mini|Kloster Altenberg mini|Die Markuskapelle, um 1225 gebaut mini|Die restaurierte nördliche Klostermauer (2012) mini|Der Altenberger Dom von Nordwesten (2013)
Die Abtei Altenberg (, Abbatia Veteris Montis, Bergensis Abbatia u. ä.) ist ein ehemaliges Kloster der Zisterzienser und der Kern des Ortsteils Altenberg der Gemeinde Odenthal im Bergischen Land. Sie liegt im Tal der Dhünn. Das Kloster wurde 1133 gegründet und 1803 säkularisiert. Bis heute erhalten ist die Klosterkirche, der Altenberger Dom. Seit dem Wiederaufbau der Ruine 1847 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. wird die Kirche als evangelische und katholische Pfarrkirche simultan genutzt. An der Stelle des Klosters steht seit den 1920er-Jahren die Jugendbildungs- und -begegnungsstätte Haus Altenberg, die baulich den früheren Abteigebäuden nachempfunden ist. Hier befand sich von 1926 bis 1954 das Zentrum der katholischen Jugendbewegung in Deutschland.
Geschichte Gründung, Kirchen- und Klosterbau (12.–17. Jahrhundert) Das Kloster wurde als Filiation (Ableger) des Klosters Morimond in Burgund gegründet. Am 25. August 1133 kamen von dort zwölf Mönche unter Abt Berno ins Dhünntal. Ihnen stand zunächst der Stammsitz der Grafen von Berg, die im 11. Jahrhundert erbaute Burg Berge auf einem Felsvorsprung am Hang des Bülsbergs oberhalb der Dhünn, zur Verfügung. Graf Adolf II. von Berg hatte sie den Zisterziensern geschenkt, als er mit Schloss Burg an der Wupper eine neue Residenz errichtete. Adolfs älterer Bruder Graf Everhard von Berg war 1129 in das Zisterzienserkloster von Morimond eingetreten. Ein weiterer Bruder, Bruno II., war damals Erzbischof von Köln. Die drei Brüder stifteten die Abtei aus Dank an Gott und schufen mit diesem „Familienkloster“ gleichzeitig eine angemessene Familiengrablege.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 47.
Die Mönche rissen die Burg teilweise ab und bauten sie um. Sie verlegten jedoch schon bald ihren Sitz ins Tal direkt an die Dhünn, weil dies bessere Voraussetzungen für die zisterziensische Lebensweise und den Klosterbau nach dem zisterziensischen Idealplan bot.Cistercium. Die Welt der Zisterzienser. Dort begannen sie mit dem Bau eines großen Klosters und legten Äcker, eine Kornmühle und Fischteiche an, damit die Abtei sich selber versorgen konnte; die Klosterregel erlaubte gesunden Mönchen kein Fleisch von vierbeinigen Tieren.
Eine erste Kirche, eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika, wurde bereits im Jahr 1145 (Chor) bzw. 1160 (Langhaus) geweiht.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 15f.Geschichte. Website der Kath. Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt Altenberg. Abgerufen am 16. November 2012.; Landschaft und Geschichte e. V. (Hrsg.): Auf Spurensuche in Altenberg. Landschaft und Geschichte im Herzen des Bergischen Landes. Gaasterland Verlag, o. O. 2006, ISBN 3-935873-06-9, S. 6–25. Sie trug, wie alle Zisterzienserkirchen, das Patrozinium der Gottesmutter Maria. Die Klosterimmunität reichte bis zur Dhünn. Entlang der Dhünn entstanden Wirtschafts- und Mühlengebäude sowie im Lauf der Zeit neben der Klosterkirche vier Kapellen:Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 21f. die Marienkapelle unmittelbar vor der Klosterpforte rechts (unter Abt Bruno, um 1250), die Kapelle der Heiligen Felix und Adauctus beim Krankenhaus (Ende des 13. Jahrhunderts) und die Abtskapelle in der „Alten Prälatur“ (geweiht am 6. Mai 1507). Die älteste Kapelle auf dem Klostergelände, die um 1225 erbaute Markuskapelle an der Dhünn, ist bis heute erhalten. Der nördliche Abschnitt der Umfriedungsmauer wurde Ende des 20. Jahrhunderts restauriert.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 15f.
Adolfs Bruder, Erzbischof Bruno II. von Köln, beschenkte das Kloster mit Ländereien, die sich bis auf die linke Rheinseite erstreckten. Dadurch wurde ein Grundstock für den wachsenden Reichtum der Abtei gelegt. Die Abtei genoss den Schutz der deutschen Könige und mehrerer Gebietsherren und war für ihre eigenen Wirtschaftsbetriebe vom Zehnten befreit; sie unterstand weder der Jurisdiktion des Bischofs noch der weltlichen Gerichtsbarkeit. In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung verzeichnete die Abtei so viele Eintritte, dass sie Tochterklöster gründen musste. Die Eintretenden vermehrten durch ihre mitzubringende Mitgift den Reichtum der Abtei weiter. Ende des 12. Jahrhunderts gehörten zur Abtei 107 Priestermönche und 138 Laienmönche (Konversen). Bis dahin waren von der Abtei bereits fünf Neugründungen ausgegangen (Mariental, Łekno, Lond/Ląd, Zinna und Haina).Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 48f., 79f.
Der früheste Name der Abtei war cenobium, quod dicitur Berghe („monastische Gemeinschaft, genannt Berghe“, 1138), das Kloster hieß auch monasterium s. Marie de (in) Berg(h)e („Kloster der heiligen Maria von (in) Berghe“, 1148), monasterium Bergense (1180), die Kirche ecclesia (s. Marie) de Monte („Kirche der heiligen Maria von/vom Berg“, 1150/65) bzw. Bergensis (um 1180).Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 2. Der Name „Altenberg“ wird 1195 erstmals im Unterschied zu „Neuenberg“, der Burg an der Wupper erwähnt.
1259 wurde an der Stelle des Vorgängerbaus der Grundstein für eine neue, größere Kirche, den hochgotischen Altenberger Dom, gelegt,Vgl. dazu: Sabine Lepsky: Die ehemalige Zisterzienserabteikirche Altenberg. Resümee ihrer Entstehungsgeschichte. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 6 (2/2014), S. 149–168. deren Chor und südliches Querhaus 1276 eingeweiht wurden. Am 3. Juli 1379 erfolgte die Schlussweihe des Gesamtbaus. Gemäß den Bauvorschriften der Zisterzienser hat der Dom nur einen Dachreiter und keine Türme. Er trägt das Patrozinium St. Mariä Himmelfahrt. Gleichzeitig mit dem Dombau wurden auch die Klostergebäude erweitert. Über die Motive für den Neubau bereits hundert Jahre nach dem ersten Kirchbau ist nichts bekannt. Hans Mosler nennt an möglichen Gründen spekulativ Beschädigungen bei einem Erdbeben am 11. Januar 1222 und eine „gewollte Abkehr von der bisherigen baukünstlerischen Überlieferung“, da die Altenberger Äbte bei ihren Reisen zu anderen Abteien in Westeuropa den neuen gotischen Baustil kennengelernt hätten. Bereits die Markuskapelle wurde 1225 im Rheinischen Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik erbaut.
mini|Der Idealplan eines Zisterzienserklosters mini|Die Abtei Altenberg um 1707 (Kupferstich von Johann Sartor)
Lage und Bau der Klosteranlage im Tal und am Wasser orientierten sich auch beim Grundriss am zisterziensischen Idealplan, der auf Bernhard von Clairvaux zurückgeht.Landschaft und Geschichte e. V. (Hrsg.): Auf Spurensuche in Altenberg. Landschaft und Geschichte im Herzen des Bergischen Landes. Gaasterland Verlag, o. O. 2006, ISBN 3-935873-06-9, S. 7 (Autoren: Manfred Link, David Bosbach, Randolf Link). Der Immunitätsbezirk des Klosters wurde im Westen von der Dhünn begrenzt, über die eine Brücke auf die Kirche zuführte; entlang der Dhünn waren verschiedene Wirtschaftsgebäude für Landwirtschaft und Fischzucht angesiedelt. Nach Osten wurde der Klosterbezirk ungefähr halbkreisförmig von einer Mauer eingefriedet, Kirche und Kloster lagen inmitten dieses Bereichs. Die Klostergebäude bildeten südlich des geosteten Doms ein Viereck um einen Innenhof mit Garten und schlossen mit dem nördlichen Flügel unmittelbar an das Kirchengebäude an. Von dem Kreuzgang um den Innenhof konnten die Kloster- und Wirtschaftsräume und die Kirche erreicht werden. Dabei waren die Räumlichkeiten für die Priestermönche und die Laienmönche (Konversen) voneinander getrennt. Beide Gruppen besaßen eigene Refektorien, Schlafsäle und zeitweise sogar getrennte Infirmarien (Krankenstationen), infirmaria dominorum oder monachorum für die Mönche und infirmaria conversorum für die Konversen.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 131. Die Konversen betraten die Kirche über einen „Konversengang“ parallel zum westlichen Flügel des Kreuzganges, von wo sie den für sie bestimmten hinteren Teil der Kirche, den „Konversenchor“, erreichten.
Die ersten Klosterbauten waren schlicht und an der Gotik orientiert. Der Kreuzgang wurde an der ersten, romanischen Kirche zwischen 1222 und 1260 erbaut; sein Nordflügel und das südliche Seitenschiff der Kirche hatten ein gemeinsames Dach. Der östliche Flügel des Kreuzgangs war zweistöckig; im Parterre lag an der Kirche die Sakristei, südlich davon der Kapitelsaal mit einer Größe von 15 m × 15 m, gegliedert durch vier Bündelsäulen, sowie die Küche und der Speisesaal der Mönche. Das dreischiffige Dormitorium lag im Obergeschoss; es hatte ein Kreuzrippengewölbe, das von 22 kunstvollen Säulen getragen wurde. Von dort war das südliche Querhaus der Kirche für die Mönche über eine Treppe direkt zu erreichen. Die Schatzkammer der Abtei lag über der Sakristei und war nur vom Dormitorium aus zugänglich. Beim Bau des zweiten, gotischen Doms ab 1259 wurde auf diese Bauten Rücksicht genommen; dadurch erhielt der Dom ein verkümmertes südliches Querschiff.Landschaft und Geschichte e. V. (Hrsg.): Auf Spurensuche in Altenberg. Landschaft und Geschichte im Herzen des Bergischen Landes. Gaasterland Verlag, o. O. 2006, ISBN 3-935873-06-9, S. 23ff. (Autoren: Manfred Link, David Bosbach, Randolf Link).Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 16 Anm. 2 und S. 17. Der Kreuzgang öffnete sich zum Innenhof in spitzbogigen Drillingsarkaden mit eingestellten Doppelsäulchen. Es gab immer wieder Erweiterungen und Umbauten. Unter Abt Johannes Rente (1430–1440) wurde das große, hallenähnliche Dormitorium der Mönche in einzelne Zellen aufgeteilt.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 94. Bei einem Umbau erhielt der Kreuzgang zwischen 1510 und 1530 einen Zyklus von 115 Bleiglasfenstern, die das Leben des heiligen Bernhard darstellten; er gilt als der umfangreichste Zyklus, der Bernhard von Clairvaux gewidmet wurde.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 21.
Unter Abt Johann Jakob Lohe (1686–1707) wurde die Abtei instand gesetzt, bedeutend erweitert und mit barocken Stilelementen ausgestattet. Nach Westen wurde das Abteigebäude um ein zweites Quadrum vergrößert, an dem sich auch die Räume der Konversen befanden. Diesen Bauzustand gibt ein Kupferstich aus dem Jahr 1707 von Johann Sartor wieder.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. Berlin 1965, S. 179. Aus dieser Zeit stammen auch das westliche Eingangstor zum Klostergelände an der Dhünnbrücke sowie die bis heute erhaltenen Gebäude des Küchenhofs an der Dhünn nahe der Markuskapelle, der durch einen barocken Torbogen betreten wird; dieser Vierkanthof mit Meierei, Gastwirtschaft, Stallungen und Remise diente als Wirtschaftshof der unmittelbaren Versorgung der Abtei und hatte Vorgängerbauten aus der Gründungszeit des Klosters.Landschaft und Geschichte e. V. (Hrsg.): Auf Spurensuche in Altenberg. Landschaft und Geschichte im Herzen des Bergischen Landes. Gaasterland Verlag, o. O. 2006, ISBN 3-935873-06-9, S. 27f. (Autoren: Manfred Link, David Bosbach, Randolf Link). Die Orangerie, ein südlich der Abtei gelegenes Gewächshaus mit gläserner Südfassade, entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Mönche kultivierten dort Zitrusfrüchte. Da solche Luxusfrüchte gewöhnlich nicht zum Anbauprogramm einer Zisterzienserabtei gehörten, geschah dies möglicherweise im Auftrag der Herzöge von Berg.odenthal-altenberg.de: Orangerie.
Altenberg als Ruhesitz und Grablege (12.–18. Jahrhundert) mini|Der „Herzogenchor“ im nördlichen Querhaus des Doms mit Gräbern des Hauses Berg