Das goldene Zeitalter der Golfarchitektur war eine Periode zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der ungewöhnlich viele der heute als Klassiker geltenden Golfplätze entstanden. Beispielsweise wurde die gesamte Top Ten der besten 100 Plätze der USA gemäß Golf Digest Ranking 2007/2008Online einsehbar unter: Abgerufen am 29. Februar 2008. im goldenen Zeitalter gebaut. In Großbritannien ist diese Zeit gekennzeichnet durch das Aufkommen der ersten Inlandsplätze von Qualität, bis dahin lag ein Meisterschaftsplatz grundsätzlich an der Küste und war ein Links. Im Rest der Welt, wo es keine vergleichbare Tradition gab, fällt das goldene Zeitalter der Golfarchitektur zusammen mit der Entwicklung des Golfsports überhaupt.
Den vergleichsweise simplen und rein zweckorientierten Konstruktionen des viktorianischen Zeitalters wurde eine Philosophie entgegengesetzt, die erstmals ästhetische Aspekte einbezog und somit als Architektur im Sinne einer Abgrenzung zum bloßen Bauen klassifizierbar ist. Technologische Fortschritte und Entwicklungen auf sozialem Gebiet hatten ebenfalls großen Einfluss auf die neuen Gestaltungsprinzipien, die das Golfspiel durch Einführung des Faktors Strategie im Kern veränderten.
Terminologie und Abgrenzung Der Ausdruck Goldenes Zeitalter bezeichnet im Allgemeinen eine Periode besonderer Schaffenskraft und großer Erfolge auf einem bestimmten Gebiet. In diesem übertragenen Sinne wurde das goldene Zeitalter auch im Bereich des Golfsports in verschiedenen Kontexten benutzt, so etwa 1929 hinsichtlich technologischer, agronomischer und sozialer Fortschritte seit der Jahrhundertwende.Tom Simpson, Herbert Newton Wethered: The Architectural Side of Golf. Longmans, Green and Co., London 1929. In Bezug auf eine Periode der Golfarchitektur jedoch datiert die Erstverwendung von 1976, als der Golfarchitekt Donald Steel den Begriff in der Erstausgabe des World Atlas of GolfPat-Ward Thomas (Hrsg.): World Atlas of Golf. Mitchell Beazley, 1976, ISBN 0-85533-088-0. für die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen einführte. Diese zeitliche Abgrenzung ist jedoch umstritten, es besteht lediglich Einigkeit darüber, dass das goldene Zeitalter der Golfarchitektur frühestens um 1900 begann und spätestens mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endete.
Eine speziell in den USA verbreitete Sicht datiert das goldene Zeitalter zwischen 1909 (National Golf Links of America) und 1937 (Prairie Dunes), da fast alle bedeutenden amerikanischen Golfplätze in diesen Jahren entstanden. Michael J. Hurdzan geht sogar nur von einem goldenen Jahrzehnt aus, da in dieser Zeit, gemeint sind die 1920er Jahre, die drei seiner Meinung nach bis heute maßgeblichen Bücher über Golfarchitektur erschienen sind.Michael J. Hurdzan: Golfplatz Architektur. E. Albrecht Verlags-KG, 1999, ISBN 3-87014-090-9. Ohne spezielle Begründung vertreten auch Geoffrey S. Cornish und Ronald E. Whitten in ihrem Standardwerk The Architects of Golf diese Auffassung. Die britische Entwicklung ab der Jahrhundertwende definieren sie als Heathland-Periode, die bis heute andauert und somit parallel zum goldenen Zeitalter lief.Geoffrey S. Cornish, Ronald E. Whitten: The Architects of Golf. HarperCollins, New York 1993, ISBN 0-06-270082-0. Es gibt aber auch amerikanische Vertreter einer umfassenden Sicht: beispielsweise lässt Steve Sailer das goldene Zeitalter 1901 beginnen, das Ende datiert er auf 1934 (Tod des Alister MacKenzie und Beginn der Transformation von Augusta National in einen Platz moderner Prägung).Steve Sailer: Fairway to Heaven. In: The American Conservative. Ausgabe vom 11. April 2005. Der Golfarchitekt Tom Doak vertritt eine ähnliche Position, er spricht von einer „klassischen Periode“ zwischen 1900 und 1930.Tom Doak: The Anatomy of a Golf Course: The Art of Golf Architecture. Burford Books, 1999, ISBN 1-58080-071-8.
Für eine umfassende Betrachtung sprechen mehrere Tatsachen: zum einen wurden während des gesamten Zeitraums bedeutende Golfplätze gebaut, da die für das goldene Zeitalter charakteristischen Veränderungen nicht in allen Ländern gleichzeitig eintraten. Bis zum Ersten Weltkrieg war Großbritannien führend, danach erfolgte der Aufschwung in den USA und in den 1930er Jahren entstanden wichtige Plätze in Kontinentaleuropa, Kanada und Japan. Zum anderen hatte die jeweilige produktive Phase von Harry Colt und Donald Ross, zwei der wichtigsten Protagonisten des goldenen Zeitalters, über die ganze Periode hinweg Bestand. Mittlerweile folgt auch der World Atlas of Golf dieser Sichtweise und datiert in seiner 2008er Ausgabe das goldene Zeitalter auf „circa 1900–1939“.Mark Rowlinson (Hrsg.): World Atlas of Golf. Hamlyn, 2008, ISBN 978-0-600-61794-5.
Die viktorianische Golfarchitektur miniatur|350px|Viktorianisches Ideal: gerade Linien, symmetrische Formen. miniatur|250px|„Wissenschaftlich“ platzierte Hindernisse. miniatur|200px|Konische Erdhügel. miniatur|200px|Quadratische Grüns. miniatur|200px|Der „Cop Bunker“.
1857 gab es nicht mehr als 17 Golfclubs in Schottland und weniger als eine Handvoll im Rest der Welt. Bis 1888 stieg die Gesamtzahl der Plätze in Großbritannien auf 138 (Schottland 73, England 57, Irland 6, Wales 2). Erst im späten viktorianischen Zeitalter kam es zu einem regelrechten Bauboom von fast 100 Plätzen pro Jahr, der bis zum Ersten Weltkrieg anhielt.
Zunächst wurden neue Golfplätze einfach vom lokalen Professional abgesteckt, der oft in Personalunion auch Greenkeeper war. Dieser verfügte in der Regel nur über eine einzige, jedoch nicht zu unterschätzende Qualifikation: er war auf den legendären Links-Kursen des britischen Königreichs aufgewachsen. Diese Naturplätze hatten sich jedoch über Jahrhunderte hauptsächlich durch den Einfluss von Wind, Wetter und Tieren entwickelt, sie folgten also nicht einer stringenten, menschlichen Planung. Aus diesem Grund gelang es zunächst niemandem, die entscheidenden architektonischen Merkmale zu abstrahieren, die aus einer Naturfläche einen Meisterschaftsplatz machten. Den im 19. Jahrhundert aufkommenden Inlandsplätzen mangelte es somit nicht nur an wichtigen natürlichen Gegebenheiten wie gut drainierendem Boden und Wind, sondern auch an den spieltechnischen Qualitäten der alten Küstenplätze.
Die damalige Methode einen Platz zu entwerfen, bestand darin ein Gelände abzuschreiten und mit Pfosten die zumeist 9 Abschläge und Grüns zu markieren, gelegentlich ergänzt um die Angabe der Positionen für noch anzulegende Hindernisse. Selten dauerte diese Arbeit länger als ein paar Stunden, so dass der Golfarchitekt nur noch eine Anleitung zum Bau des Platzes übergeben musste und am selben Tag wieder abreisen konnte. Für diese Arbeitsweise bürgerte sich der Begriff „18 Stakes on a Sunday Afternoon“ (18 Pfosten an einem Sonntag Nachmittag) ein. Überlieferte Löhne für diese Arbeit sind £1 oder später in den USA $25. Die meiste Arbeit war also nach der Abreise des Architekten noch zu leisten, so dass viele dieser abgesteckten Golfplätze auch nie gebaut wurden. Der produktivste „18-Stakes Architekt“ war Tom Bendelow in den USA, dem zwischen 500 und 1000 Golfplätze zugeschrieben werden.
Vor ihm waren jedoch Männer wie Old Tom Morris oder die Brüder Tom und Willie Dunn überaus gefragt, sie bereisten das ganze britische Inselreich und entdeckten dort, wo die Natur geeignete Landformen zur Verfügung stellte, auch durchaus spektakuläre Golflöcher. Im Großen und Ganzen beherrschte jedoch das viktorianische Ideal der geraden Linien und symmetrischen Formen die Golfplatzarchitektur. Den Vertretern dieser ersten Generation von Golfarchitekten fehlte es schlichtweg an theoretischem Wissen, technischen Mitteln und ausreichendem Budget, um einen hochrangigen Golfplatz quasi aus dem Nichts zu erschaffen. Jedoch kann in einer Reihe von Fällen auch eine bewusste, gestalterische Entscheidung für das Formelhafte belegt werden.
So schreibt Willard H. Moss 1886, dass man von anderen Sportarten regelmäßige Spielfelder gewohnt sei und deshalb auf Golflöcher fester Länge (100, 200 und 300 Yards) setze.Willard H. Moss: The American Naturalization of Golf. In: Outing. Ausgabe Dezember 1886. Später spricht der mehrfache amerikanische Amateurmeister, Golfarchitekt und Autor Walter J. Travis von einer „wissenschaftlichen“ Art und Weise einen Golfplatz zu bauen, bei der die Längen der Spielbahnen und das Layout der Hindernisse nicht den natürlichen Gegebenheiten folgen, sondern einem „bewährten“ Schema, das für ein ausgewogenes Spiel sorgen soll.Walter J. Travis: Practical Golf. In: Golf. Official Bulletin USGA. Ausgabe Mai 1901. Harper & Brothers Publishers, New York. Joseph E. G. Ryan hält aus ähnlichen Gründen das Golfspiel auf amerikanischen Plätzen für erbaulicher als anderswo, deren „wissenschaftliche“ Platzierung der Bunker sei konsequenter in der Belohnung des guten und der Bestrafung des schlechten Spiels.Joseph E. G. Ryan: Bunker Architecture. In: Golf. Official Bulletin USGA. Ausgabe April 1901. Harper & Brothers Publishers, New York. In einem Artikel über private Golfplätze aus dem Jahr 1900 wird sogar der Gärtner als Erzfeind des Golfplatzes bezeichnet, da er Bäume und Sträucher aus rein ästhetischen Gründen den spieltechnisch effektiveren künstlichen Hindernissen vorzöge. „Landschaftseffekte“ wären jedoch nicht das Ziel des Golfsports.Richmond: The „Pocket“ Golf-Course. In: Golf. Official Bulletin USGA. Ausgabe November 1900. Harper & Brothers Publishers, New York.
Eine typische viktorianische Spielbahn bestand aus einem blinden Abschlag – die wenigen natürlichen Hindernisse und Erhebungen des Geländes wurden fast ausschließlich dazu genutzt die Abschläge genau dahinter zu platzieren. Gab es keine solche Möglichkeit, dann legte man in rechtem Winkel zur Spielbahn und über deren gesamte Breite einen mit Sand oder Lehm gefüllten Graben an und dahinter erhob sich eine Art Wall von exakt 6 Fuß und 3 Zoll (ca. 115 cm) Höhe. Dieser Wall verhinderte zumeist ein Herausspielen nach vorne, so dass auf jeden Fall ein zusätzlicher Schlag auf die Scorekarte kam. Auch mit dem zweiten und gegebenenfalls dritten Schlag musste jeweils ein solches Hindernis überspielt werden, so dass sich das Par (damals noch: Bogey) eines Loches häufig nach der Anzahl dieser sogenannten „Cop Bunker“ plus zwei Putts berechnen ließ. Die Grüns waren oval oder rechteckig, flach und nach Schema F anzuspielen, da sie selten verteidigt wurden. Grünbunker oder Wasserhindernisse gab es fast nirgendwo, eingekesselte oder erhöhte Grüns waren die absolute Ausnahme. Einzig konische Erdhügel („Mounds“) wurden gelegentlich aufgeschüttet, wobei sich diese Praxis nicht selten auf den gesamten Platz erstreckte. Insgesamt ergab sich daraus eher das Bild eines Hindernisparcours' denn das einer Naturfläche oder Parklandschaft.
Es ist unklar wann sich die Bezeichnung „viktorianische Golfarchitektur“ für diese Art der Gestaltung einbürgerte. Spätestens 1917 verwendete jedoch Henry Leach den Begriff in einem Artikel über Willie Park Sr. und Jr.Henry Leach: Park and the Past. In: The American Golfer. Ausgabe März 1917. The American Golfer Inc., New York.
Wegbereiter des Umbruchs Eine Reihe von spezifischen Entwicklungen beschleunigte gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Übergang zum goldenen Zeitalter.
miniatur|Aufbau des Haskell-Balls.
Der Haskell-Ball