Tutanchamun (auch Tutenchamun; ursprünglich Tutanchaton) war ein altägyptischer König (Pharao) der 18. Dynastie (Neues Reich), der etwa von 1332 bis 1323 v. Chr. regierte.Datierung nach Rolf Krauss aus: Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 318. Bekannt wurde er, als Howard Carter 1922 im Tal der Könige sein nahezu ungeplündertes Grab (KV62) entdeckte.

Familie Eltern Der Archäologe und ehemalige Generalsekretär des Supreme Council of Antiquities, Zahi Hawass, hatte zwecks Nachweis der Eltern Tutanchamuns nach Bruchstücken eines Blocks aus Hermopolis für nochmalige Untersuchungen im Magazin suchen lassen, deren Inschrift lautet: Sohn des Königs von seinem Leibe, von ihm geliebt, Tut-anchu-Aton.Günther Roeder: Königssohn Tut-anchu-Aton. In: Rainer Hanke: Amarna-Reliefs aus Hermopolis (Ausgrabungen der Deutschen Hermopolis-Expedition in Hermopolis 1929–1939). Band 2, Gerstenberg, Hildesheim 1969, S. 40. Der Block war bereits 1969 publiziert worden, nachdem er während der Grabungen in Hermopolis (1929–1939) von Günther Roeder und weiteren Mitarbeitern der Deutschen Hermopolis-Expedition entdeckt worden war. Die Inschrift weist Tutanchamun (hier noch Tutanchaton) als Sohn eines nicht namentlich genannten Königs aus, doch die Beischrift des Blocks nennt neben Tutanchamun auch seine Schwester Anchesenpaaton. Der Teil des Blockes ist jedoch stark beschädigt, weshalb der Name von Anchesenpaaton nur erschlossen werden konnte, aber für beide Königskinder auf Echnaton als Vater hinweisen muss, da Anchesenpaaton nachweislich als Tochter Echnatons in weiteren Inschriften angegeben ist. Zahi Hawass war bereits im Jahr 2008 vor der 2010 durchgeführten DNA-Analyse überzeugt, dass nur Echnaton als Vater von Tutanchamun in Frage komme.. Die DNA-Analyse des Jahres 2010 bestätigte diese auch von zahlreichen anderen Ägyptologen vertretene Annahme.

Ein CT-Befund ergab, dass die mittels DNA-Analyse als Tutanchamuns Vater identifizierte Mumie aus Grab KV55 mit etwa 35 bis 45 Jahren gestorben ist. Frühere Schätzungen gingen von einem jüngeren Alter aus. Zahi Hawass erklärte, es sei in Kombination mit der Inschrift nun zweifelsfrei der Beweis erbracht, dass es sich bei der Person aus Grab KV55 um Echnaton und damit um Tutanchamuns Vater handelt. Die als „Younger Lady“ bezeichnete weibliche Mumie KV35YL (da sie mit einer anderen Mumie begraben wurde, die „Elder Lady“ genannt wird) aus Grab KV35 konnte gemäß der durchgeführten Untersuchungen nicht nur als Tutanchamuns Mutter, sondern auch als Schwester der Mumie aus KV55 identifiziert werden. Der Name ist zwar gegenwärtig unbekannt, doch sei die Mutterschaft erwiesen.Informationsdienst Wissenschaft: Eltern von Tutanchamun identifiziert. Auf: idw-online.de vom 17. Februar 2010; Abgerufen am 25. Januar 2016.

An der Zuverlässigkeit der DNA-Analyse wurden vereinzelt Zweifel dahingehend geäußert, dass die Untersuchungsergebnisse aufgrund des Alters und möglicher Verunreinigungen der Proben einige Unsicherheiten beinhalten können. Als alleinige Belege würden sie keine einwandfreie Identifizierung erlauben.Tutanchamun – Harsche Kritik am Archäologen Hawass. – Zweifel an den Ergebnissen der DNA-Analyse Auf: focus.de vom 16. Februar 2010; zuletzt abgerufen am 6. Dezember 2022. Bisher wurden Königin Nofretete, ihre Tochter Maketaton oder auch Echnatons Nebenfrau Kija als mögliche Mütter vermutet. In Sakkara (Bubasteion) befindet sich das Grab der Maia, die nachweislich Amme des Tutanchamun war.

Geschwister Nach der bisherigen Fundlage über Tutanchamuns Herkunft hatte er mindestens sechs Schwestern/Halbschwestern: Meritaton, Maketaton, Anchesenpaaton, Neferneferuaton tascherit, Neferneferure und Setepenre. Unsicher ist die Zuordnung des Semenchkare in die Familienverhältnisse, der oft als Bruder/Halbbruder angesehen wird.

Frau und Kinder Tutanchamuns Große königliche Gemahlin war Anchesenamun (ursprünglich Anchesenpaaton genannt), Tochter des Echnaton und damit eine Schwester oder Halbschwester Tutanchamuns.

Es gibt keine Funde, die durch Inschriften belegen, dass Tutanchamun und Anchesenamun Kinder hatten. Die beiden in seinem Grab gefundenen mumifizierten Föten, eine Frühgeburt und eine Totgeburt, wurden als seine Töchter angesehen. Dies galt jedoch lange als nicht gesichert, da sich sowohl in Tutanchamuns Grab als auch in KV55 eine Vielzahl von Gegenständen aus der Amarna-Zeit fanden, so dass die Föten möglicherweise ebenfalls aus einem Grab in Amarna entnommen worden sein konnten. Aus dem Fundumstand alleine konnte eine so nahe Verwandtschaft (Vater/Tochter) nur vermutet werden.

Die im Februar 2010 veröffentlichten Ergebnisse von DNA-Untersuchungen ergaben schließlich, dass beide Kindermumien mit ziemlicher Sicherheit Tutanchamuns Töchter waren. Als Mutter beider Föten gilt nach Abschluss der Untersuchungen die Mumie KV21A aus dem Grab KV21. Diese konnte bisher genetisch jedoch nicht als Tochter der Mumie aus KV55, die als Echnaton angesehen wird, bestätigt werden. Deshalb ist unsicher, ob es sich bei dieser Mumie um Tutanchamuns Gemahlin Anchesenamun handelt.Zahi Hawass: DiscoveringTutankhamun. From Howard Carter to DNA. The University Press, Cairo 2013, ISBN 978-977-416-637-2, S. 170.

Herrschaft mini|hochkant|links|Tutanchamun als Kind, sogenannter „Kopf des Nefertem“, Ägyptisches Museum Kairo (JE 60723)

Tutanchaton bestieg vier Jahre nach dem Tod Echnatons den Thron Ägyptens. Dazwischen lag vermutlich eine dreijährige Regentschaft des Semenchkare beziehungsweise eines Herrschers mit dem Thronnamen Anch-cheperu-Re.Anmerkung: der Thronname Anch-cheperu-Re wird sowohl von Semenchkare als auch Neferneferuaton verwendet. Es existiert auch eine weibliche Form des Namens: Anchet-cheperu-Re. Die Identitäten dieser beiden Personen sind unbekannt. Teilweise wird angenommen, dass sich hinter beiden Namen Echnatons königliche Gemahlin Nofretete verbirgt.

Auf Grund seines sehr jungen Alters besteht die Vermutung, dass der Kindkönig durch den Druck der Priesterschaft, hoher Beamter und wohl auch durch Eje, der den Titel „Gottesvater“ führte, stark beeinflusst wurde. Der unmündige König war leicht dazu zu bringen, die Verehrung des Gottes Aton zu beschränken und die Verhältnisse vor Echnatons „Revolution“ wiederherzustellen. Dies zeigt sich in der langsamen Abwendung vom Atonkult zu Beginn und während seiner Regierungszeit. Tutanchamun nimmt bei seiner Thronbesteigung den Thronnamen „Neb-cheperu-Re“ an und wird mit Anchesenpaaton, der dritten Tochter Echnatons, die somit seine Schwester oder Halbschwester war, vermählt.

Er änderte seinen Geburtsnamen von Tutanchaton („lebendes Abbild des Aton“) in Tutanchamun („lebendes Abbild des Amun“ oder „zu Ehren des Amun“) und den seiner Gemahlin von Anchesenpaaton („sie lebt für/durch Aton“) in Anchesenamun („sie lebt für/durch Amun“). Nach der im zweiten Regierungsjahr vorgenommenen Aufgabe von Echnatons neu gegründeter Hauptstadt Achet-Aton (Tell el-Amarna) zog der Königshof nach Memphis um, nicht nach Theben, wie oft fälschlich zu lesen ist.

Der bedeutendste Beleg für die unter Tutanchamun durchgeführte Politik ist seine später von Haremhab in Beschlag genommene „Stele der Restauration“, die in Karnak aufgefunden wurde. Auf ihr wird der Verfall des Reiches unter Aton beschrieben, und er proklamiert die Rückkehr zu den alten Göttern. Im ganzen Land lässt der junge Pharao die Tempel der alten Götter restaurieren. Im Luxortempel wird die Dekoration der Kolonnade vollendet, Karnak erhält zwei neue Kapellen und an der Sphinxallee wird wieder gearbeitet. In Medinet Habu baut er an seinem Totentempel (vielleicht der ehemalige Tempel des Anch-cheperu-Re). Von Gizeh bis nach Nubien gibt es Hinweise auf seine Bautätigkeit. Einige dieser Denkmäler werden jedoch später ebenfalls von Haremhab usurpiert.

Der Übergang von der Amarna-Zeit vollzog sich jedoch nicht plötzlich: In Tutanchamuns Grab befinden sich zahlreiche Gegenstände, auf denen das klassische Motiv der Amarna-Zeit – Aton als lebensspendende Sonnenscheibe – zu sehen ist. Das bekannteste Beispiel ist der Thronsessel, den Tutanchamun in seinen ersten Regierungsjahren benutzte. Auch in der Kunst wirkt die Amarna-Zeit noch lange nach, was besonders an den Elementen Statik und Perspektive zu sehen ist. Somit ist eine erzwungene Abkehr vom alten religiösen Kurs recht unwahrscheinlich, denn in diesem Fall wäre es zu einem Bildersturm gekommen, wobei darauf geachtet worden wäre, sich genau von den alten Stilen abzugrenzen. Es gibt zahlreiche Verbindungen, so dass Ägyptologen die Pharaonen Tutanchamun und Eje ebenfalls zur Amarna-Zeit zählen (manchmal differenziert durch die Zeitangabe „nach Amarna“).

Neben Eje und Haremhab sind noch diverse andere Beamte unter Tutanchamun bezeugt. Der südliche Wesir war ein gewisser Usermonth und Pentu war ein weiterer Wesir, der bisher nur durch eine Topfaufschrift im Grab Tutanchamuns bezeugt ist. Eine bedeutende Persönlichkeit war auch der Schatzhausvorsteher Maya, dessen Grab in Sakkara gefunden wurde und das reich mit Reliefs dekoriert war. Obervermögensverwalter war Iniuia, und Vizekönig von Kusch war schließlich Huy, der vor allem durch sein prachtvoll dekoriertes Grab in Theben bekannt ist. Amenemone war Leiter der königlichen Werkstätten und Goldschmiede. Nachtmin war ein weiterer General. Sennedjem war „Vorsteher der Lehrer“.

Tod Todesursache Die CT-Untersuchung vom 6. Januar 2005 ergab ein Todesalter von 18 bis 20 Jahren und entsprach früheren wissenschaftlichen Schätzungen des Anatomen Douglas E. Derry (1882–1969) von der Universität Kairo, des Röntgenologen Ronald George Harrison (1921–1983) von der University of Liverpool, des Zahnchirurgen Frank Filce Leek (1903–1985) von der University of Manchester und der Biologin und Ägyptologin Renate Germer von der Universität Hamburg. Leek verwies hierzu 1972 auf einen Tagebucheintrag Carters vom 14. November 1925:

Die Annahme eines Alters von 23 bis 27 Jahren, zum Beispiel von Gabolde, Wente und Harris, wurde damit widerlegt. Bei dieser Gelegenheit beklagte der damalige Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, noch einmal den schlechten Zustand der Mumie, den er auf die nicht fachgemäße Behandlung durch Howard Carter zurückführte.Frank Filce Leek: The human remains from the tomb of Tutankhamun (= Tut'ankhamūn's tomb series. Band 5). Griffith Institute, Oxford 1972, S. 7.

Das Bestattungsdatum kann auf die Zeit Mitte März bis Anfang Mai eingegrenzt werden, da als Grabbeigabe Blumen gefunden wurden, die nur in dieser Jahreszeit blühen. Zwischen Ende Dezember 1324 v. Chr. und Mitte Februar 1323 v. Chr. muss der Tod eingetreten sein, dessen Zeitraum unter Einbeziehung der siebzigtägigen Einbalsamierungsdauer ermittelt werden konnte. Bob Brier erklärte in seinem Buch Der Mordfall Tutanchamun, dass der Tod durch gewaltsame Einwirkungen von außen eingetreten sei. Dabei ging er von einer unnatürlichen Todesursache aus. Er belegte dies mit alten Röntgenaufnahmen, auf denen eine Verletzung des Schädels zu sehen ist. Dies war in Ägyptologenkreisen, aber auch unter Medizinern, sehr umstritten, handelte es sich hierbei doch um ein Missverständnis: Auf der Röntgenaufnahme ist ein abgesplittertes Knochenstück zu sehen, das sich nach dem Tode löste.