Eine Azetabulumfraktur ist ein Bruch der Hüftpfanne. Sie entsteht durch direkte Gewalteinwirkung (meist auf den Trochanter major) oder indirekte Gewalteinwirkung (meist Aufprall des Knies auf das Armaturenbrett) und ist meist mit einer Hüftgelenksluxation in Richtung des Bruchs verbunden. Dabei ist hinten der Nervus ischiadicus, vorne der Nervus femoralis gefährdet.

Symptomatik Neben lokalen Verletzungszeichen und gestörter Funktion fällt eine Fehlstellung oder Verkürzung des Beines auf. Auszuschließen sind reine Luxationen sowie eine begleitende Femurkopffraktur, Schenkelhalsfraktur, Beckenfraktur oder Gefäß- und Nervenschäden. Es erfolgt eine Röntgen-Beckenübersichtsaufnahme, oft ergänzt durch Ala-Aufnahme und Obturatoraufnahme (Strahlengang 45° bei angehobener gesunder bzw. kranker Hüfte) oder CT.

AO-Klassifikation Die AO-Klassifikation unterscheidet folgende Frakturtypen:

Typ A Senkrechte Frakturlinie lässt einen vorderen oder hinteren statischen Pfeiler intakt: Typ A 1: Fraktur des hinteren Pfannenrandes Typ A 2: Fraktur des hinteren Pfeilers Typ A 3: Fraktur des vorderen Pfannenrandes und Pfeilers

Typ B Waagrechte Frakturlinie zerstört die Statik, aber ein Teil des oberen Pfannenrandes (am Darmbein) bleibt intakt: Typ B 1: Waagrechte Bruchlinie Typ B 2: T-förmige Bruchlinie Typ B 3: vorne waagrechte, hinten senkrechte Bruchlinie

Typ C Waagrechte Frakturlinie mit langem Verlauf, dabei sind Pfannenbruchstücke vollständig vom Darmbein getrennt: Typ C 1: Bruch bis zur Crista iliaca Typ C 2: Bruch bis zum Vorderrand des Darmbeins Typ C 3: Bruch bis ins Iliosakralgelenk

Therapie Nicht verschobene Azetabulumfrakturen (< 2 mm) können konservativ behandelt, alle anderen müssen präzise reponiert und verplattet werden.

Heilungsaussichten Schäden am Gelenkknorpel der Pfanne oder des Hüftkopf können zur Hüftgelenksarthrose führen.

Literatur Andreas Hirner, Kuno Weise: Chirurgie Schnitt für Schnitt. Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 3-13-130841-9, S. 306–307.

Kategorie:Knochenbruch