten Fachabteilungen gehören neben der von 1924 bis 1934 bestehenden Orthopädie die Klinik für Dermatologie mit 32 Betten, die 1936 eingerichtet worden war und 1988 aufgegeben wurde, da sowohl die Chirurgische als auch die Gefäßchirurgische Klinik die Räumlichkeiten und die Bettenplätze dringend benötigten. Nach der Auflösung der Dermatologie-Abteilung erhielten daraufhin die beiden chirurgischen Kliniken jeweils 16 Betten hinzu.

Medizinische Klinik Die Medizinische Klinik ist eine der Gründungsabteilungen des Hauses und umfasst 133 Betten auf fünf Stationen einschließlich sechs intensivmedizinischen Betten. Neben der allgemeinen internistischen Versorgung setzt sie folgende Schwerpunkte: Diabetologie Gastroenterologie Kardiologie Onkologie Pneumologie Im Rahmen der interdisziplinären Betreuung mit den anderen Abteilungen sowie mit weiteren Krankenhäusern oder Facharztpraxen werden in dem im Jahr 2011 gegründeten Euregio-Hernienzentrum sowie in weiteren zertifizierten Zentren für Darmerkrankungen, Onkologie und Mukoviszidose (seit 2005), ferner für Lungen und Schilddrüse (seit 2010) und für Diabetes die notwendigen medizinischen Maßnahmen gebündelt.

Chirurgische Klinik Die Chirurgische Klinik gehört ebenfalls mit zu den Gründungsabteilungen und umfasst 79 Betten auf drei Stationen einschließlich drei intensivmedizinischen Betten. Neben der Allgemeinchirurgie sind folgende Schwerpunkte eingerichtet: Thorax- und Lungenchirurgie Viszeralchirurgie Der bereits erwähnte Chirurg Eduard Borchers gehörte neben Wilhelm Müller, der hier von 1888 bis 1901 als Chefarzt tätig war, zu den bekanntesten Leitern der Abteilung und führte diese von 1929 bis 1955 über die schweren Kriegsjahre hinweg. Dabei konnte er nicht verhindern, dass er als einer der nach dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses ermächtigten Ärzte Zwangssterilisationen durchführen musste.Richard Kühl: Leitende Aachener Klinikärzte und ihre Rolle im Dritten Reich, Studie des Aachener Kompetenzzentrums für Wissenschaftsgeschichte, Band 11, Hrsg.: Dominik Groß, Diss. RWTH Aachen 2010, S. 64–86 und andere, ISBN 978-3-86219-014-0 pdf Die später bekannten Ärzte Cuno Winkler und Leo Koslowski arbeiteten nach dem Krieg unter Borchers als Assistenzärzte. Winkler führte 1948 am Luisenhospital die erste Radiojodtherapie eines metastasierenden Schilddrüsenkarzinomes in Europa durch. Mit Eduard Borchers stellte das Luisenkrankenhaus 1953 den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Die Unfallchirurgie wurde als Teil der Chirurgie und als Akutkrankenhaus aus der Chirurgischen Klinik herausgelöst und um den Fachbereich der Orthopädie erweitert. Die eigenständige Orthopädische Abteilung war im Jahr 1934 nach mehr als zehnjährigem Bestehen aufgegeben worden, da die damals aufstrebende Chirurgische Klinik unter Eduard Borchers die Räumlichkeiten für eigene Zwecke benutzen wollte. Der Leiter der Orthopädie, Friedrich Pauwels, wurde daraufhin von dem amtierenden Vorsitzenden des Trägervereins, Richter Hugo Cadenbach, zu den Städtischen Krankenanstalten Aachen vermittelt, wo er eine eigene Orthopädische Klinik aufbauen konnte und dort bis 1960 wirkte.

Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie wurde mittlerweile als Endoprothetik-Zentrum zertifiziert und setzt zudem einen Schwerpunkt auf Alterstraumatologie. Seit 2011 ist die Abteilung der medizinische Partner der Alemannia Aachen.Pressemitteilung der Alemannia Aachen vom 24. Februar 2011

Klinik für Gefäßchirurgie Die Gefäßchirurgische Klinik wurde 1984 aus der Allgemeinen Chirurgie und der Unfallchirurgie herausgelöst und eigenständig aufgestellt. Mit anfangs 51 Betten gehörte sie zu den größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Sie umfasst 60 Betten auf zwei Stationen einschließlich drei intensivmedizinischen Betten. Im Jahr 2004 erhielt die Abteilung das Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin mit dem Zertifikat als anerkanntes Gefäßzentrum. Neben der allgemeinen Gefäßchirurgie konzentriert sich die Klinik auf Behandlungen und Operationen bei Erkrankungen an den Halsschlagadern an der Bauchschlagader bei Durchblutungsstörungen bei Krampfadern und Beinvenenthrombosen bei Arterielle Verschlusskrankheit bei Diabetes mellitus

Klinik für Frauenheilkunde