Burgk ist ein Stadtteil der sächsischen Großen Kreisstadt Freital im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Der rechts der Weißeritz am Nordhang des Windbergs gelegene Ort war im 19. Jahrhundert als Sitz der Herren Dathe von Burgk und ihrer Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke ein Zentrum des Steinkohlenbergbaus und der industriellen Entwicklung im Döhlener Becken.

Die Gemeinde Burgk entstand 1912 aus dem Zusammenschluss von Großburgk mit der Bergbausiedlung Kleinburgk und gehört seit 1924 als Stadtteil zu Freital. In Burgk befinden sich mit dem Schloss Burgk und dem König-Albert-Denkmal zwei Wahrzeichen und touristische Anziehungspunkte der Stadt.

Geographie Geographische Lage mini|Blick von Burgk auf den Windberg mini|hochkant|Der Burgker Bach Der Stadtteil erstreckt sich in einem östlichen Seitental des Döhlener Beckens zwischen dem südlicher gelegenen Windberg und den nördlicheren Osterbusch und Zschiedgeberg, ausgehend vom Fluss Weißeritz von ca. empor bis an die Kohlenstraße (ca. ). Diese morphologische Hohlform wird durch den nur mehrere hundert Meter langen Burgker Bach in die Weißeritz entwässert. Die durchschnittliche Höhenlage des Ortes ist bei etwa .

Der 353 Meter hohe Windberg, die weithin sichtbare Landmarke und der Hausberg der Stadt Freital, liegt auf den südlichen Burgker Fluren und ist dicht bewaldet. Der Windberg ist zu großen Teilen als Natur- und Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. An den Berghängen gibt es mehrere Kleingartenanlagen, die übrigen Burgker Fluren sind Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie wenige Hektar Weide- und Ackerland sowie Wiesen.

Ortsgliederung und Nachbarorte Burgk hat eine Fläche von rund 2,4 Quadratkilometern und befindet sich in der östlichen Mitte des Stadtgebietes von Freital. Die größte Ost-West-Ausdehnung beträgt rund 3,2 Kilometer, die größte Nord-Süd-Ausdehnung etwa 1,8 Kilometer. Der Stadtteil selbst setzt sich aus drei Gemarkungen zusammen, die in ihrer Ausdehnung den Gemeindeverhältnissen vor 1912 entsprechen. Die Gemarkung Großburgk bildet das Zentrum des Stadtteils und hat auch den größten Anteil an dessen Fläche. Im Süden und Osten des Stadtteils liegt die Gemarkung Kleinburgk. Sie ist dreigeteilt: Ein südlicher Teil erstreckt sich etwa über die Hälfte des Burgker Teils des Windbergs. Ein zweiter, fast viereckiger Teil liegt nordöstlich davon zwischen Burgker Straße und Kohlenstraße. Der dritte Teil befindet sich im äußersten östlichen Zipfel des Stadtteils jenseits des Kaitzbaches, der den Stadtteil auf einer Länge von rund 200 Metern durchquert. Die dritte Gemarkung namens Zschiedge ist nur drei Hektar groß und liegt im Norden des Stadtteils.

Den westlichen Grenzverlauf Burgks zum Freitaler Stadtteil Döhlen markiert auf rund einem Kilometer Länge die Weißeritz. Im Norden folgt die Stadtteilgrenze in etwa dem Burgker Bach von der Weißeritz bis Zschiedge. Dort grenzt Potschappel an Burgk an. Im weiteren Verlauf hat der Ort gemeinsame Grenzen mit Birkigt (zu Freital) und Gittersee (zu Dresden). Ganz im Osten grenzt der Bannewitzer Ortsteil Cunnersdorf an Burgk an. Südöstlich liegt Kleinnaundorf. Die Grenze zwischen beiden Stadtteilen folgt auf ca. einem Kilometer der Kohlenstraße und verläuft anschließend am Südhang des Windbergs entlang zurück zur Weißeritz. Auf diesem Abschnitt ist Niederhäslich Nachbarort Burgks.

Geschichte Ursprung und Entwicklung der Dörfer mini|links|Burgk, Kleinburgk und Zschiedge im Topographischen Atlas des Königreichs Sachsen von Hermann Oberreit, um 1820 mini|Der Windberg und Umgebung, Karte um 1930

Großburgk oder auch Altburgk wurde im Jahr 1186 als „Borch“ erstmals erwähnt. Zentrum des Ortes war das Rittergut Burgk, das heute als Schloss Burgk bekannt ist und 1350 erstmals als solches erwähnt wurde. Für 1445 ist ein Vorwerk in Großburgk nachgewiesen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erwarb das Adelsgeschlecht von Zeutsch das Gut und führte es bis ins 18. Jahrhundert, bevor es an den Dresdner Senator Theodor Seyler und 1768 an die Familie Dathe fiel. Um das Schloss befindet sich ein teils enges, verwinkeltes Straßen- und Wegenetz mit kleineren Wohnhäusern, Bauzeugnissen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Großburgk wurde mit dem Bau und der Verlegung der Burgker Straße ab dem 20. Jahrhundert deutlich in Richtung Windberg erweitert.

Die Siedlung Kleinburgk entstand erst mit Aufkommen des Steinkohlenbergbaus als Bergarbeitersiedlung. Sie wurde 1668 als „Kleinburgk“ oder auch „Beßerung“ bezeichnet. Der zweite Name rührt daher, dass die Ansiedler den Boden nicht als Eigentum, sondern nur zur Bewirtschaftung „in Bau und Besserung“ erhielten. Jedoch setzte sich Kleinburgk als Name durch, und so bekam das bis dahin nur „Burck“ (1486) genannte Großburgk seinen Namenszusatz. Der Ort befindet sich im Gegensatz zu Großburgk auf höherem Geländeniveau und wird durch den Gemeindeweg, den Hartmannsberg und die obere Burgker Straße erschlossen. Am Knappenweg befand sich bis in die 1990er-Jahre auch die Schule Burgk.

Zschiedge taucht Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals auf und wurde später „die Siediche“ (1604) und „Schiedingk“ (1668) genannt. In Zschiedge sind neben modernerer Bebauung aus der Heimstättenbewegung der 1920er- und 1960er-Jahre noch alte Bebauungen auszumachen. Am nahen Kesselgrund beginnt steil der Verbindungsweg in den Stadtteil Birkigt. Die extreme Steilheit endet mit dem Durchgang unter der Trasse der Windbergbahn. Das einstige Sandsteinviadukt wurde noch vor der Wende durch ein Brückenbauwerk aus Beton ausgetauscht.

+ Entwicklung der Einwohnerzahlen von Großburgk, Kleinburgk und Zschiedge Jahr Großburgk Kleinburgk Zschiedge Gesamt 1834 841 166 157 1516 1871 1351 285 390 2026 1890 1542 393 385 2320 1910 2000 463 429 2892

Alle drei Orte waren in Verwaltungsfragen dem kursächsischen Amt Dresden bzw. ab 1875 der Amtshauptmannschaft Dresden unterstellt und nach Döhlen eingepfarrt. Im Gegensatz zu Großburgk besaßen in Kleinburgk und Zschiedge die Potschappler Gutsherren die Grundherrschaft. Erst mit der Einführung der Sächsischen Landgemeindeordnung von 1838 erhielten die drei Orte als Landgemeinden kommunales Selbstverwaltungsrecht.

Im Jahr 1764 lebten in Großburgk zwei „besessene Mann“ und 38 Gärtner, in Kleinburgk acht Gärtner und elf Häusler sowie weitere 15 Häusler in Zschiedge.

Der florierende Steinkohlenbergbau führte ab dem 19. Jahrhundert zu Zuzügen von Bergleuten in die Dörfer des Döhlener Beckens. Alle drei Orte konnten ihre Einwohnerzahl innerhalb von 70 Jahren mehr als verdoppeln. Im Jahr 1910 hatte Großburgk 2000 Einwohner, in Kleinburgk lebten 463 Menschen und auf Zschiedge entfielen 429 Einwohner. Insgesamt wohnten in diesem Jahr im späteren Burgk 2892 Menschen, nachdem es 1834 noch 1516 gewesen waren.

Im Jahr 1912 schlossen sich die Gemeinden Großburgk und Kleinburgk zur neuen Gemeinde Burgk zusammen. Zschiedge kam als Ortsteil 1915 dazu. Nachdem Freital am 1. Oktober 1921 aus dem Zusammenschluss von Deuben, Döhlen und Potschappel gegründet worden war, kam Burgk am 1. April 1924 als zweite Eingliederung nach Zauckerode 1922 zu der jungen Stadt.

Steinkohlenbergbau in Burgk mini|hochkant|Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk gründete die Burgker Steinkohlenwerke. mini|Am Neuhoffnungsschacht wurden während der Betriebszeit insgesamt 1.685.406 Tonnen Steinkohle gefördert (Lithographie, um 1860). Kurz nachdem im Plauenschen Grund 1542 das Abbauprivileg für Steinkohle an Hans Biener vergeben worden war, bemühte sich auch die Familie von Zeutsch aus Burgk gemeinsam mit Hermann von Tauschwitz aus Potschappel um die Abbaugenehmigung. Mitte des 16. Jahrhunderts ist ein Alaunwerk auf Rittergutsgelände nachgewiesen. Es wurde später nach Potschappel verlegt.Reichel, Schauer 2006, S. 186. Im 18. Jahrhundert gab es einige kleinere Schächte an Damms Delle und am Geiersgraben.Reichel, Schauer 2006, S. 188. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts wurden der Alte Schacht und der Kunst-Schacht auf über 100 Meter abgeteuft. Zwischen 1773 und 1836 entstand der Burgker Weißeritzstolln zur Entwässerung der Gruben.Reichel, Schauer 2006, S. 192. In Burgk begann die Konzentration der kleinen Bergbaubetriebe erst 1819, als Carl Friedrich August Krebß (später Freiherr Dathe von Burgk) neuer Rittergutsbesitzer auf Burgk wurde. Er erbte fünf Schachtanlagen und kaufte umliegende Kohlefelder hinzu. Daraus gründete er die Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke. Er weitete seine Aktivitäten schnell aus, teufte neue Schächte ab und kaufte Eisenhammerbetriebe hinzu. Burgk wurde zum Zentrum des Steinkohlenbergbaus rechts der Weißeritz.

Durch den Steinkohlenabbau gehörte Burgk bis in die 1870er-Jahre zur technologischen Spitzenregion in Deutschland. Manche technische Neuentwicklung kam dort erstmals zum Einsatz. Im Jahr 1810 wurde dort erstmals das „nasse Siebsetzen“ angewendet. Die Burgker Steinkohlenwerke setzten ab 1821 die ersten Dampfmaschinen in ihren Bergwerken ein. Außerdem begannen Versuche zur Verkokung der Steinkohle. Im Jahr 1842 wurde der erste sächsische Kokshochofen in den Burgker Eisenhüttenwerken zu Döhlen in Betrieb genommen.Reichel, Schauer 2006, S. 193. Seit dem Jahr 1856 wurden die geförderten Kohlen des Burgker Reviers von der ersten Gebirgsbahn Deutschlands, der Windbergbahn, in den Plauenschen Grund und von dort über die ein Jahr zuvor in Betrieb gegangene Albertsbahn abtransportiert. Von den Burgker Gruben waren Reibold-, Neuhoffnungs-, Windberg- und Segen-Gottes-Schacht über Anschlussgleise an die normalspurige Strecke angebunden.

Folgende Steinkohlengruben waren unter anderem unter der Betriebsführung der Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke in Burgk und der unmittelbaren Umgebung in Betrieb (Lage und Betriebszeit in Klammern):

Alter Schacht Bergerschacht (; 1810–1867) Bormannschacht (1812–1846) Fortunaschacht (; 1835–1865) Kunst-Schacht (1775–1845)Reichel, Schauer 2006, S. 191. Neuhoffnungsschacht (; 1837–1898) Segen-Gottes-Schacht (; 1856–1916) Wilhelminenschacht (; 1815–nach 1870)

Außerdem waren auf Kleinburgker Flur der Windbergschacht (; 1845–1878) und der Reiboldschacht (; 1837–1871) in Betrieb, allerdings unter der Betriebsführung des Potschappler Aktienvereins.

Im Jahr 1868 waren in den Gruben der Burgker Steinkohlenwerke rund 1600 Bergleute beschäftigt.Reichel, Schauer 2006, S. 210.

Am 2. August 1869 ereignete sich im Segen-Gottes-Schacht und im Neuhoffnungsschacht der Burgker Steinkohlenwerke eine Schlagwetterexplosion, bei der 276 Bergleute umkamen. 141 von ihnen wurden durch die Explosion getötet, 135 erstickten nach und nach in den Brandgasen. Es war das größte Grubenunglück in der Geschichte des Bergbaus im Döhlener Becken und gehört zu den schwersten Unglücken im sächsischen Bergbau. Am ehemaligen Segen-Gottes-Schacht erinnert daran ein Denkmal, das auch alle Opfer namentlich nennt.

Trotz intensiver weiterer Erkundung sank die Steinkohlenförderung gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer weiter. Die Lagerstätten waren erschöpft. Die Gruben im Unteren Revier waren bereits in den 1860er- und 1870er-Jahren abgeworfen worden, die Aktivitäten der Steinkohlenwerke im Oberen Revier dauerten noch bis ins 20. Jahrhundert. Der Segen-Gottes-Schacht wurde als letzter in Burgks unmittelbarer Umgebung am 30. März 1916 geschlossen. Die letzten beiden Gruben in Betriebsführung der Burgker Steinkohlenwerke waren der Glückauf-Schacht und der Marienschacht. Die Belegschaft war 1923 noch 931 Mann stark.Reichel, Schauer 2006, S. 211. In den beiden verbliebenen Gruben wurde die Förderung im April 1930 eingestellt.Reichel, Schauer 2006, S. 199. Die Steinkohlenwerke gingen in Konkurs. Bis 1946 war nur noch die nun mit Zauckeroder Steinkohle belieferte Brikettfabrik am Glückaufschacht in Betrieb.