miniatur|Ein modernes Horoskop: Geburtshoroskop von Barack Obama Als astrologische Zwillinge bezeichnet man in der Astrologie zwei Menschen, die zum selben Zeitpunkt geboren wurden.Astrologie-Lexikon: , abgerufen am 9. November 2007
Der Geburtszeitpunkt ist nach Auffassung von nahezu allen Astrologen für den „Lebensplan“ (Anlagen, Chancen, Charakter, Schicksal) der betroffenen Person von entscheidender Bedeutung. Nach ihrem Mythos wird der neu geborene Mensch einem Energiefeld ausgesetzt, das ihm seinen „Lebensplan“ vorgibt. Personen mit demselben Geburtszeitpunkt sollten daher in der Konklusion den gleichen Lebensplan, also gleiche Anlagen, gleiche Chancen, gleichen Charakter und das gleiche Schicksal erfahren. Astrologische Zwillinge – in der angelsächsischen Literatur als astro-twins oder time twins bezeichnet – sind nach Auffassung der Kritiker der Astrologie der definitive Test für die Fähigkeiten der Astrologie, da dabei mögliche Fehler oder Unsicherheiten bei der Interpretation der Planetenkonstellationen – also des Horoskopes – vermieden werden.G. Dean, I. W. Kelly: In: Journal of Consciousness Studies, 10/2003, S. 175–98
Definition Es gibt keine einheitliche Definition von astrologischen Zwillingen. Die Spanne reicht von „an einem Tag an einem beliebigen Ort“ bis zu „innerhalb von 5 Minuten am selben Ort“. Der Astrologe John Addey, der 1967 eine sehr umfangreiche Studie über astrologische Zwillinge anfertigte, geht davon aus, dass wirklich außergewöhnliche Ähnlichkeiten in Lebensweg und Wesensart nur bei solchen Personen zu finden sei, die nahezu zur gleichen Zeit [innerhalb weniger Minuten] und an der gleichen Lokalität geboren seien. Dennoch hält er die Tendenz zu Ähnlichkeiten, die bei einer Geburt am gleichen Tag auftreten, für signifikant genug näher untersucht zu werden.J. Addey: Astrological twins. In: Astrological Journal 9/1967, S. 14–29.
Die Häufigkeit astrologischer Zwillinge Die statistische Häufigkeit von astrologischen Zwillingen ist hoch. Die Verteilung der Geburtsdaten in großen Populationen folgt einer Poisson-Verteilung. Mathematisch leitet sich daraus ab, dass in einer Stadt mit 1 Million Einwohnern etwa 4000 astrologische Zwillingspaare pro Jahr in einem Zeitintervall von fünf Minuten und weniger geboren werden. Bei 10 Millionen Einwohnern steigt die Zahl auf 100.000 an. Die gleiche Zahl an astrologischen Zwillingspaaren wird in einer Stadt mit 1 Million Einwohnern erreicht, wenn das Zeitintervall auf 60 Minuten und kleiner erweitert wird.
Geschichte mini|Augustinus von Hippo
Augustinus von Hippo (354–430) äußert sich in seiner in den Jahren 413 bis 426 verfassten Schrift De civitate Dei (Vom Gottesstaat) im 5. Buch, Kapitel 2, über astrologische Zwillinge (ein Auszug daraus):
Für Kritiker der Astrologie sind Augustinus’ Argumente auch über 1500 Jahre später immer noch valide.C. Köllerer: Augustinus: Der Gottesstaat 20. November 2011, abgerufen am 13. August 2012.
miniatur|König Georg III.
Die historisch gesehen bekanntesten astrologischen Zwillinge sind der wohlhabende Eisenwarenhändler Samuel Hemmings und Georg III., König von Großbritannien. Über beide wurde berichtet, dass sie dieselbe Geburts- und Todesstunde gehabt hätten. Auch hätte es eine Vielzahl weiterer Parallelen, wie beispielsweise die Heirat am selben Tag, gegeben.M. B. Epstein: The Madness of King George II. In: AAGB, 1995 Eine genauere Untersuchung der zeitgenössischen Dokumente konnte allerdings nur den zeitgleichen Tod der beiden bestätigen.G. Dean: In: Correlation 13/1994, S. 17–30
Astrologische Zwillinge in der Literatur miniatur|König Eduard VII.
Erich Kästner beschreibt in seinem Roman Das doppelte Lottchen (1949) im ersten Kapitel das astrologische Zwillingspaar König Eduard VII. und seinen Doppelgänger, einen Schneider.P. Lewy: Das doppelte Lottchen oder vom Vorlesen, Zugfahren, Fernsehen und anderen Zufällen (PDF; 72 kB), 1997
Literatur S. Ertel, G. Dean: Are personality differences between twins predicted by astrology? In: PaID, 21/1992, S. 449–54 M. Pottenger (Editor): Astrological Research Methods. Band 1, International Society for Astrological Research (Los Angeles 1995), ISBN 0-9646366-0-3 W. Hübner: Die Astrologie der Antike. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte. 8/1985, S. 7–24. R. Matthews: In: London Daily Telegraph, Ausgabe vom 17. August 2003
Einzelnachweise
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