mini|Robert Holmes (rechts) mit seinem Freund Frescheville Holles

Sir Robert Holmes (* um 1622 in Mallow; † 18. November 1692) war ein englischer Admiral der königlichen Marine zur Zeit der Stuart-Restauration. Er nahm am zweiten und dritten englisch-niederländischen Seekrieg teil, wobei er beide Male als Verursacher der Kriege angesehen wird.

Er war Gouverneur der Isle of Wight, wo er in der Gemeinde Yarmouth begraben liegt. Holmes wurde hauptsächlich bekannt durch seine Abenteuer auf der Seereise nach Guinea (1664) für die Royal African Company und für das so genannte Holmes’ Freudenfeuer von 1666. Manche sahen in ihm den streitsüchtigen Offizier der Restaurationszeit, andere den professionellen britischen Marineoffizier.

Leben und Wirken

Militärische Anfänge Robert wurde um das Jahr 1622 geboren als Sohn von Henry Holmes, des Landjunkers von Mallow, County Cork, Irland. Aus seinen ersten Lebensjahren ist nichts bekannt, obwohl seine fehlerfrei geschriebenen Befehle und seine elegante Handschrift auf eine gute Erziehung hinweisen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist er der Enkel von Robert Holmes, dem Ortsvorsteher von Mallow im Jahre 1612.

Erste Erwähnung findet der junge Robert Holmes während des englischen Bürgerkriegs, als er auf der royalistischen Seite in Prinz Moritz’ Kavallerieregiment als Kornett unter Hauptmann Richard Atkyns diente. Aus dieser Zeit rührte auch die lebenslange Freundschaft mit Prinz Moritz’ Bruder, Prinz Rupert, den er nach der Niederlage der Royalisten auf die Schlachtfelder des europäischen Festlands begleitete.

Beginn der Marinelaufbahn

Als im Jahre 1648 Teile der englischen Flotte zur Seite des im Exil lebenden englischen Königs überliefen, kam Holmes (zu dieser Zeit war er Hauptmann der Armee) zum ersten Mal in Kontakt mit der Marine.

Er nahm 1649–1652 an der abenteuerlichen Reise der königlichen Flotte unter Ruprecht von der Pfalz mit der Kinsale durchs Mittelmeer teil, wo die Flotte Piraterie betrieb und spanische und englische Schiffe aufbrachte. In Westafrika wurde er zwischen Gambia und Kap Verde zeitweise von Einheimischen gefangen genommen. In der Karibik erlitten drei der verbliebenen Schiffe Schiffbruch und nur das Schiff Rupert mit Holmes entkam. Da die Zahl der Seeleute im Laufe der Reise durch Stürme, Kämpfe und Meutereien stark abnahm, erhielt Holmes das Kommando über vier Prisenschiffe, mit denen er nach Frankreich zurücksegelte. Während Prinz Rupert sich bei der Ankunft in Frankreich sofort zum Hof des Exilkönigs begab, wurde Holmes mit dem Verkauf der Prisen und der Bezahlung der Seeleute beauftragt.

Nach einem Bericht von Cromwells Geheimdienst soll er danach vom spanischen König einen Kaperbrief erhalten haben.Thurloe State Papers, VII, S. 248, 18 July 1658. N.S. Da allerdings keinerlei weitere Hinweise auf diese Tätigkeit bekannt sind, erscheint der Wahrheitsgehalt dieses Papiers nicht sehr hoch. Denkbar ist, dass er − wie viele andere königstreue Soldaten und insbesondere irische Offiziere – in der kaiserlichen Armee Dienst versah. Die Inschrift auf seinem Grabstein in Yarmouth nennt Flandern, Frankreich und Deutschland als Kriegsschauplätze, auf denen er kämpfte. Kurz vor der Stuart-Restauration diente er als Kurier zwischen König Karl II. und Edward Montagu, in dessen Auftrag er auch sein erstes Marinekommando auf dem Schiff Bramble erhielt, das auf dem Medway patrouillierte.

Offizier während der Stuart-Restauration Nachdem König Karl II. nach England zurückgekehrt war, wurde Holmes für seine Dienste mit dem Kapitänsrang ausgezeichnet und erhielt das Kommando über Sandown Castle. Ein neues Kommando über ein anderes Patrouillenschiff erhielt er außerdem vom Herzog von York (James, der spätere König Jakob II.) persönlich, der mittlerweile zum Lord High Admiral ernannt worden war. Das Ende seiner Karriere war aber noch lange nicht erreicht.

Die erste Afrikaexpedition Die Berichte von Prinz Rupert über einen „Berg aus Gold“ in Gambia, der nur darauf wartet, abgebaut und nach England gebracht zu werden, trieb die Royal African Company, deren Direktor der Herzog von York war, dazu, eine Expedition zur Guineaküste auszurüsten, die damals großteils in niederländischem Besitz war. Schriftliche Aufzeichnungen der Royal African Company sind damals von William Coventry durchgeführt worden und sind überliefert. Holmes, dem die Küste bekannt war, war der ideale Mann für dieses Unternehmen und wurde zum Kapitän des Flaggschiffs Henrietta ernannt. Zur Flotte gehörten außerdem die königlichen Schiffe Sophia, Amity, Griffin und Kinsale. Seine Befehle waren es, die Vertreter der Company in jeder denkbaren Weise zu unterstützen und ein Fort zu errichten. Vertraulich wurde ihm aufgetragen, Informationen über den „Berg aus Gold“ einzuholen.

Das Ergebnis dieser Expedition war undurchsichtig. Bei seiner Ankunft auf der Insel Gorée informierte er dreist den niederländischen Gouverneur darüber, dass England das ausschließliche Recht für sich in Anspruch nähme, zwischen dem Kap Verde und dem Kap der Guten Hoffnung Handel zu treiben und die Seewege zu beherrschen. Nachdem dies Proteste des Statthalters der Niederlande hervorrief und Vergeltungsaktionen gegen englische Schiffe durchgeführt worden waren, bestritten der König und sein Berater Sir George Downing, jemals diese Rechte beansprucht zu haben. Nachdem Holmes die Küste und die Mündung des Gambia erkundet hatte, errichtete er ein Fort auf Dog Island im Mündungsbereich des Gambia und benannte die Insel in Charles Island um. Flussaufwärts, auf St. Andreas Island nahe Juffure, eroberte er ein Fort, das offiziell dem Herzog von Kurland gehörte, aber offensichtlich in holländischer Hand war. Diese Insel benannte er in James Island um.

Obwohl sich die Expedition für die Royal African Company finanziell nicht auszahlte, scheint sie für Holmes doch profitabel gewesen zu sein. Zumindest erwähnt der Marinestaatssekretär Samuel Pepys in seinen Tagebüchern, dass Holmes fortan einen aufwendigen Lebenswandel führte, wenn er ihn auch ansonsten verachtete.

Die Expedition war der Wendepunkt in Holmes’ Karriere. Er hatte erkennen lassen, dass er geschickt war im Umgang mit Afrikanern, Companyvertretern, den Holländern, seiner Besatzung und Offizieren und bewies damit alle Fähigkeiten eines umsichtigen Anführers. Er erhielt das Kommando als Kapitän des Flaggschiffs Royal Charles, nur um es schnell wieder zu verlieren, weil er es unterließ, den schwedischen Botschafter zum Flaggengruß zu zwingen. Dies war allerdings nur zeitweise ein Rückschritt, denn schon bald schenkte ihm der König 800 Pfund, und er bekam das Kommando über das gerade vom Stapel gelaufene Schiff Reserve. Die immer wieder geäußerte Meinung von Samuel Pepys, dass er ein unbeholfener Kapitän sei, führte zum öffentlichen Streit. Dieser ebbte im Laufe der Zeit zwar ab, zu einer Aussprache zwischen beiden kam es aber nie.

An Bord seines Schiffes Reserve testete Holmes ein Paar Pendeluhren, die Christiaan Huygens entwickelt hatte.

Die zweite Afrikaexpedition mini|Admiral Michiel de Ruyter

Die Ziele der Guineaexpedition von 1664 sind unklar. Obwohl er später beschuldigt wurde, seine Befehle zu weit ausgelegt zu haben, weil er holländische Forts und Schiffe erobert hatte, spricht schon der Chronist Coventry in seinen Aufzeichnungen für die Company davon, dass „ein Spiel“ gestartet werden sollte, was eigentlich nur einen holländisch-englischen Krieg bedeuten kann. (Bath MSS. CII, ff. 3–13).

Holmes’ Befehle, von Coventry niedergeschrieben und von König Jakob unterzeichnet, lauteten, „die Interessen der Royal Company voranzutreiben und alles, was sich ihm in den Weg stellen sollte, zu töten, erobern oder zu versenken“,Bath MSS. XCV, ff. 3–5 insbesondere das Schiff „Goulden Lyon of Flushing“ der holländischen Westindien Company, das den Engländern schon viele Probleme bereitet hatte. Der Grund der Anklage gegen Holmes war eigentlich, dass er einen derartigen Erfolg mit seinen Aktionen hatte, der selbst die kühnsten Erwartungen übertraf, und andererseits ein geeigneter Sündenbock war. Im Einzelnen eroberte er den Westindienfahrer „Brill“ in Sichtweite der holländischen Basis auf der Insel Goree am 27. Dezember 1663. Als wenn er − insbesondere gegen die holländische Westindien-Kompanie − einen Groll hegte, brachte er portugiesische, afrikanische und holländische Handelsschiffe auf. Er versenkte zwei Schiffe, eroberte zwei andere, alles unter den Kanonen der Bastion von Goree. Am 22./23. Januar 1664 nahm er das Fort selbst ein. Am 28. März eroberte er in einer meisterhaften taktischen Aktion die „Goulden Lyon“, die mittlerweile in „Walcheren“ umbenannt worden war, und brachte sie nach England, wo sie in der englischen Marine verwendet wurde.

Am 10. April eroberte er die „Anta Castle“ vor der Goldküste, sowie einige andere Festungen und Schiffe. Der größte Coup war die Eroberung des holländischen Hauptstützpunkts in Westafrika, Cape Coast Castle nahe Elmina am 1. Mai. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung war Holmes aber nicht an der Eroberung von Neu Amsterdam beteiligt.

Im August wurde Michiel de Ruyter heimlich mit einer Streitmacht nach Westafrika entsandt, um die Rückeroberung zu starten. Es gelang ihm, alle Stützpunkte zurückzuerlangen, bis auf Cape Coast Castle, was bedeutete, dass auch nach 1664 ein englischer Küstenstützpunkt existierte. Holmes’ Rückkehr nach England war unüberlegt, da er nicht ahnte, welche Auswirkungen seine Aktionen in London hatten. Da er Schiffe der königlichen Marine kommandierte, gehörte nicht alles, was Holmes erobert hatte, automatisch der Royal Company. Außerdem musste das Seegericht darüber entscheiden, wie viel Prisengeld Holmes und seinen Männern zustand. Da Holmes Beute weit hinter den (unvernünftigen) Erwartungen der Company zurückblieb, wurde er zweimal im Tower inhaftiert (9. Januar und 14. Februar 1665), wo er von den Außenministern Henry Bennet und William Morrice befragt wurde. Aus dieser misslichen Lage wurde Holmes befreit, als die Niederländer am 22. Februar verkündeten, dass sie sich als Konsequenz aus den Vorgängen in Afrika an englischen Schiffen rächen würden. Dies wurde von den Engländern als Kriegserklärung angesehen.

Der zweite Englisch-Niederländische Krieg mini|Seeschlacht von Lowestoft mini|links|Seeschlacht der Vier Tage

Kaum einen Monat nach seiner Entlassung und der vollen Rehabilitation übernahm Holmes das Kommando auf der „HMS Revenge“, einem Kriegsschiff mit 58 Kanonen, dem Flaggschiff von Prinz Ruperts „weißem Geschwader“.

Als während der Seeschlacht bei Lowestoft am 3. Juni 1665 der Konteradmiral des Weißen Geschwaders, Robert Sansum getötet wurde, beanspruchte Holmes seinen Posten, was Rupert auch unterstützte. James von York übergab den Rang aber an den Kapitän seines eigenen Flaggschiffs, Harman. Holmes reagierte unbeherrscht und gab sein Kommando zurück. Was die Situation noch verschlimmerte, war, dass Holmes’ ständiger Rivale Sir Jeremiah Smith zum Flaggkapitän ernannt wurde. Aber erneut kam es zu einem versöhnlichen Ausgang der Angelegenheit.

Am 27. März 1666 wurde das starke 64-Kanonen-Kriegsschiff „Defiance“ in Anwesenheit von König Karl II., seinem Bruder James von York und Prinz Rupert, vom Stapel gelassen. Holmes wurde zum Kapitän dieses Schiffes ernannt und bei dieser Gelegenheit auch gleich zum Ritter geschlagen. Holmes gehörte mit seinem Schiff nun zum „Roten Geschwader“ und wurde schließlich auch zum Flaggschiff des Geschwaders bestimmt. Seine Aufgabe war es, die niederländische Flotte zu beschatten und gleichzeitig französische Schiffe abzufangen. Befriedigend für ihn war, dass er durch diese Befehle im Rang über Harman, dem Konteradmiral des „Weißen Geschwaders“ stand. Diese Kränkung widersprach eindeutig dem System des Dienstalters und war in späteren Jahren undenkbar.