mini|hochkant=1.2|Bad Pyrmont, Ansicht von Süden Bad Pyrmont [, auch ] (bis 1914 Pyrmont) ist eine Kurstadt und eine selbständige Gemeinde im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen.
Bad Pyrmont ist als niedersächsisches Staatsbad ein traditionsreiches Kurbad mit vielen Kureinrichtungen von hohem nationalen und internationalen Rang. Der Ort beherbergt einen großzügigen Kurpark, dessen Palmengarten die größte Palmenfreianlage nördlich der Alpen ist.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Bad Pyrmont liegt im Weserbergland zwischen dem etwa 20 Kilometer entfernten Hameln und dem etwa 60 Kilometer entfernten Paderborn. Durch die Stadt verläuft die deutsch-niederländische Ferienstraße Oranier-Route. Sie verbindet Städte und Regionen, die dem Haus Oranien-Nassau seit Jahrhunderten verbunden sind. Die Emmer fließt durch das Stadtgebiet.
Nachbargemeinden Das Stadtgebiet grenzt im Uhrzeigersinn an die niedersächsischen Gemeinden Aerzen, Emmerthal und die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle (Ottenstein, Vahlbruch) sowie an die Städte Lügde, Blomberg und Barntrup im Kreis Lippe (Nordrhein-Westfalen).
Stadtgliederung Die Stadt besteht aus ursprünglich zwölf Ortslagen, die teilweise verschmolzen sind. Den größten Siedlungsbereich rund um den Kurpark bilden Pyrmont (Kernstadt) Oesdorf Holzhausen
Eigene Ortschaften mit Ortsrat sind Hagen Löwensen mit Friedensthal
Eigene Ortschaften mit Ortsvorsteher sind Baarsen Eichenborn Großenberg Kleinenberg Neersen Thal
Geschichte Vorgeschichtliche Besiedlung Hinweise auf die urgeschichtliche Anwesenheit von Menschen im Pyrmonter Tal sind spärlich, aber durchaus vorhanden. Auch wenn Siedlungsspuren bislang komplett fehlen, liefern doch einige Funde Belege für den Aufenthalt von Menschen seit dem Jungpaläolithikum. Ob es zu einer durchgängigen Besiedlung seit dem Neolithikum gekommen ist oder ob diese durch diverse Hiaten unterbrochen wurde, lässt sich noch nicht feststellen. mini|Emaillierte Schöpfkelle und Fibeln aus dem Pyrmonter Brunnenfund von 1863, datiert auf das 2. JahrhundertWolf-Rüdiger Teegen: Der Pyrmonter Brunnenfund. Dissertation Göttingen 1996. (Museum im Schloss) Zu den ältesten Funden, die auf dem Gebiet des heutigen Pyrmonts gemacht werden konnten, gehören Tierknochen aus dem Jungpaläolithikum. Vom am Fuße des Königsberges stammen Mikrolithenfunde. Aufgrund ihrer geringen Größe und der Bearbeitungstechnik werden diese Funde ins Mesolithikum datiert. Dafür, dass alt- und mittelsteinzeitliche Jagdgruppen hier Beutetiere erlegen konnten, sprechen Funde von Knochen- und Geweihfunden steinzeitlicher Hirsche sowie Mammutzähnen aus eiszeitlichen Schotterschichten der Emmer.F. M. Andraschko: Zur Urgeschichte des Pyrmonter Tales. In: F. M. Andraschko und W.-R. Teegen: Der Brunnenfund von Bad Pyrmont und die Ur- und Frühgeschichte des Pyrmonter Tales. Bildheft des Museums im Schloß Bad Pyrmont Nr. 3 (Bad Pyrmont 1988), S. 4–8.
Aus dem Neolithikum stammen einige Felsgesteingeräte, unter anderem ein spitznackiges Beil der Michelsberger Kultur aus Eichenborn, sowie Knochenpfrieme und Geweihhacken. In die Zeit der Trichterbecherkultur sind mehrere Rechteckbeile zu datieren.W.-R. Teegen: Studien zu dem kaiserzeitlichen Quellopferfund von Bad Pyrmont. Berlin / New York 1999, S. 19 f.
Aus den Moorteichen südwestlich der Erdfälle im Stadtteil Holzhausen konnten 1955 Reste einer Kugelamphore sowie weitere Gefäßscherben geborgen werden. Aufgrund ihrer typischen Verzierungen und Machart kann man die Funde am ehesten zur Gruppe der Kugelamphorenkultur zählen. Diese Kultur war während der Zeit des Spät- und Endneolithikums in großen Teilen Mittel- und Osteuropas verbreitet. Der Fund von Holzhausen ist einer der westlichsten Funde, die aus der Kugelamphorenkultur bekannt sind.R. Maier: Die Kugelamphore von Holzhausen, Stadt Bad Pyrmont, Ldkr. Hameln-Pyrmont – Zur Kugelamphorenkultur in Niedersachsen. In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Bd. 60, 1991, S. 3–88.
Aus dem Moor wurden zwischen 1939 und den 1950er Jahren eine Reihe weiterer Funde gemacht. Unter anderem wurden beim Torfstechen ein menschlicher Unterkiefer, Tierknochen, Klopfsteine und Feuersteinknollen geborgen. Aus welchem archäologischen Kontext diese Funde stammen, lässt sich aufgrund der Bergungs- und Dokumentationsumstände nicht mehr genau klären. Aufgrund der Machart und der Nähe zu den Funden der Kugelamphorenkultur ist eine Datierung in das Neolithikum ebenfalls wahrscheinlich.
Vermutlich aus dem Übergang vom Endneolithikum zur frühen Bronzezeit stammt eine Doppelaxt aus fast reinem Kupfer. Diese wurde 1900 im Holzhäuser Bruch beim Ausheben von Verkopplungsgräben gefunden. Ähnliche Vertreter dieser Fundgruppe sind aus Nordwestdeutschland hauptsächlich von der Weser und ihren Nebenflüssen bekannt. Aufgrund ihres schmalen Schaftlochs war sie wohl nicht für den normalen Gebrauch bestimmt, sondern diente möglicherweise als Prestige- oder Kultgegenstand. Hierfür spricht auch das Herstellungsmaterial. Kupfer war ein sehr seltenes und kostbares Material, das zu dieser Zeit über weite Strecken verhandelt wurde. Die Niederlegung in einem Moor lässt daher die Deutung als Opfergabe zu, eine Vorgehensweise, die beim Brunnenfund zu späterer Zeit nochmals in deutlicherer Form auftritt.W. R. Lange, Walter Nowothnig: Vor- und frühgeschichtliche Funde im mittleren Wesergebiet. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Bd. 4: Hameln – Deister – Rinteln – Minden. Mainz 1966, S. 6–40.
Weitere Hinweise für eine bronzezeitliche Besiedlung stellen die typischen Hügelgräber dar, die teilweise heute noch im Gelände erhalten sind. Aus den Emmerniederungen stammen einige Einzelfunde, die sich in die Bronzezeit datieren lassen. Aus der vorrömischen Eisenzeit fehlen Funde im Pyrmonter Stadtgebiet bislang komplett. Dies muss nicht unbedingt für eine Siedlungslücke sprechen, sondern könnte dem allgemein ungenügenden archäologischen Forschungsstand geschuldet sein.
Territorialgeschichte Die Anfänge des Ortes Pyrmont liegen im Mittelalter. Nach dem Sturz Herzog Heinrichs des Löwen im Jahr 1180 fiel der westliche Teil des alten Herzogtums Sachsen an den Erzbischof von Köln. Ihm unterwarfen sich auch die Grafen von Schwalenberg. Auf Schwalenberger Gebiet errichtete der Erzbischof von Köln, Philipp I. von Heinsberg, auf dem Schellenberg eine Burg, die er nach dem Kölner Bistumspatron Petrus benannte, lateinisch „petri mons“, was auf Deutsch soviel heißt wie Petersberg. 1184 taucht (Bad) Pyrmont dann erstmals in historischen Aufzeichnungen auf. Ein weiterer Name ist piremont. Heute ist nicht geklärt, aus welchem der beiden Namen sich das heutige Pyrmont entwickelte. Im Mittelalter war Pyrmont Sitz der kleinen Grafschaft Pyrmont, die 1625 durch Erbschaft an die Grafen von Waldeck fiel: Am 7. Mai 1625 übertrug Graf Hans Ludwig zu Gleichen seinen Vettern Christian und Wolrad zu Waldeck die Herrschaft über Pyrmont. Der Ort Pyrmont bestand zu dieser Zeit aus dem alten Wasserschloss und einem kleinen Häuschen am sogenannten „Heiligborn“.
Die Grafschaft gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Der bekannteste Vertreter der Grafen zu Waldeck, Georg Friedrich zu Waldeck (1620–1692) ließ im Jahr 1668 den Quellbach zuwerfen und pflanzte die spätere vierreihige Lindenallee. Ihm folgten Christian Ludwig zu Waldeck (1692–1706) und Friedrich Anton Ulrich zu Waldeck (1706–1728). Bei dessen Tod war Pyrmont zu der Gesamtkonzeption gewachsen, die noch heute erkennbar ist: das Barockschloss, die Haupt- mit mehreren Nebenalleen sowie die Brunnenstraße. In dieser Zeit begann der Aufstieg Pyrmonts zu einem beliebten Bade- und Erholungsort der oberen Schichten, der sogar dem berühmten Karlsbad seinen ersten Platz unter den europäischen Bädern streitig machte.
Im Jahre 1681 fand die Große Fürstenversammlung in Pyrmont statt, der sogenannte Fürstensommer.Reiseführer von Bad Pyrmont bei urbs.de, abgerufen am 16. Mai 2018. 1712 wurden die Grafen von Waldeck und Pyrmont durch Kaiser Karl VI. in den erblichen Fürstenstand erhoben. 1720 erfolgte die Verleihung der Stadtrechte an die „Neustadt Pyrmont“.
Nach einer Erbteilung 1805 war Pyrmont kurzfristig noch einmal bis 1812 selbständig, wurde dann aber wieder mit Waldeck vereinigt. Das Fürstentum Waldeck-Pyrmont behielt seinen Status nach dem Wiener Kongress 1815 und wurde Mitglied des Deutschen Bundes. Von 1868 an wurde es von Preußen verwaltet, behielt aber seine nominelle Souveränität und wurde 1871 Mitgliedstaat in Bismarcks Deutschem Reich. 1872 bekam Pyrmont eine Eisenbahnanbindung an die Bahnstrecke Hannover–Altenbeken, 1879 wurde zwischen Bahnhof und Stadt eine Pferdebahn eingerichtet. Mit der Abdankung des letzten Fürsten nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde Waldeck-Pyrmont ein Freistaat in der Weimarer Republik. Nach einer Volksabstimmung am 30. November 1921 gelangten die Stadt und der umliegende Bezirk mit Wirkung vom 1. April 1922 an Preußen, das sie in die preußische Provinz Hannover eingegliederte.
Ortsname Frühere Formen des Ortsnamens von Pyrmont waren 889 Piringisa-marca (für das Gebiet um Pyrmont), 1184 (Kopie 14. Jh.) castrum Perremont und 1186 apud Pyerremont. Das Grundwort (Hinterglied) ist das erschlossene germanische Wort *mend-, *mund- für „Erhebung“ (vgl. etwa Dortmund), das urverwandt ist mit lateinisch mōns „Berg“. Das Bestimmungswort (Vorderglied) ist das nur aus Namen erschließbare germanische Wort *pirra „Quelle“. Der seit dem 12. Jahrhundert bezeugte Ortsname bedeutet damit „Quellenberg“. Der älteste bekannte, von 889 stammende Name für das Gebiet ist hingegen eine Zusammensetzung von altsächsisch marka „Mark“ und pirra „Quelle“ + althochdeutsch giozo „Bach, Wasser“ und bedeutete „Mark (Gebiet) um den Quellbach“.Kirstin Casemir: Pyrmont, Bad. In: Manfred Niemeyer: Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 500 f.
Einer anderen Herleitung zufolge entstand der Name der Grafschaft Pyrmont über Pierre Mont aus dem Namen der kurkölnischen Burg Petri mons auf dem Schellenberg,museumpyrmont.de
Kurbad mini|Promenade um 1780 mini|Bad Pyrmont, Souvenirblatt, 1881 mini|Schloss um 1900 mini|Pyrmont um 1900
Bad Pyrmont wurde als Kurbad in den Jahren 1556/57 berühmt, als 10.000 Menschen aus ganz Europa herbeikamen („großes Wundergeläuf“),Wundergeläuf bei pyrmonter-fuerstentreff.de, abgerufen am 16. Mai 2018. um Heilung zu finden und die wundertätige Quelle zu erleben. Die bis heute einmalige Dunsthöhle, auf Staatsbad Pyrmont, 28. Juni 2008. wo natürliche Kohlensäure (als Mofette) an die Oberfläche steigt, wurde schon durch den 1712 nach Pyrmont gekommenen Brunnenarzt Johann Philipp Seip wissenschaftlich untersucht.Siehe dazu Johann Philipp Seip: Neue Beschreibung der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Darinnen derselben Historie, wahrer mineralischer Jnhalt und Gebrauch, Beydes Jm Trincken und Baden umständlich erörthert und vorgestellet wird. Förster, Hannover 1717. Diese Kohlensäure wird auch als therapeutisches Mittel eingesetzt. Genutzt werden heute sechs Heilquellen, von denen auch die Hufelandtherme – ein öffentliches Wellness-Schwimmbad mit Saunalandschaft – versorgt wird.
Schon die Römer und Germanen kannten und nutzten die Pyrmonter Heilquellen. Das ist durch ungefähr 300 bronzene Fibeln, drei römische Denare und eine provinzialrömische emaillierte Schöpfkelle belegt, die im Jahr 1863 bei Bauarbeiten an der Brodelquelle entdeckt wurden. Die Funde stammen aus der Zeit der letzten Jahrzehnte v. Chr. bis weit ins 4. Jahrhundert hinein, wobei ein Schwerpunkt offenbar am Ende des 2. und Beginn des 3. Jahrhunderts liegt. Ob es sich dabei um ein altes Quellheiligtum mit Opfergaben oder ein Heilbad mit lediglich verlorenen Gegenständen handelt, ist umstritten.Reinhard Dzingel: Der Pyrmonter Brodelbrunnen. Moisburg 2007 (PDF; 23 kB)
Das Bad Pyrmonter Kur-Journal gilt als „die älteste Kurzeitung der Welt – seit 1746“ (Untertitel).
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