Android [] ist sowohl ein Betriebssystem als auch eine Softwareplattform für mobile Geräte wie Smartphones, Tabletcomputer, Fernseher, Mediaplayer, Netbooks und Autos, die von der von Google Inc. gegründeten und von der heutigen Alphabet-Tochter Google LLC geleiteten Open Handset Alliance entwickelt werden. Basis ist ein Linux-Kernel.
Android ist freie Software. Ausgeliefert werden die meisten Android-Geräte allerdings mit vorinstallierter proprietärer Software, darunter meist die Google-Mobile-Dienste (kurz GMD; ugs. Google-Apps) wie Google Chrome, Google Maps, Google Play und YouTube. Aufgrund von Nutzungsverträgen mit Google entziehen die Hersteller dieser Geräte den Nutzern die Möglichkeit, viele der Google-Apps zu löschen. 2018 wurde die Google LLC wegen dieser Praktik von der EU-Kommission zur Rekordstrafe von 4,1 Mrd. Euro verurteilt, diese Strafe wurde 2026 vom EuGH bestätigt.taz.de, abgerufen am 6. Juli 2026. Google wird außerdem oft dafür kritisiert, dass es durch die ebenfalls nicht löschbaren Google-Play-Dienste seine Nutzer unter anderem über Kamera und Mikrofon durchgehend überwachen kann und dies mutmaßlich überwachungskapitalistisch ausnutzt. Weiterhin senden die Google-Play-Dienste permanent den Standort sowie personenbezogene Daten an Google. Es entstehen detaillierte Tagesprotokolle, die jahrelang bestehen können.
Ein Großteil der derzeit in Betrieb befindlichen Android-Geräte sind solche Google-Androids. Zu den Alternativen zählen die freien auf AOSP basierenden Betriebssysteme /⁠e⁠/⁠OS, CalyxOS, iodéOS, GrapheneOS und LineageOS – sogenannte Android-Custom-ROMs. Diese müssen auf den meisten Geräten nachinstalliert werden. Daneben gibt es die vom OEM stammenden Systeme Fire OS von Amazon, tolinoOS der Tolino-Allianz sowie Fairphone Open von Fairphone und ShiftOS-l von Shift. Die beiden ersteren sind proprietär und ab Werk vorinstalliert. Da der Name Android sowie das dazugehörige Logo aber von Google als Marken geschützt werden, dürfen diese anderen auf Android basierenden Betriebssysteme nicht als Android vermarktet werden.
Android (inkl. Alternativen) hat mehr als drei Milliarden monatlich aktive Nutzer. Der weltweite Marktanteil unter Smartphone-Betriebssystemen betrug im April 2024 69,88 Prozent. Android ist damit das am häufigsten genutzte Smartphone-Betriebssystem weltweit (vor iOS mit knapp 29,39 Prozent) sowie das meistgenutzte Betriebssystem überhaupt.
Geschichte Andrew „Android“ Rubin, vormals auch bei Apple und dem davon ausgegliederten Unternehmen General Magic angestellt, spielte eine zentrale Rolle bei der Gründung von Android. Als Mitbegründer der Danger Inc. war er schon in die Entwicklung des Hiptop involviert und zog für sein Android-Startup Ende 2003 Chris White, Nick Sears und später Rich Miner als Mitgründer an Bord. Ursprünglich war Android ausschließlich als Betriebssystem für Digitalkameras gedacht, da der Markt für Smartphones aber vielversprechender schien, wurde der Fokus 2004 umgestellt.Ingo Pakalski: Andy Rubin: Android war anfangs für Digitalkameras gedacht. Golem.de, 17. April 2013, abgerufen am 22. August 2016. Im Sommer 2005 übernahm Google das strauchelnde Unternehmen für vermutlich $50 Mio. (damals umgerechnet 40 Mio. €).
Für Android wurden vorwiegend bereits bestehende Komponenten unter Open-Source-Lizenzen neu zusammengestellt, darunter der Linux-Kernel, Java und die C-Standard-Bibliothek Bionic sowie einige Bibliotheken und Daemons des GNU-Projekts. Am 5. November 2007 gab Google bekannt, mit 33 anderen Mitgliedern der Open Handset Alliance ein Mobiltelefon-Betriebssystem namens Android weiterzuentwickeln. Seit dem 21. Oktober 2008 ist Android offiziell verfügbar.
mini|Das HTC Dream (alias T-Mobile G1) war das erste Smartphone mit Android-Betriebssystem
Als erstes Gerät mit Android als Betriebssystem kam am 22. Oktober 2008 das HTC Dream unter dem Namen T-Mobile G1 in den USA auf den Markt. Dass bereits dieses erste Gerät auf das Global Positioning System (GPS) zugreifen konnte und mit Beschleunigungssensoren ausgestattet war, gehörte zum Konzept von Android.
Von 2010 bis 2016 brachte Google mit der Nexus-Produktreihe in Kooperation mit Hardware-Partnern eigene Android-Tablets und -Smartphones auf den Markt. Die Partner übernahmen mit Google die Entwicklung der Geräte, während die Software von Google stammte, ohne Herstelleraufsätze bei der Oberfläche. Dadurch konnte man Geräte mit aktuellen Android-Updates anbieten. Im Oktober 2016 wurde die Nexus-Produktreihe durch die Nachfolge-Reihe Pixel ersetzt. Diese werden von Google allein entwickelt, und ein Hardwarepartner übernimmt die Fertigung.
Mit Android 6 Marshmallow wurde die Funktion adoptierbarer Speicher eingeführt. Nutzer können wahlweise eine Speicherkarte als Erweiterung des internen Speichers anstelle eines klassischen tragbaren Speichers einbinden. Dazu wird die Karte verschlüsselt neu formatiert. Dies schließt jedoch eine Wiederverwendung in anderen Geräten bis zur weiteren Neuformatierung sowie Datenrettung bei defektem Telefon aus. Daher schlossen die Hersteller Samsung und LG diese Funktion aus.
Neben dem für Telefone und Tabletrechner optimierten Android veröffentlicht Google auch angepasste Android-Versionen in Form von Android TV für Fernsehgeräte, Wear OS (bis 16. März 2018 Android Wear) für Smartwatches und Android Auto für Autos. Android Things, eine Version für Kleingeräte, wurde am 5. Januar 2022 eingestellt.
Oberfläche und Bedienung Gesten Nutzer können Android seit Android 10 mittels Gestensteuerung steuern, also durch das Wischen vom unteren oder seitlichen Bildschirmrand, um zurück bzw. auf den Startbildschirm zu gelangen. Dies ist allerdings rein optional und lässt sich deaktivieren.
Maus und Tastatur Durch den OTG-USB-Anschluss oder über Bluetooth sind an den meisten Geräten auch Steuerung und Eingabe per Maus, Tastatur oder Gamecontroller möglich. Da die meisten für Android programmierten Apps allerdings für die Steuerung per Touchscreen ausgelegt sind, kann die Bedienung über eine Maus in manchen Fällen schwierig sein.
Tasten Eine weitere Art zur Steuerung ist mittels verschiedener Navigationstasten. Bei neueren Geräten (Stand: 2015) bestehen diese aus „zurück“ (geht zur vorherigen Aktivität oder Seite), „Home“ (öffnet den Startbildschirm) und „Letzte Applikationen“ (erlaubt das schnelle Schließen oder Hin- und Herschalten zwischen gleichzeitig laufenden Apps). Bei älteren Geräten ist die Funktion der Multitasking-Schaltfläche durch ein Gedrückthalten der Home-Taste zu erreichen. Die Multitasking-Taste ist dort eine Optionentaste, die bei neueren Geräten bei Bedarf ebenfalls eingeblendet wird, oder durch deren langen Druck simuliert wird. Vor Android 4.0 und bei einzelnen Herstellern gibt es auch „Menü“ oder „Suche“. Samsung setzte lange Zeit in seinen Geräten auf die Menü- statt der Multitasking-Taste und vertauschte diese auch von der Position her mit der „Zurück“-Taste. Erst in neueren Modellen wird die von Google empfohlene Taste verwendet. Seit Android 7 wird durch das lange Drücken des Knopfes „Letzte Applikationen“ der Bildschirm geteilt und es lassen sich zwei Apps gleichzeitig nutzen.
Man unterscheidet zwischen Soft- und Hardwaretasten. Erstere werden vom Betriebssystem (softwareseitig) auf dem Bildschirm dargestellt, letztere sind physische Knöpfe oder berührungsempfindliche Schaltflächen auf dem Gerät selbst. Der Vorteil von virtuellen Tasten ist, dass diese bei Bedarf gedreht oder versteckt werden können. Der Vollbild-Modus funktioniert aber nur ab Version 4.4. Davor ist es lediglich beim Betrachten von Fotos und Videos möglich, die Navigationsleiste zu verstecken.
Die zu haltende Tastenkombination zur Aufnahme von Bildschirmfotos unterscheidet sich je nach Gerätetyp. Bei manchen Geräten ist ein zusätzlicher Schnellzugriff im über die Einschalttaste aufrufbaren Menü verfügbar. Seit Android 5 Lollipop ist das lokale Aufnehmen von Bildschirmvideos möglich. Allerdings implementierten einzelne Hersteller wie Sony Mobile diese Funktion früher.
Frühe Android-Telefone waren häufig mit einer dedizierten Suchtaste zum schnellen Zugriff auf eine voreingestellte Suchmaschine oder das Suchfeld innerhalb einer Anwendung ausgestattet; neuere Geräte ermöglichen Ersteres in der Regel durch den langen Druck der Home-Taste.
Eine dedizierte Optionen-Schaltfläche (Menütaste) und deren Simulation auf dem Bildschirm werden ab Android 10 nicht mehr unterstützt. Stattdessen sollen Anwendungsentwickler Zugriffsmöglichkeiten auf Optionen innerhalb der Bedienoberfläche platzieren.
Startbildschirm mini|hochkant|Samsung Galaxy S8 Duos mit Android-Betriebssystem 7.0 und benutzerdefiniertem Startbildschirm
Der Startbildschirm dient in erster Linie zum Starten von Apps. Daher kommt auch die englische Bezeichnung Launcher (englisch to launch = starten). Er besteht aus mindestens einer Seite, je nach Gerät können aber auch weitere Seiten mit beliebigen Elementen hinzugefügt werden.Android: Homescreen festlegen, ändern und löschen. In: giga.de, abgerufen am 15. Februar 2016. Anders als bei Apples iOS befinden sich damit nicht alle App-Verknüpfungen auf einer der Seiten des Startbildschirms. Die Übersicht aller installierten Apps ist bis Android 1.6 mit einer Lasche aufzurufen. Ab Android 2.2 öffnet sich eine alphabetisch sortierte Liste aller Apps durch den App-Drawer. Dieser befindet sich in der Standardeinstellung direkt bei den vier Hauptanwendungen im App-Dock, das in der Regel auf allen Seiten sichtbar ist und ebenfalls mit der Version 2.2 eingeführt wurde. In: giga.de, abgerufen am 15. Juni 2023. Am oberen Rand wird eine Google-Suchleiste angezeigt, die von Google auch einfach durch das Sprechen der Worte „Ok Google“ gestartet und wonach dessen Spracheingabe aktiviert wird. Zwischen Dock und Suchleiste (eine eigene Zeile für das Sucheingabefeld) lassen sich in einem Raster Verknüpfungen zu Apps, Lesezeichen, Kontakten oder Widgets ablegen. Bei diesen handelt es sich um meist etwas größere Anzeigen von allgemeinen Daten, zum Beispiel Wetter, Datum und Uhrzeit, Termine oder auch ein Taschenrechner. Es werden über Widgets bestimmte App-Informationen übersichtlich präsentiert. So zeigt die Standard-Musik-App beispielsweise Informationen über die gerade laufende Mediendatei mit einem reduzierten Abspielmenü an.
Die Anpassbarkeit ist ein großer Vorteil von Android und spielt beim Startbildschirm als Start- und Übersichtsansicht eine wichtige Rolle. Es lassen sich alternative Apps mit mehr Einstellungen oder einem anderen Bedienkonzept installieren. Beim Druck auf die Hometaste kann ausgewählt werden, welche der Apps als Standardanwendung für den Startbildschirm benutzt werden soll. Auch andere Teile des Systems können ersetzt werden, die Tastatur oder der Standardbrowser.
Benachrichtigungsleiste alt=|mini|Statusleiste von Android 10 mit grauen Symbolen alt=|mini|Benachrichtigungscenter von Android 10