Die Universität zu Köln ist eine wissenschaftliche Hochschule in Köln mit dem Fächerspektrum einer Volluniversität. Sie wurde 1919 als zweite Universität in der Weimarer Republik (nach der Universität Hamburg) gegründet. Nach dem Verlust der Kaiser-Wilhelms-Universität zu Straßburg infolge des Ausgangs des Ersten Weltkriegs sollte sie deren Tradition fortsetzen und die „deutsche Position am Rhein stärken“.Erich Meuthen: Kleine Kölner Universitätsgeschichte, Köln 1998, S. 31.

Mit im Wintersemester 2024/25 über 43.000 Studierenden ist sie eine der zahlenmäßig größten Präsenzuniversitäten in Deutschland. 2012 bis 2019 hatte sie im Rahmen der dritten Exzellenzinitiative zur Hochschulförderung den Exzellenzstatus inne.

Geschichte und Entwicklung Die Alte Universität

mini|Erstes Gebäude der neuen Universität (bis 1934), heute TH Köln (2012)

Am 21. Mai 1388 erteilte Papst Urban VI. dem Kölner Rat ein Privileg zur Gründung einer Universität, die am 6. Januar 1389 ihren Lehrbetrieb aufnahm. Köln war im Heiligen Römischen Reich nach der Karls-Universität Prag (1348), der Universität Wien (1365) und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (1386) die vierte Universitätsgründung. Die Initiative dazu ging nicht wie sonst üblich vom Kaiser oder einem Fürsten aus, sondern vom Rat der Freien Reichsstadt Köln, die auch die Kosten für den Lehrbetrieb übernahm.Gründungsurkunde in: v. den Brincken, Stadt und Hochschule, Quellen der Stadt Köln Bd. 1, S. 308–309.

Nach der französischen Besetzung Kölns wurde die Universität am 28. April 1798 wie 1795 die Universitäten in Frankreich und die Universitäten in Trier und Mainz geschlossen. An ihre Stelle trat eine Zentralschule des Département de la Roer, genannt „Université de Cologne organisé en Ecole centrale“.

Die Neue Universität mini|Claudiusstraße 1 – Blick durch den Römerpark auf die Handelshochschule (1911) Bestrebungen der Stadt und von Kölner Bürgern im Verlauf des 19. Jahrhunderts zur Wiedererlangung der Universität blieben erfolglos. Aufgrund einer Stiftung des Kölner Industriellen Gustav Mevissen gelang zum 1. Mai 1901 die Gründung der Handelshochschule Köln, der 1912 die Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung angegliedert wurde. Schon 1904 wurde die erste Akademie für praktische Medizin in Köln eröffnet, die aber nur im klinischen Bereich ausbildete und Fortbildungen für approbierte Ärzte anbot.

Erst nach der Revolution gelang es am 4. Januar 1919, einen Beschluss der preußischen Staatsregierung herbeizuführen, mit dem die Zusammenfassung der Kölner Hochschuleinrichtungen zu einer neuartigen Universität neben der Universität Bonn gestattet wurde. Im Gegenzug musste sich die Stadtgemeinde zur Übernahme der Bau- und Sachkosten verpflichten. Dessen ungeachtet war Köln wie die Universität Frankfurt eine preußische Landesuniversität. Am 27. bzw. 29. Mai 1919 unterzeichneten Kultusminister Konrad Haenisch und Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Staatsvertrag.

Aus den als Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät weitergeführten Kölner Hochschulen gingen 1920 die Rechtswissenschaftliche und die Philosophische Fakultät (unter Einschluss der Naturwissenschaften) hervor; die Akademie für praktische Medizin war mit der Universitätsgründung zur Medizinischen Fakultät geworden. Erster Rektor wurde Christian Eckert, bis dahin Studiendirektor der Kölner Hochschulen. Sitz der Universität wurde das für die Handelshochschule errichtete und am 26. Oktober 1907 errichtete Gebäude am Römerpark, Südstadt, (jetzt durch die Technische Hochschule Köln genutzt) von 1919 bis 1934 (auch Alte Universität genannt). Hinzu kamen am 9. Januar 1920 die Rechtswissenschaftliche und am 3. Mai 1920 die Philosophische Fakultät, von der sich 1955 die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät abspaltete.Marco Gebert: Festung und Stadt Köln, 2013, S. 381.

Köln war seit 1925 die zweitgrößte preußische Universität nach der Friedrich-Wilhelms Universität Berlin. Am 26. Oktober 1929 wurde der Grundstein für ein neues Universitätsgebäude gelegt, dessen Pläne vom städtischen Baudirektor Adolf Abel stammen. Nach einer Bauunterbrechung von 1931 bis 1933 zog die Universität zum 1. Oktober 1934 vom Römerpark an den neuen Standort an der Universitätsstraße. Der funktional schlichte Neubau im Inneren Grüngürtel Köln-Lindenthals nahe der Universitätsklinik Lindenburg wurde am 5. April 1935 eingeweiht.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung begann eine umfassende „Säuberung“ der Universität, der vor allem Professoren jüdischer Herkunft zum Opfer fielen. Dadurch wurden insgesamt 58 Lehrkräfte vertrieben, 23 Prozent des Lehrkörpers.Vgl. Michael Grüttner, Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse, de Gruyter, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-123678-0, S. 12. Namensliste: S. 333–375. In den folgenden Jahren entstanden neue Lehrstühle und Institute, die auf die Interessen des Regimes zugeschnitten waren, unter anderem ein Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene (1940).Habbo Knoch u. a. (Hrsg.), Die Neue Universität zu Köln, Böhlau, Köln 2019, S. 98. Das Hauptgebäude der Universität wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer beschädigt. Dennoch begann bereits 1945 wieder der Vorlesungsbetrieb.

Allerdings überschritten die Kosten für den Wiederaufbau die Möglichkeiten der Stadt, unter deren alleiniger Trägerschaft die Universität bis 1954 stand. So wurde am 1. April 1954 die Universität zu Köln mit Wirkung vom 1. April 1953 durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen übernommen. Die Bindung an die Stadt und den Regierungsbezirk Köln wurde bis zum Jahre 2007, dem Inkrafttreten einer neuen Grundordnung, durch die Institution des Kuratoriums gewährleistet, in dem der Oberbürgermeister den Vorsitz führte. Darüber hinaus kooperiert die Universität mit vielen städtischen Einrichtungen und anderen Einrichtungen in der Stadt, wie zum Beispiel mit dem Rheinisch Westfälischen Wirtschaftsarchiv, der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie und vielen städtischen Kliniken.

Der Ausbau der Universität begann mit dem Bau der Hörsaal- und Seminartrakte und des achtgeschossigen Seminar- und Bürohochhauses für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät von Wilhelm Riphahn zwischen 1956 und 1960. In dieser Fakultät hatte sich die Studierendenzahl zwischen 1949 und 1955 auf über 5000 nahezu verfünffacht. Gleichzeitig wurden für die Kölner Abteilungen der Pädagogischen Akademie Rheinland von Hans Schumacher (1955–1970) neue Gebäude jenseits der Dürener Straße errichtet, seit der Übernahme durch die Universität als Campus Nord geführt und Mitte der 1990er Jahre unter der Stadtkonservatorin Hiltrud Kier unter Denkmalschutz gestellt.archive.org: , hf.uni-koeln.de, Artikel vom 22. Juni 2015, abgerufen am 13. November 2022. Die Universitätsbibliothek von Rolf Gutbrod in Zusammenarbeit mit dem Bildenden Künstler Jürgen Hans GrümmerDie Gestaltung des Kölner Universitätsgeländes durch Jürgen Hans Grümmer in den 1960er und frühen 1970er Jahren in Zusammenarbeit mit Architekturbüro Rolf Gutbrod. In: juergenhans-gruemmer.de. folgte 1966. Der Albertus-Magnus-Platz wurde durch die Absenkung und Deckelung der Universitätsstraße erweitert und von Jürgen Hans Grümmer mit Bodenmosaiken gestaltet. 1968 wurde das Hörsaalgebäude von Rolf Gutbrod in Zusammenarbeit mit Grümmer als bildendem Künstler fertiggestellt. Das Freigelände zwischen Hauptgebäude, Albertus-Magnus-Platz, Hörsaalgebäude und Bibliothek ist Bestandteil des künstlerischen Gesamtkonzepts von Grümmer, der die Innen- und Außengestaltung von Hörsaalgebäude und Bibliothek übernahm. Er entwarf die Bodenmosaiken, die Wand- und Fassadengestaltung, schuf Bauminseln und Ruhezonen, übernahm auch die Gestaltung der Möblierung. Der Bau der Physikalischen und Chemischen Institute jenseits der Zülpicher Straße folgte zwischen 1968 und 1975. Mit dem Neubau des Philosophikums 1974 war der Campus der Universität im Wesentlichen fertig. Grümmer wurde damit beauftragt, das Forum in die künstlerische Gesamtgestaltung zwischen Hauptgebäude, Philosophikum und Hörsaalgebäude zu integrieren. Der Komplex des Klinikums mit den alten Gebäuden der Krankenanstalten Lindenburg wurde ab 1965 (Frauenklinik) bis 1974 (Bettenhaus des Zentralklinikums) modernisiert und erweitert. Der jenseits der Akademischen Lustwiese (Akaluwie) 1974 errichtete Neubau der Zentralmensa ist immer noch einer der modernsten und größten Studierenden-Speisebetriebe in Europa. 1980 wurden die beiden Kölner Abteilungen der Pädagogischen Hochschule Rheinland als Erziehungswissenschaftliche und Heilpädagogische Fakultät der Universität zu Köln angegliedert. Der Ausbau und die Modernisierung der Hochschulgebäude wird bis in die Gegenwart fortgeführt. Beispiele: mini|hochkant|Neubau des Studierenden Service Center (SSC), Gebäude 102. (2015) Ende 2013 wurde die Erneuerung der Natursteinfassade des Hauptgebäudes auf der Seite zum Albertus-Magnus-Platz abgeschlossen. südlich des Hauptgebäudes entstand ein neues Seminargebäude („Gebäude 106“). Im Frühjahr 2014 wurde der Neubau des Studierenden Service Centers neben dem Hauptgebäude der Universität fertiggestellt.

Seit 2003 tragen alle Gebäude Gebäudenummern.

Alle diese Anlagen liegen eingebettet in den Inneren Kölner Grüngürtel und bilden so einen innenstadtnahen zusammenhängenden Universitätscampus, der dennoch im Grünen liegt.

Profil Name Die Hochschule hatte lange keinen Namen, wenn man nicht den mittelalterlichen Namen universitas studii s[an]c[ta]e civitatis coloniensis (siehe Siegel) oder die neue Bezeichnung Universität Köln dafür nimmt. Beides bedeutet, dass die Hochschule eine stadtkölnische Einrichtung war. Während des Rektorats von Josef Kroll (1945–1949) wurde die offizielle Benennung der Universität als Universität zu Köln eingeführt. Eine Initiative dazu hatte Kroll schon in seiner ersten Amtszeit Anfang der 1930er Jahre ergriffen.

Organisation und Fakultäten Das Rektorat leitet die Universität. Es besteht aus dem Rektor als Vorsitzendem (Joybrato Mukherjee), sechs Prorektorinnen und Prorektoren und dem Kanzler (Karsten Gerlof). Das Rektorat wird von der Hochschulwahlversammlung gewählt, in der der Senat und der Hochschulrat gleich großes Stimmgewicht ausüben; die erste Amtszeit beträgt mindestens sechs Jahre und weitere Amtszeiten mindestens vier Jahre. Der Rektor ist Vorsitzender des Rektorats und des Senats der Universität. mini|Studierende nach Fakultät (WS 24/25) Die Universität gliedert sich in die folgenden sechs Fakultäten: Fakultät (Stand WS 24/25) Studierende (Neu-)GründungsjahrWirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät 6.522 1919Medizinische Fakultät 4.210 1919Rechtswissenschaftliche Fakultät 5.589 1920Philosophische Fakultät 12.820 1920Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät 9.213 1955Humanwissenschaftliche Fakultät 5.210 2007Außerhalb der Fakultäten (interdisziplinärer Studiengang)30Gesamt 43.594