Die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW, bis Ende 2016 Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft) ist ein wissenschaftlicher Fachverband von Politologen, die in Forschung und Lehre tätig sind. Die Vereinigung mit Sitz in Berlin hat das Ziel, die Weiterentwicklung der Politikwissenschaft zu fördern. Die DVPW wurde 1951 gegründet und hat die Rechtsform eines nicht rechtsfähigen Vereins. Im Mai 2020 hatte der Verband über 1850 Mitglieder.

1983 kam es zur Spaltung der Organisation, welche die Gründung der stärker forschungsorientierten, wesentlich kleineren Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) nach sich zog.Wilhelm Bleek: Geschichte der Politikwissenschaft in Deutschland. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47173-0, S. 363.Tobias Bartels: Eine Disziplin – zwei Fachgesellschaften!? Ursachen und Hintergründe des Verhältnisses von DVPW und DGfP. In: Wilhelm Knelangen, Tine Stein (Hrsg.): Kontinuität und Kontroverse. Die Geschichte der Politikwissenschaft an der Universität Kiel. Klartext Verlag, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0763-8, S. 481–519. Von 2003 bis 2012 vergab die DVPW alle drei Jahre den nach Theodor Eschenburg benannten Theodor-Eschenburg-Preis.

Organisation

Mitgliedschaft Mitglied kann jede Person werden, die einen Master-Abschluss (oder äquivalent) in der Politikwissenschaft oder einer Nachbardisziplin hat und in wissenschaftlicher Lehre oder Forschung politikwissenschaftlich tätig ist, beispielsweise als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität oder einem Forschungsinstitut oder nachgewiesen durch eine politikwissenschaftliche Publikation bei einem Journal oder Verlag.

Hochschulabsolventen oder Studierende eines M.A.-Studiengangs mit politikwissenschaftlicher Ausrichtung können einen Antrag auf Schnuppermitgliedschaft stellen.

Vorstand Vorsitzender der DVPW ist Michael Koß, seine Stellvertreter sind Janne Mende und Markus Tepe.

Ehemalige Vorsitzende

Diana Panke (2021–2024) Armin Schäfer (2018–2021) Ferdinand Müller-Rommel (2016–2018) Armin Schäfer (2015–2016) (interim) Gabriele Abels (2012–2015) Hubertus Buchstein (2009–2012) Suzanne S. Schüttemeyer (2006–2009) Klaus Dieter Wolf (2003–2006) Jürgen Falter (2000–2003) Christine Landfried (1997–2000) Michael Th. Greven (1994–1997) Gerhard Lehmbruch (1991–1994) Beate Kohler-Koch (1988–1991) Hans-Hermann Hartwich (1983–1985; 1985–1988) Manfred Hättich (1981–1983) Thomas Ellwein (1977–1979; 1979–1981) Udo Bermbach (1975–1977) Klaus von Beyme (1973–1975) Winfried Steffani (1971–1973) Eugen Kogon, Winfried Steffani, Udo Bermbach (1970–1971) (interim) Hans Maier (1969–1970) Eugen Kogon (1967–1969) Karl Dietrich Bracher (1965–1967) Gilbert Ziebura (1964–1965) (interim) Siegfried Landshut (1964) Dolf Sternberger (1961–1963) Otto Heinrich von der Gablentz (1959–1961) Theodor Eschenburg (1956–1958; 1958–1959) Alexander Rüstow (1951–1954; 1954–1956)

Gliederungen

Der Verein ist in zehn Sektionen untergliedert.DVPW: Sektionen Daneben gibt es zehn ThemengruppenDVPW: Themengruppen und 28 ArbeitskreiseDVPW: Arbeitskreise.

Liste aller Sektionen und ihrer Sprecher

Sektion „Internationale Beziehungen“ Sonja Grimm, Julius-Maximilians-Universität WürzburgAlle Angaben zur Liste aller Sektionen und ihrer Sprecher beruhen auf: DVPW: Liste aller Sektionen und ihrer Sprecherinnen und Sprecher Markus Lederer, Technische Universität Darmstadt Melanie Morisse, Universität Leipzig Dennis Redeker, Universität Bremen.

Sektion „Methoden der Politikwissenschaft“ Denis Cohen, Universität Mannheim Theresa Gessler, Universität Hamburg Lukas Rudolph, Universität Konstanz

Sektion „Policy-Analyse und Verwaltungswissenschaft“ Nathalie Behnke, Technische Universität Darmstadt Michael Böcher, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Anna Wenz-Temming, Fernuniversität in Hagen Laurin Friedrich, Universität Duisburg-Essen.

Sektion „Politik und Geschlecht“ Esther M. Franke, The New School, New York Katharina Hajek, Universität Wien Nicola Mühlhäußer, Universität Bremen Marie Reusch, Justus-Liebig-Universität Gießen Tarek Shukrallah, Justus-Liebig-Universität Gießen.

Sektion „Politikwissenschaft und Politische Bildung“ Luisa Girnus, Universität Potsdam Isabelle-Christine Panreck, Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Marc Partetzke, Stiftung Universität Hildesheim.

Sektion „Politische Ökonomie“ Björn Bremer, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG) in Köln Lea Elsässer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz Thomas Rixen, Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin Clara Weinhardt, Universität Maastricht.

Sektion „Politische Soziologie“ Isabelle Borucki, Philipps-Universität Marburg Priska Daphi, Justus-Liebig-Universität Gießen Katharina van Elten, Ruhr-Universität Bochum Anna-Sophie Heinze, Leuphana Universität Lüneburg Conrad Ziller, Universität Duisburg-Essen.

Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“ Martin Nonhoff, Universität Bremen Svenja Ahlhaus, Universität Münster Thomas Biebricher, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Anna Meine, Universität Siegen. Hagen Schölzel, Universität Erfurt/Hochschule für Politik München.

Sektion „Regierungssystem und Regieren in der Bundesrepublik Deutschland“ Daniel Höhmann, Universität Basel Marion Reiser, Friedrich-Schiller-Universität Jena Julia Schwanholz, Universität Duisburg-Essen Christian Stecker, Technische Universität Darmstadt.

Sektion „Vergleichende Politikwissenschaft“ Iris Reus, Goethe-Universität Frankfurt am Main Thomas Richter, Leibniz Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) Kristina Weissenbach, Universität Duisburg-Essen.

Aktivitäten Kongresse und Tagungen Alle drei Jahre organisiert die DVPW einen großen wissenschaftlichen Kongress. 2024 lautete das Thema „Politik in der Polykrise“, Ort der Tagung war Göttingen vom 24. bis 27. September 2024. Die Tagung 2021 wurde Pandemie-bedingt online zum Thema „Wir haben die Wahl! Politik in Zeiten von Unsicherheit und Autokratisierung“ durchgeführt.

2018 fand er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main statt und stand unter dem Titel „Grenzen der Demokratie – Frontiers of Democracy“.Kongressankündigung auf der Website Der vorgehende Kongress zum Thema Vorsicht Sicherheit. Legitimationsprobeme der Ordnung von Freiheit fand vom 21. bis 25. September 2015 in Duisburg statt.Vgl.: Hartwig Hummel, Wilhelm Knelangen: Vorsicht Sicherheit. Legitimationsprobleme der Ordnung von Freiheit. Bericht vom 26. Wissenschaftlichen Kongress der DVPW an der Universität Duisburg-Essen, 21.–25. September 2015. In: Politische Vierteljahresschrift. 57. Jg., Heft 1, 2016, S. 1–10. Die Sektionen, Arbeitskreise und Ad-hoc-Gruppen treffen sich in der Regel ein- bis zweimal im Jahr zu kleineren Tagungen.

Außerdem veranstalten die drei wissenschaftlichen Fachverbände für Politikwissenschaft DVPW, ÖGPW und SVPW seit 1996 regelmäßig gemeinsame „Drei-Länder-Tagungen“.

Publikationen Zu den Publikationen der DVPW gehört die Fachzeitschrift Politische Vierteljahresschrift (PVS) und der DVPW-Rundbrief, der 2015 eingestellt wurde.

Theodor-Eschenburg-Preis

Von 2003 bis 2012 verlieh die DVPW alle drei Jahre den Theodor-Eschenburg-Preis an Politikwissenschaftler für ihr Lebenswerk. Die Preisverleihung fand im Rahmen ihres großen wissenschaftlichen Kongresses statt. Namensgeber war Theodor Eschenburg, einer der Gründungsväter der bundesrepublikanischen Politikwissenschaft.

Preisträger: 2003: Gerhard Lehmbruch 2006: Helga Haftendorn 2009: Wilhelm Hennis 2012: Claus Offe

Im Jahr 2011 wurde durch Archivfunde bekannt, dass Theodor Eschenburg 1938 an der „Arisierung“ einer Fabrik in Berlin beteiligt war. Daraufhin wurde auf dem DVPW-Kongress im September 2012 diskutiert, ob der Theodor-Eschenburg-Preis umbenannt werden sollte.Bericht über die den DVPW-Kongress 2012 Ein Gutachten, das die DVPW bei einer Mitarbeiterin des DVPW-Vorsitzenden in Auftrag gegeben hatte, empfahl die Umbenennung des Preises.Hannah Bethke: Theodor Eschenburg in der NS-Zeit. Gutachten im Auftrag von Vorstand und Beirat der DVPW. 3. September 2012. Es entwickelte sich eine heftige Kontroverse über Eschenburgs Rolle im Nationalsozialismus, die unter anderem in Fachzeitschriften sowie in Tages- und Wochenzeitungen geführt wurde (siehe Eschenburg-Debatte). Am 26. Oktober 2013 beschloss die DVPW, den Preis nicht mehr zu verleihen.DVPW verleiht ihren Lebenswerk-Preis nicht weiter. Politologen ziehen Konsequenzen aus der Kontroverse um Theodor Eschenburg Pressemitteilung der DVPW, 27. Oktober 2013 (PDF).

Nachwuchspreis der DVPW für die beste Dissertation Die DVPW vergibt seit 2002 jährlich einen mit 1000 Euro dotierten Nachwuchspreis für die beste im Vorjahr veröffentlichte politikwissenschaftliche Dissertation. Die ausgezeichneten Arbeiten werden mit einer Laudatio in der Politischen Vierteljahresschrift gewürdigt.

Preisträger: 2002: Timm Beichelt 2003: Ulrich Schneckener 2004: Matthias Bernt 2005: Nathalie Behnke 2006: Anna Geis 2007: Nicole Deitelhoff, Christine Quittkat 2008: Daniel Poelchau 2009: Matthias Iser 2010: Michael Bechtel, Brigitte Weiffen 2011: Thorsten Faas 2012: Ulrike Klinger 2013: Sophia Schubert 2014: keine Preisvergabe 2015: Patrick A. Mello 2016: Cord Schmelzle 2017: Julian L. Garritzmann, Philipp Erbentraut 2018: keine Preisvergabe 2019: Manon Westphal 2020: Nabila Abbas, Benjamin G. Engst 2021: Jannis Julien Grimm 2022: Cédric Maxime Koch 2023: Sara Gebh 2024: Nele Kortendiek

Weitere Wissenschaftspreise der DVPW In den Jahren 2004 bis 2009 verlieh die DVPW Förderpreise für die beste Post-doc-Arbeit, dotiert mit einem Preisgeld von 1000 Euro.

Preisträger: 2004: Susanne Lütz für ihr Buch Der Staat und die Globalisierung von Finanzmärkten. Regulative Politik in Deutschland, Großbritannien und den USA 2005: Olaf Asbach für sein Buch Staat und Politik zwischen Absolutismus und Aufklärung. Der Abbé de Saint-Pierre und die Herausbildung der französischen Aufklärung bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts 2006: Klaus Schlichte für sein Buch Der Staat in der Weltgesellschaft. Politische Herrschaft in Asien, Afrika und Lateinamerika 2007: Antonius Liedhegener für sein Buch Macht, Moral und Mehrheiten. Der politische Katholizismus in der Bundesrepublik Deutschland und den USA seit 1960 2008: Joachim Blatter für sein Buch Governance – theoretische Formen und historische Transformationen; Matthias Bohlender für sein Buch Metamorphosen des liberalen Regierungsdenkens: Politische Ökonomie, Polizei und Pauperismus 2009: Astrid Lorenz für ihr Buch Verfassungsänderungen in etablierten Demokratien. Motivlagen und Aushandlungsmuster

Außerdem wurden bisher zwei besondere Wissenschaftspreise mit einem Preisgeld von 2000 Euro vergeben: 2006: Wissenschaftspreis für eine Arbeit aus dem Bereich der Genderforschung Preisträgerin: Barbara Holland-Cunz für ihr Buch Die Regierung des Wissens. Wissenschaft, Politik und Geschlecht in der Wissensgesellschaft 2009: Wissenschaftspreis für eine Arbeit aus dem Forschungsbereich „Nachhaltige Politik“ Preisträger: Philipp H. Pattberg für sein Buch Private Institutions and Global Governance. The New Politics of Environmental Sustainability

Frauen in der DVPW Nachdem der Frauenanteil in der DVPW lange Zeit sehr gering war, veränderte sich dies mit steigendem Frauenanteil in der politikwissenschaftlichen Ausbildung seit etwa 1990 langsam. So waren Ende 2008 ca. 26 % aller Mitglieder der Vereinigung Frauen, im September 2015 lag die Quote bei 30,05 %. Diese Zahlen stehen jedoch im Missverhältnis zu dem Anteil der Frauen an den Diplom- und Masterabschlüssen in dieser Disziplin, der 2007 schon bei gut 47 % lag.