Die Danmarks Kommunistiske Parti (deutsch Kommunistische Partei Dänemarks; kurz DKP) ist eine 1919 entstandene kommunistische Partei in Dänemark. Sie vertritt einen marxistisch-leninistischen Standpunkt.
1919 als Danmarks Venstresocialistiske Parti (deutsch Linkssozialistische Partei Dänemarks) gegründet, nahm sie 1920 ihren noch bis heute gültigen Namen an.
Geschichte 1919 bis 1945 Die DKP ist die älteste kommunistische Partei in Dänemark.Henning Schmaltz-Jørgensen (Red.): Valg og vælgere, Chr. Erichsens Forlag, Kopenhagen 1970, ISBN 87-555-0045-5, S. 50 f. Sie wurde am 9. November 1919 unter Beteiligung von Mitgliedern des Socialdemokratisk Ungdomsforbund (SUF), der Socialistisk Arbejderparti und der Uafhængige Socialdemokrati gegründet.
Die junge Partei war in den ersten Jahren ihrer Existenz von einer ausgeprägten Heterogenität geprägt. 1922 spaltete sich unter der Führung des ehemaligen SUF-Mitglieds Sigvald Hellberg aufgrund der Kritik an der Rolle der Komintern für die Politik der DKP ein Teil der Partei ab und gründete eine eigene kommunistische Organisation. Diese vereinigte sich 1923 wieder mit der DKP. Eintrag Hellbergs im Lexikon für das 21. Jahrhundert (dän.)
Die DKP saß vor dem Krieg von 1932 bis 1941 im Folketing. 1941 wurden die Kommunisten von der deutschen Besatzungsmacht verboten. Die meisten Kommunisten wurden verhaftet und in deutsche Konzentrationslager geschickt.
1945 bis 1989 Nach dem Krieg war die DKP von 1945 bis 1960 und von 1973 bis 1979 im Parlament vertreten. Die Zahl der Mitglieder sank von etwa 60.000 in den ersten Nachkriegsjahren auf unter 300 heute.
Die DKP war in vielen der neuen sozialen Bewegungen, die in den 1960er Jahren wuchsen und die Grundlage der sogenannten „neuen Linken“ bildeten, relativ schwach, behielt aber einen gewissen Einfluss in der Gewerkschaftsbewegung. Erst nach dem Referendum über die dänische EG-Mitgliedschaft 1972 konnte sie wieder an Boden gewinnen und sich in den 1970er Jahren, teilweise auch in den frühen 1980er Jahren, wieder als Anziehungspunkt für jüngere linke Kräfte etablieren.Danmarks Kommunistiske Parti auf danmarkshistorien.dk (dän.)
Seit 1989 Die DKP bildete 1989 mit den Linkssozialisten (Venstresocialisterne) und der trotzkistischen Sozialistischen Arbeiterpartei (Socialistisk Arbejderparti) die sozialistisch-grüne Einheitsliste, die seit 1994 im Folketing sitzt. Auf den Parteitagen im Januar und April 1990 sprach sich eine Mehrheit der DKP für eine programmatische Erneuerung aus und wollte die Partei als Ganzes in den Aufbau einer neuen linksgerichteten Partei links der Sozialistischen Volkspartei (Socialistisk Folkeparti) einbeziehen. Eine Minderheit drängte hingegen darauf, die politische Linie und Identität zu bewahren, welche die DKP in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hatte. Diese Minderheit spaltete sich von der DKP ab und gründete 1990 das Kommunistische Forum (Kommunistisk Forum), das 1993 seinen Namen in Kommunistische Partei in Dänemark (Kommunistisk Parti i Danmark, KPiD) änderte.
Vor dem 31. Parteitag 1991 traten etwa die Hälfte aller bis dahin registrierten Mitglieder aus der Partei aus (was die Mitgliedschaft auf 2.600 Personen schrumpfen ließ), der Parteivorsitzende Ole Sohn trat zurück und ihm folgte eine kollektive Führung, eine Initiative von Teilen der Mitgliedschaft zur Auflösung der DKP war jedoch erfolglos.Dänischer KP-Chef will zurücktreten, ND 13. März 1991KP Dänemarks: Wir machen weiter, ND 19. März 1991Triumvirat leitet die KP Dänemarks, ND 9. April 1991 Auf dem 32. Parteitag 1992 wurde beschlossen, die 1989 gebildete Einheitsliste zu einer vollständigen Partei auszubauen, wofür die DKP als unabhängige politische und organisatorische Kraft die Grundlage bilden sollte. Gleichzeitig wurden grundlegende Änderungen an Programm und Statut der DKP vorgenommen. Als 1994 die Einheitsliste in das Parlament gewählt wurde, ließ dies erneut Diskussionen über eine mögliche Auflösung der Partei aufkommen, die jedoch keine Mehrheit fanden. Aufgrund schwerwiegender finanzieller Probleme trat die für ein Aufgehen in der Einheitsliste stehende Parteiführung 1995 geschlossen zurück. Die folgenden Jahre waren geprägt durch innerparteiliche Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern einer größeren Anbindung der Partei an die Einheitsliste und Befürwortern einer größeren inhaltlichen und organisatorischen Unabhängigkeit von dieser. Erst 2001 konnten diese zugunsten letzterer beendet werden. Die neue Führung richtete die Partei wieder stärker marxistisch-leninistisch aus, suchte Kontakt zu anderen kommunistischen Gruppen in Dänemark sowie international und nahm 2002 erstmals am Internationalen Treffen Kommunistischer und Arbeiterparteien teil.Geschichte der DKP (dän.)
2023 wiedervereinigte sich die DKP jedoch mit der 1993 von ihr abgespaltenen Kommunistisk Parti i Danmark (deutsch: Kommunistische Partei in Dänemark, abgek. KPiD)Denmark's Communist Parties are being reunited idcommunism.com, welche Mitglied der Initiative kommunistischer und Arbeiterparteien Europas war und ebenfalls dem Internationalen Treffen Kommunistischer und Arbeiterparteien angehörte.
Wahlergebnisse Folketingswahlen Quelle: Folketingets Oplysning
Parteitage Bezeichnung DatumI. Parteitag9. November 1919II. Parteitag29. Februar – 1. März 1920III. Parteitag7. November 1920IV. Parteitag23. – 25. April 1921V. Parteitag12. Februar 1922Parteigeschichte, 1922 (dän.)VI. Parteitag23. Juli 1922VII. Parteitag17. September 1922VIII. Parteitag28. September 1923IX. Parteitag2. März 1924X. Parteitag10. Januar 1926XI. Parteitag27. August 1927XII. Parteitag26. Juli 1930XIII. Parteitag29. – 31. Dezember 1932 Bezeichnung DatumXIV. Parteitag10. April 1936XV. Parteitag24. – 26. Januar 1946XVI. Parteitag5. – 8. Mai 1949XVII. Parteitag22. – 25. Mai 1952Illustration auf der Website des dänischen ArbeitermuseumsXVIII. Parteitag21. – 23. Oktober 1955XIX. Parteitag18. – 20. Januar 1957XX. Parteitag31. Oktober – 2. November 1958XXI. Parteitag31. Mai – 3. Juni 1962XXII. Parteitag5. – 7. November 1965XXIII. Parteitag14. – 16. Februar 1969XXIV. Parteitag12. – 14. Januar 1973XXV. Parteitag23. – 26. September 1976XXVI. Parteitag3. – 6. April 1980 Bezeichnung DatumXXVII. Parteitag12. – 15. Mai 1983DKP 27. kongres: centralkomiteens beretning (dän.)XXVIII. ParteitagApril 1987XXIX. ParteitagJanuar 1990XXX. Parteitag12. – 15. April 1990Skriftlig beretning om centralkomiteens virksomhed i perioden mellem 28. kongres i april 1987 og 29. kongres i januar 1990 (dän.)XXXI. Parteitag1991KP Dänemarks: Wir machen weiter, ND 19. März 1991XXXII. Parteitag1992Geschichte der DKP (dän.)XXXIII. Parteitag16. – 17. Juni 2012XXXIV. Parteitag20. September 2015XXXV. Parteitag2018XXXVI. Parteitag25. – 26. September 2021Mitteilung der DKP über ihren 36. Parteitag (dän.) dkp.dkXXXVII. Parteitag2022XXXVIII. Parteitag2. – 3. September 2023Kommunisterne genforenet (dän.) dkp.dk
Studentenorganisation Im September 1968 wurde in Århus die erste Studentenorganisation im Umfeld der DKP gegründet, Danmarks Kommunistiske Studenter (kurz Komm.S.). 1974 wurde ein landesweiter Dachverband geschaffen, die Zahl der angeschlossenen Orts- und Hochschulgruppen wuchs schnell auf 28. Zwischen 1977 und 1982 war Frank Aaen ihr Vorsitzender, später Folketingsabgeordneter für Enhedslisten.Abgeordnetenbiographie auf thedanishparliament.dk (engl.) Mit dem Zerfall des Ostblocks löste sich 1989 auch die Studentenorganisation auf.
Medien Von 1945 bis 1990 gab die Partei die Tageszeitung Land og Folk (dt. Land und Volk) heraus.
Vor 1945 war die Arbejderbladet (dt. Arbeiterzeitung) das Zentralorgan der Partei.
Von 2001 bis 2023 gab die Partei vierteljährlich die Zeitschrift Skub (dt. Druck) heraus.
Seit 2023 ist Kommunist das offizielle Parteiorgan.
Parteivorsitzende mini|Henrik Stamer Hedin und Rikke G.F. Carlsson (2023) ZeitraumName1919 – 1926Ernst Valdemar Christiansen1926 – 1927Sigvald Hellberg1927 – 1932Thøger Thøgersen1932 – 1941Aksel Larsen1941 – 1945Ib Nørlund (interimsmäßiger Vorsitzender)1945 – 1958Aksel Larsen1958 – 1977Knud Jespersen1977 – 1987Jørgen Jensen1987 – 1991Ole Sohn1991 – 2003kollektive Führung2003 – 2023Henrik Stamer Hedin2023 – 2024Henrik Stamer Hedin & Rikke G.F. Carlsson seit 2024 Rikke G.F. Carlsson
Bekannte Mitglieder Peter Aalbæk Jensen Martin Andersen Nexø Ruth Berlau Jens-Peter Bonde Alfred Jensen Hans Kirk Hans Scherfig
Literatur Maria Eysell: Geschichte, Programmatik und Politik der Dänischen Linken. In: Hans Rühle, Hans-Joachim Veen (Hrsg.): Sozialistische und kommunistische Parteien in Westeuropa. Veröffentlichung des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Konrad-Adenauer-Stiftung. Band 2: Nordländer (= Uni-Taschenbücher. Bd. 762). Leske + Budrich (UTB), Opladen 1979, ISBN 3-8100-0241-0. S. 201–292. Bergholt Holmgaard: Die Kommunistische Partei Dänemarks. In: Ake Sparring: Kommunisten im Norden. Verlag Wissenschaft un Politik, Köln 1966. S. 51–74.
Weblinks
Danmarks Kommunistiske Parti Offizielle Website der Partei (dänisch, englisch) Lexikonartikel DKP leksikon.org (dän.)
Einzelnachweise
Kategorie:Partei (Dänemark) Dänemark Kategorie:Sektion der Kommunistischen Internationale Kategorie:Parteigründung 1919