mini|Kâzım Karabekir rahmenlos|rechts|Unterschrift von Kâzım Karabekir Musa Kâzım Karabekir oder Kâzım Karabekir Pascha (* 23. Juli 1882 in Istanbul; † 26. Januar 1948 in Ankara) war ein türkischer General im Ersten Weltkrieg und im Türkischen Befreiungskrieg, Politiker und Autor. Von 1946 bis 1948 war er Parlamentspräsident der Großen Nationalversammlung der Türkei.

Herkunft und Abstammung Die Vorfahren Karabekirs stammen aus dem heutigen Landkreis (İlçe) Kazımkarabekir, der in der Provinz Karaman liegt.Webseite der Kâzım Karabekir Stiftung (türkisch) (abgerufen am 8. August 2014) Sein Vater Mehmed-Emin Pascha war im Alter von 16 Jahren mit unter den Freiwilligen, die 1853 nach Rumelien gezogen sind. Dort sollte die Hafenstadt Silistra unter Ömer Pascha gegen russische Truppen, die die Fürstentümer Walachei und Moldau besetzten, verteidigt werden. 1854 wurde die Stadt von den Osmanen zurückerobert und Mehmed-Emin zog mit den Freiwilligen weiter auf die Krim. Somit nahm er auch bei der Belagerung von Sewastopol teil.Kırzıoğlu, Prof. Dr. Fahrettin: Kazım Karabekir – Kendi Eserleri, Haltercümeleri ve Arşiv Belgeleri'ne göre, Kültür Bakanlığı (Hrsg.), Kultur Bakanlığı Yayınları Band 1278 – Türk Büyükleri Dizisi Band 135, Ankara, 1991. Später wechselte er in die unter Sultan Abdülaziz neu eingerichtete Gendarmerie (Zaptiye) und war unter anderem als Major und Kompaniechef der Gendarmerie tätig.Karabekir, Kazım: Hayatım. Özerengin, Prof. Dr. Faruk (Hrsg.), Emre Yayınları – Yakın Tarih Serisi Band 25, Istanbul, Oktober 1995, S. 15. In dieser Zeit heiratete er Havva Hanım und 1867 kam ihr erster Sohn Ahmed Hamdi in Istanbul auf die Welt. 1869 wurde Mehmed-Emin Pascha nach Kastamonu versetzt, wo er und seine Familie insgesamt sieben Jahre lebten. Dort wurden auch ihre Söhne Hilmi 1873 und Şevket 1874 geboren. 1876 zog es die Familie zunächst nach Istanbul und zwei Jahre später nach Diyarbakır, wo Mehmed-Emin Pascha als Gendarmerieoberst diente. In Diyarbakır kam 1879 Hulusi auf die Welt.Kırzıoğlu, Prof. Dr. Fahrettin, S. 16f. Später wurde Mehmed-Emin Pascha zeitweise nach Manastır (Bitola), Hakkari, Van, Harput und Mekka versetzt, wo er 1893 starb.Kırzıoğlu 1991, S. 8. Daraufhin kehrte Havva Hanım mit ihren Kindern zurück nach Istanbul und starb im Alter von 65 Jahren.Karabekir 1995, S. 24.

Leben Schulische Ausbildung Musa Kazım kam als jüngster Sohn der Familie am 23. Juli im Istanbuler Stadtteil Zeyrek (Teil des Stadtbezirks Fatih) auf die Welt. Im Alter von vier Jahren begann er dort seine Grundschulausbildung, musste allerdings durch die Versetzung seines Vaters diese in Van fortführen und beendete sie 1889 in Elazığ. Die Familie zog weiter nach Mekka und da es dort zu jener Zeit keine türkische Grundschule gab, musste er die Schule kurzzeitig abbrechen. Zurück in Istanbul schrieben sich Musa Kazım und sein Bruder Hulusi 1893 in die militärische Mittelschule (Mekatib-i Rüşdiye-i Askeriye) ein. Dort lernte Musa Kazım unter anderem Französisch. 1896 absolvierte er diese Schule als Klassenbester und noch im selben Jahr wurde er in das militärische Lyceum (Askerî İdâdîsi) in Kuleli aufgenommen.Karabekir 1995, S. 159f. Auch diese Schule verließ Karabekir im Jahre 1899 als Klassenbester. Am 14. März 1900 schrieb er sich dann in die Militärschule (Mekteb-i Harbiye) in Pangaltı (Teil des Stadtbezirks Şişli in Istanbul) ein und lernte unter anderem Russisch und Deutsch.Karabekir 1995, S. 9. Er verließ die Schule am 6. Dezember 1902 im Rang eines Leutnants (Piyâde Mülâzimi /Teğmen) und konnte an die Militärakademie des Generalstabs (Mekteb-i Erkan-ı Harbiye) wechseln. Am 5. November 1905 absolvierte er die Akademie als Jahrgangsbester und im Rang eines Hauptmanns (Kurmay Yüzbaşı).Kırzıoğlu 1991, S. 9f.

Militärische Karriere Nach der Militärakademie wurde Karabekir am 11. Januar 1906 nach Thessaloniki geschickt, um sich dort einer dreijährigen Ausbildung in der Kavallerie, Artillerie und Infanterie zu unterziehen. Während seiner Ausbildung in der Kavallerie wurde er als Gebietsinspektor (Mıntıka Müfettişi) nach Bitola geschickt. Noch im selben Jahr beendete er seine Ausbildung und konnte sich bei der Unterdrückung der aufständischen Bulgaren auf dem Balkan (siehe auch: Zarentum Bulgarien) auszeichnen und wurde zum Major (Kolağası) ernannt. Am 6. September 1907 ließ ihn der damalige Sultan Abdülhamid II. per Dekret nach Istanbul holen, damit er dort als assistierender Lehrer dienen konnte.Kırzıoğlu 1991, S. 10.

Karabekir und das Komitee für Einheit und Fortschritt Karabekir hatte mit Enver Bey und Fethi Bey bereits im Mai 1906 bei den Kämpfen gegen die Bulgaren Bekanntschaft gemacht.Karabekir, Kazım: İttihat ver Terakki Cemiyeti 1896–1909 – Neden kuruldu? Nasıl idare olundu? Özerengin, Prof. Dr. Faruk und Emel (Hrsg.), Türdav Ofset Yayınları, Istanbul, 1982, S. 14ff. Noch im selben Jahr trat er dem Osmanischen Freiheitskomitee (Osmanlı Hürriyet Cemiyeti) bei, das ab 1908 seinen Namen in Komitee für Einheit und Fortschritt änderte.Karabekir, S. 131ff. Zusammen mit Enver wurde in Bitola ein weiteres Zentrum des Komitees gegründet. Nach dem Kongress des Komitees im Jahre 1908 wurde beschlossen, dass die Organisation fortan in Form einer Partei weiterbestehen sollte und Mitglieder sich entweder für eine politische Tätigkeit oder eine militärische Karriere entscheiden sollten. Karabekir setzte daher seine Militärkarriere fort.Karabekir 1982, S. 21ff.

Erster Weltkrieg Am 20. Februar 1908 wurde Karabekir zusätzlich die Aufgabe übergeben, die Militärschule in Edirne zu inspizieren und er sollte den Prüfungen als Aufsichtsperson und Mitprüfer beiwohnen. Nach neun Monaten wurde er in Edirne zum Stabschef (Kurmaybaşkanı) der 3. Division der 2. Armee berufen. Er schloss sich am 13. April 1909 den Korps aus Saloniki an, die unter der Leitung von Şevket Turgut Pascha standen: gemeinsam wurde nach Istanbul marschiert und der Aufstand vom 31. März niedergeschlagen. Unter Şevket Turgut Pascha nahm er im Folgejahr auch beim Vormarsch gegen die albanischen Aufständischen teil. Nach der Auflösung der Korps kehrte Karabekir nach Edirne zurück. Er stellte am 28. April 1911 beim Nationalen Verteidigungsministerium einen Antrag und hieß fortan Musa Kâzım Karabekir.Kırzıoğlu 1991, S. 11f. Zuvor wurde er Kâzım Zeyrek genannt. Karabekir kämpfte im Jahr darauf erneut an der Front gegen die Bulgaren und wurde am 23. April 1913 als Kriegsgefangener nach Sofia gebracht. Nach dem Waffenstillstand musste Bulgarien erst im Friedensvertrag von Bukarest alle eroberten Gebiete abtreten und mit dem Vertrag von Konstantinopel konnte Karabekir von seiner Gefangenschaft befreit werden.Kırzıoğlu 1991, S. 12.

Nachdem am 27. Oktober 1913 ein Abkommen mit Deutschland unterzeichnet wurde und eine Militärmission unter Liman von Sanders am 14. Dezember 1913 in Konstantinopel eintraf,Liman von Sanders, Otto: Fünf Jahre Türkei. Scherl Verlag, Berlin, 1920, S. 5f. wurde Karabekir am 8. Januar 1914 zum Co-Direktor des Nachrichtendienstes ernannt.Kırzıoğlu 1991, S. 13. Nach einem kurzen Aufenthalt in Konya, wohin er als Inspektor entsandt worden war, reiste er für 45 Tage nach Europa. Nach seiner Rückkehr wurde er ab dem 3. August 1914 Direktor des Nachrichtendienstes im Generalstab und am 7. Dezember wurde er zum Oberstleutnant ernannt. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Karabekir zunächst als Beamter in den Iran geschickt und vorübergehend sollte er in Basra die Gouverneursstelle übernehmen. 1915 leitete er dann die 14. Division und wurde mit dieser nach Gallipoli versetzt, um die Angriffe der Entente-Mächte abzuwehren. Als Generalfeldmarschall von der Goltz erneut in die osmanischen Dienste trat und im Irak mit der 6. Armee das Vordringen der Engländer verhindern sollte, wurde Karabekir zum Generalstabsvorsitzenden dieser Armee ernannt und begleitete von der Goltz Pascha in den Irak.Kırzıoğlu 1991, S. 14ff.

Nach dem Tod von der Goltz’ übernahm dessen Aufgabe Halil Pascha, mit dem Karabekir große Meinungsverschiedenheiten hatte und daher eine Versetzung beantragte. Am 8. April 1917 wurde er dann zum Kommandierenden General des II. Armeekorps der Kaukasus-TruppeKırzıoğlu 1991, S. 16. und am 28. Januar 1918 per Dekret zum Kommandanten der 1. Armeekorps der Kaukasus-Truppe. Unter seiner Leitung konnten am 13. Februar Erzincan, am 12. März Erzurum, am 13. März Pasinler, am 5. April Sarıkamış und am 25. April Kars wieder eingenommen werden, auch wurde am 16. Mai Gjumri belagert. Durch seine besonderen Leistungen wurde er zum Generalmajor erhoben.Kırzıoğlu 1991, S. 18. Als sich Karabekir mit seinen Korps Ende Oktober 1918 in Nachitschewan aufhielt, erhielt er die Mitteilung, dass im Zuge des Waffenstillstands von Moudros die kaukasische Armee aufgelöst wurde und er nach Istanbul zurückkehren sollte. Er erreichte Istanbul am 28. November 1918.

Karabekir während der Befreiungskriege mini|Karabekir 1920 auf dem Weg nach Alexandropol während der Kämpfe zwischen der türkischen und armenischen Armee. Am 23. Dezember 1918 erfuhr Karabekir, dass er nach Tekirdağ versetzt wurde, um das XIV. Armeekorps zu kommandieren.Kırzıoğlu 1991, S. 22. Er wollte aber stattdessen erneut an die Ostfront mit Hauptquartier in Erzurum. In Istanbul traf er sich unter anderem mit Ismet Bey und erzählte ihm von seinem Vorhaben, in Anatolien Truppen aufzustellen, die die geplante Befreiungsbewegung unterstützen sollten.Kırzıoğlu 1991, S. 20ff. Nach einer kurzen Dienstphase in Tekirdağ wurde er am 24. Februar 1919 nach Erzurum versetzt, den Befehl erhielt er am 13. März.Kırzıoğlu 1991, S. 23f. Ein Tag vor seiner Abreise besuchte er Mustafa Kemal Pascha in seiner Wohnung und gab ihm seine Reise nach Erzurum bekannt. Karabekir erklärte ihm, dass er auch nach Anatolien kommen müsste und dass die Befreiungskriege von dort aus leichter initiiert werden könnten.Kırzıoğlu 1991, S. 24ff. Er erhielt später in Erzurum das Telegramm, dass Mustafa Kemal Pascha am 19. Mai in Samsun eintraf. Am 22. Juni wurde der Kongress von Amasya bekanntgegeben, woraufhin vom Sultan ein Haftbefehl gegen Mustafa Kemal ausgestellt wurde: Karabekir, der damit beauftragt wird, Mustafa Kemal Pascha festzunehmen, verspricht ihm stattdessen, ihn bei den Kriegen zu unterstützen.Feyzioğlu-Akkoyunlu, Pınar: İnsan ve Asker Kâzım Karabekir. Yapı Kredi Yayınları Band 2675, Istanbul, März 2008, S. 28ff. Mittlerweile war Mustafa Kemal vom Militärdienst entlassen und seine Aufgabe, die 3. Armee zu leiten, wird Karabekir übertragen.