mini|Atmosphäre des Rotterdamer Hafens (Tondokument; weitere Aufnahmen gibt es hier) Der Hafen Rotterdam ist einer der größten Seehäfen der Welt und der größte Tiefwasserhafen Europas. Der im Rhein-Maas-Delta an der Rheinmündung (Nordsee) gelegene Hafen hatte im Jahr 2020 einen Seegüterumschlag von 436,8 Millionen TonnenTimo Jann: Corpus Christi und Rotterdam kooperieren · Häfen wollen künftig gemeinsam ihre Aktivitäten stärken. In: Täglicher Hafenbericht vom 2. März 2021, S. 5 (2019: 469,402 Mio. tGüterumschlag Rotterdam Hafen 2019 und 2018, Port of Rotterdam, abgerufen am 17. November 2022 (pdf); 2018: 468,984 Mio. t; 2017; 467,354 Mio. tGüterumschlag im Rotterdamer Hafen 2018 und 2017, Port of Rotterdam, abgerufen am 17. November 2022 (pdf); 2016: 461,177 Mio. tEckhard-Herbert Arndt: Rotterdam passt Erwartungen an · 2016 wurden 461,1 Millionen Tonnen umgeschlagen. In: Täglicher Hafenbericht, 10. Februar 2017, S. 13; 2015: 466,363 Mio. tEckhard-Herbert Arndt: Rotterdam mit Allzeithoch beim Umschlag · 2015 mehr als 466 Millionen Tonnen bewegt · Containersektor jedoch unter Vorjahresniveau · LNG im Aufwind · Rückgang beim Agrar-Massengut · Mehr Kohle über die Terminals. In: Täglicher Hafenbericht, 18. Januar 2016, S. 1+4).
Der Hafen liegt an einer der dichtestbefahrenen Wasserstraßen der Welt und ist von Schiffen bis 24 Meter Tiefgang anfahrbar. Bestehend seit dem 14. Jahrhundert, begann der Aufschwung des Hafens mit der Industrialisierung im Ruhrgebiet, das über den Rhein direkt erreichbar ist. Der Hafen Rotterdam und die hafenbezogene Wirtschaft tragen etwa 7 % zum niederländischen Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigen etwa 320.000 Arbeitnehmer; etwa 60.000 von ihnen arbeiten im eigentlichen Hafengebiet. Das Hafengebiet reicht knapp 40 Kilometer von der Rotterdamer Innenstadt bis an den Hoek van Holland und nimmt etwa 100 km² Fläche ein.
mini|Einer der Rotterdamer Häfen bei Nacht mini|Nieuwe Waterweg mini|Automatisierte Containerterminals mini|Karte des Niederrheins
Wirtschaftliche Bedeutung Im Jahr 2000 bewältigte der Hafen 37 % des Güterverkehrs in Tonnen auf dem Abschnitt zwischen Le Havre und Hamburg, gefolgt vom Antwerpener Hafen mit 14 %. Die auf 30.000 See- und 110.000 BinnenschiffenDeutschlandfunk transportierten Güter beliefen sich im Jahr 2000 zur Hälfte auf flüssiges Massengut (circa 80 % davon Erdöl, der Rest vor allem Chemikalien, andere Öle und Fette sowie Fruchtsaft), zu 30 % auf trockenes Massengut (Kohle) und zu 20 % auf Container.Ans Kolk, Mark van der Veen: Dilemmas of Balancing Organizational and Public Interests: How Environment Affects Strategy in Dutch Main Ports. In: European Management Journal Vol. 20, Heft 1/2002, S. 45–54
Der Hafen ist der bei weitem wichtigste Handelspunkt für Erdöl in Europa. Dort kamen 2004 101 Millionen Tonnen Erdöl an, von denen die Hälfte mit Pipelines ins Ruhrgebiet und nach Antwerpen geleitet wurde, die andere Hälfte wurde direkt im Hafen weiterverarbeitet. Im Hafen stehen vier große Raffinerien, die sich meist mehrere Firmen teilen, angesiedelt haben sich 40 Unternehmen der Erdöl- und Chemiebranche, drei Produzenten von Gas und 13 Unternehmen, die sich primär mit Öllagerung und -verteilung beschäftigen. Vom Hafen aus verlaufen mehrere Rohöl-Pipelines nach Deutschland und Belgien sowie eine Produktpipeline über das Ruhrgebiet bis nach Ludwigshafen am Rhein. Im Hafengebiet selbst verlaufen insgesamt 1.500 Kilometer an Pipelines.Raffinerie und Chemie
Darüber hinaus läuft ein großer Teil der in Europa importierten Kohle durch den Hafen. Ferner entluden 102 Containerkräne im Jahr 2007 10.790.604 TEU. 2016 wurden 12,39 Mio. TEU (127,1 Mio. t) umgeschlagen, womit der Hafen sich vor Antwerpen und Hamburg auch als größter Containerhafen Europas behaupten konnte. 2015 waren es 12,23 Mio. TEU, 2014 wurden 12,3 Mio. TEU (127,6 Mio. t) umgeschlagen. Ebenso ist er der wichtigste europäische Hafen für Obst, Gemüse und Fruchtsäfte. 2000 wurden dort 900.000 Tonnen Gemüse und Früchte umgeschlagen, die europäische Börse für Zitrusfrüchte befindet sich ebenfalls in der Stadt.
Insgesamt betrug der Umschlag des Hafens Rotterdam im Jahr 2007 407 Millionen Tonnen, im Jahr 2013 440,5 Mio. Tonnen.Statistik 2013, 2012, 2011, abgerufen am 25. August 2014 Im Jahr 2014 waren es rund 445 Mio. Tonnen, davon 202,5 Mio. t Flüssiggüter, 127,6 Mio. t containerisiertes Stückgut (12,3 Mio. TEU), 88,6 Mio. t trockene Massengüter und gut 26 Mio. t Stückgut und RoRo-Ladung.Eckhard-Herbert Arndt: Rotterdam: Wieder mehr Wachstum ab 2016 · Neue Terminals auf der Maasvlakte 2 dann voll operativ · Öl- und Chemiesektor unter Druck · Offshore mit Potenzial. In: Täglicher Hafenbericht, 20. Januar 2015, S. 13
Im Jahr 2016 wurden insgesamt 461,177 Mio. t Seegüter (2015: 466,363 Mio. t = −1,1 %) umgeschlagen, davon 101,858 Mio. t Rohöl (2015: 103,09 Mio. t = −1,2 %), 88,761 Mio. t Ölprodukte (2015: 88,496 Mio. t = +0,3 %), 1,705 Mio. t LNG (2015: 2,308 Mio. t = −26,1 %), 31,195 Mio. t sonstige Flüssiggüter (2015: 30,746 Mio. t = +1,5 %), 31,229 Mio. t Eisenerze und Schrott (2015: 33,865 Mio. t = −7,8 %), 28,443 Mio. t Kohle (2015: 30,691 Mio. t = −7,3 %) (etwa 40 % davon als Koks), 10,449 Mio. t Agrar-Massengut (2015: 10,834 Mio. t = −3,5 %) und 12,179 Mio. t sonstiges Massengut (2015: 12,349 Mio. t = −1,4 %). An containerisiertem Stückgut wurden 127,064 Mio. t (2015: 126,245 Mio. t = +0,6 %) umgeschlagen, das waren 12,385 Mio. TEU (2015: 12,235 Mio. TEU = +1,2 %). Der Umschlag im RoRo-Verkehr betrug 22,412 Mio. t (2015: 22,03 Mio. t = 1,7 %).Güterumschlag in Rotterdam Hafen, 2016 und 2015, website portofrotterdam.com, abgerufen am 13. März 2017Eckhard-Herbert Arndt: Rotterdam passt Erwartungen an · 2016 wurden 461,1 Millionen Tonnen umgeschlagen. In: Täglicher Hafenbericht, 10. Februar 2017, S. 13Eckhard-Herbert Arndt: Rotterdam mit Allzeithoch beim Umschlag · 2015 mehr als 466 Millionen Tonnen bewegt · Containersektor jedoch unter Vorjahresniveau · LNG im Aufwind · Rückgang beim Agrar-Massengut · Mehr Kohle über die Terminals. In: Täglicher Hafenbericht, 18. Januar 2016, S. 1+4
Im ersten Jahr der Covid-19-Pandemie 2020 verteilte sich die Gesamt-Umschlagsmenge von rund 436,8 Mio. t (−6,9 % zum Vorjahr) auf 192 Mio. t Flüssigladung (davon 93,5 Mio. t Rohöl = −10,2 %), 63,8 Mio. t trockenes Massengut (−14,3 %), 17,3 Mio. t Kohle (−22,8 %), 151 Mio. t Container (14,4 Mio. TEU = −3,2 %). Das Betriebsergebnis lag 2020 vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern bei 477,5 Mio. Euro (2019: 433,4 Mio. Euro), das Nettoergebnis wurde mit 351,7 Mio. Euro angegeben (2019: 238,9 Mio. Euro). Für 2020 wurde eine Dividende von rund 120,5 Mio. Euro für Anteilseigner Staat und Stadtgemeinde ausgewiesen.Eckhard-Herbert Arndt: Impftempo gibt Entwicklung vor · Hafen Rotterdam erwartet 2021 noch keine Rückkehr zu Vor-Corona-Zahlen. In: Täglicher Hafenbericht vom 22. Februar 2021, S. 1+2
Der Hafen Maasvlakte ist ein Tiefwasserhafen mit einer 26 Meter tiefen Fahrrinne. Damit war Rotterdam der einzige Hafen der westlichen Welt und einer von dreien weltweit, den der Schüttgutfrachter Berge Stahl voll beladen anlaufen konnte. Darüber hinaus hat sich auch ein großer Teil der Offshore-Ölindustrie dort angesiedelt, da er als einer der wenigen Häfen genug Tiefgang für deren Geräte bietet. Auf einer Länge von 40 Kilometern breitet er sich über 10.500 Hektar aus; mit dem Bau der zweiten Maasvlakte fand eine weitere Vergrößerung statt, die 2014 fertig gestellt war.
Der Weitertransport der Güter (Hinterlandverkehr) erfolgt zzt. vor allem mit dem Lkw (2017: Anteil 56 %), aber auch mit Binnenschiffen über den Rhein z. B. zum Ruhrgebiet und nach Südwestdeutschland bis Basel sowie über den Main, den Main-Donau-Kanal und die Donau nach Österreich und bis zum Schwarzen Meer. 2017 wurden mit 105.000 Binnenschiffs-Anläufen insgesamt 160 Mio. t Güter von bzw. zum Hafen Rotterdam befördert.Matthijs van Doorn: Binnenschifffahrt optimieren. In: Schiff & Hafen, Heft 7/2019, S. 54/55 Durch den Hafen wurde Rotterdam auch wichtiger Eisenbahn-Knotenpunkt, wozu auch der außerhalb der Stadtgrenze an der Eisenbahnstrecke nach Dordrecht gelegene Rangierbahnhof Kijfhoek zwischen den Nachbarorten Barendrecht und Zwijndrecht gehört. Neuestes Projekt ist dabei die Betuweroute, die ab 2007 eine neue Route schaffte, um den Hafen mit dem Ruhrgebiet zu verbinden.
Verwaltung, Betrieb und Entwicklung des Rotterdamer Hafens sind die Aufgaben der Hafengesellschaft Rotterdam.
Geschichte Häfen in der alten Innenstadt bis 1872 mini|Panorama von Rotterdam, Illustration von Ernst Hesmert, 1904 mini|Panorama eines Teils des Linken Maasufers mit Fijenoord, Illustration von Ernst Hesmert, 1904 Seit seiner Entstehung im 14. Jahrhundert bis etwa 1920 lag der größte Teil des Hafengebiets direkt im Stadtzentrum. Die Hoogstraat, auf dem Schielands-Hoge-Seedeich, teilte Rotterdam in die Landstadt und die Wasserstadt. In der Wasserstadt wurden die ersten Häfen angelegt: der Oude Haven, der Haringvliet und der Leuvehaven. Der Hafen entwickelte sich dabei zuerst vor allem am Nordufer der Nieuwe Maas, wobei die Arbeiter sich vor allem am Südufer im Stadtteil Feijenoord ansiedelten.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts konnten Schiffe Rotterdam wegen der Versandung der Brielse Maas immer schlechter erreichen. Der Kanal door Voorne wurde angelegt, war aber bald zu klein für die immer größer werdenden Schiffe. Von 1866 bis 1872 wurde der Nieuwe Waterweg gegraben, so dass Rotterdam eine direkte Verbindung zur Nordsee bekam. König Wilhelm I. und Johannes Goldberg sorgten für Industrieansiedlungen. Der Hafen wuchs in Richtung Nordsee, besonders am südlichen Ufer der Nieuwe Maas, wo zwischen den Hafenanlagen immer wieder neue Arbeitersiedlungen entstanden.Schrijnen S. 46 Nach der Übernahme von Delfshaven 1886 hatte man auch auf dem rechten Maasufer Platz für die Hafenerweiterung. Zwischen 1900 und 1930 wurden dort mehrere Stückguthäfen angelegt, die bis an die Gemeindegrenze von Schiedam reichten. Nach 1950 verloren diese Häfen an Bedeutung.
Häfen auf der Insel IJsselmonde, seit 1872 mini|Rijnhaven Rotterdam mini|Waalhaven, Containerbrücken Nach der Eröffnung des Nieuwe Waterwegs wurde die Entwicklung der Häfen am Südufer der Maas und auf der Insel IJsselmonde vorangetrieben. Die ersten, relativ kleinen Häfen baute noch die Rotterdamsche Handelsvereeniging. 1882 übernahm die Gemeinde Rotterdam, nach dem Kauf der Handelseinrichtungen der Rotterdamsche Handelsvereeniging, den Ausbau der Häfen.
Hafenanlagen, die dem Güterumschlag dienten, wurden fortan als gemeindliche Handelseinrichtungen betrieben. Merkmal dieser Einrichtungen war, dass man Liegeplätze für Schiffe, Lagerflächen, Gebäudeflächen und Verladekrane für Stunden, Tage oder Wochen mieten konnte. Daneben vermietete Rotterdam auch größere Flächen und Lagerhäuser an Spediteure. Dieses Geschäft betrieb die Stadt bis in die 1960er Jahre. Danach löste sie die Gemeentelijke Handelsinrichtingen auf und verkaufte Krananlagen und Lagerhäuser.
Aus dem Stadtgebiet: Waalhaven und Pernis seit 1920 Die sehr starke Zunahme des Warenumschlags erforderte immer größere Hafenflächen. Dazu wurden der Rijnhaven, der Waalhaven und der Maashaven angelegt. Ab 1929 baute man bei Pernis den Eerste Petroleumhaven und siedelte dort Petrochemische Industrie an. Die neuen Häfen zeigten dabei die starke Expansion an: sie nahmen mehr Platz ein als die gesamte Stadtfläche von Rotterdam vorher betragen hatte.
Nachkriegsentwicklungen: Botlek, Europoort, Maasvlakte Da die Insel IJsselmonde nicht ausreichenden Platz für Erweiterungen hatte, wurde ab 1947 das Botlekgebiet westlich der Oude Maas entwickelt. Dort sind große petrochemische Werke angesiedelt.