mini|hochkant=1.3| Die Auferstehungskirche des Kirchenkreises Berlin Stadtmitte ist eine evangelische Kirche im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Sie wurde in den Jahren 1892–1895 auf dem Gelände des ehemaligen Armenfriedhofs an der Friedenstraße erbaut. Trotz erheblicher baulicher Veränderungen nach dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren ist das Gotteshaus seit den 1980er Jahren ein Bau- und Kulturdenkmal.
Die Auferstehungsgemeinde bildete mit der Kirchengemeinde Galiläa-Samariter den Pfarrsprengel Friedrichshain-Nord. Sie fusionierten im Januar 2023 zur neuen Kirchengemeinde Samariter-Auferstehung.Pfarrerin Reinke: Unsere Gemeinden sind fusioniert. , abgerufen am 30. April 2023.
Lage Die Auferstehungskirche steht an der Friedenstraße 83 im Ortsteil Berlin-Friedrichshain in direkter Nachbarschaft zum Friedhof V der evangelischen Georgen-Parochialgemeinde und dem Friedhof der St.-Petri-Gemeinde. Sie wurde auf einem bis um 1885 benutzten Armenkirchhof erbaut, dessen Boden Eigentum der Stadt Berlin war.
Das Einzugsgebiet der Auferstehungskirchgemeinde umfasste 1896 folgende Straßen: Büschingstraße, Palisadenstraße, Große Frankfurter Straße (heutige Karl-Marx-Allee), Frankfurter Allee, westliche Seite vom Zentralvieh- und Schlachthof, Straße 43, Tilsiter Straße (seit 1969 Richard-Sorge–Straße).
Vorgeschichte mini|Lage an der Zollmauer 1855, Landsberger Tor: rechts oben
Das zum Ende des 19. Jahrhunderts zu bauende Kirchengebäude nutzte einen Bauplatz, der durch die Aufhebung des II. städtischen Armenkirchhofs frei geworden war.Wanja Abramowski: Eine Kirche auf Knochen der Armen in: mont klamott, Februar 2012/02, 8. Jg., Nr. 85. Friedrichshainer Geschichtsverein Hans Kohlhase e. V., S. 4 f. Dieser war 1838 mit den ersten Beisetzungen von Cholera-Toten eröffnet worden. Er diente auch bald als zweiter städtischer Armenfriedhof, wurde 1864 noch wesentlich erweitert und hatte bis zu seiner Schließung etwa 20.000 Tote aufgenommen. Nachdem diese größtenteils auf andere Begräbnisstätten umgebettet worden warenAbramowski, S. 8, 10, 14., erfolgte eine Zwischennutzung der rund 3,2 Hektar großen Fläche als Holzlagerplatz und als Bildhauerwerkstatt.
Gründung der Auferstehungsgemeinde Am 15. November 1885 beschloss der Magistrat, die St. Markus-Kirche „beim Bau einer Tochterkirche mit Bauland zu unterstützen. […] Drei Bauprojekte wurden ab 1891/1892 auf dem städtischen Gesamtgrundstück und größtenteils auf dem ehemaligen Armenfriedhof realisiert: das Kirchengebäude im vorderen Teil an der Friedenstraße, dahinter die IV. Höhere Bürgerschule und hinter dieser wiederum die 59./181. Gemeindedoppelschule.“Abramowski, S. 28. „Auf den Bericht vom 12.bsp;d. Mts. 1890, […] will ich genehmigen, daß der zweiten in der St. Markus Parochie zu Berlin zu erbauenden Kirche der Name ‚Auferstehungskirche‘ beigelegt wird.“ – Datiert vom 24. Dezember 1890, Wilhelm [II.] R[ex]. Die Genehmigung wurde vom Evangelischen Ober Kirchenrath als „Allerhöchster Erlaß“ mit Datum 25. Dezember 1890 unter dem Zeichen E. O. No. 8870 veröffentlicht.Dokumente im Evangelischen Zentralarchiv zu Berlin.
Das Kirchenbauprojekt war mit dem Anwachsen der St. Markus-Gemeinde begründet worden – seit dem Gründungsjahr 1854 von 20.000 auf 113.000 Personen im Jahr 1885. „Für den liberalen Magistrat war es ein lukratives Grundstücksgeschäft, denn er erhielt als Ausgleich ein ebenso wertvolles Grundstück in der Innenstadt in der Stralauer Straße 5 (ehemalige Waisenkirche) und entledigte sich seiner Patronatspflichten.“Abramowski, S. 37. Die aus St. Markus ausgegründete evangelische Gemeinde gab sich den Namen Auferstehungsgemeinde nach der Auferstehung Jesu.
Im Jahr 1899 erhielt die Kirchengemeinde außerhalb der damaligen Grenzen der Stadt Berlin ein Gelände in der Landgemeinde Weißensee als zugehörigen Begräbnisplatz angewiesen.F. Messow, A. Heinichen, Ch. Werner: Aus der Chronik des Kirchhofs der Auferstehungsgemeinde, in: Dokumentation Auferstehungskirche 1895–1995.
Bau der Auferstehungskirche Überblick Von den kalkulierten „464.000 Mark standen bereits 420.000 Mark zur Verfügung, davon etwa jeweils die Hälfte vom Magistrat und von der Stadtsynode bereitgestellt.“ „Kaiserliche Gnadengeschenke“ waren dadurch allenfalls in geringer Höhe erforderlich, so dass „diese Kirche nicht unter dem Protektorat der Kaiserin stand.“Feustel, S. 9. Die Auferstehungskirche in der Friedenstraße 84 (heute: Nr. 83) wurde zwischen 1892 und 1895 mit Benutzung einer von Hermann Blankenstein aufgestellten Skizze und dem Gesamtentwurf des Regierungsbaumeisters August Menken erbaut.
Vom Grundstein bis zur Einweihung mini|hochkant|Ansicht um 1896
Die Grundsteinlegung erfolgte am 7. Mai 1892 unter Teilnahme Kaiser Wilhelm II. durch den Generalsuperintendenten Brückner. „Da sich auch die Bauarbeiten in die Länge zogen, konnte die Kirche erst am 17. Mai 1895 […] unter Anwesenheit von Prinz Friedrich Leopold von Preußen und Gattin eingeweiht werden. […] Am 1. Februar 1896 wurde die selbstständige Auferstehungsgemeinde gebildet.“Jan Feustel: Baugeschichte der Auferstehungskirche in: Auferstehungskirche 1895–1995, Dokumentation, Berlin 1995, Archiv der Auferstehungsgemeinde, S. 10.
Zwischen den Weltkriegen Der Gemeindepfarrer gründete eine Kaffeehalle für arbeits- und wohnungslose junge Männer. In den 1920er Jahren wurde zudem eine Suppenküche eingerichtet. Im Jahr 1920 eröffnete die Auferstehungsgemeinde eine Kinderkrippe, die ohne Unterbrechung bis heute besteht.
Nationalsozialismus Die NS-Zeit war geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen den staatstreuen Deutschen Christen und der Gruppe der Bekennenden Kirche um Pfarrer Buhre. Gunnar Buhre (1889–1965) kam 1932 aus Estland als „geschäftsführender Pfarrer“ zur Auferstehungsgemeinde.Helga Just: Dokumentation, S. 25: „Er (Buhre) war Vertriebener oder geflohen vor den Kommunisten im Baltikum, dort war er gefangen und zum Tode verurteilt worden.“ Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und dem Erdrutschsieg der Deutschen Christen im Juni 1933 geriet auch die Evangelische Kirche rasch in die Zerreißprobe. In der Auferstehungsgemeinde richteten sich zahlreiche Angriffe gegen diesen Pfarrer, der trotzdem bis zum Kriegsende im Amt blieb.
In der Auferstehungsgemeinde vertrat Pfarrer Buhre („Er war Vertriebener oder geflohen vor den Kommunisten im Baltikum, dort war er gefangen und zum Tode verurteilt.“ Beitrag Frau Helga Just, Dokumentation, S. 25) eine konsequente Haltung: er trat bereits am 21. September 1933, dem Tag der Gründung, dem Pfarrernotbund bei. Aus dem Notbund ging 1934 die Bekennende Kirche hervor, zu deren Verfechter auch Buhre wurde: „In vielfältige Auseinandersetzungen des Kirchenkampfes wurde er hineingezogen, seine Gottesdienste häufig gestört.“ Uniformierte SA- und SS-Leute und der „Kirchenälteste Mursa“ verboten die „angekündigte Sammlung für Zwecke der Bekennenden Kirche“. Zunächst deckte der Evangelische Oberkirchenrat Buhre, doch am 28. Februar 1936 wurde er aus der NSV ausgeschlossen. Der mit 13 Deutschen Christen gegen fünf Mitglieder der Bekennenden Kirche besetzte Gemeindekirchenrat mit dem zweiten Pfarrer der Auferstehungskirche, Meyer, als Vorsitzendem versuchte, Buhre zu beurlauben. Dies gelang zwar nicht, doch verschärften sich die Spannungen, sodass ein Visitationsbericht des Konsistoriums (3. August 1936) feststellte: „Die kirchenpolitischen Gegensätze innerhalb der Auferstehungsgemeinde – zwischen den Pfarrern und im Gemeinderat – legen das Gemeindeleben vollständig lahm.“ Die Auseinandersetzungen verlegten sich Ende 1937 auf den Konfirmandenunterricht: Pfarrer Meyer verwies den zuständigen „BK-Vikar (Priebe) […] aus dem Unterrichtsraum. […] Daraufhin lud Buhre zum Konfirmandenunterricht in seine Wohnung ein, sowie zu einem Elternabend am 18.12.1937.“Der Verfasser dieses Berichts über das Zeitgeschehen, Wolf-Dieter Talkenberger, weist auf weitere Auseinandersetzungen hin und wertet: „Vor allem im Krieg gehörte Buhre zu den führenden Gestalten der Bekennenden Kirche in Berlin. In diesem Zusammenhang verdient besondere Beachtung, daß Pfarrer Buhre mehrere Taufen an Juden und Mischehen vollzogen hat. 1942 wurde Pfarrer Buhre vermutlich wegen Streitereien mit dem NSV für 8 Wochen inhaftiert.“ (Zitate im Abschnitt: Wolf-Dieter Talkenberger: Pfarrer Buhre und sein Wirken in der Auferstehungskirchengemeinde in Berlin in: Auferstehungskirche 1895–1995, Dokumentation, Berlin 1995, S. 22–25, Archiv der Auferstehungsgemeinde.)Pfarrer Buhre verblieb bis 1945 in seinem Amt. In ihrem Bericht: Eine persönliche Erinnerung an Pfarrer Buhre schreibt Helga Just, Konfirmandin von 1940: Von seiner „Pfarrgehilfin, Fräulein Adelheit Eckert […] erfuhr ich später von seiner Arbeit im ehemaligen KZ Neuengamme, wo er später als Seelsorger arbeitete. Während des Kirchentages 1959 in München habe ich ihn noch einmal gesehen und gesprochen. […] 1965 feierte er mit seiner Frau Gertrud die Goldene Hochzeit und verstarb im selben Jahr.“ (Helga Just: Eine persönliche Erinnerung an Pfarrer Buhre in: Auferstehungskirche 1895–1995, Dokumentation, Berlin 1995, S. 25 f., Archiv der Auferstehungsgemeinde.)Buhre „war zuletzt in Hamburg wohnhaft. Dort ist er am 23.4.1965 verstorben. Auf dem alten Friedhof in Hamburg-Niendorf wurde er beerdigt.“ (Talkenberger, S. 25).
Kriegszerstörung und Wiederaufbau mini|hochkant|Auferstehungskirche nach dem Wiederaufbau Zum Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten zwischen 1943 und 1945 drei Bomberangriffe das Kirchengebäude zu großen Teilen: Britische Luftangriffe in der Nacht vom 22./23. November 1943 und vom 23./24. März 1944 lösten einen Brand aus. Ein weiterer Bombenabwurf der Amerikaner am 3. Februar 1945 zerstörte schließlich das Kirchenschiff […] samt Altarraum und Dach.Dokumentation im Archiv der Auferstehungsgemeinde, Berlin 1995, S. 17. Die Spitze des Turmes und des hinteren Turmes mit dem Wetterhahn stürzten auf den Friedhof. Der Turm ohne Spitze sowie einige der Neben- und Anbauten blieben erhalten. Das kirchliche Bauamt „konstatierte, daß die Auferstehungskirche ‚vollständig zerstört‘ ist, daß aber der Turm mit seinen Nebenbauten ‚durchaus brauchbar‘ sei.“Feustel, S. 15.
Im Jahr 1946 waren erste Trümmer beseitigt worden und der neue Pfarrer Heinz Hannasky reorganisierte das Gemeindeleben. Durch die Ankündigung und Planung einer Notkirche erteilte ihm die Stadtverwaltung 1947 die Genehmigung zum vereinfachten Wiederaufbau. Der Turm erhielt eine gerade Betondecke mit Kreuz und der linke Seitenraum wurde am 29. Juli 1951 durch den damaligen Generalsuperintendenten Krummacher als Notkirche eingeweiht. Die Wiederaufbaupläne stammten vom Architekten Günter Ahrens, im weiteren Verlauf übernahm Architekt Paul Schulz die Bauleitung. Die neue Gestaltung des Altarraums geht auf Pläne des Architekten Fritz Oellerking zurück.
Bis Anfang 1956 waren die Umfassungsmauern hochgezogen und die Pfeiler gemauert. Das Kirchenschiff wurde um ein Joch verkürzt. Am 24. Mai 1956 feierte die Gemeinde das Richtfest. Bis Herbst 1957 war der Kirchenraum wetterfest.
mini|hochkant|Chor- und Altarfenster Im März 1958 setzten Fachleute das von Inge Pape gestaltete neue Chorfenster, das die Christi Wiederkunft darstellt, ein. – Am Sonntag Cantate, den 14. Mai 1961, weihte Bischof Dibelius im Beisein von Vertretern auch Städtischer Behörden die Kirche neu ein.
Ein neuer Altar, ein Taufbecken, eine Kanzel und ein Kreuz für den Chorraum stammten aus dem Kunstschmiedeatelier von Fritz Kühn. Zusätzlich bekam die Kirche eine Heizungsanlage.
Orgel