mini|Karl Mildenberger (rechts) gegen Ulrich Ritter in der Kieler Ostseehalle (1963) Karl Mildenberger (* 23. November 1937 in Kaiserslautern; † 4. Oktober 2018 ebenda) war ein deutscher Boxer und von 1964 bis 1968 EBU-Boxeuropameister im Schwergewicht.

Mildenberger boxte in der für seine Zeit untypischen Rechtsauslage. Als Profi absolvierte er von 1958 bis 1969 insgesamt 62 Kämpfe, von denen er 53 gewann (19 davon durch K. o.), bei drei Unentschieden und sechs Niederlagen. Zeitweise war er in den 1960er-Jahren der einzige Europäer in der Weltrangliste, die er zeitweilig sogar anführte.

Boxkarriere Amateur Mildenberger begann seine Boxkarriere 1946 mit Training in der Jugendstaffel der Boxabteilung des 1. FC Kaiserslautern, die von seinem Onkel Richard Mildenberger geleitet wurde. Aufgrund der Kriegsschäden des Zweiten Weltkriegs trainierte er im Sommerhalbjahr zeitweise auf dem Rasen des Betzenbergstadions. Mit elf Jahren bestritt er seinen ersten Amateurboxkampf und gelangte 1956 in die bundesdeutsche Amateurstaffel. 1958 gewann er den Deutschen Amateurmeistertitel.Geburtstage – Karl Mildenberger wird 56. In: Sport-Bild. 16. November 1993, S. 69.

Profi EM-Kämpfe Im selben Jahr wurde Mildenberger Profi im Boxstall von Promoter Willy Knörzer. Nach dessen Tod 1960 wurde Bruno Müller sein Trainer. Bei seinem ersten EM-Kampf unterlag er am 24. Februar 1962 gegen Dick Richardson in Dortmund durch K. o. in Runde 1. Nach dieser „Blitz-K.-o.-Niederlage“ wurde Mildenberger in Anlehnung an Karl den Großen, dessen Namen er als Spitznamen seit seinem Sieg gegen Howard King trug, von der Bild-Zeitung als „Karl der Flache“ bespöttelt. Den Europameistertitel gewann er im zweiten Anlauf in seinem 45. Kampf gegen Sante Amonti am 17. Oktober 1964 in Berlin durch K. o. in der ersten Runde. Sechsmal verteidigte Mildenberger den Europameistertitel erfolgreich: 14. Mai 1965 in Frankfurt durch Punktsieg gegen Piero Tomasoni, 26. November 1965 in Frankfurt durch Punktsieg gegen Gerhard Zech, 15. Juni 1966 in Frankfurt durch Punktsieg gegen Yvan Preburg, 1. Februar 1967 in Frankfurt durch Punktsieg gegen Piero Tomasoni, 21. Mai 1967 in London durch K.-o. in der achten Runde gegen Billy Walker, 31. Dezember 1967 in Berlin durch Punktsieg gegen Gerhard Zech.

Am 18. September 1968 verlor Mildenberger den EM-Kampf gegen den englischen „British Empire Heavyweight Champion“ Henry Cooper wegen eines Kopfstoßes durch Disqualifikation in der achten Runde.

WM-Kämpfe Mildenbergers wohl bedeutendster Kampf fand am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion statt. An jenem Tag lieferte der amtierende Europameister vor 45.000 Zuschauern dem Schwergewichts-Weltmeister Muhammad Ali bis in die zwölfte Runde einen großartigen Kampf und machte diesem schwer zu schaffen. Er setzte Ali vor allem in der sechsten und siebten Runde mit seiner gefürchteten Linken unter Druck. Doch wegen einer Platzwunde über dem linken Auge nahm der Ringrichter den angeschlagenen Mildenberger in der zwölften Runde aus dem Kampf. „Es war mein schwerster Kampf seit dem Titelgewinn gegen Sonny Liston“, sagte Ali nach seiner sechsten erfolgreichen Titelverteidigung und kündigte an, nie wieder gegen Karl Mildenberger boxen zu wollen. Es war der erste Schwergewichts-Weltmeisterschaftskampf, der in Deutschland ausgetragen wurde. Der Kampf wurde in 11 europäischen Ländern live im Fernsehen übertragen, nicht aber in Deutschland.

Als Muhammad Ali 1967 der Titel aberkannt wurde, war Mildenberger erneut Weltranglistenerster. In einem WM-Ausscheidungskampf erlitt er jedoch gegen den Argentinier Óscar Bonavena am 16. September 1967 in Frankfurt eine schwere Niederlage nach zwölf Runden und ging dabei viermal zu Boden.

Nach dem Boxen 1969 zog sich Mildenberger vom Boxsport zurück. Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn blieb er jedoch neben seiner Arbeit bei der Bayerischen Brauerei Kaiserslautern stets seinen sportlichen Aspekten im Leben treu. Dies spiegelte sich in einer Anstellung als Rettungsschwimmer beim Sport- und Bäderamt in Kaiserslautern wider, die er bis zum hohen Rentenalter ausübte.

Sein Wissen und seine Erfahrungen um den Boxsport gab er der Boxabteilung seiner Heimatstadt Kaiserslautern weiter. Dort engagierte er sich ehrenamtlich für den Nachwuchs. Bei großen Box-Veranstaltungen in Deutschland, beispielsweise bei den WM-Kämpfen von Axel Schulz, war er immer wieder zu sehen.

Bei der Deutschland-Premiere des Kinofilms Ali 2002 in Riesa war der Kontrahent von 1966 ebenfalls zu Gast und traf dort Ali nach vielen Jahren wieder. Dabei forderte ihn der schwerkranke Ali sogar nochmal zu einem kleinen Sparring heraus.

Karl Mildenberger lebte in Kaiserslautern und starb dort am 4. Oktober 2018 im Alter von 80 Jahren in einem Hospiz. Er ruht auf dem Friedhof von Hohenecken, einem Stadtteil von Kaiserslautern.

Liste der Profikämpfe 53 Siege (19 K.-o.-Siege), 6 Niederlagen, 3 Unentschieden Jahr Tag Ort Gegner Ergebnis für Mildenberger 1958 15. Oktober Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Manfred Striemer Sieg / KO 1. Runde 9. November , Karlsruhe, Deutschland Günter Huber Punktsieg / 4 Runden 15. November Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Andre Oueille Sieg / TKO 5. Runde 5. Dezember Bayernhalle, München, Deutschland Mariano Echevarria Punktsieg / 8 Runden 13. Dezember Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Andre Wyns Punktsieg / 8 Runden 1959 14. Februar Landwirtschaftshalle, Kaiserslautern, Deutschland Louis De Bolster Sieg / KO 3. Runde 14. März Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Alain Cherville Punktsieg / 8 Runden 24. April , Essen, Deutschland Pedro Klijssen Punktsieg / 8 Runden 9. Mai Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Jacques Bro Sieg / KO 5. Runde 6. Juni Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Wim Snoek Punktsieg / 8 Runden 4. Juli , Berlin, Deutschland Arthur Howard Punktsieg / 8 Runden 7. November Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Helmut Ball Niederlage / KO 7. Runde 12. Dezember Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Wim Snoek Punktsieg / 8 Runden 30. Dezember , Berlin, Deutschland Jimmy Slade Punktsieg / 8 Runden 1960 13. Februar Killesberghalle, Stuttgart, Deutschland Ron Redrup Sieg / TKO 7. Runde 8. April , Berlin, Deutschland Sam Langford Sieg / TKO 3. Runde 22. April , Kiel, Deutschland Francois Kania Sieg / KO 3. Runde 6. Mai , Hamburg, Deutschland Alex Buxton Punktsieg / 8 Runden 1. Oktober , Dortmund, Deutschland Alain Cherville Sieg / TKO 4. Runde 29. Oktober , Kiel, Deutschland Robert Archie Moore Punktsieg / 8 Runden 26. November , Frankfurt, Deutschland Hans Friedrich Sieg / TKO 3. Runde 7. Dezember Bologna, Italien Franco Cavicchi Punktsieg / 10 Runden 1961 20. Januar , Berlin, Deutschland Harold Carter Sieg / TKO 8. Runde 17. März , Berlin, Deutschland Thoerner Ahsman Sieg / TKO 4. Runde 28. April , Berlin, Deutschland Frankie Daniels Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 3. Juni , Köln, Deutschland Walter Haufft Sieg / TKO 2. Runde 10. September , Köln, Deutschland Jose Gonzalez Sieg / KO 2. Runde 29. September , Berlin, Deutschland Young Jack Johnson Punktsieg / 10 Runden 3. November , Hamburg, Deutschland Wayne Bethea Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 24. November , Frankfurt, Deutschland Howard King Punktsieg / 10 Runden 1962 20. Januar , Dortmund, Deutschland Punktsieg / 10 Runden 24. Februar , Dortmund, Deutschland EBU-Schwergewicht-Europameisterschaft Niederlage / KO 1. Runde 1. September Messesporthalle, Köln, Deutschland Federico Friso Punktsieg / 10 Runden 6. Oktober Messesporthalle, Köln, Deutschland John Henry Punktsieg / 8 Runden 17. November , Dortmund, Deutschland Alonzo Johnson Punktsieg / 10 Runden 30. November , Frankfurt, Deutschland Joe Bygraves Punktsieg / 3 Runden 1963 26. Januar , Berlin, Deutschland Archie McBride Unentschieden / 10 Runden 20. April , Kiel, Deutschland Ulli Ritter Punktsieg / 10 Runden 10. Mai , Berlin, Deutschland Von Clay Punktsieg / 10 Runden 6. Juli , Berlin, Deutschland Wayne Bethea Punktsieg / 10 Runden 13. Oktober , Dortmund, Deutschland Punktsieg / 10 Runden 29. November , Frankfurt, Deutschland Billy Daniels Sieg / KO 3. Runde 1964 25. Januar , Berlin, Deutschland Archie McBride Punktsieg / 10 Runden 17. April , Frankfurt, Deutschland Unentschieden / 10 Runden 17. Oktober , Berlin, Deutschland Santo AmontiEBU-Schwergewicht-Europameisterschaft Sieg / KO 1. Runde 20. November , Berlin, Deutschland Amos Johnson Unentschieden / 10 Runden 4. Dezember , Frankfurt, Deutschland Ollie Wilson Sieg / TKO 4. Runde 1965 22. Januar , Frankfurt, Deutschland Jefferson Davis Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 9. April , Hamburg, Deutschland Kirk Barrow Sieg / TKO 5. Runde 14. Mai , Frankfurt, Deutschland Piero TomasoniEBU-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg / 15 Runden 10. September , Hamburg, Deutschland Dave Bailey Punktsieg / 10 Runden 26. November , Frankfurt, Deutschland EBU-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg / 15 Runden 1966 3. Februar , Frankfurt, Deutschland Punktsieg / 10 Runden 15. Juni , Frankfurt, Deutschland Ivan PrebegEBU-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg / 15 Runden 10. September , Frankfurt, Deutschland WBC-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Niederlage / TKO 12. Runde 1967 1. Februar , Frankfurt, Deutschland Piero TomasoniEBU-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg / 15 Runden 21. März , London, Großbritannien Billy WalkerEBU-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 8. Runde 6. Mai , Frankfurt, Deutschland Amos Lincoln Sieg / TKO 6. Runde 16. September , Frankfurt, Deutschland Punktniederlage (einstimmig) / 12 Runden 30. Dezember , Berlin, Deutschland EBU-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg / 15 Runden 1968 5. April , Frankfurt, Deutschland Niederlage / KO 7. Runde 18. September , London, Großbritannien EBU-Schwergewicht-Titelverteidigung Niederlage / Disqualifikation 8. RundeQuelle:

Ehrungen 2003: Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz 2007: Silberne Stadtplakette der Stadt Kaiserslautern

Sonstiges Der Kampf Mildenbergers gegen den Amerikaner Archie McBride, der am Freitag, den 25. Januar 1963 im Berliner Sportpalast hätte stattfinden sollen, wurde von den Veranstaltern vorsorglich um einen Tag verschoben, weil man fürchten musste, dass das Publikum an diesem Abend ausbleiben würde. Der Grund war die Fernsehausstrahlung der sechsten und letzten Folge des Kriminalfilms Tim Frazer von Francis Durbridge, die eine Einschaltquote von 93 % erreichte. Beim Auswärtssieg vom 1. FC Kaiserslautern gegen den Karlsruher SC am 18. Oktober 2025 wurde Mildenberger in einer Choreo geehrt.Der Betze Brennt: "Rote Ecke zum Sieg": Last-Minute-K.o. sorgt für Ekstase im Gästeblock

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Boxer (Deutschland) Kategorie:Europameister (Boxen) Kategorie:Deutscher Meister (Boxen) Kategorie:Sportler (1. FC Kaiserslautern) Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Gestorben 2018 Kategorie:Mann