Mailand ( Milano , ,AA. VV.: Dizionario di toponomastica. Storia e significato dei nomi geografici italiani. Torino, UTET, 1990. ) ist mit rund 1,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Italiens und Hauptstadt der Region Lombardei sowie der Metropolitanstadt Mailand. Die Metropolregion war 2006 mit 7,4 Millionen Einwohnern der größte italienische Ballungsraum.OECD: Mailand ist das wirtschaftliche Zentrum Italiens. Die Metropolregion trägt etwa 20 % zum italienischen Bruttoinlandsprodukt bei und ist die viertreichste Metropolregion der EU.

Einst eine Gründung keltischer Siedler, erlebte die Stadt im Römischen Reich einen raschen Aufschwung. Mailand unterstand in seiner Geschichte dem Einfluss römisch-deutscher, französischer und österreichischer Kaiser und wuchs nach der Einigung Italiens zur größten Industriestadt des Landes. Sie ist heute die führende Kultur-, Medien- und Modemetropole Italiens, eine Universitätsstadt und ein internationaler Finanzplatz als Sitz der Italienischen Börse. Sie beherbergt ein Weltkulturerbe, historisch bedeutsame Bauwerke und vielfältige Kunstschätze, die mehrere Millionen Touristen pro Jahr anziehen. Die Messestadt ist dank ihrer verkehrsgünstigen Lage in der oberitalienischen Po-Ebene ein Knotenpunkt des Schienen- und Autobahnnetzes und weist mit ihren drei internationalen Flughäfen die höchsten Passagierzahlen Italiens auf.

Geographie Lage mini|hochkant=1.1|Satellitenaufnahme von Mailand

Mailand liegt in der nordwestlichen Po-Ebene, etwa mittig zwischen dem Fluss Po im Süden und den Ausläufern der Alpen im Norden. Die Kernstadt befindet sich in einer weitgehend flachen Ebene, der höchste Punkt ist bei 122 m über dem Meeresspiegel. Zwei Flüsse verlaufen durch die Stadt: der Olona im Westen und der Lambro im Osten. Mittelalterliche Kanäle, die Navigli, verbinden Mailand mit den oberitalienischen Seen und den lombardischen Flüssen und waren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von maßgeblicher Bedeutung für die lokale Wirtschaft.Demographia World Urban Areas- 2017 (PDF; 2,4 MB)

Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 182 km² mit 1.343.230 Einwohnern. Zur Mailänder Agglomeration mit insgesamt über fünf Millionen Einwohnern zählen zahlreiche Vororte, die vor allem nach Norden bis nach Varese, Como, Lecco und Bergamo reichen. In der Metropolregion leben über 7,6 Millionen Menschen. Die Metropolregion Mailand ist Teil der südlichen Spitze der Megaregion Blaue Banane.

Angrenzende Gemeinden sind Arese, Assago, Baranzate, Bollate, Corsico, Peschiera Borromeo, Rho, Sesto San Giovanni, Cormano, Cologno Monzese, Bresso, Novate Milanese, Vimodrone, Pero, Segrate, Settimo Milanese, Cusago, Cesano Boscone, Trezzano sul Naviglio, San Donato Milanese, Buccinasco, Rozzano und Opera.

Stadtgliederung Mailand ist in neun Stadtbezirke (Municipi) eingeteilt. Municipio 1 umfasst den historischen Stadtkern, alle übrigen acht Bezirke sind als Kreissegmente im Uhrzeigersinn um die Altstadt angeordnet. Die Mailänder Stadtbezirke erhalten durch einen Bezirksrat (Consiglio di Municipio) und einen Bezirkspräsidenten einen teilsouveränen Status, u. a. in der Finanzverwaltung.

350px+ Munizipien Mailands Municipio Stadtteile (Auswahl) Einwohner Fläche (km²) Municipio 1 Centro storico, Brera, Duomo, Ticinese 95.834 9,67 Municipio 2 Crescenzago, Greco, Stazione Centrale, Turro 160.052 12,58 Municipio 3 Città Studi, Lambrate, Porta Venezia 143.023 14,23 Municipio 4 Corvetto, Forlanini, Porta Vittoria 163.364 20,95 Municipio 5 Chiaravalle, Gratosoglio, Porta Vigentina 126.962 29,87 Municipio 6 Barona, Lorenteggio, Porta Genova 151.789 18,28 Municipio 7 Baggio, De Angeli, San Siro 175.051 31,34 Municipio 8 Fiera, Gallaratese, Quarto Oggiaro, Tre Torri 191.688 23,72 Municipio 9 Bovisa, Isola, Niguarda, Porta Nuova 189.655 21,12 Stand: 31. Dezember 2023

Klima Mailand liegt in der westlichen Po-Ebene und weist ein subkontinental geprägtes Übergangsklima auf. Die Beckenlage zwischen Alpen und Apennin beeinflusst die atmosphärische Zirkulation maßgeblich und schränkt den Luftmassenaustausch ein. Dadurch entstehen eine hohe thermische Jahresamplitude, eine ganzjährig hohe Luftfeuchtigkeit sowie ausgeprägte jahreszeitliche Unterschiede, die das Klima der Po-Ebene charakterisieren.

Die Sommer sind heiß bis sehr heiß und häufig schwül. Niederschläge fallen in dieser Jahreszeit überwiegend in Form konvektiver Gewitter. Die Winter sind kühl bis mäßig kalt und werden durch häufige Inversionslagen mit ausgeprägter Nebelbildung geprägt. Regelmäßige Schneefälle gehören ebenfalls zum winterlichen Witterungsverlauf.

Das Niederschlagsregime weist zwei Maxima im Frühjahr und Herbst auf, während die Winter vergleichsweise niederschlagsärmer ausfallen. Die Übergangszeiten sind insgesamt durch eine erhöhte Wetterdynamik gekennzeichnet. Eine charakteristische meteorologische Besonderheit ist zudem der Föhn, der bei entsprechenden Druckverhältnissen über den Alpen zeitweise auch in Mailand wirksam wird und zu trockener sowie deutlich milderer Luft führen kann.

Die bisher gemessenen Temperaturrekorde reichen von −17,3 °C bis 40,4 °C und verdeutlichen die für den Standort typische große thermische Spannweite.

Etymologie Der Name Mailand leitet sich vom italienischen Milano ab, das aus der ursprünglich lateinischen Bezeichnung Mediolanum hervorging, welches „in der Mitte der Ebene“ bedeutet. Der Ortsname geht wohl weniger auf lateinisch medius „in der Mitte gelegen“ und planus „Ebene“ zurück als auf die gleichbedeutenden gallisch-keltischen Wurzeln *medios und *lanu.Artikel „Milan“ im Online Etymology Dictionary. Gleiches gilt auch für die lombardische Bezeichnung Milàn. Mailands Einwohner nennen sich Milanées oder Meneghìt.www.etymologie.info

Geschichte Von der Antike bis zur Einigung Italiens

mini|Karte der römischen Stadt Mediolanum

Bald nach 400 v. Chr. wurde die Gegend um Mailand durch die keltischen Insubrer besiedelt. 222 v. Chr. eroberten die Römer diese Siedlung und verwendeten den lateinischen Namen Mediolanum. Nach mehreren Jahrhunderten römischer Herrschaft wurde Mailand 286 unter Kaiser Diokletian zu einer der Residenzstädte des Reiches gemacht. Im 4. Jahrhundert hielten sich hier daher regelmäßig römische Herrscher auf, zuletzt Honorius. 313 wurde hier das sog. Mailänder Toleranzedikt (Mailänder Konvention) verkündet, in dem die Kaiser Konstantin und Licinius den Christen Glaubensfreiheit zusicherten.

402 wurde die Stadt von Westgoten belagert, worauf die Kaiserresidenz nach Ravenna verlegt wurde; 50 Jahre später (452) plünderten die Hunnen unter Attila die Stadt. 539 eroberten und zerstörten die Ostgoten Mailand im Verlauf des Gotenkrieges gegen Kaiser Justinian.

Im September 569 fiel Mailand an die Langobarden, bis es 774 Teil des Frankenreiches wurde. Während des Krieges des Kaisers Friedrich I. Barbarossa gegen die lombardischen Städte wurde Mailand 1162 größtenteils zerstört.

mini|links|Die Torre Filarete mit dem Eingangstor zum Castello Sforzesco

Im 1167 gegründeten Lombardischen Städtebund übernahm Mailand die führende Rolle. Nach der Unabhängigkeit, die den lombardischen Städten im Konstanzer Frieden 1183 zugesprochen wurde, entwickelte sich Mailand zur Signoria, zuerst unter den della Torre, ab 1277 unter den Visconti. 1395 wurde Gian Galeazzo Visconti zum ersten Herzog von Mailand. 1450 fiel Mailand an das Adelsgeschlecht der Sforza, die es zu einer der führenden Städte im Zeitalter der italienischen Renaissance ausbauten. 1492 erhob der französische König Ludwig XII. erstmals Ansprüche auf das Herzogtum. Nach seinem Sieg über die Schweizer 1515 in der Schlacht bei Marignano wurde das Herzogtum erneut Frankreichs König Franz I. zugesprochen.

mini|Zeitgenössische Ansicht Mailands aus dem 16. Jahrhundert

Nach dem Sieg Karls V. über Franz I. 1525 fiel mit Norditalien auch Mailand an das Haus Habsburg. 1556 dankte Karl V. zugunsten seines Sohnes Philipp II. und seines Bruders Ferdinand von Habsburg ab, so dass die italienischen Besitzungen an die hierdurch von Philipp II. begründete spanische Linie der Habsburger übergingen. 1700 starb mit dem Tode Karls II. diese spanische Linie des Hauses Habsburg jedoch aus. Danach begann 1701 der Spanische Erbfolgekrieg mit der Besetzung aller spanischen Besitzungen durch französische Truppen unter dem französischen Thronprätendenten. 1704 wurden die Franzosen in Ramillies und Turin geschlagen und mussten Norditalien zugunsten der österreichischen Habsburger räumen.

1714 wurden im Frieden von Rastatt die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand sowie das Herzogtum Mantua dann auch formell den österreichischen Habsburgern zugesprochen. Napoleon eroberte 1796 die Lombardei. Mailand wurde zur Hauptstadt der Cisalpinischen Republik erklärt. Nach dem Ende der Besatzung durch Napoleon wurden im Wiener Kongress 1815 Mailand und die Lombardei sowie Venetien wiederum Österreich zugesprochen. 1848 kam es zum Fünf-Tage-Aufstand der Bevölkerung gegen die österreichische Besatzung, in dessen Zuge Feldmarschall Radetzky mit seinen Truppen aus der Stadt vertrieben wurde, welche die Stadt aber drei Monate später wieder einnahmen. Nach der Niederlage Österreichs gegen die mit Frankreich verbündeten Truppen Sardinien-Piemonts und Frankreichs bei der Schlacht von Solferino fiel die ganze Lombardei 1859 an das Haus Sardinien-Piemont unter Viktor Emanuel II., der Keimzelle des damals entstehenden Königreichs Italien (Risorgimento).

Vom Königreich Italien bis zur Gegenwart mini|Verkehr auf der Piazza del Duomoum 1900

Aufgrund der Industrialisierung wuchs die Stadt durch Zuwanderer aus anderen Landesteilen, v. a. aus dem ländlichen Nordost- und Süditalien, stark an und entwickelte sich zu einer der frühen Hochburgen der Arbeiterbewegung. Seit 1914 stellten die Sozialisten den Bürgermeister. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete sich 1919 der faschistische Fascio di Combattimento (Squadristi) in Mailand. 1922 begann Benito Mussolini von Mailand aus seinen Marsch auf Rom, mit dem die faschistische Diktatur in Italien ihren Anfang nahm, unter dessen Herrschaft in Mailand u. a. 1931 der neue Bahnhof Milano Centrale eingeweiht wurde. Während des Faschismus gab es hier aber auch starke Aktivitäten der Resistenza, insbesondere nachdem in Norditalien 1943 die Italienische Sozialrepublik als Marionettenregime NS-Deutschlands ausgerufen worden war. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt 1944 starke Zerstörungen, traurige Berühmtheit erlangte insbesondere die versehentliche Bombardierung einer Grundschule im Stadtteil Gorla durch die US-amerikanische 451st Bombardment Group, bei der 186 Schüler und Lehrer ums Leben kamen. Insgesamt wurden 38,7 % der Gebäude zerstört oder stark beschädigt und 21,5 % mittelgradig oder leicht beschädigt.https://bombesullitalia.blogspot.com/2019/04/danni-materiali-causati-dai.html Die Luftangriffe forderten in Mailand rund 2.200 Todesopfer.https://bombesullitalia.blogspot.com/2016/ Elektrizität wurde rationiert und Brot nur dreimal die Woche ausgegeben.

Aus dem Schutt der zerstörten Häuser wurde der Trümmerberg Monte Stella im Nordwesten des Stadtgebiets angelegt (heute mit Ehrenhain Giardino dei Giusti). Nach der Flucht und Hinrichtung Benito Mussolinis durch kommunistische Partisanen wurde sein Leichnam am 29. April 1945 auf der Piazzale Loreto öffentlich zur Schau gestellt.