Der Teufelshauptmann () ist ein US-amerikanischer Western von John Ford aus dem Jahr 1949. Nach dem Vorgängerfilm Bis zum letzten Mann war der Farbfilm Der Teufelshauptmann der zweite Teil seiner später so genannten Kavallerie-Trilogie (als dritter Teil folgte Rio Grande im darauffolgenden Jahr).gelegentlich auch als 1. Kavallerie-Trilogie bezeichnet, wobei die späteren Filme Der letzte Befehl, Der schwarze Sergeant und Cheyenne als 2. Kavallerie-Trilogie bezeichnet werden. Dem Drehbuch lagen die Erzählungen War Party und The Big Hunt von James Warner Bellah zugrunde. Die beiden Geschichten waren im Sommer 1948 in der „Saturday Evening Post“ erschienen und können nur als grober Leitfaden für den späteren Film angesehen werden. Als ziemlich blutige Kriegsgeschichten lassen sie all jenen Romantizismus vermissen, der Fords Film charakterisiert. Bellahs Geschichte beginnt mit den Worten: „One week in the life of Captain Nathan Brittles.“Dirk Christian Loew: Die Kavalleriewestern John Fords. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt 2003, S. 139. (Dissertation)

Handlung Hauptmann Nathan Brittles ist Offizier der US-Kavallerie, in dem kleinen und eher unbedeutenden Fort Starke, im Westen der Vereinigten Staaten. Er steht kurz vor seiner Pensionierung und sieht einer ungewissen Zukunft außerhalb einer Armee entgegen, die für ihn zur Heimat geworden ist. Brittles verlor Frau und Töchter – der Film lässt den Zuschauer allerdings über Umstände und Hintergründe dieses Verlusts im Unklaren. In seinem Büro hat Brittles Bilder der verstorbenen Frau und Töchter platziert, umwickelt von einem gelben Band. Brittles am nächsten steht der ungefähr gleichaltrige Sergeant Quincannon, ein Amerikaner irischer Herkunft, dessen Schlagkraft und Durst gleichermaßen berüchtigt sind.

Brittles Vorgesetzter, Major Allshard, der Kommandeur des Forts, fürchtet angesichts bevorstehender Konflikte mit Indianern um das Wohlergehen seiner Frau und der bei ihnen lebenden Nichte, der attraktiven Olivia Dandridge. Diese wird heftig von zwei sich befehdenden Jungoffizieren, Oberleutnant Cohill und Leutnant Penell, umworben. Sie trägt ein gelbes Band im Haar, um zu signalisieren, dass ihr Herz vergeben ist (Tradition bei der Kavallerie). Die beiden Bewerber bleiben allerdings im Unklaren, wem von ihnen sie zugetan ist. Als Brittles, in dem Miss Dandridge einen väterlichen Freund sieht, sie diesbezüglich befragt, erwidert sie, sie trage das Band natürlich seinetwegen. Brittles quittiert dies mit einem Lächeln.

Brittles, der zu seiner letzten Patrouille auszieht, erhält von Allshard den Auftrag, beide Damen zur nächsten Postkutschenstation zu bringen. Von dort sollen sie nach Osten in sicherere Gefilde reisen. Die Patrouille findet die Station völlig zerstört vor, die Bewohner wurden bis auf zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, getötet. So muss Brittles die Damen zurück zum Fort begleiten. Die resolute, trinkfeste und lebenstüchtige Mrs. Allshard erweist sich als tatkräftige Hilfe bei der Operation eines schwer verwundeten Soldaten im fahrenden Planwagen. Zur Deckung des Rückweges muss Leutnant Cohill mit einer kleinen Einheit zurückbleiben.

Nachdem Damen und Verwundete glücklich ins Fort zurückgebracht worden sind, wird Brittles wegen der unmittelbar bevorstehenden Pensionierung gegen seinen Willen von der Aufgabe entbunden, das Kommando Cohill zu entsetzen. In einer zeremoniellen Szene wird dem scheidenden Befehlshaber von der Truppe als Abschiedsgeschenk eine Taschenuhr überreicht, die Brittles aufgrund der nachlassenden Sehkraft etwas schamhaft mit seiner Brille in Augenschein nimmt.

Statt seiner bekommt ausgerechnet Cohills Konkurrent Leutnant Penell das Kommando über die Entsatzeinheit. Brittles, der Penell als mit der Aufgabe überfordert ansieht, ihn gar als „Baby in Uniform“ bezeichnet, reitet in Räuberzivil dem Kommando hinterher. Da ihm noch wenige Stunden bis zur Pensionierung verbleiben, übernimmt er seine Position als Hauptmann erneut, ohne seinen Vorgesetzten darüber zu informieren, sichert seine Truppe aber mit einem schriftlichen Befehl gegen ein eventuell nachfolgendes Kriegsgerichtsverfahren ab. Von seinen Männern wird seine Rückkehr mit Jubel begrüßt. Brittles fordert die Truppe zum Stillhalten auf und reitet selbst in das Lager der Indianer, um mit seinem alten Widersacher, Häuptling Pony That Walks, zu verhandeln. Dieser befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Brittles. Er verfügt zwar noch über einige Autorität, hat aber die praktische Befehlsgewalt über die jungen Wilden, die von Red Shirt angeführt werden, verloren. Zur Truppe zurückgekehrt entwickelt Brittles einen Plan, wie die drohende kriegerische Auseinandersetzung ohne Blutvergießen vereitelt werden kann: Die Soldaten treiben nachts die Indianerpferde aus dem Lager und dann zurück zum Reservat. Am darauf folgenden Tag kehren die Indianer zu Fuß und friedlich in ihr Reservat zurück.

Brittles klärt während dieses letzten Einsatzes auch seine Nachfolge. Der aus dem Osten stammende Pennell ist finanziell unabhängig und nicht darauf angewiesen, als Soldat Karriere zu machen. Er denkt über seinen Abschied nach und würde gerne die ebenfalls aus dem Osten kommende Miss Dandridge als Ehefrau mit in die Heimat nehmen. Demgegenüber weist der aus dem Westen stammende Cohill als designierter Kommandeur bereits mehr Dienstjahre auf als Pennell und ist damit bereits intensiver mit der Armee verwachsen. Doch im Streit um Miss Dandridge zeigt sich Cohills fehlende Reife. Unter Brittles Führung finden sich am Ende dennoch beide Offiziere in ihre zukünftigen Rollen. Der Kommandeur überträgt Cohill, den er in einer Schlüsselszene vertraut bei dessen Vornamen „Fred“ nennt, ein kleines, wichtiges Kommando an, um eine Furt zu überwachen. Pennell wird dagegen durch Brittles an die Armee gebunden, indem er diesem während des Einsatzes Kautabak reicht und ihn fragt, ob dieser immer noch seinen Dienst quittieren möchte, was Pennell unter dem Eindruck der Ereignisse verneint. Der junge Leutnant wird am Ende das Kommando über Brittles Truppe übernehmen und Cohills Leute an der Furt ablösen. Vorher akzeptiert er noch mit den Worten „Ich verstehe“ das Bekenntnis von Miss Dandridge zu Cohill. Die beiden werden eine Soldatenehe führen. Brittles sieht seine Aufgabe bei der Armee nun als erfüllt an. Letztlich seines Lebenssinns beraubt, reitet er als einsamer Zivilist gen Westen, in einen melancholischen Sonnenuntergang hinein.

Quasi in letzter (Film-)Minute nimmt die Handlung dann doch noch eine unerwartete – geradezu märchenhafte – Wendung hin zu einem Happy End: Brittles wird der beste Reiter des Forts, Sergeant Tyree, mit einem von US-Präsident Grant unterzeichneten Telegramm nachgesandt. Das Schreiben beinhaltet Brittles Ernennung zum „Inspekteur der US-Kavallerie“ (im US-Original Chief of Scouts, also „Chefkundschafter“) und außerdem die Beförderung zum Oberstleutnant, womit er den Dienstgrad Major überspringt. Der Film endet mit einem großen Fest, das die Garnison zu Ehren des zurückgekehrten Brittles veranstaltet. Brittles Weg hingegen führt an den Tanzenden vorbei zum Grab seiner Familie, während sich auch Pennell vom Fest abwendet und seinem bisherigen Kommandeur nachdenklich hinterherschaut.

Hintergründe Zeitlich wird die Handlung des Films in dem Zeitraum kurz nach der Schlacht am Little Big Horn, in den Sommer 1876,Dirk Christian Loew: Die Kavalleriewestern John Fords. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt 2003, S. 138. (Dissertation) verortet, wobei ein Abreißkalender, in dem der Hauptmann die ihm noch verbleibenden Diensttage in der Armee abstreicht, keine konkretisierenden Monatsnamen enthält. (1876 gab es nur 2 Monate, die an einem Mittwoch begannen: März und November. Die Schlacht am Little Big Horn war am 25. Juni 1876. Der November hat jedoch nur 30 Tage. Ergo ist der im Film verwendete Kalender falsch.) Die Verabschiedungsszene, in der Brittles die Taschenuhr erhält, ist auch der einzige Anlass im Film, bei dem Brittles eine vorschriftsmäßige Uniform mit Waffenrock trägt und das 1872 eingeführten Käppi aufhat, bei dem das Regimentsabzeichen vorne, auf Stirnhöhe, getragen wird. Da der Film eigentlich kurz nach 1876 verortet wird, müssten die Soldaten noch den schwarzen, 1872 eingeführten Campain Hat tragen. Im Film wird indes bereits durchweg das sandfarbene Modell, das 1883 eingeführt wurde, gezeigt, während die sonstige Uniformierung noch eher den Regularien der frühen 1860er Jahre entspricht. John Ford bezeichnete den Teufelshauptmann als einen schönen und traurigen Film. Die Produktionskosten fielen trotz der Nutzung des Technicolor-Farbverfahrens geringer aus als bei „Fort Apache“, dem in schwarz-weiß gedrehten ersten Film der Trilogie, da mit John Wayne diesmal lediglich ein Kinostar verpflichtet worden war. Zudem wurde die Drehdauer auf lediglich 31 Tage – von Ende Oktober bis Anfang Dezember 1948 – begrenzt, was dem Filmverleih, der RKO Pictures, die auch für die Sicherung der Finanzierung verantwortlich zeichnete, eine Kostenersparnis von rund einer halben Million Dollar einbrachte. Schlussendlich wurde die Produktion für 1.851.291 Dollar abgedreht, wobei die Schauspieler mit insgesamt 218.942 Dollar zu Buche schlugen. Neben Wayne, der eine Pauschale von 100.000 Dollar erhielt, kam Victor McLaglen auf die zweithöchste Gage. Er spielte fünf Wochen für 7000 Dollar pro Woche. In den sechs Wochen, die Mildred Natwick eingesetzt wurde, kam sie auf eine Wochengage von 2250 Dollar, und Joanne Dru erhielt in den achteinhalb Wochen ihrer Spielzeit 1250 Dollar pro Woche. George O’Brien hingegen erhielt für seine achtwöchige Tätigkeit wöchentlich 1875 Dollar. Trauer und Wehmut durchziehen den sentimentalstenden Superlativ benutzt Fagen, S. 388 aller Ford-Western, dessen Leitmotiv das Abschiednehmen ist. Die Perspektive des Films ist ein Zurückblicken, wobei allerdings die so wehmütig betrauerte Vergangenheit an keiner Stelle des Films erläuternd in Szene gesetzt wird. Place beschreibt dies als inszenatorisches Element, mit dem der idealisierten Vergangenheit größeres emotionales Gewicht verliehen werde, als ihr bei realistischer Darstellung der Ereignisse zukommen könne.vgl. Place, S. 112