Guevenatten () ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass) und ist Mitglied des Gemeindeverbandes Sud Alsace Largue.
Geographie Guevenatten liegt im Sundgau, sechs Kilometer nordwestlich von Dannemarie. Der Traubach und der Fischbach fließen durch die Gemeinde und entwässern zur Largue. Die Gemeindefläche beträgt 215 Hektar, davon werden 87,2 % landwirtschaftlich genutzt. Die bewaldete Fläche beträgt insgesamt 58 Hektar, davon sind 35 Hektar Gemeindewald.
Geschichte mini|links|Kapelle St. Apollonia|323x323px
Der Ortsname erscheint im Lauf der Geschichte in verschiedenen Schreibweisen, so beispielsweise 1413 als Keuonat, 1421 als Kenotet, 1460 als Geffenat, 1576 als Geffnat, 1769 als Gebenat, im 19. Jahrhundert als Guevenatten. Mundartlich : Gaffenât oder Gafanàta. Die Ortsnamenforschung geht davon aus, dass Gebenat die ursprüngliche Form darstellt. Das Ortswappen (drei goldene Hütten) beruht auf der Annahme, der Name könne sich von dem spätlateinischen capanna=Hütte herleiten, wie etwa auch die Chavannes-Orte. Die Deutung ist plausibel, aber nicht gesichert.Fritz Langerbeck: Vom Weiterleben der vorgermanischen Toponymie im deutschsprachigen Elsass. 1967, I, S. 42. Der Herrenweg erinnert an den Verlauf einer Römerstraße.
Bis 1324 gehörte der Ort zur Grafschaft Pfirt (Herrschaft Thann) und kam dann nach dem Aussterben der Pfirter im Mannesstamm durch die Heirat der Johanna von Pfirt mit Herzog Albrecht II. von Österreich an Habsburg. Im Westfälischen Frieden 1648 ging der Ort mit dem ganzen elsässischen Besitz der Habsburger an die französische Krone.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 bis zu Ende des Ersten Weltkriegs 1918 gehörte Guevenatten zum Reichsland Elsass-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg kam Guevenatten gleich zu Kriegsbeginn unter französische Kontrolle und blieb bis Kriegsende in französischer Hand. Das Dorf erlebte die Einquartierung von französischem Militär und erlitt keine Kriegsschäden. Im Zweiten Weltkrieg stand der Ort ab dem Waffenstillstand im Juni 1944 unter deutscher Verwaltung. Die Befreiung von der Naziherrschaft erfolgte am 28. November 1944 zusammen mit Traubach-le-Haut, Sternenberg und Diefmatten durch Truppen der französischen 1. Armee unter General de Lattre de Tassigny.
Das Benediktinerpriorat Feldbach besaß im Ort einen Dinghof. Auch das Kloster Sankt Morand in Altkirch war im Ort begütert. Das Dorf war bis Ende 17. Jahrhundert als ursprünglich habsburgisches Lehen im Besitz der Herren von Reinach-Hirtzbach.
.Am 6. Oktober 1832 brannten etwa zwanzig Häuser und die dazugehörigen Ställe und Scheunen ab. Das Feuer griff so schnell um sich, dass die Bewohner ihre Habseligkeiten nicht retten konnten. 1865 gab es eine Weizenmühle vor Ort.Jacques Baquol: L’Alsace ancienne et moderne, ou dictionnaire topographique, historique et statistique du Haut et du Bas-Rhin. 3. édition, entièrement refondu par Paul Ristelhuber. Salomon, Strassburg 1865, S. 160 (französisch); . Im Jahr 1892 wurde die bestehende baufällige Kapelle umgebaut und vergrößert. Sie ist der Heiligen Apollonia gewidmet. Kirchlich ist Guevenatten ein Filial von Obertraubach (Traubach-le-Haut).
Nahe Guevenatten lag ein vermutlich im Dreißigjährigen Krieg abgegangener Ort Linden. In den Urkunden wird er 1181 zusammen mit Geuenat (=Guevenatten), Falkwiller und Bretten genannt. Auf Falkwillers Gemarkung erinnert noch der Flurname Lindenwasen an das abgegangene Dorf.
Bauwerke In Guevenatten existieren noch einige Fachwerkhäuser, die in der altertümlichen Ständerbauweise mit traufwandhohen Wandständern errichtet wurden, so etwa das Haus Rue Principale Nr. 23 mit unregelmäßigem, aber bereits in etwa auf Symmetrie bedachtem Fachwerk. Auch das Haus Nr. 19 ist noch in Ständerbauweise konstruiert, besitzt aber ein regelmäßigeres und konsequent symmetrisches Fachwerk. Das Haus Nr. 12 besitzt ein archaisches Giebelfachwerk ist aber bereits in der neueren Stockwerkbauweise gebaut. Das Haus Nr. 17 ist ebenfalls in Stockwerkbauweise errichtet, die Erdgeschosswand der Giebelseite nachträglich gemauert und mit Eckquadern versehen. Das ausnahmsweise traufständig zur Straße stehende Haus Nr. 11 ist das ehemalige Pfarrhaus von Muespach. Es wurde um 1990 hierher versetzt.
Die Apollonia-Kapelle (Chapelle Sainte-Apolline) ist ein schlichter Bau von 1892.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1910 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2017 Einwohner 176 92 102 98 88 110 144 135 140
Wirtschaft Ein wichtiger Erwerbszweig ist die Landwirtschaft. 1943 beendete der letzte Holzschuhmacher seine Arbeit und 1971 stellte der Schmied seine Arbeit ein. Heute gibt es zwei landwirtschaftliche Betriebe, einen Immobilienmakler und zwei Herbergen im Ort.
Literatur Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Band 1. Flohic Editions, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 312–311.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Grand Est