Großenkneten ist eine Gemeinde im Landkreis Oldenburg in Niedersachsen.
Geografie Lage Die Gemeinde Großenkneten liegt zwischen den Flüssen Hunte und Lethe und wird physiogeografisch der Cloppenburger Geest zugeordnet. Die Ortschaft liegt im Naturpark Wildeshauser Geest und besteht unter anderem aus den Gemeindeteilen Ahlhorn, Huntlosen, Sage, Döhlen und dem Ort Großenkneten selber. Großenkneten ist stark agrarisch geprägt und wird zunehmend von Pendlern (v. a. nach Oldenburg) als Wohnort gewählt.
Das Forstamt Ahlhorn der Niedersächsischen Landesforsten verwaltet Staatswälder in den Landkreisen Diepholz, Cloppenburg, Vechta und Oldenburg. Die in einem ausgedehnten Waldstück gelegenen Ahlhorner Fischteiche, deren Ufer auch dem Rohrkolben (auch Narrenkolben, Lampenputzer, Trommelschlägel genannt) eine Heimat bieten, sowie zahlreiche über das Gemeindegebiet verstreute Hünengräber sind besonders sehenswert. Auffällig ist die relativ große Anzahl erhaltener Schafkoben (d. h. Schafställe) auf dem Gebiet der Gemeinde Großenkneten, auf deren Heideflächen die Schafzucht früher eine große Rolle spielte.
Gemeindegliederung Großenkneten besteht aus 19 Ortsteilen: Ahlhorn (8.164 Einwohner) ist der größte Ort, Großenkneten (3.150) ist der zentrale und namensgebende Ort, weitere Dörfer sind Huntlosen (1.958), Sage (590) und Döhlen (504). Die weiteren Orte (Bauerschaften) sind Amelhausen (112), Bakenhus (50), Bissel (302), Hagel (29), Halenhorst (248), Haschenbrok (96), Hengstlage (158), Hespenbusch-Pallast (69), Hosüne (588), Husum (53), Sage-Haast (274), Sannum (207), Steinloge (117) und Westrittrum (87) (Einwohnerzahlen für 2020 in Klammern)Einwohnerzahlen auf www.grossenkneten.de, diese Website wird von der Gemeinde regelmäßig aktualisiert. Die im Artikel genannten Zahlen für den Stichtag 31. Dezember 2020, dort abgerufen am 20. Mai 2022, ergeben eine Gesamtsumme von 16.756 Einwohnern, dies kann von anderen Statistiken abweichen..
Daneben gibt es die Bauerschaften und Siedlungen Greve, Hellbusch, Hollen, Krumland, Lethe, Moorbek und Regente.
Nachbarorte Nachbarorte sind, beginnend von Norden im Uhrzeigersinn, der eigene Ortsteil Huntlosen, der Dötlinger Ortsteil Neerstedt, die Gemeinde Dötlingen, die Visbeker Bauerschaft Rechterfeld, die Gemeinde Visbek, der eigene Ortsteil Ahlhorn, der eigene Ortsteil Sage sowie der Wardenburger Ortsteil Littel.
Littel (11 km) Huntlosen (6 km) Neerstedt (11 km) Sage (3 km) Datei:Windrose klein.svg Dötlingen (9 km) Ahlhorn (5 km) Visbek (13 km) Rechterfeld (14 km) Die Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung bis zum Ortszentrum.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Großenkneten gehört zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser.
Prägende Fließgewässer sind die Hunte, die den nordöstlichen Gemeinderand begrenzt, sowie die Lethe mit ihrem Nebenfluss Korrbäke. Beide wurden durch ökologische Maßnahmen in ihrer Durchgängigkeit verbessert.
Zu den wichtigsten Stillgewässern zählen das Große und das Kleine Sager Meer, die als Erdfallseen im FFH- und Naturschutzgebiet Sager Meer, Kleiner Sand und Heumoor (NSG WE 252) liegen. Der Westrittrumer See ist ein ehemaliger Baggersee und dient heute als Bade- und Freizeitgewässer.
Bedeutende Moorgebiete sind das stark veränderte Kehnmoor und das renaturierte Naturschutzgebiet Huntloser Moor (NSG WE 075), eines der wichtigsten Hochmoore Nordwestdeutschlands. Die Niederungen der kleinen Fließgewässer sind von Feuchtwiesen und Auen geprägt und besitzen hohe ökologische Bedeutung.
Die Niederungen kleiner Fließgewässer wie Lethe, Korrbäke und Delme-Zuflüsse sind von Feuchtwiesen und Auen geprägt. Sie zeichnen sich durch hohe Grundwasserstände und regelmäßige Überflutungen aus und erfüllen wichtige Funktionen für Hochwasserschutz, Grundwasserhaushalt und Biodiversität. Zahlreiche Sandkuhlen, Schlatts und Grundwasserseen entstanden durch Sandabbau, Torfstiche und Entwässerungsmaßnahmen und sind heute charakteristische Lebensräume der moorgeprägten Geestlandschaft um Großenkneten.
Großenkneten ist hydrologisch durch entwässerte Moorböden, veränderte Grundwasserstände und ökologisch beeinträchtigte Fließgewässer belastet. Entwässerung und Torfabbau führten zu Biodiversitätsverlusten, CO₂-Freisetzung und gestörten Klima- und Wasserregulationsfunktionen. Renaturierung, Wiedervernässung und naturnahe Gewässerentwicklung sind zentrale Maßnahmen für nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz.
Ein Teil des Gemeindegebiets liegt im Naturschutzgebiet Mittlere Hunte (NSW WE 319), das der ökologischen Durchgängigkeit, der Retention und dem Hochwasserschutz dient.
Untergrundverhältnisse Großenkneten liegt in der Norddeutschen Tiefebene innerhalb der Oldenburger Geest und ist geologisch durch eiszeitliche Ablagerungen geprägt.
Der Untergrund besteht überwiegend aus quartären Lockergesteinen, vor allem Sanden und Kiesen glazifluvialen Ursprungs, die während der Saale- und Weichsel-Kaltzeit abgelagert wurden. Diese Sedimente werden lokal von lehmigen und schluffigen Zwischenlagen sowie Moor- und Niedermoortorfen in Niederungsbereichen überdeckt. In größerer Tiefe folgen tertiäre Tone, Sande und Mergel, die als Grundwassergeringleiter wirken.https://www.lbeg.niedersachsen.de/startseite/boden_grundwasser/grundwasser/hydrogeologische_strukturen/geologische_und_hydrogeologische_regionalmodelle/3d-modell-geo-hydrogeo-regionalmodelle-206793.htmlhttps://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen/boden/bodeninformationen/bodeninformation-8064.html
Hydrogeologisch gehört Großenkneten zum hydrogeologischen Großraum der Norddeutschen Tiefebene, der durch mächtige Porengrundwasserleiter in Sand- und Kiesschichten gekennzeichnet ist. Der oberste, ungespannte Grundwasserleiter befindet sich in den oberflächennahen pleistozänen Sanden und liegt in der Regel in einer Tiefe von etwa 2 bis 6 m unter Geländeoberkante. Dieser Aquifer wird überwiegend durch Niederschläge gespeist und reagiert empfindlich auf klimatische Schwankungen sowie Entwässerungsmaßnahmen.
Ein zweiter, ergiebiger Grundwasserleiter liegt in tiefer gelegenen pleistozänen Sand- und Kiesschichten in etwa 25 bis 40 m Tiefe. Er besitzt eine hohe Bedeutung für die Trinkwasserversorgung und ist durch überlagernde gering durchlässige Sedimente vergleichsweise gut geschützt. Darunter folgen weitere, meist geringer nutzbare Grundwasserleiter in tertiären Ablagerungen, deren Wasser teilweise erhöhte Mineralisationen aufweist.https://www.lbeg.niedersachsen.de/karten_daten_publikationen/karten_daten/grundwasser/grundwasser-729.htmlhttps://www.umwelt.niedersachsen.de/grundwasser/grundwasserbericht_niedersachsen/standardmodul/hydrogeologischer_ueberblick/hydrogeologische_raeume_niedersachsen/105219.html
Im südlichen Bereich des Gemeindegebietes von Großenkneten und darüber hinausgehend befindet sich das Wasserschutzgebiet Großenkneten (Gebietsnummer 03458007101) mit einer Fläche von ca. 60 km².
Klima
In Großenkneten herrscht gemäßigtes Seeklima, beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Wildeshausen 8,5–9,0 °C.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.
Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge im Zeitraum 2012–2021 betrug 560 mm.
Geschichte mini|hochkant|Evangelisch-lutherische St.-Marien-Kirche in Großenkneten Das Gebiet der heutigen Gemeinde Großenkneten war bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum, 4800–2000 v. Chr.) besiedelt. Aus dieser Zeit sind im Gemeindegebiet Hünengräber der Trichterbecherkultur erhalten. Zu nennen sind das Großsteingrab Bakenhus zwischen Ahlhorn und Großenkneten, das Großsteingrab Visbeker Bräutigam zwischen der Autobahn A1 und dem Fluss Aue südöstlich von Ahlhorn, das Hügelgrab Huntlosen südöstlich von Huntlosen, das Großsteingrab Wittenhöge westlich von Huntlosen und das Hügelgräberfeld Hespenbusch östlich von Großenkneten. Weitere Hünengräber wurden entweder zerstört oder liegen auf Privatgrundstücken.
Nachdem ab 780 n. Chr. von Karl dem Großen (* wahrscheinlich 2. April 747 oder 748; † 28. Januar 814 in Aachen) neun Missionssprengel zur Christianisierung der unterworfenen Sachsen errichtet worden waren, wurden von der Missionszelle Visbek aus durch Abt Gerbert Castus die ersten Kirchengemeinden in der Umgebung gegründet. Zu diesen zählte im Lerigau die Pfarrkirche Großenkneten.Werner Rösener: Das Kloster Corvey und die Christianisierung im westlichen Sachsen. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 87 (2015), S. 7–32, hier S. 20.Theo Kölzer: Corvey, Reichsgut und konstruierte Missionszentren. in: Archiv für Diplomatik Band 65 (2019), S. 1–14, hier S. 6.
Die Ortschaften Großenkneten, Huntlosen, Döhlen und Sage wurden bereits im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte hinweg waren die Kirchspiele Großenkneten, Wildeshausen und Huntlosen im Amt Wildeshausen vereinigt. Das Amt wurde im Rahmen der großherzoglich oldenburgischen Verwaltungsreform von 1814 umgeformt und um Dötlingen und Hatten vergrößert.Handbuch des Herzogthums Oldenburg (1825) 1858 wurde die Gemeinde Hatten an das benachbarte Amt Oldenburg abgegeben. 1933 ging das Amt Wildeshausen im neuen Amt Oldenburg, dem heutigen Landkreis Oldenburg, auf. Zugleich wurde die bislang selbstständige Gemeinde Huntlosen in die Gemeinde Großenkneten eingegliedert, wodurch Großenkneten seine heutige Ausdehnung erhielt.
mini|hochkant|Herrenhaus von Gut Moorbeck in Amelhausen Um 1400 wurde das Gut Lethe errichtet, dessen Ländereien sich beiderseits der Lethe, also zum Teil auch auf das Gebiet der Gemeinde Emstek im Landkreis Cloppenburg erstrecken. Das Herrenhaus wurde zunächst am linken Letheufer platziert, um 1900 aber am rechten (Ahlhorner) Ufer neu gebaut.Franz Hellbernd:
Im Jahr 1517 wurde erstmals das Gut Moorbeck im Ortsteil Amelhausen urkundlich erwähnt. Das 1669 errichtete Herrenhaus wird heute als Gasthaus genutzt. Auf dem 5,5 Hektar großen Gutsgelände befinden sich eine Wassermühle mit Mühlenteich sowie ein Hotelgebäude.
mini|Sage War Cemetery Während des Ersten Weltkrieges wurde im Bereich des heutigen Ortsteils Ahlhorn für die Kaiserliche Marine ab 1916 einer der größten Militärluftschiffhäfen eingerichtet. Auf dem Luftschiffhafen Ahlhorn gab es sechs große Luftschiffhallen, die im Januar 1918 durch ein Explosionsunglück teilweise zerstört wurden. Das Areal des ehemaligen Luftschiffhafens wurde bis 2006 militärisch genutzt.Fliegerhorst Ahlhorn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Ortsteil Sage ein britischer Ehrenfriedhof für Kriegsgefallene aus Commonwealth-Staaten errichtet, der Sage War Cemetery.
Auf dem Buhlertsberg im Zentrum der Ahlhorner Fischteiche steht das Ahlhorner Blockhaus. Die Idee zum Bau einer Gemeinschaftsstätte an dieser Stelle hatte 1932 Carl Röver, damals Ministerpräsident des Landes Oldenburg und Gauleiter des NSDAP-Gaues Weser-Ems. Baubeginn war 1934, 1937 wurde es zum Gaukameradschaftsheim erweitert. 1945 wurde der Komplex als Strafgefangenenlager der Britischen Armee genutzt. Von 1946 bis 2021 diente das Blockhaus Ahlhorn als Jugendheim in der Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Es wurde bis 2021 vorrangig als Jugendbegegnungsstätte geführt. Seitdem hat sich die Einrichtung vermehrt für informelle Gruppen und Einzelreisende geöffnet und beherbergte zuletzt bis zu 200 Übernachtungsgäste. Nachdem die Landeskirche Oldenburg im November 2020 beschlossen hatte, die Trägerschaft für das Blockhaus aufzugeben, wurde die Anlage am 31. Mai 2021 geschlossen. Nach dem Verkauf des Gebäudeensembles an den Landkreis Oldenburg wurde dieses im April 2022 wieder offiziell eröffnet. Bereits vor dem Eröffnungstermin waren ukrainische Geflüchtete des Russisch-ukrainischen Krieges in dem Komplex untergebracht worden.