Heilbronn Hauptbahnhof (kurz: Heilbronn Hbf) ist der größte und bedeutendste Personenbahnhof der baden-württembergischen Großstadt Heilbronn. Seit 1848 gibt es eine Schienenverbindung in die Stadt, seit 1874 befindet sich der Hauptbahnhof am heutigen Standort. Das ursprüngliche Empfangsgebäude, welches durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist nach dem Krieg durch einen bis heute genutzten Neubau im Stil der Nachkriegsmoderne ersetzt worden. Dieser steht heute als Zeugnis der Architektur der 1950er-Jahre unter Denkmalschutz.

Im Laufe der Zeit hat sich der Hauptbahnhof zu einem Knotenpunkt im Regionalverkehr entwickelt, da hier die Bahnstrecken von Mannheim beziehungsweise Heidelberg, Karlsruhe und Crailsheim auf die Strecke der Frankenbahn von Stuttgart nach Würzburg treffen. Seit 2001 verkehren zudem Stadtbahnzüge, die nach dem sogenannten Karlsruher Modell betrieben werden, über den Vorplatz des Bahnhofes.

Täglich werden am Bahnhof insgesamt rund 14.000 Reisende und Besucher sowie rund 315 An- und Abfahrten gezählt.

Lage Der Hauptbahnhof liegt etwa einen Kilometer westlich der Stadtmitte von Heilbronn auf einer knapp einen Kilometer breiten Insel, die im Osten vom Neckar-Altarm und im Westen vom Neckarkanal umflossen wird. Jenseits des Neckarkanals im Südwesten liegt der nahe Heilbronner Güterbahnhof. Der ziemlich genau östlich verlaufende Straßenzug mit Bahnhofstraße, Friedrich-Ebert-Brücke (über den Neckar-Altarm) und Kaiserstraße verbindet den Hauptbahnhof mit dem historischen Zentrum Heilbronns um den Marktplatz.

Geschichte Erster Bahnhof von 1848 mini|Lithographie des ersten Heilbronner Bahnhofes, Zustand etwa 1855

Nachdem im Jahre 1835 erstmals eine von Lokomotiven betriebene Eisenbahnlinie in Deutschland eröffnet worden war, nahmen die verschiedenen deutschen Staaten in der Folgezeit zahlreiche Neubauten von Schienenstrecken in Angriff. In diesem Zuge errichteten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen in den Jahren 1844 bis 1848 die Nordbahn als Schienenverbindung der Landeshauptstadt Stuttgart mit dem weiter nördlich gelegenen Heilbronn. mini|Empfangsgebäude des alten Bahnhofs 2007 Dies machte auch den Bau eines Kopfbahnhofes mit Empfangsgebäude in Heilbronn notwendig. Mit der Planung dieses Baus wurde der Eisenbahningenieur und Architekt Karl Etzel beauftragt, der in den Jahren 1848/1849 ein markantes dreigeschossiges Gebäude aus Heilbronner Sandstein im Rundbogenstil des Klassizismus entstehen ließ. Das Gebäude wurde allerdings erst ein Jahr nach Fertigstellung der Bahnlinie am 2. August 1849 eröffnet, die Wartesäle folgten am 16. August 1849. Die Gleise lagen zu der Zeit noch im Verlauf der heutigen Bahnhofstraße, der Bahnhofsvorplatz befand sich auf der der Stadt abgewandten Seite.

Mit der Eröffnung der Kocherbahn nach Schwäbisch Hall am 4. August 1862 und der Verlängerung der Nordbahn bis nach Jagstfeld (heute: Bad Friedrichshall Hbf) am 11. September 1866 stand fest, dass die bisherige Bahnhofsanlage den wachsenden Verkehr nicht mehr bewältigen können würde. Dies führte zum Bau des zweiten Bahnhofs, welcher unweit seines Vorgängers im Jahre 1874 eröffnet wurde. Das Gebäude des ersten Heilbronner Bahnhofs blieb dennoch bestehen, brannte allerdings beim Luftangriff auf die Stadt am 4. Dezember 1944 aus. Bereits 1948 wurde es aber unter Verwendung einer neuen, vereinfachten Dachkonstruktion wieder genutzt.Die erste Eisenbahn nach Heilbronn vor 100 Jahren. In: Historischer Verein Heilbronn: Jubiläumsschrift. Historischer Verein, Heilbronn 1951 (Veröffentlichung / Historischer Verein Heilbronn, 20) Es diente der Deutschen Bundesbahn in der Nachkriegszeit für Registratur und Verwaltung und beherbergte Sozialräume des Bahn-Unternehmens Regional Bus Stuttgart. So konnte das Gebäude als Kulturdenkmal bis heute erhalten werden. Seit seiner Restaurierung für 3,5 Millionen Euro in den Jahren 2004 und 2005 beherbergt es die Leitung und Verwaltung des Heilbronner Kolping-Bildungswerks sowie dessen Abendgymnasium.

Zweiter Bahnhof von 1874 mini|Empfangsgebäude des neuen Bahnhofs um etwa 1900 Die Änderung der Streckenführung und die Intensivierung des Verkehrs führten 1874 zur Eröffnung des zweiten Bahnhofes der Stadt an der heutigen Stelle. Der Bahnhof entstand als Durchgangsbahnhof mit nördlich des Gebäudes liegenden Gleisen. Das Empfangsgebäude wurde nach Plänen von Conrad Schurr und Otto Bonhöffer im Stil der Neorenaissance errichtet.

In diese Zeit fielen auch die Planungen um eine Schienenverbindung zwischen Heilbronn und Karlsruhe, welche als Kraichgaubahn am 10. Oktober 1878 zuerst im Abschnitt zwischen Heilbronn und Schwaigern eröffnet wurde, bevor ab dem 7. August 1880 die Strecke auf ganzer Linie in Betrieb genommen werden konnte.

mini|Bahnhofsvorplatz und damaliger Hauptbahnhof im Jahre 1904 mini|Luftbild des Bahnhofs und seiner Umgebung im Jahre 1918

Am 1. Dezember 1896 begannen die Arbeiten zum Bau einer Straßenbahn in Heilbronn, deren Stammlinie vom Hauptbahnhof zur Harmonie und weiter zur Füsilierkaserne am 29. Mai 1897 den Betrieb aufnahm. Bis 1928 wurde das Liniennetz der Heilbronner Straßenbahn weiter ausgebaut, eine Seitenlinie verband den Hauptbahnhof mit dem Heilbronner Südbahnhof, wo in die Züge der im Dezember 1900 eröffneten Bottwartalbahn nach Marbach am Neckar umgestiegen werden konnte.

Beim verheerenden Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 wurde das Empfangsgebäude zerstört. Weiteren Schaden nahm das Gebäude bei Straßenkämpfen im Jahr 1945.

Zu einem merkwürdigen Ereignis kam es nach Ende des Zweiten Weltkrieges in der Ruine des zerstörten Bahnhofs. Der später berühmt gewordene Künstler Joseph Beuys kam als heimkehrender Soldat mit einem Zug abends am Heilbronner Hauptbahnhof an, wo ihm ein Beamter die für seine Weiterfahrt benötigten Papiere hätte aushändigen sollen. Da dieser sich aber weigerte, bedeutete dies, dass Beuys im Wartesaal des Hauptbahnhofs hätte übernachten müssen. Um dies zu verhindern, schlug Beuys den Mann um und schaltete in der zerstörten Schalterhalle des Bahnhofsgebäudes den Hauptstrom für den Bahnhof ab. Im anschließend entstehenden Chaos konnte Beuys seine beschlagnahmten Papiere entwenden und seine Fahrt unbemerkt fortsetzen. Sein bekannt gewordenes Zitat

bezieht sich auf diesen Umstand. Die von ihm als Aktion Hauptstrom bezeichnete Tat findet sich auch in einigen seiner Werke wieder.

Im Jahr 1956 wurden schließlich die Ruinen des zerstörten Empfangsgebäudes abgerissen. Die Fundamente wurden aber beim Bau des heutigen Empfangsgebäudes von 1958 weiter verwendet.

Umbauten und Sanierung seit den 1990er Jahren Mit der Einstellung der Abfertigung der Wagenladungen im Güterverkehr am Bahnhof Schwaigern (Württ) übernahm der Heilbronner Hauptbahnhof zunächst die Abfertigung für Schwaigern.

Seit dem 1. Januar 1997 ist der Heilbronner Hauptbahnhof Teil des neugeschaffenen Verkehrsverbundes Heilbronner Nahverkehr, in dessen Zone A er sich befindet.

Ende der 1990er Jahre wurde die Verbindungskurve von der Kraichgaubahn in den Bahnhofsteil Heilbronn Gbf (Strecke 4911), die im Bahnhofsteil Heilbronn Hbf Em endete, stillgelegt. Anfang der 2000er Jahre wurde das westliche Gleisvorfeld umgebaut, um die Strecke der Stadtbahn Heilbronn dort beginnen zu lassen. mini|Die Straßenseite des Bahnhofsgebäudes 1970, damals noch ohne die heute bestehende Stadtbahnhaltestelle Im Zuge des Programms Renaissance der Bahnhöfe ließ die Deutsche Bahn um die Jahrtausendwende die Empfangshalle des Bahnhofs teilweise umbauen. Mit dem Ziel, bisher nicht genutzte Bereiche für die Reisenden nutzbar zu machen, entstand in der ehemaligen Gepäckaufbewahrung ein neues DB Reisezentrum nach dem Design von Michele de Lucchi. Ein besonderes Augenmerk lag dabei darauf, die ursprüngliche Innenarchitektur des Bahnhofs wieder verstärkt herauszuarbeiten. Der ursprüngliche Lagerkeller der Bahnhofsgaststätte, welcher sich etwa auf Höhe der Unterführung befindet, wurde zu einem Hygienezentrum mit angeschlossenem Bereich für Schließfächer umgebaut. Diese Maßnahmen kosteten die Deutsche Bahn damals 3,7 Millionen D-Mark. Zusätzlich wurden auch die heutige Bahnhofsbuchhandlung und ein Betriebsrestaurant neu geschaffen.

2011 wurden vier Personenaufzüge zu den Bahnsteigen eingebaut, was etwa 3,1 Millionen Euro kostete.

Am 5. August 2012 fand aus Anlass des 150-jährigen Jubiläums der Hohenlohebahn ein Bahnhofsfest statt, das auch vom baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann besucht wurde. Ein Sonderzug in Form des historischen Fernzugs TEE Rheingold brachte die Ehrengäste von Heilbronn weiter zum Öhringer Hauptbahnhof. mini|316x316px|Blick auf den Hbf über den Gleisen 3 und 4, 2024 Die bereits für die Jahre 2012 bis 2014 geplante Erhöhung der Bahnsteige von 36 auf 55 Zentimeter samt Erneuerung der Beleuchtung und Verbesserung der Gestaltung der Unterführung wurde ab März 2017 durchgeführt und somit rechtzeitig vor der Bundesgartenschau abgeschlossen. Hierzu wurde bis Ende Juni 2017 der zu den Fahrrad- und Taxistellplätzen führende Teil des Bahnsteigdachs abgerissen. Nach Schätzungen aus der Planungszeit sollte dies 3,6 Millionen Euro kosten, wovon die Stadt Heilbronn etwa 1 Million Euro zahlen sollte. links|mini|299x299px|Gleisvorfeld Heilbronn Hbf in Richtung Neckarsulm und Trappensee, 2024 Im Bahnhof wurde eine Abschnittsteilung der Gleise 4 und 5 umgesetzt.

2019 nutzten pro Tag etwa 12.000 Reisende die Station.

Ende 2019 wurde die Stilllegung des Gleises 216 (ehemals Gleis 21) genehmigt.

Der Bahnhof ist einer von 16 „Zukunftsbahnhöfen“ der Deutschen Bahn, in denen neue Angebote für Reisende getestet werden.

Unfälle Am 6. November 1853 ereignete sich der erste für den Heilbronner Hauptbahnhof dokumentierte Eisenbahnunfall, bei dem der Stehkessel der auf den Namen „Besigheim“ getauften Lok 11 der Klasse III der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen explodierte. Zum Zeitpunkt des Zerknalls befand sich die Dampflokomotive auf der Reinigungsgrube vor dem Lokomotivschuppen. Der Unfall forderte ein Todesopfer, drei Menschen wurden schwerverletzt. Grund für die Explosion war nicht ein Fehler des Lokomotivpersonals, sondern eine Schwachstelle in der Konstruktion. Diese wurde bei allen nachfolgenden Lokbauten beseitigt.Die Explosion eines Lokomotivkessels auf der Württembergischen Staatseisenbahn. Bericht in der Eisenbahn-Zeitung vom 6. Januar 1854, S. 1. Am 20. Dezember 1922 überfuhr ein aus Richtung Norden kommender Güterzug das Einfahrsignal des Heilbronner Hauptbahnhofs und stieß daraufhin mit dem ihm entgegenkommenden Personenzug 406 zusammen.

Bauwerke Empfangsgebäude Hellmut Kasel hatte die Bauleitung des 1958 entstandenen Hauptgebäudes inne, dem ein Vorentwurf von Emil Schuh zugrunde lag. Sein Vordach ist beispielhaft für die Flugdach-Architektur dieser Zeit.Bernhard Lattner mit Texten von Joachim J. Hennze: Stille Zeitzeugen. 500 Jahre Heilbronner Architektur. Edition Lattner, Heilbronn 2005, ISBN 3-9807729-6-9, S. 123 mini|Haupteingang des Bahnhofs (Dezember 2007) Das Empfangsgebäude ist eine 120 m lange Beton-Glas-Konstruktion; an seiner Dachhaut ist ein Kupferband angebracht. Sein mittlerer Teil ist eine 40 m lange, 11,5 m breite und 7,5 m hohe gestreckte Halle mit Glasfront. Der Fußboden der Empfangshalle ist mit Jura-Platten belegt, die Wände sind mit Jura- und Travertin-Platten verkleidet. Die Decke ist eine Rabitzkonstruktion mit Feldern aus blauem Spritzputz.

Vertikale und horizontale Linien gliedern die gesamte Empfangshalle. Die südöstliche, zur Stadt hin schauende Längsseite besteht fast ganz aus Glas. Leisten aus eloxiertem Leichtmetall gliedern die weiträumigen Verglasungen und halten sie zugleich zusammen. In der Nacht erleuchtet ein Lichtband das Flugdach vor dem Eingang.

Westflügel: Mädchen mit Fisch, Wandmosaik und Buntglasfenster