mini|Tänzerin in Bewegung Körperliche Aktivität ist definiert als „jede Bewegung der Skelettmuskulatur, die zu einer erheblichen Erhöhung des Ruhenergieaufwandes führt“ und bezeichnet die physische Bewegung eines Menschen, die er selbst ausführt. Grundsätzlich können alle körperlichen Bewegungen, die einen Verbrauch von Energie zur Folge haben, als körperliche Aktivität bezeichnet werden, wie z. B. Routinetätigkeiten im Haushalt, beim Einkauf oder während des Arbeitens.

Körperliche Aktivitäten unterscheiden sich hinsichtlich der Komplexität, Ausführungspräzision, Kraft und Schnelligkeit. Die körperliche Aktivität als ganze besteht aus Basisaktivitäten, d. h. einzelnen, nicht weiter trennbaren Bewegungen sowie aus zusammengesetzten, komplexeren Bewegungsabläufen. Man unterscheidet auf Basis des Energieumsatzes beim Menschen zwischen leichter (< 3 MET), moderater (ca. 3–6 MET) und hoher körperlicher Aktivität (> 6 MET).

Körperliche Aktivitäten, die um ihrer selbst willen, zum Training des Körpers oder im Wettkampf mit anderen ausgeübt werden, bezeichnet man für gewöhnlich als Sport.

Relevanz und Vorteile Die körperliche Aktivität in der Ausprägung von Sport bis hin zu einfachen Bewegungen hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen.Arnd Krüger: Geschichte der Bewegungstherapie. In: Präventivmedizin. Springer Loseblatt Sammlung, Heidelberg 1999, 07.06, S. 1–22. In der heutigen Gesellschaft ist die Ausübung von körperlicher Aktivität besonders durch Bewegungsmangel, ausgelöst durch Computerarbeitsplatz, Fernsehen und Autofahren und dergleichen besonders wichtig.Gesundheitssurvey, Mensink, Körperliche Aktivität. In: Gesundheitswesen. 61, Sonderheft 2, Robert Koch-Institut, Berlin 1999, S. 126 ff. Auch im betrieblichen Umfeld spielt die Bewegungsförderung eine zentrale Rolle. Neben der Ernährung und dem Stressmanagement stellt hier die Bewegungsförderung eine der drei zentralen Säulen zur Verbesserung der Gesundheit von Mitarbeitern dar – und dies branchenübergreifend und unabhängig von sämtlichen Rahmenbedingungen Bewegungsbezogene Interventionen gehören dabei zu den am häufigsten in Unternehmen vorgehaltenen Maßnahmen. Die durchschnittlich ausgeübte körperliche Aktivität ist alters-, geschlechts- und sozialschichtabhängig.

Neurobiologische Vorteile

Sport hat eine Reihe von bekannten neurobiologischen Vorteilen für das menschliche Gehirn. Körperliche Aktivität kann etwa die Konzentration von BDNF, mithin die Neurogenese und die Gedächtnisleistung erhöhen, mentale Gesundheit verbessernK. Mikkelsen, L. Stojanovska, M. Polenakovic, M. Bosevski, V. Apostolopoulos: Exercise and mental health. In: Maturitas. Band 106, Dezember 2017, S. 48–56, doi:10.1016/j.maturitas.2017.09.003. PMID 29150166 (Review).A. Sharma, V. Madaan, F. D. Petty: Exercise for mental health. In: Primary care companion to the Journal of clinical psychiatry. Band 8, Nummer 2, 2006, S. 106, doi:10.4088/pcc.v08n0208a. PMID 16862239, . und zur Erhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit trotz Alterung beitragen.

Ein Bereich wissenschaftlicher Forschung untersucht die biologischen Mechanismen, die dem zugrunde liegen. So wurde beispielsweise gezeigt, dass die Konzentration des GPLD1-Leberproteins im Blut nach sportlicher Betätigung erhöht ist und eine verstärkte Produktion dieses Proteins durch die Leber in genetisch modifizierten alten Mäusen deren Gehirn ebenfalls jung und leistungsfähig hält oder werden lässt.medicalxpress.comscience.sciencemag.org Ein weiteres Beispiel ist das Hormon Irisin, welches an der Vermittlung günstiger Wirkungen beteiligt ist, die Sport aufs Gehirn hat.

Einfluss von Sport auf die Entwicklung im Kindergartenalter In der Studie von Frey, A. & Mengelkamp, C. (2007)A. Frey, C. Mengelkamp: Auswirkungen von Sport und Bewegung auf die Entwicklung von Kindergartenkindern. In: Bildungsforschung. Band 4, Nr. 1, 2007. wurde der Frage nachgegangen, ob Kindergartenkinder, die sich regelmäßig bewegen, bessere motorische, kognitive oder sozial-emotionale Fertigkeiten haben. Es wurde der Beobachtungsbogen für Kinder (BBK 3-6) mit 81n Aussagen über kindliche Verhaltensweisen mit 6-stufiger Ratingskala zur Häufigkeit genutzt und die Studie umfasste 2276 Kinder im Altern von 3 bis 6 Jahren mit einem Mittelwert von 4,6 Jahren (49 % Mädchen & 51 % Jungen). Zusammenfassend wurden folgende Ergebnisse festgehalten:

Motorische Fertigkeiten: Kinder, die regelmäßig Sport treiben, verfügen über bessere grob- und feinmotorische Fähigkeiten als solche, die das nicht tun (Effekt äußerst schwach) Sozial-emotionale Fertigkeiten: Kinder, die regelmäßig Sport treiben, verfügen über bessere sozial-emotionale Fertigkeiten als solche, die das nicht tun (bessere Werte bei kommunikativen Grundfähigkeiten, Aggressivität, Schüchternheit; geringste Effektstärken) Kognitive Fertigkeiten: Kinder, die regelmäßig Sport treiben, verfügen über höhere kognitive Fähigkeiten als solche, die das nicht tun (höhere Werte bei Rechnen, Erstlesen, Schreiben, Sprachentwicklung; Effekte immer noch schwach, aber höher als alle übrigen gemessenen) Korrelationen zwischen Motorischen Fähigkeiten und den Skalen: Zusammenhang zwischen den motorischen und den kognitiven sowie sozial-emotionalen Fertigkeiten (besonders bei kommunikativen Grundfertigkeiten und Sprachentwicklung) (mittelstarke Effekte)

Fazit und Kritik der Studie Die Fertigkeiten wurden nur mit Beobachtungsbogen erfasst und nicht mit Leistungstests. Zudem wurden nur Korrelationen bei der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Motorik und kognitiven bzw. sozial-emotionalen Fertigkeiten betrachtet, wobei die Richtung unklar ist. Wirken sich gute motorische Fertigkeiten auch auf die kognitive und sozial-emotionalen Fertigkeiten aus oder bewirkt umgekehrt die kognitive oder sozial-emotionale Fertigkeit eine Förderung der Motorik? Sport hat mit den motorischen und sozial-emotionalen Fertigkeiten im Kindergartenalter nur einen kleinen Zusammenhang, aber mit kognitiven Fertigkeiten ein bedeutsamer Zusammenhang. Zusammenfassend ist es aber wichtig, schon im Kindergartenalter eine positive Körperkultur und Bewegungserziehung zu fördern.

Erfassungsmethoden Die Überwachung der körperlichen Aktivität im Alltag ist für die Erkennung von Krankheits- oder Pflegezuständen von Bedeutung, prognostiziert zukünftige Krankheiten und kann zur Motivation und zur Änderung des Lebensstils genutzt werden.

Zwecks einer umfassenden und einheitlichen Erhebung der Bewegungssituation wurde bereits ein internationaler Selbstauskunftsbogen, das IPAQ (International Physical Activity Questionaire),IPAQ, International Physical Activity Questionaire, The Unit for public health nutrition, https://sites.google.com/site/theipaq/home entwickelt. Er erfasst die körperlichen Aktivitäten in Beruf, Freizeit und Sport. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass nationale Unterschiede in der subjektiven Beurteilung von leichter bis starker körperlicher Aktivität existieren. Um eine objektive Aussage zu erhalten, nutzt man mobile Sensorsysteme zur Messung der körperlichen Aktivität. Während bislang dazu meist einfache elektromechanische Schrittzähler eingesetzt wurden, werden zukünftig komplexe mobile Sensorsysteme verwendet. Diese Systeme basieren auf mehrachsigen Beschleunigungssensoren mit automatischer Mustererkennung zur Klassifizierung der ausgeführten Bewegungsform (Mobile Motion Tracking Technologies).

Relevante Aktivitätsklassen Betrachtet man die Bewegungsformen, d. h. Aktivitätsklassen, die der Mensch im Alltag am häufigsten ausführt, so sind nur wenige Bewegungsformen relevant.

Man unterscheidet zwischen Spontanaktivität, welches das Aufrechterhalten der Körperhaltung sichert, sowie der fakultativen körperlichen Aktivität. Die fakultative Aktivität beschreibt im Gegensatz zur Spontanaktivität die willentlichen Körperbewegungen.

Der Bewegungsalltag bei Kindern besteht aus neun Stunden Liegen, neun Stunden Sitzen, fünf Stunden Stehen und einer Stunde Bewegung.Der bundesweite Kinder- und Jugendgesundheitssurvey. In: Gesundheitswesen. Band 64, 2002, S. 3–11, doi:10.1055/s-2002-39003. Der Bewegungszeitraum setzt sich jedoch nur aus 15–30 Minuten körperlicher Aktivität mit hoher Aktivität zusammen. Für das 24-Stunden-Profil der körperlichen Aktivitäten sind demnach Bewegungsformen wie Schlafen, sitzende Tätigkeiten, Stehen, Gehen, Laufen, Radfahren, Treppenlaufen, Haus- oder Gartenarbeit sowie passive Bewegungsformen wie Auto-/Zugfahren, Flugreisen sowie diverse Sportaktivitäten im Tagesverlauf interessant.

Bewegungsempfehlungen mini|Unzureichende körperliche Aktivität bei Erwachsenen (2016) Bewegungsempfehlungen WHO Die WHO gibt verschiedene Mindestempfehlungen für körperliche-sportliche Aktivität für drei verschiedene Altersgruppen vor, welche sich wie folgt kategorisieren:

Kinder und Jugendliche (bis 18) Erwachsene (18–65) Ältere Erwachsene (65+)

Für Kinder und Jugendliche empfiehlt die WHO, täglich mindestens 60 Minuten mäßige bis sehr anstrengende körperlich-sportliche Aktivität pro Tag, wobei die nationalen Empfehlungen höher liegen. Erwachsenen wird empfohlen, Ausdaueraktivität zu betreiben, in Form von mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche bei moderater Anstrengung (5-6 auf einer individuellen Skala von 0-10) oder mindestens 75 bis 150 Minuten bei sehr hoher Anstrengung (7-8 auf einer individuellen Skala von 0-10). Daneben wird Aktivität zur Muskelkräftigung mindestens zweimal pro Woche empfohlen. Personen ab 65 Jahren wird dreimal pro Woche Gleichgewichtstraining empfohlen.WHO, Newsroom, https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/physical-activitywho.int Die nationalen Empfehlungen liegen höher.

Neben diesen Empfehlungen sollen laut neuer Studie schon fünf Minuten Bewegung wie zügiges Gehen oder Radfahren am Tag die Sterblichkeit um 6 bis 10 % verringern. Für diese Ergebnisse wurden die Daten von 40.327 Personen aus Norwegen, Schweden und den Vereinigten Staaten und 94 .719 Personen aus dem Vereinigten Königreich ausgewertet und im Januar 2026 in The Lancet veröffentlicht.

Bewegungsempfehlung BHF Die Britische Herzstiftung (BHF) empfiehlt, dass man sich pro Woche an fünf Tagen mindestens 30 Minuten ausreichend bewegen sollte. Das amerikanische Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfiehlt ebenfalls eine moderate oder besser hohe körperliche Aktivität. Auch in Deutschland wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung veröffentlicht.Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung, Sonderheft 03 der Reihe "Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung"

Bewegungsempfehlungen in Deutschland Die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung wurden von einer Gruppe von Wissenschaftlern erarbeitet und haben das Ziel, eine wissenschaftliche Orientierung im Feld der Bewegungsförderung zu bieten. International werden zum ersten Mal Empfehlungen für Bewegung und für Bewegungsförderung systematisch miteinander verknüpft.

Die Empfehlungen beziehen sich auf fünf verschiedene Zielgruppen: Kinder und Jugendliche (bis 18) Erwachsene (18–65) Ältere Erwachsene (65+) Erwachsene mit einer chronischen Erkrankung (18–65) Gesamte Bevölkerung (nur für Bewegungsförderung)

Die Empfehlungen für Bewegung enthalten je Zielgruppe empfohlene Bewegungszeiten mit Hinweisen zu Intensität und Art der Bewegung. Darüber hinaus wird unter anderem auf den Nutzen körperlicher Aktivität, empfohlene Sitzzeiten und Wissenswertes vor Aufnahme oder Wiederaufnahme körperlicher Aktivität eingegangen.