miniatur|Eine Gasse in Closewitz
Closewitz ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Jena in Thüringen.
Geografie Geografische Lage Closewitz liegt auf der Ilm-Saale-Platte im nördlichen Stadtgebiet von Jena. Im bzw. nahe dem Dorf treffen 5 Kreisstraßen aufeinander. Das Stadtzentrum liegt etwa 7,5 km entfernt. Nach Weimar sind es 17 km und zur Landeshauptstadt Erfurt 40 km. Die nächstgelegenen Bundesstraßen sind die B 7 (4 km westlich) und die B 88 (4 km östlich). Die nächste Autobahn ist die A 4 (13 km südlich).
Stadtteil Krippendorf (2 km) Altengönna (Gemeinde Lehesten) (3 km) Lehesten (Gemeinde Lehesten) (5 km) Stadtteil Lützeroda (1 km) Windrose Rödigen (Gemeinde Lehesten)(3 km) Stadtteil Cospeda (1,5 km) Jena Stadtzentrum (7,5 km) Stadtteil Zwätzen (4 km) Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung durch die kürzeste Straßenverbindung bis zum Ortszentrum.
Landschaft Das zu Closewitz gehörende Gebiet liegt im nördlichen und südwestlichen Bereich auf den Höhen der Ilm-Saale-Platte. Auf den südlichen Höhen befindet sich das Naturschutzgebiet Windknollen. Im östlichen Teil der Gemarkung liegt das Rautal, ein Waldgebiet, in dem flächenhaft Winterlinge angesiedelt wurden und in dessen unterem Teil früher Weinbau betrieben wurde. In einem nördlichen Seitental befindet sich der Burschenplatz, ein historischer Treffpunkt der Burschenschaften. Nahe dem Ort entspringt der Steinbach, welcher 4 km weiter östlich in die Saale mündet. Die höchste Erhebung der Gegend ist der Dornberg mit nordwestlich des Dorfes.
Der Ort ist als Bestandteil des Stadtgebiets bzw. als Jenaer Stadtteil kaum wahrnehmbar, da das eigentliche Jenaer Stadtgebiet sich rund 200 Höhenmeter unterhalb des Ortes auf der Sohle des Saaletales erstreckt. Zudem sorgen der Closewitzer Forst und das Rautal für eine räumliche Abgrenzung der eingemeindeten Orte auf der Ilm-Saale-Platte zum Weichbild der Großstadt, so dass der ländliche Charakter der Region erhalten geblieben ist.
Geschichte rechts|miniatur|hochkant|Der 1984 zum 725. Ortsjubiläum gesetzte Gedenkstein Mittelalter Eine erste weilerartige Siedlung als Vorgänger des heutigen Dorfes wurde offenbar im 9. oder 10. Jahrhundert von slawischen Bauern angelegt. Dafür sprechen sowohl einige archäologische Funde von Keramik des Leipziger Kreises, die heute im Besitz der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Jena sind, als auch der Ortsname, der sich von dem altsorbischen Begriff *klos für Ähre oder einem entsprechenden Personennamen ableiten lässt.Frdl. Auskunft Christian Riese M.A., Abteilung Deutsch-Slavische Namenforschung am Institut für Slavistik der Universität Leipzig Das Gebiet gehörte jedoch zum Ostfränkischen Reich.
Die Ersterwähnung des Ortes in den schriftlichen Quellen ist in der Geschichtswissenschaft umstritten. Lange Zeit galt die Nennung eines Ortes Clochwiz in einer im Jahr 1259 ausgestellten Urkunde als ältester Beleg.Urkundenbuch der Stadt Jena und ihrer geistlichen Anstalten. Teil 1. 1182–1405. Hrsg. von J. E. A. Martin. (= Thüringische Geschichtsquellen Neue Folge 3,1). 1888. Mit Bezug auf diese Nennung wurde z. B. 1984 eine Festwoche zur 725-Jahr-Feier von Closewitz begangen und auch für 2009 ist eine weitere Jubiläumsfeier geplant. Andrei Zahn wies jedoch in einem Aufsatz im Jahr 2005 darauf hin, dass es sich bei dem neben Cospeda genannten Ort nicht um Closewitz, sondern um + Clöchwitz, eine Wüstung im Ziegenhainer Tal, handle.Andrei Zahn: Closewitz und das Kloster Kapellendorf. In: Blätter des Vereins für Thüringische Geschichte e. V. 15, 2005, S. 6–14 In späteren Abschriften dieser Urkunde sei der Name wahrscheinlich in Anlehnung an das benachbarte Cospeda aus der inzwischen in Vergessenheit geratenen Wüstung zu „Clozwitz“, „Closwitz“ bzw. „Closewitz“ verschrieben worden. Nach neuesten Erkenntnissen wurde Closewitz am 28. November 1273 zum ersten Mal erwähnt. Heinrich (der Erlauchte) Markgraf von Meißen und dem Osterland und sein Sohn Dietrich (der Feiste) Markgraf von Landsberg, übereignen auf Bitten des Burggrafen Otto von Kirchberg, den Wald „Rautal“ am Abhange des Berges zwischen „Clozwiz“ und „Zwezen“ den einst Rupert von Gönna besessen hatte, dem Deutschordenshause in Zwätzen. Durch den geografischen Bezug zum Rautal und Zwätzen kann hier eindeutig davon ausgegangen werden, dass es sich bei „Clozwiz“ um das heutige Closewitz handelt. Das Jahr 1273 ist somit zum gegenwärtigen Forschungsstand die urkundliche Ersterwähnung von Closewitz. Die Originalurkunde wird im sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden verwahrt.O.U. Nr. 813 1287 ist Friedrich von Closewitz Zeuge beim Verkauf von Land durch die „Edlen von Lobdeburg“.O. Dobendecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. Band IV, 1939, Seite 393
1309 wird ein Theodericus de Closwitz genanntUrkundenbuch Jena Band I, 78 und 1317 verschenkt ein Heinrich von Closewitz einen Weinberg dem Nonnenkloster in Jena.Urkundenbuch Jena Band I, 92 Im Jahr 1351 verkauften die Herren von Molwitz die Vogtei und das Gericht zu Closewitz und das wüste Dorf Ziskau, welches sie von den Herren von Heldrungen erhalten hatten, dem Zisterzienserinnenkloster in Jena. Bis zur Reformation wurde Closewitz vom Propst der Stadtkirche St. Michael in Jena kirchlich versorgt. Nach der Schließung des Nonnenklosters 1545 kam Closewitz an das Amt Jena.
In der Nähe von Closewitz liegen zwei Wüstungen, welche vermutlich beide im Thüringer Grafenkrieg von 1342 bis 1346 zerstört wurden. Die Wüstung Ziskau (auch Czizow, Czischko oder Zittkau) liegt westlich des Dorfes und wurde 1351 als wüst bezeichnet. In Urkunden des 14. Jahrhunderts kommt der Familienname „Cyscowe“ oder „Cystowe“ vor. Die Wüstung Schondorf oder Schöndorf genannt liegt nordöstlich von Closewitz. Noch heute existiert der Flurname „der Schöndorfer Garten“ und auf alten Karten findet sich der Schondorfer Graben nördlich des Rautals. Der Ort wurde 1355 als wüst bezeichnet. Die Einwohner beider Dörfer siedelten vermutlich nach Closewitz um.
Neuzeit miniatur|hochkant|Gedenkstein für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
1672 soll bei Closewitz ein festes Schloss gestanden haben, die Huneburg oder Wimmelburg, was aber umstritten ist.
Während des Vierten Koalitionskrieges fand am 14. Oktober 1806 unmittelbar am Dorf die Entscheidungsschlacht zwischen den Truppen Napoleons und der preußischen Teilarmee unter Führung des Fürsten von Hohenlohe-Ingelfingen statt, die als Schlacht bei Jena und Auerstedt in die Geschichte einging. An den Vorabenden der Schlacht erstreckt sich die preußische Aufstellung von Vierzehnheiligen, dem späteren Brennpunkt der Schlacht, bis nach Closewitz und Rödigen. In Closewitz begann am 14. Oktober die Schlacht bereits in den frühen Morgenstunden. Der Ort wurde nach heftigen Kämpfen durch die Franzosen besetzt. Zwischen Closewitz und dem westlich gelegenen Lützeroda stieß die französische Armee auf die gegnerischen Preußen, die sich daraufhin zurückziehen mussten. Die Schlacht verlagerte sich ab den späten Vormittagsstunden nach Vierzehnheiligen und Krippendorf. Napoleon befahl, die vorgeschobenen preußisch-sächsischen Stellungen erst bei den Dörfern Lützeroda und Closewitz und danach bei Rödigen und Lehesten anzugreifen. Es gelang den französischen Truppen, diese Einheiten von dem nebeligen Schlachtfeld abzudrängen.
1875 wurde im Ort eine Dorfschule errichtet, die bis in die 1940er Jahre genutzt wurde. Bereits im Jahr zuvor erhielt der vergleichsweise kleine Ort eine eigene Hebamme. Im Jahr 1897 musste die Hebamme Steiniger ihr Amt wegen Krankheit jedoch niederlegen. Neue Hebamme für Closewitz wurde Emilie Linz, eine Zimmerin aus dem Nachbarort Lützeroda, die auch noch den Ort Cospeda betreute. Bei armen Schwangeren erhielt die Hebamme 5 Mark je Entbindung, welche die drei Gemeinden aufbringen mussten.
1908 wurden eine Wasserleitung und Speicherbecken nordöstlich des Ortes erbaut. Nachdem 1939 ein 110 ha großes Grundstück im Closewitzer Forst an das Deutsche Reich verkauft worden war, wurde hier ein Truppenübungsplatz für die Wehrmacht eingerichtet, der mit weiteren angekauften Grundstücken der Nachbargemeinde Cospeda erweitert wurde.
Zeit des Nationalsozialismus und Nachkriegszeit Von 1943 bis 1945 wurden in Closewitz ausgebombte Bewohner der Industriestädte untergebracht. Mit ihnen und den Umsiedlern aus den deutschen Ostgebieten stieg die Bevölkerungszahl zeitweise auf ca. 300 Einwohner an. Außerdem waren ab Anfang der 1940er Jahre auf den Bauernhöfen des Ortes Zwangsarbeiter aus Polen und Frankreich im Einsatz.
1944 wird ein britisches Kampfflugzeug in der Nähe des Ortes abgeschossen. Der Pilot kann sich mit dem Fallschirm retten und wird von den Einwohnern des Ortes festgesetzt. Im Frühjahr 1945 wurden bei einem Luftangriff auf Jena die für das Stadtgebiet bestimmten Bomben von einem Piloten der Royal Air Force zu früh ausgeklinkt und verfehlten den Ort nur um einige hundert Meter. Noch heute sind im Rautal, nahe der sogenannten Panzerstraße, einige von den ursprünglich etwa zehn Bombentreffern im Wald zu sehen. Die Ursache für das verfrühte Ausklinken der Bomben ist nicht bekannt. Während des Zweiten Weltkriegs fanden im Gebiet des Ortes keine Kampfhandlungen statt. Allerdings wurde beim Einmarsch der Streitkräfte der Vereinigten Staaten im April 1945 ein Einwohner getötet, als US-amerikanische Soldaten mit Panzern einrücken und auf dem Dorfplatz das Feuer mit Maschinengewehren auf ihnen verdächtig erscheinende Bauernhöfe eröffnen.
Durch das Potsdamer Abkommen wurde Thüringen Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Nach dem Abzug der US-amerikanischen Truppen im Sommer/Herbst 1945 übernahmen die sowjetischen Streitkräfte zunächst den Ort, um wenig später eine Garnison in den ehemaligen Wehrmachts-Kasernen in Jena-Nord einrichten. Der 1939 für die Wehrmacht angelegte Truppenübungsplatz wurde ab dieser Zeit bis zum Abzug der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland in den frühen 1990er Jahren von der in Jena-Zwätzen und Jena-Löbstedt ansässigen 79. Garde-Panzerdivision der 8. Gardearmee genutzt.
Da die Schulstelle in Closewitz im Dezember 1945 verwaist war, übernahm ein Lehrer aus dem Nachbarort Krippendorf für 3 Tage wöchentlich eine Vertretung. In den Jahren 1946 bis mindestens 1948 war die Dorfschule mit einer Lehrerinnenvollstelle besetzt. Die Lehrerin wohnte auch selbst in Closewitz. Die Dorfschule war jedoch nur einzügig, d. h., dass die Klassen 1 bis 8 gemeinsam unterrichtet wurden. Dabei saßen die Erstklässler auf der ersten Reihe, die 8. Klasse auf der letzten. Schon zu dieser Zeit bestand die Möglichkeit, zur Volksschule nach Cospeda zu wechseln, wo die Klassen 1 bis 4 und die Klassen 5 bis 8 getrennt unterrichtet wurden. In den 1950er und 1960er Jahren besuchten dann alle Closewitzer Schulkinder die Schule in Cospeda. Durch den Neubau einer Schule im Nachbarort Stiebritz im Jahr 1975 verlor das Gebäude seine Funktion als Schulgebäude endgültig, wird aber als Gemeinderaum teilweise weiter genutzt.
Ende Dezember 1945 mussten etwa 50 Heimatvertriebene in Closewitz untergebracht werden. Sie wurden von den Dorfbewohnern mit Pferdegespannen vom Bahnhof in Jena abgeholt und ihre Verpflegung musste von der Gemeinde gesichert werden. Es waren meist Familien, die hier ankamen. Sie wurden im Saal des einzigen Gasthofes vorwiegend auf die Bauernhöfe aufgeteilt. Die Bauern suchten sich dabei die Familien aus, die bei der Arbeit in der Landwirtschaft am erfolgreichsten eingesetzt werden könnten. Am 19. April 1946 wurde vom Gemeinderat ein Wohnungsausschuss gebildet, um die Umsiedler besser unterzubringen.
Die Entwicklung des Ortes in der DDR